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Paddy Holohan: „Was auch passiert, Sonntag sitze ich lächelnd im Pub“

Kann Samstag kaum noch abwarten: UFC-Dublin-Hauptkämpfer Paddy Holohan (Foto: Florian Sädler/GNP1.de).

Gab es jemals einen schwächeren Hauptkampf in der mittlerweile 335 Veranstaltungen umfassenden Geschichte der UFC? Man wird sich zumindest schwertun, einen Main Event mit weniger Starpower auszugraben als das Fliegengewichtsduell zwischen Paddy Holohan und Louis Smolka. Gleichzeitig bekommt so einer der charismatischsten Kämpfer der Liga die Bühne, um die er jahrelang gerungen hat: Für den Dubliner Holohan geht es am Samstag um mehr als nur den nächsten Schritt zum Titelkampf.

„Ich repräsentiere hier nicht nur MMA. Ich repräsentiere eine ganze Nation“, weiß Holohan. Beim UFC-Media-Day am Donnerstag machte der „Hooligan“ keinen Hehl aus der Last, die erst seit Mittwoch auf seinen Schultern liegt, als Joseph Duffy seinen Kampf gegen Dustin Poirier wegen einer Gehirnerschütterung absagen musste: „Manch einer sagt jetzt, ich müsste das ganze Gewicht dieser Verantwortung tragen, und das stimmt. Das ist genau das, was ich tue, und ich schaffe das – überhaupt kein Problem.“

Genau wie sein polarisierender Trainingspartner Conor McGregor, ist Holohan seiner Heimat stark verbunden – der 27-Jährige hat nie anderswo gelebt, hat in Irland eine Familie gegründet und gibt offen zu, dass er schlechter kämpft, je mehr Kilometer ihn von Zuhause trennen. Kein Wunder also, dass UFC Dublin ihm mehr bedeutet als nur der nächste Schritt seiner Karriere: „Das hier ist größer als MMA. Wer das hier unterstützt, unterstützt ganz Irland“, so Holohan mit der Begeisterung eines 5-Jährigen an Weihnachten.

„Das ist das gleiche, als wenn du Produkte aus der Gegend kaufst – man unterstützt damit das Land an sich: Plötzlich wollen die Leute nach Irland kommen und wir füllen Croke Park (Fußballstadion in Dublin, d. Red.) zwei Mal im Jahr. Das wären 160.000 Menschen, die im Jahr aus der ganzen Welt nach Irland kommen. Wir öffnen Türen für gigantische Projekte – darum geht es hier.“

Trotz allem ist der Platz im Hauptkampf auch für den „Hooligan“ selbst von immenser persönlicher Bedeutung. Als die UFC zum letzten Mal in Dublin zu Gast war, startete Holohan das Vorprogramm im ersten Kampf des Abends – 15 Monate später ist er die Hauptattraktion. Der vorläufige Höhepunkt einer langen und oft beschwerlichen Reise: „Meine Botschaft war immer – und ich glaube, es war mein Großvater, der das gesagt hat: ‚Wenn du flach mit dem Gesicht aufschlägst und danach wieder aufstehst, wirst du erfolgreich sein.’“

Holohans Bilanz zeigt zwar nur eine einzige Niederlage – eine verlorene Punkentscheidung gegen Chris Kelades im Oktober 2014 – wie so oft erzählt die Statistik aber nicht die ganze Geschichte: Holohan ist sehr wohl harte Zeiten gewohnt. Vor Jahren war er einer derjenigen, die mit Kämpfen in zwielichtigen Discotheken und abgewrackten Turnhallen die Basis gelegt haben für den Erfolg, den das irische MMA im Jahr 2015 genießt.

Auch, als es so aussah, als wenn die UFC niemals Fliegengewichtskämpfer im Octagon antreten lassen würde, blieb Holohan bei der Stange. Der Liebe zum Sport und einer irischen Kämpfer-Mentalität sei Dank: „Du wirst nie etwas anfangen und ohne Umwege direkt an die Spitze gehen. So funktioniert das nicht – wenn du eine Sache anpackst, dann musst du dir im Vorhinein bewusst sein, dass du das Kinn runter nehmen und die Deckung hoch halten musst, wenn du in schwieriges Terrain gerätst.“

Den Kampfsport nutzt Holohan aus offensichtlichen Gründen gern als Metapher, der „Hooligan“ findet aber früher oder später immer einen Weg, jede Interviewfrage auf das Leben an sich zu beziehen.

„Selbst, wenn es ein oder zwei Jahre braucht, um aus dem Gröbsten herauszukommen – ob das jetzt Suchtprobleme sind, Schulden oder irgendetwas anderes, das dich davon abhält, im Leben Fortschritte zu machen. Am Ende des Tages schert sich niemand darum, es geht um dich und um dich allein. Wenn du die Schule fertig hast und deinen eigenen Träumen folgst, dann bist du verantwortlich für das gute, das passiert, und auch für das schlechte.“

Für Holohan hast dieses Prinzip funktioniert, der Rat seines Großvaters hat ihn weit gebracht. Gerade in den letzten paar Tagen war zwar auch jede Menge Glück im Spiel, trotzdem ist UFC Dublin für Holohan einzig die logische Konsequenz jahrelanger, harter Arbeit. Natürlich spürt er den Druck, an seiner Einstellung ändert das aber absolut gar nichts.

„Ich freue mich immer noch genauso auf den Sonntag (nach dem Kampf). Ich gehe da raus und kämpfe so hart wie ich kann. Ich gebe alles und dann wache ich Sonntag auf und spiele mit meinem Sohn, gehe mit meinem Hund spazieren und trinke abends ein Bierchen (…). Es gibt da einen Pub in meiner Nachbarschaft, da werde ich drin sitzen und lächeln. Egal, was Samstag passiert.“