Interviews

Nick Heins Schwager Drew Dober im Interview vor UFC 195

Drew Dober mit Nick Hein, bevor er sich mit ihm verschwägerte (Foto: Nazariy Kryvosheyev).

Das blaue Auge deutet es schon an: Drew Dobers Weihnachtszeit war dieses Jahr nicht so pralle. Das breite Dauergrinsen ist trotzdem noch intakt, als wir uns eine Woche vor UFC 195 per Skype in ein kleines Apartment in Denver schalten, in dem Dober das Fest der Liebe allein mit Mager-Hähnchen und Gemüse auf dem Sofa verbracht hat.

„Es war ein ganz normaler Tag für mich“, so der 27-Jährige Amerikaner über seine dieses Mal wenig feierlichen Feiertage. „Ich konnte nicht einmal nach Hause, um meine Familie zu sehen, weil ich, naja, Leute verprügeln muss und so.“

Und das auch noch am 2. Januar, womit Dober über Silvester gleich die zweite Gelegenheit zum hemmungslosen Vollstopfen verpassen wird, weil er das Leichtgewichtslimit von 70 Kilo erreichen muss: „Am 1. Januar werde ich definitiv dehydriert und hungrig sein und nicht um Mitternacht noch draußen sein und feiern.“

Andere Menschen bezahlen eine große Stange Geld, um den Jahreswechsel in Las Vegas miterleben zu können, Dober aber ist sich sicher, den Versuchungen Sin Cities auch in einem Hotel inmitten des berühmt-berüchtigten Strips standhalten zu können. Einigermaßen sicher zumindest: „Ich meine, wer weiß, vielleicht werde ich lange aufbleiben, um Silvester mitzuerleben, aber ehrlich gesagt will ich das neue Jahr einfach mit einem Sieg begrüßen. Und das könnte beinhalten, dass ich (an Silvester) früh ins Bett gehe.“

Für die Quälerei am 1. Januar will Dober sich am 2. Januar belohnen. Dann wird er in der MGM Grand Garden Arena als Teil des Vorprogramms von UFC 195 ins Octagon steigen. Ursprünglich war der Thaibox-Spezialist für einen Kampf gegen Veteran Erik Koch eingeplant, der sich jedoch verletzte und von Scott Holtzman ersetzt wurde.

Schlagkräftige Vorsätze für 2016

„Hot Sauce“ Holtzman debütierte im Sommer mit einem Aufgabe-Sieg gegen Anthony Christodoulou in der UFC und ist auch in seinen sieben Kämpfen zuvor ungeschlagen. Für Dober kein Grund zur Sorge: „Scott wird super-selbstbewusst in den Kampf gehen, aber ich denke, dass ich davon profitieren kann, dass er dadurch möglicherweise etwas zu selbstsicher ist. Er hat noch nie gegen jemanden wie mich gekämpft, und obwohl ich denke, dass er sehr talentiert ist, hatte er noch nie mit den Problemen zu tun, die ich ihm vorsetzen werde.“

Der Kampf ist immens wichtig für Dober, der 2015 in zwei Kämpfen sieglos geblieben ist. Vor einem knappen Jahr konnte er den ehemaligen WEC-Champion Jamie Varner in der ersten Runde durch Aufgabe bezwingen, seitdem aber musste er einen ‚No Contest‘ gegen Leandro Silva und eine schnelle Aufgabe-Niederlage gegen Efrain Escudero hinnehmen.

Und obwohl die UFC in den letzten Monaten wieder verstärkt Kämpfer vor die Tür gesetzt hat, die zuletzt verloren haben, kann der Druck dem Lächeln in Dobers Gesicht nichts anhaben. Stattdessen macht er bereits Pläne für das nächste Jahr, will „in die Ranglisten kommen“, „so viele Kämpfe wie möglich“ bestreiten und „den Zuschauern eine spektakulärere Show bieten.“

Das wurde bisher immer wieder durch unglückliche Umstände verhindert. Seinen ersten Kampf bestritt Dober als kurzfristiger Ersatzkämpfer außerhalb seiner angestammten Gewichtsklasse. Der Sieg gegen Varner wurde eingeleitet durch einen verkorksten Slam seines Gegners, der Kampf gegen Silva im März wurde abgebrochen, nachdem der Ringrichter als einziger in der Halle einen Tap von Dober gesehen haben wollte und im Juni erwischte Escudero den gelernten Thaiboxer nach einer knappen Minute in einem Guillotine Choke. Die Zuschauer wirklich von den Sitzen zu reißen, dazu hatte Dober trotz mehr als zwei Jahren in der UFC bisher kaum eine wirklich gute Gelegenheit.

„All diese Situationen zeigen nur eines: Wenn ich in den Käfig steige, wird etwas Interessantes passieren“, lacht er. Andere könnten ihre Frustration in einer derartigen Situation kaum verbergen, Dober dagegen schafft es, daraus etwas Positives zu ziehen. „Man sollte also definitiv einschalten, weil ich keine normalen oder langweiligen Kämpfe habe.“

Sicher im Hafen der Ehe eingelaufen

Der einzige Kampf in Dobers UFC-Karriere, der ohne Kontroverse, Verletzungen, unglückliche Umstände oder ein schnelles Ende verlief, war der im Mai 2014 in Berlin gegen Nick Hein. Dafür war das Nachspiel seiner Punktniederlage gegen den „Sergeant“ umso außergewöhnlicher – Hein lud Dober nach ihrer Drei-Runden-Schlacht auf die After Party ein, wo sein geschlagener Kontrahent mit seiner Schwester ins Gespräch kam.

Im anschließenden Sommer besuchte Gloria Hein den UFC-Kollegen ihres Bruders in Denver, zu Weihnachten kam Dober zurück nach Deutschland und seit März heißt Gloria Hein nun Gloria Dober. Die Schwester seines Gegners zu heiraten, das gab es selbst im chronisch chaotischen MMA-Sport noch nicht: „Es läuft fantastisch“, lacht Dober auf Nachfrage, wie er sich in das Leben als verheirateter Mann eingewöhnt hat.

Die Geschichte ist extrem selten und sehr interessant – manchmal erwischt einen die Liebe eben an den ungewöhnlichsten Orten. Ich liebe Deutschland, ich liebe die Hein-Familie. Es läuft überaus glatt bisher, vor allem, weil Gloria die Schwester von Nick ist und den Lebensstil eines Kämpfers daher sehr gut versteht.“

Nicht nur privat hat Dobers Leben allerdings in den letzten Monaten Zuwachs bekommen – sein Gym, das Elevation Fight Team, hat den Sommer über Schlagzeilen gemacht, weil jede Menge neuer und bekannter Gesichter in Denver, Colorado eingetrudelt sind: T.J. Dillashaw, Matt Brown und Clay Guida, um nur einige zu nennen. „Es ist immer toll, mit den Leuten zu trainieren, die du im TV siehst“, freut sich Dober. „Wir hatten immer gute Leute hier, aber jetzt ist das Training noch härter geworden.“

All das – die neuen Trainingspartner, die Erfahrungen des alten Jahres und das private Glück im Hintergrund, sollen am Samstag dazu führen, dass Dober in Las Vegas seinen zweiten Octagon-Sieg einfährt, seine UFC-Karriere rettet und das neue Jahr gebührend einläutet. Keine leichte Aufgabe, aber eine, die er kaum abwarten kann: „Ich kann nur eine Vorhersage abgebe: Ihr werdet vorzüglich unterhalten werden. Es wird nicht eine langweilige Stelle in diesem Kampf geben.“

Das Vorprogramm von UFC 195, darunter auch Dober vs. Holtzman, wird in Deutschland in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 0:30 Uhr auf dem UFC Fight Pass übertragen.