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Nick Hein: „Ich will Olympiasieger Robert Harting verhaften!“

Nick Hein würde Robert Harting (r.) gern die Handschellen anlegen. (Fotos: Archiv, Wikimedia Commons)

Am Samstag wird Deutschlands härtester Bulle Nick Hein in Texas in den Käfig steigen. Vorher hat er sich bei einem aktuellen UFC-Champion noch ein paar Tipps geholt und uns anschließend verraten, dass ihn mit Diskus-Olympiasieger Robert Harting eine ganz besondere Freundschaft verbindet.

Groundandpound.de: Wenn man derzeit deinen Facebook-Account verfolgt, sieht man dich gemeinsam mit UFC-Champion Johny Hendricks in dessen Gym.
Nick Hein: Alter Schwede! Die ganze Einrichtung war beeindruckend. Johny Hendricks hat fünf Trainer, darunter ein Olympiasieger, die alle dabei sind wenn der vor die Pratzen haut. Ich kam mir wie Rocky vor, weil wir diese Mittel in Deutschland nicht haben und durch Willen wettmachen. Was Professionalität angeht, besteht bei uns definitiv Nachholbedarf.

Hat dir der Champ ein paar Tipps gegeben?
Wir haben ein bisschen gequatscht und ich habe ihm natürlich aufmerksam zugehört – er ist immerhin der amtierende Weltergewichtschampion der UFC. Ein total cooler Typ und sehr bodenständig, kam zum Schluss noch mal quer durch das Gym gelaufen, um mir die Hand zu schütteln.

Wer gewinnt den Rückkampf gegen Lawler am 6. Dezember?
Hendricks, hundertprozentig.

Auf einem Foto stehst du in einer Art Kühlkammer. Was war da los?
Eine extrem kalte Erfahrung! Wir waren bei minus 100 Grad Celsius, die können aber sogar bis minus 184 gehen. Das ist wie ein Eis-Bad, nur in drei Minuten und ohne nass zu werden. Du bringst deinen Körper damit in einen Schockzustand und das Blut in Wallung. So erholst du dich schneller und beugst Verletzungen vor. Und der Stoffwechsel wird extrem angeregt: In den drei Minuten, in denen ich da drin war, habe ich 800 Kalorien verbrannt. Dafür muss ich normalerweise zwei Stunden laufen gehen. 

Du bist schon seit Freitag in Austin. Beschreib deine ersten Eindrücke.
In Amerika ist schon alles groß, aber in Texas ist noch mal alles größer, ob das die Landschaft ist oder das Fast-Food-Angebot, das mir momentan am meisten zu schaffen macht (lacht). Ich habe hier echt mit mir zu kämpfen. Hier gibt es alle paar Meter wahre Fast-Food-Tempel, überall liegen Proben rum und ich muss daran vorbeigehen, das ist absolut gegen meine Natur. Ansonsten: Man wirft den Amerikanern ja viel vor, aber ich habe hier bisher nur das Beste kennengelernt. Ich hatte gedacht, dass ich hier, sobald ich das Land betrete, gleich an die Wand gestellt werde, mit Handschellen und Leibesvisitation (lacht). Aber alle sind sehr freundlich, I fell in love with Texas!

Wenn du nicht gerade bei Johny Hendricks rumhängst oder um Burger-Länden herumschleichst, was tust du den ganzen Tag? Beschreib uns deinen Alltag in der Fightweek.
Jetlag habe ich nicht mehr, ich bin gut drauf. Wir sind jetzt im Fighter Hotel, eine Stunde außerhalb von Austin, mitten in einem Naturschutzgebiet. Hier ist nicht so viel los. In Berlin wurde ich an die Hand genommen und von Raum zu Raum geführt. Dort stand ich mehr im Mittelpunkt, hier habe ich nicht so viele Termine und viel Zeit für mich. Ich merke, dass ich langsam in einen Tunnel komme.

Die Nervosität steigt?
Das wird sich wohl nie ändern. Ich bin sogar heute noch vor jedem Sparring nervös. Ich bin immer froh, wenn ich mit jemandem sprechen kann, das lenkt ab.

Das ist auswärts natürlich schwieriger als z.B. in Berlin.

Ich kenne das schon aus meiner Judo-Zeit, da war das Interesse auch nicht so groß. Wenn ich in Brasilien oder Moskau gekämpft habe, wurden wir in irgendeinem Loch abgesetzt, in dem wir dann ein paar Tage bis zum Kampf rumhingen. Das war noch krasser.

Bei der ganzen Freizeit hast du sicher Conor McGregors Nazi-Entgleisung gegenüber Dennis Siver mitbekommen. Was sagst du dazu?
Damit ist er definitiv übers Ziel hinausgeschossen. Er hat das auch selber eingesehen und sich unmittelbar danach entschuldigt. Aber mit Entschuldigungen ist es wie in einer Beziehung: Wenn man einmal betrügt, hat der Spiegel danach immer einen Riss. Was Conor gesagt hat, ist ihm nicht herausgerutscht, er hat das wohlbedacht auf Twitter geschrieben. Er wird auch Geschichtsunterricht gehabt haben und weiß solche Sachen einzuschätzen. Jetzt soll sich Dennis erst mal der Sache annehmen, vielleicht erledigt sich das ja von alleine.

Hast du deinen Gegner James Vick schon getroffen?
Nein noch nicht. Der Frühstücksraum ist aber nicht allzu groß, so dass er mir früher oder später über den Weg laufen wird. Mal gucken, ob ich ihn dann in den Hinterhalt locken kann (lacht). 

Vick hat in den letzten Tagen recht große Töne gespuckt.
Er hat in einem Interview erklärt, dass er mich schlagen wird. Soll er den Samstag abwarten, da überzeuge ich ihn gern eines besseren. Die Deutschen sind hier nicht zum Urlaub hergekommen!

Wenn du nächste Woche zurück bist, beginnt wieder dein eigentlicher Job als härtester Bulle Deutschlands. Welchen Kollegen aus dem Sport würdest du denn so richtig gerne mal verhaften?
Meinen Kollegen, den Diskus-Olympiasieger Robert Harting! Mit dem habe ich noch zu Judo-Zeiten mal zusammen in der Herberge in Berlin gewohnt. Der wäre genau der Richtige (lacht)!

UFC Fight Night: Edgar vs. Swanson wird in der Nacht zum Sonntag ab 1:00 Uhr live und ohne Zusatzkosten per UFC Fight Pass übertragen. Nick Hein bestreitet den vierten Kampf des Abends und wird ca. 2:30 Uhr in den Käfig steigen.