Interviews

Mousasi über Henderson-Fight und kriminelle Szene in Holland

Gegard Mousasi vor der Berliner Mauer (Foto: Dorian Szücs)

Am 24. Januar wird Gegard Mousasi in Stockholm vor 30.000 Zuschauern gegen den früheren Pride-Champion Dan Henderson in den Käfig steigen. Groundandpound.de hat exklusiv mit ihm über den Kampf, sein kürzlich gestohlenes Auto und die immer häufigeren Schock-Meldungen über kriminelle Machenschaften in Hollands Kampfsportszene gesprochen.

Groundandpound.de: Erste Frage: Hast du dein Auto inzwischen wieder?
Gegard Mousasi: Nein, in Holland taucht so was in der Regel nicht wieder auf (lacht). Aber das ist okay, ich bekomme hoffentlich Geld von der Versicherung.

Du fährst nun also wirklich in diesem roten Mietwagen umher?
Ja, zumindest für 30 Tage. So lange muss das Auto nämlich verschwunden sein, bevor ich mir vom Geld der Versicherung ein neues kaufen kann.

Oder du wartest bis zum 24. Januar und kaufst dir eins vom Fight-of-the-Night-Bonus.
Ich habe ein bisschen Geld beiseite gelegt, für ein neues Auto würde es schon reichen. Aber der Bonus wäre natürlich trotzdem eine nette Sache (lacht).

Nach einem Powerhouse in Form eines Kleiderschranks, dem unberechenbarsten Striker der UFC, einem Ringer mit dem härtesten Ground and Pound der Liga und einem wahren Submission-Magier bekommst du nun einen Octagon-Dino mit einer Atombombe als rechter Hand als nächsten Gegner. Dir setzt man immer die speziellen Jungs vor, oder?
Ich bekomme keine leichten Fights, das stimmt. (Ilir) Latifi mag noch der einfachste Gegner gewesen sein, aber den hatte ich ja damals auch nur, weil Gustafsson sich verletzt hat. Mir werden die richtig harten Nüsse vorgesetzt, aber ich will mich nicht beschweren. Nur mit solchen Kämpfen kann man sich eine Titelchance verdienen.

Nach der Niederlage gegen „Jacaré“ dürfte der Weg bis dahin nun wieder etwas länger geworden sein.
Zuletzt lief es für mich in der Tat nicht so gut, deshalb freue ich mich auf den Kampf gegen Dan. Er liegt mir vom Stil her gut, nur im Ringen ist er besser.

Das zeigt er aber kaum noch, verlässt sich meist auf seine brachiale Rechte. Ist er zu eindimensional?
Dan Henderson ist immer gefährlich. Er mag mittlerweile schon etwas über den Berg sein was Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit angeht, aber er hat noch immer seine Power und eine Menge Erfahrung.

Ihr habt beide 42 Kämpfe auf dem Buckel. Kann man da sagen wer mehr Erfahrung hat?
Henderson, weil er schon gegen die größeren Namen im Ring stand. Er ist allerdings auch schon etwas älter als ich.

„Etwas“ ist gut, Henderson ist 44. Von seinen letzten fünf Kämpfen hat er vier verloren. Warum kämpft der noch?
Das ist seine Entscheidung. Er muss selbst am besten wissen, wann es Zeit ist, die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Ich weiß nicht, warum er noch kämpft. Aber wenn er der Meinung ist, dass er das noch kann, dann soll er das auch tun.

Die Ansetzung verwundert trotzdem. Henderson hat seit Jahren nicht im Mittelgewicht gekämpft, ist im Halbschwergewicht gelistet. Außerdem hattest du vor einiger Zeit Streit auf Twitter mit Tim Kennedy, der in der UFC-Rangliste einen Platz vor dir auf der Sieben steht. Hätte der Kampf nicht eher Sinn gemacht?
Ich habe nichts gegen Kennedy, er redet einfach nur zu viel. Und das größte Problem: Er denkt nicht nach, bevor er etwas sagt. Was den Kampf angeht: Hendersons Name spielt natürlich eine Rolle, ihn zu besiegen kann auf keinen Fall schaden.


Seit sein Auto gestohlen wurde, muss Gegard Mousasi in diesem roten Mietwagen herumfahren. (Foto: Mousasis Twitter)

In den vergangenen Wochen gab es wieder vermehrt Berichte über die kriminellen Verbindungen der holländischen Kampfsportszene, u. a. die Erschießung von Hans Nijman und die Verurteilung von Hesdy Gerges. Du lebst und trainierst in Holland. Warum ist die Szene dort offenbar so fest mit der organisierten Kriminalität verbandelt?
(Überlegt lange) Schwer zu sagen. Ich glaube, Kämpfer geraten aufgrund ihrer Mentalität und ihrer Herkunft eher in kriminelle Machenschaften. Ich kann das ein Stück weit verstehen. In unserem Sport kommt man schneller mit so etwas in Berührung und viele Kämpfer tun verbotene Dinge, einfach weil sie normalerweise nicht unbedingt aus wohlhabenden Verhältnissen stammen, keinen reichen Daddy und keine reiche Mami haben. Wenn denen einer die Möglichkeit gibt, schnell viel Geld zu verdienen, dann machen da natürlich viele mit. Ich selbst hatte nie ein Problem in der Richtung, aber das kommt auch immer auf einen selbst an. Ich konzentriere mich lieber auf meine Sportler-Karriere.

Holland hat jahrelang die besten Kickboxer der Welt hervorgebracht. Warum sind nur so wenige Holländer erfolgreich in der UFC? Außer dir, Stefan Struve und eventuell noch Alistair Overeem fällt mir keiner mehr ein.
Früher gab es eine Menge Events in Holland, wie 2 Hot 2 Handle. Dort wurden viele Talente geschmiedet. Heute erlaubt die Regierung jedoch nicht mehr so viele große Veranstaltungen, es gibt nicht mehr viel MMA. Um Kämpfer aufzubauen braucht es jedoch eine Bühne. Und daran fehlt es heute. Selbst Kickboxen läuft nicht mehr so gut, weil es auch hier nicht mehr so viele Shows gibt. Mit K-1 ist nicht mehr viel los, das Niveau ist insgesamt ein wenig gesunken. Natürlich haben wir nach wie vor viele gute Kickboxer, aber im MMA geht in der Tat nicht mehr viel.

Gegard Mousasi wird in der Nacht zum 25. Januar im Co-Hauptkampf von UFC Stockholm auf Dan Henderson treffen. Den Hauptkampf bestreiten Alexander Gustafsson und Anthony Johnson. UFC Stockholm wird in Deutschland exklusiv auf UFC Fight Pass übertragen.