Interviews

"MMA hat mein Leben gerettet!"

Wesley Howard (Foto: Manuel Mauer)

Groundandpound.de: Hi Wesley, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit fürs Interview genommen hast. Kannst Du Dich bitte mal für unsere Leser vorstellen?

Hallo GnP-Team! Ich heiße Wesley Howard und bin BJJ-Kämpfer wie auch MMA-Kämpfer aus dem Fight Gym in Nürnberg.Ich bin außerdem noch selbst Trainer eines neues Teams in Erlangen, den Erlangen GHOSTDOGS und arbeite als Sozialarbeiter an einer Mittelschule... tja und weil mir das alles noch nicht genug ist, arbeite ich gelegentlich noch als Sportmodel, Schauspieler in Martialartsfilmen oder Darsteller in Fernsehbeiträgen.... also kurz gesagt: Ich bin Worcaholic! l(acht)

Eine ganz simple Frage zu Anfang, für was steht eigentlich das „TC“ in Deinem Namen?

Das TC steht für TOPCAT. Das war eine Zeichentrickserie aus den 60ern, die hieß auf Deutsch „Der Superkater“. Das war eine Katze, die in der Mülltonne lebte und immer irgendetwas mit ihrer Katzengang ausgefressen hat. Da ich großer Katzenfan bin,die Sendung toll war und die charakterlichen Züge auf mich zugetroffen haben, blieb dieser Spitzname nun seit über 20 Jahren an mir haften.

Wir hatten vor kurzem das Vergnügen, bei GMC 3 ein Interview für GnP-TV zu machen und Du hattest den Satz gesagt: „MMA hat mein Leben gerettet“ (GnP-TV Interview). Was hast Du genau damit gemeint?

MMA wurde zum Ventil für angestaute Aggressionen und das Training lehrte mir sehr viel über Disziplin und Durchhaltevermögen. Welches sich dnn auch auf mein Leben ausgewirkt hat. Vor allem BJJ und die Philosophie dahinter half mir sehr. Ich sag immer, nichts holt einen so auf den Boden wie Brazilian Jiu-Jitsu.

Vor kurzem konnte man in der Zeitung einen Artikel lesen, der sich mit Deiner Vergangenheit in Deiner Heimatstadt Bayreuth beschäftigt hat. Könntest Du unseren Lesern mal in eigenen Worten Deine Vergangenheit beschreiben?

Gut, meine Vergangenheit ist nichts Besonderes, denn leider gibt und gab es sehr viel, denen es genauso oder noch schlechter erging als mir. Es kommt eben immer drauf an, aus welchem Standpunkt man es sieht. Jetzt wo ich ein einigermaßen normales Leben führe, sehe ich natürlich noch mehr, dass die Umstände, in die ich mich zum größten Teil selbst hineingebracht habe, nicht ganz okay waren und ich völlig falsche Ansichten hatte. Ich war ein Rebell wie er im Buche steht. Und heute weiß ich, ich war ein sehr schwaches Kind und ein riesen Feigling. Ich war sehr schnell eingebrochen, wenn ich gewisse Lebensaufgaben nicht meistern konnte und ich hatte riesen Angst vor Konfrontationen. Diese Schwäche und diese Angst brachte mich bis zur 6. Klasse immer in eine Opferrolle, bis ich irgendwann merkte, dass ich dieser Angst mehr ausweichen kann, wenn ich selbst zum Täter werde und so fing ich an zuzuschlagen. Ich dachte, je schlimmer mein Ruf wird, desto mehr werde ich in Ruhe gelassen. Falsch gedacht! Denn es gab immer wieder Leute, denen ich nicht gewachsen war, und das wäre schon einige Male fast fatal ausgegangen. Nun mag sich das anhören wie eine Geschichte aus der Bronx oder aus Johannesburg und nicht wie aus Bayreuth der Festspielstadt. Aber ich bin mir sicher, einige von den Lesern wissen vielleicht selbst, dass es in jeder Stadt so etwas wie eine „andere Welt“ gibt. Wenn man in bestimmten Kreisen verkehrt oder in bestimmten Stadtteilen aufwächst und sich nicht verstecken möchte oder nicht schlau genug ist, einen anderen Weg zu finden. Da kommt man zwangsläufig mit dieser Welt in Berührung und dann muss man sich auch durchsetzen können. Prügeleien, Massenprügeleien, Messerattacken, unerlaubter Waffenbesitz, Raub usw. waren ein großer Bestandteil meines Lebens..

Wie schwer war die Zeit für Dich? Was hat Dir die Kraft gegeben, Dich da raus zu kämpfen und auf dem richtigen Weg zu bleiben?

Nun ja, die schlimmste Zeit begann, als ich es irgendwann nicht mehr geschafft habe, mich der Verführung der Drogen zu widersetzen. Meine Ausrede war dann, dass die Drogen mir helfen, meine Gewalt zu unterdrücken und sie waren natürlich eine super Möglichkeit, meine Angst noch mehr zu verdrängen und stattdessen in ganz andere Welten zu flüchten. Um es nicht ganz so lang zu machen: Drogenmissbrauch, Beschaffungskriminalität, Verlust der Ausbildung, Obdachlosigkeit, Abbruch aller „normalen“ sozialen Kontakte, Knastaufenthalt, Rückfälligkeit, Einweisung in die psychiatrische Klinik und das alles eben immer abwechselnd. Aber als dann eines Tages mein Sohn auf die Welt kam,  war zumindest mal der erste Ansporn da, mein Leben in den Griff kriegen zu wollen. Aber das war mit dem Ruf und der Sucht nicht so einfach. Es hat noch einige Jahre dauern sollen, bis ich den Absprung richtig geschafft habe. Mit 24 begann ich eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann und konnte durch den Kontakt zum Sport schon mal ein wenig Distanz gewinnen von Drogen und Gewalt. Es gab einige Rückfälle in dieser Zeit, aber diesmal wollte ich nicht wieder aufgeben. In diesem Fitnessstudio traf ich dann auch einen Karatetrainer, der mich wieder für den Kampfsport begeistern konnte. Als Kind war ich schon kampfsportbegeistert und trainierte auch für mich selbst, nur leider verlor ich den Bezug, als ich auf diese Abwege geriet. Nun landete ich durch den wiederbelebten Kontakt zu Martial Arts beim BJJ und MMA und von da an ging es aufwärts mit mir.

Deine Lebensgeschichte erinnert einen etwas an die Mythologie vom „Phönix aus der Asche“, hättest Du damals gedacht, dass sich Dein Leben so positiv verändern würde?

Jein, es schwankte sehr häufig hin und her. Durch die Depressionen, die mit der Zeit entstanden, hatte ich zu oft Suizidgedanken und hatte nur all zu oft den Mut verloren, doch irgendetwas schlummerte leise in mir. Es war nur an der Zeit, es aufzuwecken. Mein Kampfgeist! Als dies geschah, wusste ich, dass es aufwärts geht und ich ließ mir durch nichts und niemanden etwas anderes mehr einreden.

Du bist jemand, der sich sehr stark sozial engagiert und der den Sport MMA nutzt, um benachteiligten Jugendlichen zu helfen. Inwiefern hilft Dir Deine schwere Vergangenheit dabei, die Probleme der Jugendlichen zu verstehen und inwieweit ist sie auch Antrieb für Dich, etwas positiv verändern zu wollen?

Meine Vergangenheit ist nun mein Werkzeug und nicht mehr mein Laster. Es hilft mir, empathisch genug zu sein, um mit sozial benachteiligten Kids auf gleicher Höhe zu kommunizieren.

Kannst Du mal bitte etwas zu Deinen sozialen Projekt sagen. Mit wem kooperierst Du, wer unterstützt Dich, was sind die Ziele, wer nimmt an dem Projekt teil, was für Jugendliche sind das?

Es sind Kids aus einer Mittelschule, die sich dazu entschieden haben, etwas an ihrem Leben zu ändern. Sie sind sehr stark! Alles herzensgute Jungs mit viel Energie, die jedoch manchmal in die falsche Richtung gelenkt wurde. Ich führe ein Konzept mit den Jungs durch, dass es in dieser Form noch nicht an Schulen gab. Und zwar besteht das Programm, dss sich „Fight for your Life“ nennt, aus zwei praktischen und einer theoretischen Einheit, in denen die Jungs viel über Moral, Ethik und andere soziale Werte lernen. Kombiniert mit einem harten MMA-Training, um sie schön auszulasten, ist das die perfekte Kombination, um aus den Jungs anständige Männer zu formen, die einen guten Abschluss machen werden. Ich werde vom Jugendamt Erlangen und natürlich von der Schulleitung unterstützt, zudem erhalte ich große Hilfe von Phantom MMA Europe, die das ganze Team sponsern und uns Hilfe in jeder Form zugesichert haben. Die Kids und ich sind sehr dankbar für das Equipment und freuen uns sehr über die tolle Hilfe!

Wesley Howard bei GMC 3

Du bist erfolgreich in der DGL (Deutsche Grappling Liga) unterwegs und hast bei „German MMA Championship 3“ ebenfalls einen Sieg in Deinem letzten MMA-Kampf verbuchen können. Wie zufrieden bist Du mit Deiner sportlichen Leistung im Moment?

Ja, zum einen eröffne ich ein richtige MMA-Team in Erlangen. Die Erlangen GHOSTDOGS. Nächste Woche beginnt das erste Training. Dann möchte ich dieses Jahr mindestens noch 1-2 Kämpfe im MMA machen und werde wahrscheinlich wieder bei GMC antreten. Zudem bin ich auch noch damit beschäftigt, einen Film auf die Beine zu stellen, der auch ein paar Größen aus der MMA-Szene dabei haben wird. Näheres erfahrt ihr dann natürlich als erstes, wenn wir da loslegen.

Wesley Howard macht auch als Model eine gute Figur

Was einige vielleicht nicht über Dich wissen, dass der „Iron Monk“ auch eine gute Figur beim modeln macht. Deine Freundin Jennifer Weller ist ein angesagtes Model - war sie es, die Dich mit dem Modeln in Berührung gebracht hat? Gibt es vielleicht ungeahnte Parallelen zwischen einen Kampf und einen Fotoshooting?

HAHAHA, es gibt tatsächlich Parallelen! Und zwar ist es genauso mit viel Disziplin verbunden was die Ernährung angeht. Man hat genauso lange Wartezeiten wie auf BJJ-Turnieren. Und auf Castings ist die Spannung vor der Ergebnisverkündung genauso hoch wie vor einem Kampf. Aber das mache ich ja nur ganz selten. Ich hab vorher schon als Sportmodel gejobbt, doch klar habe ich durch Jenny noch ein paar Aufträge mehr bekommen.

Deine Freundin hat ja auch schon Schauspielerfahrung („Ling-Lu“ in dem Film „Otto's Eleven“), war sie es auch, die Dich zum Schauspielunterricht ermutigt hat oder war das ein lang gehegter Traum von Dir?

Auch das war vorher schon ein Traum von mir. Doch ermutigt sie mich, an meinem Traum festzuhalten und ihn wahr zu machen.

Wesley Howard und seine Freundin Jennifer Weller (Foto: Manuel Mauer)

Kommen wir nun auf Deinen Film „SURVIVAL“ zu sprechen, der am 13. April in Nürnberg Premiere feiert (Der Pressetext mit näheren Informationen zum Film befindet sich am Ende des Interviews). Wie bist Du an Deine Rolle gekommen?

An diese Rolle bin ich durch den Schauspieler und Kampfsportler Selcuk Tutumlu gekommen. Ich hab kurz mit dem Regisseur telefoniert und da war es ziemlich schnell dingfest.

Kannst Du mal kurz sagen, um was es im Film geht und welchen Charakter Du in ihm Film spielst?

Ich spiele einen US-amerikanischen Soldaten, der in einer Specialforce auf der Suche nach einer entführten Professorin ist. Da der Film ein Mix aus Martial Arts und Kampfsport ist, kommen da dann virusinfizierte Menschen und viel Kampfsport vor.

Wie würdest Du Deinen Charakter im Film beschreiben? Hat er Parallelen zum echten Wesley oder musstest Du Dich in eine andere Person versetzen, die anders tickt als Du?

Da der Film komplett in Englisch gedreht wurde und ich einen US-Amerikaner spiele, der nicht wirklich viel zu sagen hat, ist es eine ganz andere Person, die ich spiele.

Wesley am Filmset von

Gab es bei den Dreharbeiten etwas, dass Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

In einer Szene, die sehr blutig ist, muss ich jemanden in den Hals beißen, und das Kunstblut lief mir in den Mund. Bäh! Das vergesse ich nie! Mir wurde echt schlecht, obwohl das irgendetwas essbares war. (lacht)

Wie war es an einen Film mitzuwirken? Werden wir Dich in Zukunft noch öfter auf der Leinwand sehen können?

Es war eine tolle Erfahrung und war nicht mein erstes und auch nicht mein letztes Mal, dass ich an einem Film mitwirke. Bin nur gespannt, ob ich in Zukunft mehr hinter der Cam oder vor ihr auftauchen werde Und im Moment spiele ich gerade wieder in einem neuen Film mit dem Namen „Cerusit“ mit. Auch als US-Soldat!

Der

Würdest Du für die Schauspielkarriere auch mit MMA und Grappling aufhören?

Niemals. Also ich bin zwar schon 33 und werde aktiv sowieso nicht mehr all zu lange im MMA kämpfen. Aber das Training wird erst beendet, wenn ich ins Gras beiße!

Was unterscheidet „SURVIVAL“ von den gängigen Action-Horror Filmen? Hast Du den fertigen Film schon gesehen und wenn ja, wie ist es sich selbst auf der Leinwand zu sehen?

Ich sehe den Film auch bei der Premiere zum ersten Mal. Ich bin gespannt. Da ich mich aber schon öfter auf der Leinwand gesehen habe, muss ich zugeben: Ich bin da noch ein White Belt mit zwei treifen, also auch das braucht Training. (lacht)

Wenn Du noch etwas loswerden möchtest, dass Dir am Herzen liegt und ich Dich noch nicht gefragt habe, hast Du jetzt die Möglichkeit, es mitzuteilen.

Ich bedanke mich bei allen, die mich unterstützen wie das Fight Gym Nürnberg und meine Familie, die ich leider zu wenig sehe momentan. Bitte nehmt mir das nicht böse ich werds wieder gut machen. Und ich bedanke mich bei allen Supportern wie Phantom MMA und HMX Fighsolutions für die große Unterstützung! Und grüßen möchte ich noch meine Kinder, meine Frau Jenny und meine Eltern! I love you all!

Vielen Dank Wesley, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Die letzten Worte gehören wie immer Dir!

Ich bedanke mich, es war mir eine große Ehre!

 

Pressemitteilung Survival:

Mit „SURVIVAL“ hat eine knallharter Horror-Actionstreifen am 13.04.2013 in Nürnberg seine Premiere. Der Film macht alles etwas anders und an vielen Stellen sogar ganz anders als man es erwarten würde. Genretypische Klischees was die Handlung oder die Charaktere angeht werden in „SURVIVAL“ mit einer spielerischen Regelmäßigkeit komplett ignoriert, dass dadurch ein etwas anderes, besonderes Filmerlebnis entsteht. Das Rad wird zwar nicht neu erfunden aber in einem neuen, etwas anderen, Design präsentiert. Der Streifen wird nicht nur hartgesottene Horrorfans, sondern auch Kampfsportliebhaber begeistern. Er bietet gnadenlosen Horror, gemischt mit faszinierenden Kampfszenen und vielen weiteren Actionelementen.

Kurz zur Handlung die von Frank Raffel geschrieben wurde.Der ehemalige US Navy Seal Frank Mitchel wird von dem großindustrielen Andrew Roberts angeheuert dessen entführte Tochter Susan zu finden. Die einzige Spur führt zu einer alten Fabrik in Polen. Dort angekommen muss Frank schnell feststellen, dass es hierbei um weit mehr geht als nur eine Entführung…

Gedreht wurde in Cinemascope auf RED. Die Dreharbeiten starteten im Mai 2012.Der Streifen wird in der englischen Originalversion „UNCUT“ Uraufgeführt. Die Spieldauer liegt bei ca. 96 min.

Für die Besetzung konnten u.a. gewonnen werden: Frank Raffel, Yuho Yamashita, OliverJuhrs, Vlasto Peyitch, Selcuk Tutumlu, Anthony Straeger, Ralph Steiger, Wesley Howard etc.

Regie führten Frank Raffel und Michael Effenberger.

Bitte lassen Sie uns wissen, ob Sie an weiteren Informationen, Fotos etc. interessiert sind.

Pressekontakt: Frank RaffelFrank.raffel@gmx.net