Interviews

Mike Wilkinson: „Alan Omer hat keine besonderen Stärken"

Mike "The Warrior" Wilkinson (Foto: Zuffa LLC).

Professionelle Kämpfer sind es gewohnt, einen gewissen Respekt entgegengebracht zu bekommen, immerhin verdienen sie ihr Geld mit etwas, zu dem die meisten Menschen schlicht nicht in der Lage sind. Den Respekt der Fans dieses Sportes zu verdienen, ist allerdings eine ganz andere Sache. Mike Wilkinson weiß das sehr genau – trotz einer respektablen Bilanz und einem aggressiven Kampfstil fliegt der „Warrior“ immer noch unter dem Radar und geht als Underdog in jeden seiner Kämpfe.

Der Auslöser für dieses Image war vermutlich sein Kampf gegen Rony „Jason“ Bezerra im Juni 2013. Nach einem erfolgreichen UFC-Debüt einige Monate zuvor machte sich Wilkinson auf den Weg nach Brasilien, wo er gegen Lokalmatador „Jason“ in einem prestigeträchtigen Kampf auf dem Hauptprogramm von UFC on Fuel TV 10 antrat. Keine 90 Sekunden dauerte es, bis Wilkinson in einem Triangle Choke abklopfen musste – ein „dummer Fehler“, wie er sagt, der ihm einen Sieg gekostet hat, der ihn in den Ranglisten ein gutes Stück nach oben katapultiert hätte. Stattdessen hatten die Zuschauer – von denen die meisten ihn an jenem Abend zum ersten Mal gesehen hatten – ihn vermutlich als jemanden in ihrem Hinterkopf abgespeichert, der es auf dem Level der UFC niemals zu etwas bringen würde. Dieser Ruf klebt seitdem förmlich an Wilkinson.

Nachdem er im Anschluss an die Niederlage „keinen Stein auf dem anderen gelassen“ hat, sollte Wilkinson später im gleichen Jahr auf Jimy Hettes treffen, bei der 30. UFC Fight Night in Manchester. Eine Handgelenkverletzung und später ein Muskelriss im Bein zwangen Wilkinson allerdings, das bisher einzige Heimspiel seiner UFC-Karriere eine Woche vor dem Event abzusagen. Eine Entscheidung, die nicht einfach, aber notwendig war – auf Krücken und unter dem Einfluss von Schmerzmitteln kann man schlecht einen professionellen MMA-Kampf bestreiten: „Ich war natürlich ziemlich enttäuscht, ich konnte in diesem Zustand rein gar nichts tun. Mein Handgelenk musste operiert werden. Sobald ich wieder zuschlagen konnte, habe ich der UFC mitgeteilt, dass ich bereit bin und dann habe ich den Kampf in Schweden bekommen.“

Für ihn stellte das Duell mit Top-Talent Niklas Bäckström bei der Stockholmer Fight Night im letzten Oktober eine Chance dar, sich eineinhalb Jahre nach seiner Niederlage gegen „Jason“ endlich zu rehabilitieren. Die Realität allerdings war eher, dass er Bäckström vor dessen heimischem Publikum gut aussehen lassen sollte: „Das war mir völlig egal“, wimmelt Wilkinson die Zweifel ab im Vorfeld dieses Kampfes ab, in dem er Bäckström früh in der ersten Runde ausknockte und damit die ganze Arena zum Schweigen brachte. Zu behaupten, dass die öffentliche Wahrnehmung ihm egal ist, wirkt vielleicht wie das einzige Statement, das man vor einem solchen Kampf abgeben kann. Der Ton, in dem Wilkinson es sagt, macht aber sehr deutlich, dass er es wirklich so meint: „Ich war so lange außen vor und wollte einfach nur noch da rausgehen und loslegen. Sein Gerede hat mich nicht gestört. Das einzige, was mir wichtig ist, ist der Gürtel und ich werde die Leiter Stück für Stück weiter erklimmen, bis ich den Gürtel habe.“

Und weil es Wilkinson im Käfig nur um sich selbst geht, ist er Bäckström im Nachhinein nicht böse wegen dessen großen Sprüchen im Vorfeld: „Ich habe ihn nach dem Kampf im Hotel gesehen. Er ist ein netter Kerl, aber am Ende des Tages wäre der Kampf auch nicht anders ausgegangen, wenn er sich im Vorfeld anders verhalten hätte. Ich denke, er wurde an diesem Abend ein Stück weit zurück auf den Boden geholt; er hat wohl realisiert, dass niemand unverwundbar ist. Du musst in jedem Kampf voll auf der Höhe sein – du musst bereit für eine Schlacht sein und jeden Gegner ernst nehmen.“

Wilkinson ist sich durchaus bewusst, dass er bei UFC Berlin seinen eigenen Ratschlag beherzigen muss, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie Bäckström. Acht Monate, nachdem er endlich den bitteren Nachgeschmack seiner bisher einzigen Niederlage ausradieren konnte, steht eine neue Herausforderung an: Wieder einmal reist Wilkinson hinter feindliche Linien, um am 20. Juni in Berlin gegen Alan Omer anzutreten. Wilkinson hat laut eigener Aussage nicht einen Trainingstag verpasst, seitdem er Bäckström ausgeknockt hat und wird Omer nicht auf die leichte Schulter nehmen. Allzu viele Komplimente in Richtung des Stuttgarters darf man von ihm im Vorfeld ihres Kampfes aber auch nicht erwarten: „Er hat keine wirklichen Stärken, aber auch keine wirklichen Schwächen. Ich schere mich ohnehin nicht darum, was er im Käfig tut. Ich weiß nur, dass ich zu 110 Prozent bereit für diesen Kampf bin. Ich fühle mich wohl, wo immer der Kampf sich abspielt. Ich hole mir den Sieg – Knockout, Aufgabe oder nach Punkten. Ich hole mir den Sieg und den nächsten Bonus.“

Der „Warrior“ ist mittlerweile ein Vollzeitsportler, aber eben jene auf 50.000 Dollar dotierten Bonuszahlungen der UFC für besonders spektakuläre Leistungen im Käfig machen es natürlich um einiges einfacher, über die Runden zu kommen. Der Bäckström-K.o. hat Wilkinson seinen ersten Bonus-Scheck eingebracht und nachdem er auf den Geschmack gekommen ist, sollen nun weitere folgen: „Ich liebe es, zu kämpfen, das Geld ist ein Bonus für mich. Ich werde weiter meine Kämpfe gewinnen, weiter damit Geld verdienen und weiterhin diese Boni einkassieren, um mir auch weiterhin das Leben zu ermöglichen, das ich momentan führe.“

Wie sein Spitzname bereits vermuten lässt, will Wilkinson das Leben eines wahren Kämpfers führen. In einer Zeit, in der Gegner abgelehnt werden, weil sie nicht zur ‚Marke’ des Kämpfers passen, ist es wohl akkurat, Wilkinson als Repräsentanten einer aussterbenden Sorte Kämpfer zu zählen. „Ich bin ein Kämpfer der alten Schule“, stimmt Wilkinson zu. „Ich kämpfe überall und gegen jeden. Ich erwarte immer eine Schlacht und ich liefere eine Show für die Fans. Am Ende des Tages wäre ohne die Fans keiner von uns hier, also sollte man sie bei Laune halten. Und das schafft man nicht, indem man langweilige Kämpfe abliefert oder Gegnern aus dem Weg geht.“

„Ich versuche nie, mir einfache Gegner herauszusuchen. Leute, die das tun, sind Weicheier. Die suchen den einfachen Weg und glauben nicht an sich selbst. Mein Stil ist es, alles auf eine Karte zu setzen und den Fans das zu geben, was sie sehen wollen. Ich will noch mehr Bonus-Schecks verdienen, darum geht es hier doch. Du kassierst mehr Boni und du kannst das Leben führen, das du leben willst, und zwar so lange wie du willst. Und um diese Boni zu verdienen, musst du nun einmal alles auf eine Karte setzen.“

Das nächste Mal wird der „Warrior“ am 20. Juni alles auf eine Karte setzen, und zwar gegen Omer, dessen Kampfstil aus Fan-Sicht bestens mit dem des Briten harmoniert. Wilkinson mag sich dessen nicht einmal bewusst sein, da er nach eigener Aussage keinerlei Video-Analyse seiner Gegner betreibt, seine Einstellung aber erlaubt es ihm, auch ohne die theoretische Vorbereitung bereit zu sein: „Ich bin immer bereit für eine Schlacht. Ich bereite mich auf eine Schlacht vor und ich werde den deutschen Fans einen Abend schenken, an den sie sich erinnern werden. Nach diesem Kampf werde ich meinen Respekt bekommen.“

Wer Mike Wilkinson gegen Alan Omer in Aktion sehen will, kann seine Tickets zur UFC Fight Night Berlin auf der Webseite der o2 World bestellen.



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„I will earn my respect at UFC Berlin“
Mike Wilkinson is looking to fly under the radar no more after UFC Fight Night 69.

Professional fighters are used to getting a certain kind of respect – at the end of the day, they are doing something very few people are able to do. When it comes to the sport’s fan’s perception, though, things are a little more complicated. Mike Wilkinson knows that very well – despite a respectable record and an aggressive fighting style, “The Warrior” keeps flying under the radar and getting counted out.

It all might have started with his fight against Rony “Jason” Bezerra in June of 2013. After a successful UFC debut a few months earlier, Wilkinson took the trip to Brazil to face local hero “Jason” in a pivotal bout on the main card of UFC on Fuel TV 10 and got tapped out in less than 90 seconds. A “stupid mistake” as he calls it cost him a win that could have moved him far up the rankings – instead fans, most of which had seen him for the first time that night, put his name in the back of their minds as someone who probably could not last at the UFC’s top level. That reputation stuck with Wilkinson ever since, but not because of a lack of success inside the cage.

After “not leaving a stone unturned” in the aftermath of the loss, Wilkinson was set to face off against Jimy Hettes at UFC Fight Night 30 in Manchester later that year. However, an injured wrist and later a harmstring tear forced Wilkinson to pull out of the only hometown gig he would have gotten so far in his UFC career, just one week before the event. A decision that was tough to make but necessary at the same time – walking on crutches and taking painkillers is not a state you should be in going into a professional cage fight: “Of course I was bummed out, I could do nothing whatsoever”, Wilkinson remembers. “I had to get surgery on my wrist. As soon as I could punch again I told the UFC that I was ready and then I got the fight in Sweden.”

For him, the bout against top prospect Niklas Bäckström at Stockholm’s UFC Fight Night 53 event last October would be a chance to redeem himself after losing to “Jason” one and a half years earlier. The reality, though, was that basically, he was set up to make Bäckström look good in front of his home crowd: “It doesn’t matter to me”, Wilkinson shrugs off the doubts everyone else had going into the fight that would eventually end with him knocking out Bäckström early in the first round and silencing the entire arena. Pretending not to care about public perception might seem like the only thing to say in this situation but the tone in which Wilkinson says it makes you understand he really means it. “I had been out for so long so I was only looking forward to a scrap. His talking didn’t bother me. The only thing that matters to me is that gold belt and I’m climbing that ladder until I get it.”

And because Wilkinson is in the game to pursue his own goals, he doesn’t hold any grudges with Bäckström for being cocky in the leadup: “I’ve seen him in the hotel afterwards. He’s a nice lad but at the end of the day his behaviour before the fight wouldn’t have made any difference anyway, the outcome of the fight would have been the same. I think he was humbled a bit that night, I think he realized that nobody is invincible. You have to be on point, be ready to scrap and take everybody seriously.”

Wilkinson knows that for UFC Berlin, he will have to take his own advice to avoid suffering the same fate he imposed on Bäckström last fall. Eight months after finally washing out the bad taste his only professional loss had still left in his mouth, Wilkinson has his next assignment – once again it’s a trip into enemy territory as he will take on Stuttgart’s Alan Omer on June 20 in Berlin, the German capital. Wilkinson says he hasn’t missed one day of training since knocking out Bäckström and doesn’t underestimate Omer at all but at the same time, don’t expect him to be all too complimentary going into his bout with the German Kurd: “He doesn’t really have any strengths or any weaknesses but I don’t really care what he brings to the table anyway. All I know is that I’m 110 percent ready for this fight. Wherever the fight goes, I’m comfortable. I will get the victory – Knockout, Submission or Decision, I’ll get that win and I’ll get another bonus.”

“The Warrior” is a legit full time fighter now, so said bonuses definitely make it a lot easier to get by in a sport where even most professionals rely on a side job. Knocking out Bäckström got Wilkinson his first 50.000 Dollar cheque and after getting that first taste, he plans on stacking up more of them: “I just love fighting, the money is a bonus to me. I’m going to keep winning, keep getting the money and keep getting these bonuses to be able to live the life that I’m living.”

The life that Wilkinson wants to live is the life of a true fighter, hence his nickname. In an age where athletes turn down opponents because the don’t fit their ‘brand’, it is probably safe to say that guys like Wilkinson represent a dying breed of fighters. “I’m an oldschool fighter”, Wilkinson agrees. “I’ll fight anybody, anywhere. I show up for a scrap and I put on a show for the fans. At the end of the day, if it wasn’t for the fans, none of us would be here so you better keep them happy and you’re not going to keep them happy by putting on boring fights or by ducking people.”

“I never pick and choose opponents. I think the people who do that are pussies. They don’t believe in the game and they don’t believe in themselves. I believe in putting everything on the line and giving the fans what they want to see. Keep getting these bonuses, that’s what it’s all about. You keep getting bonuses, you keep living that live that you want for as long as you can. To get these bonuses, you have to put it all on the line.”

Wilkinson will put it all on the line again on June 20 against Omer, whose fighting style matches up great with the Brit’s from a fan’s perspective. “The Warrior” may not know it yet since he doesn’t watch any tape but his mentality allows him to be ready even without analyzing his foe: “I’m always prepared for a war. I’m prepared for a war and I’m going to give the German fans a night to remember. I’m going to get my respect after this fight.”

Tickets for UFC Fight Night: Jedrzejzyk vs. Penne are available online at www.o2world-berlin.de.