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Michaela Michl: „Ich bin nicht erst seit gestern im Geschäft.“

One Million Bath Champion Michaela Michl. (Foto: Nancy Seidel / www.nancyseidelfotodesign.de)

Vor kurzem hatte die Bremerin Samira Kovacevic alle Damen zwischen 61 und 65 kg herausgefordert und dabei auch konkrete Namen genannt – einer davon war Michaela Michl. Wir sprachen mit der Wahl-Erfurterin direkt nach ihrer Rückkehr aus China über diese Aussagen, ihren Trip nach China und über die anstehenden Projekte.

GNP1.de: Michaela, in deinem Fall muss man zuerst sagen, willkommen zurück. Denn die letzten Wochen hast du in China verbracht. Wie ist der Aufenthalt in Fernost verlaufen?
Michaela Michl: Vielen Dank. China war einfach mega und überaus erfolgreich, aber auch eine große Herausforderung. Anders als sonst war es nicht nur ein Aufenthalt für einen Kampf. Dieses Mal war es gefühlt der tägliche Kampf mit allem was wir erreichen wollten, um die Kämpfer bestmöglich voranzubringen. Es war wahnsinnig interessant, hat unfassbar viel Spaß gemacht und ich hab viel für mich selbst mitgenommen.

Wie ist es überhaupt zu diesem Engagement in China gekommen?
WLF dürfte jedem in der Kampfsportszene als eine der Hauptorganisationen in China bekannt sein. Mike Polanen vom ARJ Trainingen in Holland hat in Zusammenarbeit mit WLF das Projekt für deren Hauptkämpfer ins Leben gerufen, um diese noch besser auf den K-1-Stil abzustimmen und auch allgemein deren Leistung zu verbessern. Mike und ich sind im vergangen Jahr aufgrund unserer Trainingsmentalität mehr und mehr ins Gespräch gekommen und auch aufgrund unserer gemeinsamen Betreuung von Enriko Kehl. Letzten Endes hatte er mir das Angebot gemacht, mich als Athletiktrainerin und Ernährungsberaterin dem Team in China anzuschließen. Es hat mich schon sehr geehrt, dass er mir so ein Vertrauen schenkt und hey, wer könnte da schon nein sagen?

Welche konkreten Aufgaben hattest du vor Ort?
Unser Team bestand aus drei Trainern: Mike Polanen, Headcoach für das gesamte K-1-Training, ein weiterer Athletik-Coach Jan Fransen, welcher auch aus dem ARJ Trainingen ist und mir. In meinen Krafteinheiten ging es vor allem darum, die Explosivität der Jungs und Mädels zu steigern. Es hat mir doch sehr geschmeichelt, als es zu einem Zeitpunkt hieß, dass ich sogar strenger bin als Mike und überhaupt keine Gnade kenne und ich weiß selbst bestens, wie hart Training mit ihm ist. Ich glaube dadurch, dass ich selbst aktive Kämpferin bin, verlange ich oft noch mehr, da ich selbst nicht weniger hart zu mir bin und das Gefühl im Ring zu sein viel zu gut selbst kenne. Ich möchte nie einen meiner betreuten Kämpfer aufgrund seiner Kondition verlieren sehen. Das sind alles Dinge, die man trainieren kann.

Zudem war aber meine große Hauptaufgabe, den Kämpfern ein gesundes Bewusstsein für Ernährung beizubringen und das hungern definitiv nicht der richtige Weg einer Diät ist. Mithilfe meiner Übersetzerin haben die Kämpfer und ich einen speziell für die Essgewohnheiten der Chinesen angepassten Ernährungsplan für eine vernünftige Diät erstellt. Klingt einfacher als es war. Sich auf komplett neue Strukturen einzulassen kurz vor einem Kampf, jemand Fremdes zu vertrauen mit einem Konzept, die Sprachbarriere, uvm. – aber hey ich liebe Herausforderungen. Und wir haben es gemeistert. Die Jungs haben entspannt ihr Gewicht verloren, getrunken, jeden Tag gut gegessen und haben gestärkt allesamt zwölf mal perfekt ihr Kampfgewicht beim offiziellen Wiegen erreicht und am Schluss sind wir mit acht Siegen nach Hause.

Die Events in China mit WLF oder Kunlun sind in der Vergangenheit immer besser geworden. Wie gut ist deiner Meinung nach das Niveau dort?
Man sollte nie vergessen, dass wir hier von China sprechen. Einem Land, das seit Jahrtausenden von Kampfkünsten geprägt ist, die vielen bereits in die Wiege mitgegeben werden. Das Niveau in diesen unterschiedlichen Kampfkünsten ist enorm hoch. Jedoch muss man auch sagen, dass kein Meister über Nacht kommt. Muay Thai, Sanda, Kung Fu – all diese Stile sieht man bei vielen Kämpfern noch sehr im K-1. Es ist ein großes Potenzial für gefährliche Kämpfer vorhanden, sobald sie Schritt für Schritt noch mehr den K-1-Stil mit ihrem eigenen Stil verbinden, aber dafür benötigt es eben auch die richtigen Trainer aus dem K-1. Vieles, wie Athletiktraining und oftmals auch die richtige Ernährung, sind noch sehr ausbaufähig, aber sie sind auf dem richtigen Weg.

Mikel Polanen (links) und Michaela Michl (rechts) in China. (Foto: Michaela Michl)

Man sieht immer öfter Kämpferinnen im Ring – auch bei großen Organisationen wie Glory oder Bellator gibt es Frauen im Hauptprogramm. Wie ist deine Meinung zur Entwicklung des Kickboxens?
Ich find es überragend. Es wurde auch endlich mal Zeit, dass man auch Frauen mehr und mehr in die großen Ringseile lässt. Wir sind oftmals hungriger als so mancher männliche Kämpfer und arbeiten hart daran, uns zu etablieren. Natürlich ist es nach wie vor eine von Männern dominierte Welt, in der wir uns bewegen, aber man kann nicht behaupten, dass die Frauen, die wirklich da sind um zu kämpfen, nicht ordentlich ein Feuerwerk abliefern und ihr Zeichen setzen.

Aktuell hat die Bremerin Samira Kovacevic sehr vehement alle Kämpferinnen zwischen 61 und 65kg herausgefordert und dabei fiel auch dein Name. Wie denkst du darüber?
Meine Art ist es nicht, aber ich kann es ihr nur wünschen, dass sie damit mehr erreicht.

Im vergangenen Jahr hättet ihr ja schon in Oldenburg gegeneinander kämpfen sollen. Ihr Trainer Vahit Arslan sagte uns, dass 63,5kg ausgemacht waren und du aber das Gewicht nicht bringen konntest. Woran lag es nun?
Ich bin nicht erst seit gestern in dem Kampfgeschäft. Jeder aus meinem Team hat mich gepusht und unterstützt und weiß, wie sehr ich es liebe, was ich tue. Aber meine Gesundheit aufs Spiel setzen für einen Kampf, der dann nicht auf meinem Niveau stattgefunden hätte – Nein. Ich war in der Vorbereitung auf den Kampf mit Samira in ständiger ärztlicher Betreuung. Fünf Kapseln durch und andere Beschwerden. Da ich aber unbedingt kämpfen wollte, hab ich weiter trainiert und das Gewicht gebracht. Allerdings waren meine Schmerzen am Tag der Waage so extrem, dass ich meinen Arzt aufsuchen musste, welcher eine akute Magenentzündung diagnostizierte. Nachdem mein Arzt mir sehr vehement und eindringlich von diesem Kampf abgeraten hatte, hatten mein Team und ich dann in Absprache mit Nikita Pankraz, dem Veranstalter, beschlossen, dass ich nicht antrete.

Am 13. Mai gibt es Welcome to the East II und eine Woche später Hype FC, die Veranstaltung von Vahit Arslan. Ein Duell mit Samira scheint erst einmal nicht möglich zu sein. Besteht von deiner Seite aus trotzdem Interesse an diesem Kampf?
Wie gesagt, jederzeit gerne. Jedoch stehen bereits einige andere Damen im Gespräch für unsere Veranstaltung und wie du bereits erwähnt hast, findet kurz darauf die hauseigene Veranstaltung von Vahit Arslan statt. Ich persönlich würde es bevorzugen, wenn wir irgendwann einen neutralen Boden finden, um dort zu kämpfen. Ich hasse einfach nichts mehr, als das man dann einen Sieg oder eine Niederlage auf den Heimvorteil schiebt und es einfach nicht akzeptieren kann. Ich respektiere Samira, aber scheue sie nicht. Sie ist eine Kämpferin, die ebenso hungrig ist. Aber ich hab bereits gegen andere Nummern gekämpft.

Im Ring ist Schluss mit lustig. (Foto: Darius Bicynski)

Das Potenzial für spannende Frauenkämpfe ist vorhanden. Muss man aber trotzdem so offensiv wie Samira es getan hat, an die Sache herangehen, damit man überhaupt gehört und auch wahrgenommen wird?
Jeder hat seine eigene Art und Weise Aufmerksamkeit zu erregen. Manche sehen es eben für nötig, diesen offensiven Weg zu wählen. Jedem das seine. Ich bin mir immer selbst treu geblieben, hab mein Aufsehen mit meinen Kämpfen gemacht und bin deshalb an dem Punkt an dem ich mich befinde.

Was sind deine Ziele für 2017? Hast Du Wunschgegnerinnen?
Das Kampfjahr fängt bereits gut an. Am 1. April geht’s bei der Explosion Fightnight rund, im Anschluss steige ich gegen Rachel Adamus am 22. April für einen Titelkampf bei Warriors Part 5 in Holland in den Ring. Dann freue ich mich natürlich mächtig über unsere zweite Auflage von Welcome to the East II, was definitiv eine Bomben-Veranstaltung wird.
Zurzeit sind wir im Gespräch mit Veranstaltern im Ausland, wie Enfusion aber auch mit JWP, da es mir nach wie vor ein großes persönliches Anliegen ist, bei CMT in Australien zu kämpfen. Aber auch so wird das Jahr spannend und noch einige Überraschungen bereithalten. Wunschgegnerinnen sind Gegnerinnen, die kommen um zu kämpfen. Der Name, die Bilanz, und Co sind mir egal.

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