Interviews

Max Coga: Ich will ein Statement für Deutschland setzen!

Max Coga (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Am Freitag steht Max Coga zum dritten Mal für die PFL im Käfig. Und vielleicht sogar auch zum vierten Mal, denn sollte er sich gegen den Turnierfavoriten Lance Palmer durchsetzen, muss er kurze Zeit später am gleichen Abend auch ein Halbfinale bestreiten. Wie man sich auf eine solche Situation vorbereitet, verriet uns der Frankfurter im Interview.

PFL 8 findet in der Nacht von Freitag auf Samstag statt. Die PFL überträgt das Event auf ihrer Facebook-Seite ab 1 Uhr nachts live und kostenlos.

GNP1.de: Hallo Max, nur noch wenige Tage, bis es wieder in den Käfig geht, bist du schon angespannt?
Max Coga: Im Gegenteil, ich freue mich. Es wird langsam Zeit!

Es wird langsam Zeit? Du hast doch erst im Juli bei der PFL gekämpft, das ist gar nicht so lange her.
Ja, aber man hat ja gewisse Sachen im Kopf und mein Team und ich sind in Gedanken immer schon einen Schritt weiter. Nach dem Kampf ist vor dem Kampf. Deswegen freue ich mich, dass ich jetzt nächste Woche endlich kämpfen werde.

Wie lief die Vorbereitung bisher?
Die lief sehr gut. Wir haben ein paar Sachen umgestellt, weil Lance Palmer ein Linksausleger ist. Er ist ein starker Ringer, darauf haben wir uns natürlich konzentriert. Aber ansonsten lief sie sehr gut.

Du hast im Juli gekämpft, davor im Juni. Jetzt könntest du eventuell zwei Mal am gleichen Abend kämpfen. Wie übersteht dein Körper diese ganze Tortur?
Also man muss auf jeden Fall darauf achten, sich nicht zu verletzen und im Training das richtige Maß zu finden. Das heißt, dass alles sehr kontrolliert abläuft. Man kann nicht wie sonst in jedem Sparring Vollgas geben, sondern muss da mit Köpfchen an die Sache rangehen. Im Idealfall würde ich ja fünf Mal innerhalb von sechs Monaten kämpfen, das ist schon sehr viel. Auf der anderen Seite kennt man es ja aus dem Amateurbereich nicht anders, an einem Abend mehrfach ran zu müssen. Das habe ich auf Amateurturnieren auch schon gemacht. Ich denke daher, dass es eher eine Kopfsache ist. Ich bin auf jeden Fall bereit, alles zu opfern, was geopfert werden muss, um mein Ziel zu erreichen. Es ist jetzt also nicht so, als ob es eine ganz neue Herausforderung für mich ist. Aber es ist schon so, dass man diese ganze Zeit auch spürt. Normalerweise hat man nach jedem Kampf ja immer eine kleine Ruhephase, man hat ja nach jedem Kampf ein bisschen Verschleiß. Und ich habe in meinen letzten beiden Kämpfen fast sechs Runden gehen müssen, die merkt man auf jeden Fall auch. Aber ich habe smarte Coaches, die das alles verstehen, mein Team betreut mich gut, ich habe einen guten Physiotherapeuten, von daher wurde immer darauf geachtet, da nichts anbrennt.

Es ist sicherlich auch konditionell nicht gerade einfach. Du fliegst am Samstag in die USA, hast die Zeitverschiebung und eventuell auch einen Jetlag, musst wahrscheinlich noch Gewicht verlieren und dann am Freitag schon kämpfen, vielleicht zwei Mal. Wie plant man da seine Kondition ein? Zurücknehmen wird gegen Palmer wohl kaum möglich sein, da man nur zwei Runden hat, um den Kampf zu beenden oder die Punktrichter zu überzeugen.
Ich habe in der Vergangenheit vom Jetlag zumindest nichts gemerkt. Ich habe den Jetlag eher bei der Rückreise gemerkt wegen der Zeitumstellung, aber hin in die Staaten ist es kein Thema. Auch mein Weight Cut ist mir zuletzt einfacher gefallen, nachdem ich ein, zwei Dinge umgestellt habe. Konditionell fühle ich mich 100%ig fit. Die PFL will mit ihrem System natürlich, dass man von Beginn an Vollgas gibt. Daher kommt bei Gleichstand nach zwei Runden auch derjenige weiter, der die erste Runde gewonnen hat. Ein Kampf ist ein Kampf, ich kann das nicht pauschal beantworten. Im Idealfall bin ich für zwei Kämpfe fit und wenn nichts Blödes passiert, bekomme ich konditionell keine Probleme.

Max Coga vor seinem Duell mit Marcos Galvao (Foto: PFL MMA)

Wenn du den Kampf gegen Palmer gewinnst, musst du wenig später schon wieder ran. Der Körper fährt in der Zwischenzeit bestimmt wieder ein wenig runter. Wie schafft man es dann, sich wieder auf Touren zu bringen für den zweiten Wettkampf?
Im Grund muss ich mich sofort nach dem ersten Kampf wieder einpacken und auf so einer Art Standby-Temperatur bleiben. Ich kann da nicht komplett runterfahren. Das ist auch der Moment, bei dem man seine kleineren Verletzungen spürt. Das heißt, ich muss die ganze Zeit aktiv bleiben. Wir gehen jetzt von einer Stunde Pause aus, aber genau sagen kann man es noch nicht, es könnten auch anderthalb werden. Wichtig ist es nur, warm zu bleiben und nicht auszukühlen. Aber auch das ist möglich. Die Grappler kennen es ja auch von den Turnieren, dass man fünf, sechs Mal an einem Tag kämpft. Ich hatte da auch schon Pausen von drei bis vier Stunden zwischen meinen Kämpfen. Es geht also.

Habt ihr euch da im Training spezifisch auf die Situation vorbereitet?
Also wir haben schon darauf geachtet, dass ich über eine längere Zeit unter Belastung stehe. Schon das Aufwärmen hat sich da ein wenig gezogen, die Sparrings-Intervalle wurden ein wenig verändert, aber im Grund genommen haben wir das schon immer so gemacht, also denke ich nicht, dass mir das schwerfallen wird. Wie gesagt, ich glaube, es ist Kopfsache und das schon klappt, wenn man sich da nicht so verrückt macht, sondern einfach nur warm und in Bewegung bleibt, dann wird das einfach laufen.

Weil du das mentale ansprichst, wie seid ihr taktisch an den Abend herangegangen, gerade, weil du dich ja eventuell auf mehr als einen Gegner einstellen musst?
Wir gehen davon aus, dass auch Palmer vorsichtiger kämpft, um sich nicht zu verletzen, daher glauben wir, dass er extrem viel ringen wird. Also viel auf Takedowns und Kontrolle setzt. Ich meine jeder Schlagabtausch bringt Verschleiß und eine gewisse Zerstörung für beide mit sich. Jeder Schlag an den Kopf ist ja auch Verschleiß für die Hand. Und wir glauben, dass er gerade im ersten Kampf über Takedowns und Kontrolle punkten will. Im zweiten Kampf muss man sich dann aber sowieso auf alles gefasst machen. Das Wichtigste ist, dass man sich zu 100 Prozent klarmacht, dass an diesem Abend Krieg sein wird. Man darf da nicht zurückstecken, auch ich. Ich sehe meine Stärken auf jeden Fall im Stand, das wissen die Anderen natürlich auch.

Glaubst du denn, dass du unterschätzt wirst? Du gehst ja als Nummer 7 gegen die Nummer 2 der Setzliste in die Playoffs und Palmer galt von Beginn an als einer der Favoriten für den Titel. Und falls ja, wie fühlst du dich in dieser Außenseiterrolle?
Am Anfang haben sie mich auf jeden Fall unterschätzt. Gegen Valiev habe ich ein paar wichtige Sachen verschenkt, sonst glaube ich, dass ich gewonnen hätte. Und gegen Galvao habe ich auf jeden Fall ein Exempel statuiert, was meinen Standkampf angeht. Ich war aber bisher noch kaum auf der Matte, wo ich ein gefährlicher Jiu-Jitsu-Kämpfer bin und ich glaube, dass ich da immer noch unterschätzt werde. Ich habe mir aber noch gar keine Gedanken gemacht, ob ich mich mit so einer Rolle wohl fühle, ich bin aber sehr froh, dass ich sofort auf Lance Palmer treffen kann, einen sehr großen Namen in der Szene. Und wenn ich Palmer besiege und im Idealfall auch noch Harrison oder Bezerra, habe ich ein Riesenstatement für Deutschland gesetzt und dieser Gedanke gefällt mir schon sehr sehr gut. Deswegen ist das für mich entscheidender. Ich sehe mich auf jeden Fall nicht als Außenseiter und er wird schnell spüren, dass ich da keinerlei Respekt davor habe, nur, weil er mal Champion der Organisation war.

Max Coga (Foto: PFL MMA)

Wenn wir jetzt von deinem anstehenden Kampf weggehen, wie ist dein allgemeines Urteil über die PFL bisher und ihr Turnierformat?
Ich bin zu 100 Prozent glücklich bei der PFL. Es ist extrem professionell und extrem kämpferorientiert. Das habe ich bisher noch nirgends sonst so erlebt. Dadurch, dass es in jeder Gewichtsklasse auch nur zwölf Kämpfer gibt, ist der Fokus auf jeden Kämpfer natürlich viel höher. Auch das ganze Drumherum gefällt mir sehr, ich bin auf jeden Fall sehr glücklich mit der PFL.

Glaubst du, dass das Ligen- und Turnierformat eine Zukunft hat? Andere Organisationen wie Bellator haben sich ja vorübergehend wieder davon abgewandt.
Ich denke schon, dass es derzeit die attraktivste Organisation ist. Die Bezahlung ist sehr gut und davon abgesehen weiß man einfach, wann man innerhalb eines Zeitraums was erreichen kann. Es ist alles ganz klar gestaffelt. Bis zum Ende des Jahres bist du entweder Champion und neuer Millionär oder halt nicht. Dadurch fällt es einem viel leichter, den Fokus beizubehalten. Wenn man bei anderen Organisationen ist, weiß man als Kämpfer ja oft nicht, wann man das nächste Mal kämpft, es steht alles irgendwie in den Sternen. Dort ist es einfach ganz klar geregelt. Du gewinnst und kommst weiter und beim nächsten Event geht es um dieses oder jenes. Durch diese Staffelung macht das PFL sehr gut und dadurch gestalten sich die Events auch attraktiver und die Fans haben einen viel größeren Bezug zu den einzelnen Kämpfern, es ist ein schönes Turnierfeeling und als Kämpfer eine coole Sache. Also das Format hat auf jeden Fall Zukunft.

Wie geht es dann eigentlich nächstes Jahr weiter? Hat der Champion irgendwelche Sonderrechte  oder muss er, um den Titel zu verteidigen, alles nochmal durchmachen.
Also wir haben noch keine Gespräche mit der PFL geführt, weil wir uns erstmal voll auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren. Generell ist es wohl so geplant, dass wie bei einer Weltmeisterschaft alles wieder bei null losgeht. Wer jetzt das Turnier gewinnt, ist der allererste PFL-Champion und nächstes Jahr wird dann eben der neue PFL Champion gesucht. Man geht da nicht als amtierender Champion rein, sondern der Titel wird da eben ganz neu ausgekämpft.

Das dürfte dann für den Champion recht undankbar sein, diese Tortur nochmal durchmachen zu müssen.
Dafür hat er aber Geschichte geschrieben und ist Millionär. (lacht)

Hast du Interesse, im Finale nochmal auf Timur Valiev zu treffen und eine Revanche zu bekommen?
Wäre doch ein geiles Ding, hundertprozentig. Da würde ich mich sehr darüber freuen. Wie erwähnt, habe ich im ersten Kampf ein paar blöde Fehler gemacht, über die ich mich nachher sehr geärgert habe. Aber ich habe gezeigt, dass ich ihn schlagen kann und wenn ich im Finale die Gelegenheit dazu hätte, werde ich ihn auch schlagen. Auf jeden Fall.

Wäre das auch dein Wunschgegner fürs Finale?
Im Moment mache ich mir nur Gedanken über meine nächsten Gegner, also insbesondere Palmer. Aber klar, man hat immer ein Auge auf die Konkurrenz, das ist ganz natürlich. Aber ich weiß, dass ich jeden schlagen kann.

Was machst du mit der Million?
Ich mache erstmal eine richtig harte Party mit meinem Team. Und dann mache ich das gleiche wie mit der Million davor. (lacht) Richtig durchdrehen. Ich meine, mein Team, meine Coaches stärken mir den Rücken und gehen mit mir durch harte und durch gute Zeiten und wenn ich die Million gewinne, muss ich das auch einfach mit meinem Team teilen. Das würde mir auch extrem viel Freude bereiten. Wir haben ja einen Nachtclub hier in Frankfurt und den würde ich mir für einen Abend reservieren und, soviel kann ich sagen, ne richtig harte Party feiern.

Max, wir wünschen dir viel Erfolg in New Orleans, die letzten Worte gehören natürlich dir.
Danke sehr. An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an mein Team MMA Spirit, an meine Coaches, Mohamed Ouali, Niels Schlaegel, Sascha Rankovic, Saba Bolaghi und auch an Fabrizio, die auch eine Art Gehirn darstellen, vielen Dank. Dann natürlich an meine Sponsoren Olimp und an Okami Fight Gear und natürlich allen Fans und Supportern, ganz Deutschland und Frankfurt.

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea