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Mauro Philco Martinez: Schüler sind die größten Meister!

Mauro Philco Martinez mit BJJ-Star Victor Estima nach seiner Graduierung (Foto: Mauro Kokoro Kamae)

Anfang März wurde der in Hannover lebende Mauro Philco Martinez zum BJJ-Blackbelt durch Professor Draculino ernannt. Was 1997 begann, wurde mit dem schwarzen Gurt jetzt komplettiert. Doch für Mauro ist dies erst der Anfang. Der Haupttrainer des Philco MMA Teams in Hannover ist stolz auf seine Schüler, welche sehr erfolgreich bei Wettkämpfen sind. Selbst ist Mauro auch weltweit unterwegs, um sich weiterzuentwickeln und zu kämpfen. Wir sprachen mit ihm.

GNP1.de: Herzlichen Glückwunsch zum schwarzen Gürtel im BJJ. Wie glücklich fühlst du dich gerade?
Mauro Philco Martinez: Danke schön, ich kann das noch nicht wirklich realisieren, ich habe nie daran gedacht einen schwarzen Gürtel in BJJ zu haben. Ich habe 20 Jahre meines Lebens investiert, viel Training, auf vieles verzichten zu müssen, viele Niederlagen. Es gab aber auch viel Gutes: Unterstützung, Erfolge, und besonderen Menschen begegnet zu sein. Es ist auf jeden Fall einer der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben.

Was ist dir durch den Kopf gegangen, als Draculino selbst dir den schwarzen Gürtel verliehen hat?
Es ist eine große Ehre von einem Meister diesen Kalibers den Gürtel zu bekommen. Leider konnte mein direkter Trainer und guter Freund Professor Remco Pardoel nicht anwesend sein. Er hat immer an mich geglaubt und mich immer unterstützt.

Was ist dir bis heute wichtig im BJJ?
Für mich ist sehr wichtig, den Martial Art-Charakter zu behalten und weiterzugeben. Viele bekommen nicht die Philosophie der Kampfkunst mit und betreiben diese Kunst als etwas Leeres, Oberflächliches. Gleichzeitig wird oft nur wettkampforientiert trainiert und nicht realistisch genug als Selbstverteidigung, wo der Ursprung des BJJ liegt.

Wie bist du zum BJJ gekommen?
Ich habe Karate mit vier Jahren angefangen, aber erst mit 16 angefangen weltweit zu kämpfen. Ich dachte keiner braucht Bodenkampf zu lernen. 1997 hatte ich einen Vale Tudo-Kampf und habe durch einen kaputten Arm in wenigen Sekunden verloren (lacht). Mein Bruder war Judoka und hatte BJJ schon trainiert. Als mein Arm wieder gesund war, habe ich damit ganz brav angefangen (lacht). Dann begann meine BJJ-Reise.

Ihr habt ein erfolgreiches BJJ und auch MMA-Team. Was macht für dich Erfolg aus und wie unterrichtest du ihn?
Ich habe immer Zeit für meine Schüler. Jeder hat andere Bedürfnisse, Idee, Ziele usw. Ich trainiere die Leute unterschiedlich. Wenn jemand Wettkämpfe machen möchte, trainiere ich ihn in diese Richtung. Wenn jemand das Training als Hobby betrachtet, macht es keinen Sinn ihn unnötig an seine Grenze zu pushen. Ein respektvoller Umgang und die Vorbildfunktion haben Priorität.

Was kannst du selbst als neuer Blackbelt trotzdem von deinen Schülern noch lernen?
Meiner Meinung nach fängt man an sich wirklich zu entwickeln, erst wenn man unterrichtet. Ich lerne jeden Tag was von meinen Schülern, in den verschiedensten Bereichen. Wenn ich irgendwann das Gefühl hätte, nichts von meinen Schülern zu lernen, würde ich mir ernsthaft Sorgen machen. Schüler sind die größten Meister.

Wie ist dein Training aufgebaut?
Mein Training ist vielfältig aufgebaut: Krafttraining, Konditionstraining, Judo, Boden mit bestimmten Schwerpunkten und viel Randori (rollen). Man kämpft, wie man trainiert.

Hast du schon einmal außerhalb des Trainingsraumes BJJ anwenden müssen?
Ja, im Schlafzimmer (lacht).

Was für sportliche Ziele verfolgst du?
Mein Ziel, und das was ich meinen Schülern weitergeben möchte, ist der Beste zu sein. In meinem Fall der beste Mauro, der ich sein kann. Nicht besser als die anderen Schüler, das ist einfach. Es gibt immer jemanden, der Schwächer ist und selbstverständlich jemanden der Stärker ist. Aber unser größter Gegner sind wir selbst, unsere Angst, unser Ego. Das Ziel ist besser als gestern zu sein, auf der Matte und im Leben. Rein sportlich möchte ich natürlich Weltmeister werden, auch wenn das in der Master 11 Klasse ist.

Du Wirst du weiterhin auch auf der Matte kämpfen oder siehst du dich eher in einer Trainerfunktion?
Jetzt bin ich motivierter als nie zuvor. Ich finde es sehr wichtig, dass der Trainer mit den Schülern rollt und im Wettkampf teilnimmt. Ich fange jetzt quasi von Null an. In der schwierigsten Klasse überhaupt. Eine neue Herausforderung. Ich freue mich darauf.

Was ist dir immer schon einfach gefallen, was eher schwieriger?
Einfach war für mich immer die Motivation, um zu trainieren und zu unterrichten, zu finden. Schwierig ist, wenn ich immer wieder verletzungsbedingt aussetzen muss. Es gibt nichts Schlimmeres als inaktiv zu sein.

Was steht bei dir und deinen Schülern als nächstes an?
Als nächstes ist ein MMA-Kampf am 2. April geplant. MMA Berlin ist eine tolle Veranstaltung mit fairen Kämpfen. Wir sind als Team beim MMA ungeschlagen. Ich hoffe, dass das so bleiben wird. Beim BJJ haben wir im Mai ein Turnier in Den Bosch/Holland.

Vielen Dank für das Interview.
Ich habe zu danken. Ich möchte auch noch sagen: Hört nicht auf zu träumen und für eure Träume hart zu arbeiten. Alles ist möglich im Leben. Ich möchte auch alle, die uns im Philco MMA Team Hannover besuchen möchte, herzlich einladen. Wie gesagt, man kann immer und von jedem was lernen - Oss!

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