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Maurice Weber: Das Kapitel Profiboxen ist abgeschlossen!

Bleibt positiv: Maurice Weber (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Maurice Weber (22-2-1, 8 K.o.), mit bürgerlichem Namen Muhammed Lassoued, gehörte jahrelang zu den besten Super-Weltergewichtlern Deutschlands. Ein komplizierter Handbruch im WM-Kampf 2015 gegen Jack Culcay, setzte den heute 38-Jährigen für nahezu 12 Monate außer Gefecht. Eine Rückkehr 2016 endete mit einem erfolgreichen KO-Sieg, allerdings wurde die Hand erneut in Mitleidenschaft gezogen, erneut musste er unters Messer – seitdem war der Leverkusener nicht mehr im Ring zu sehen. Der Leverkusener teilte uns nun mit, dass er aufgrund der schwerwiegenden Verletzung seine Handschuhe endgültig an den Nagel hängen muss.

2015 lieferten sich Maurice Weber und Jack Culcay einen der intensivsten WM-Kämpfe des Jahres, der in einer kontrovers diskutierten Punktentscheidung endete. Damit platzte der Traum Boxweltmeister zu werden für Weber, der mit dem Urteil der Punktrichter keinesfalls zufrieden war.

„118 zu 110, ganz ehrlich, das ist ein Witz. Das ist in keiner Form vertretbar. Ich glaube, jeder, der den Kampf gesehen hat…ich brauche dazu nichts sagen“, erklärte uns Weber damalig im Video-Interview. „118:110. Das bedeutet mathematisch, dass dieser Punktrichter mir nur die Runde zwangsweise gegeben hat, in der Jack angezählt wurde. Er hat mir also keine Runde im Kampf gegeben. Da fehlt mir jegliche Antwort darauf.“

Weber hatte im ersten Drittel des Kampfes seine rechte Hand gebrochen, kämpfte jedoch die vollen 12 Runden durch. Im Duell erlitt er neben dem Handbruch noch einen Bauchnabelbruch sowie eine Platzwunde im Gesicht. Er bewies dabei ein großes Kämpferherz, wurde am Ende jedoch nicht mit einem Sieg dafür belohnt.

„Es war ein vierfacher Mittelhandbruch“, so Weber im Gespräch mit uns. „Der Bruch wurde konservativ behandelt. Die Brüche waren nicht all zu weit voneinander entfernt, das wurde dann mit einem Gips gelöst. Es ist aber nie wirklich verheilt.“

Knapp ein Jahr später, im April 2016, kehrte Weber in den Ring zurück und schlug Aufbaugegner Vladimer Karelidze in Potsdam KO.

„Es war ein Kampf unter miserablen Bedingungen, ich war voll mit Ibuprofen und hatte furchtbare Schmerzen – auch in der Vorbereitung.“

Danach legte sich der WM-Titelanwärter erneut unters Messer, tat alles, um seine Karriere noch retten zu können.

„Ich hatte nach dem Comeback-Kampf eine weitere Operation. Zwei Platten wurden eingesetzt, acht Schrauben und aus dem Handgelenk wurde Knochenmark eingesetzt, gefolgt von einer monatelangen Physiotherapie. Danach wurde ich nochmal operiert, eine Schraube war locker – die Platten wurden gewechselt, wieder Knochenmark eingesetzt usw. […] Mein Ziel war es, die Karriere fortsetzen zu können, allerdings blieb dies ohne Erfolg. […] Die letzten drei Jahre nach der Operation waren schlimm. Ich habe wirklich alles getan, was man machen kann – auch Strahlentherapie – das volle Programm. Ich kann mir in dieser Form keinen Vorwurf machen. Es war ein großer Traum Weltmeister zu werden. Ich bin unheimlich knapp gescheitert. Es ist schade, traurig für mich.“

Der deutsche Profiboxer tunesischer Abstammung war als Kind ein leidenschaftlicher Fußballer, ging zudem in die gleiche Schulklasse wie Felix Sturm. Mit 12 entdeckte er seine Liebe zum Boxen. Webers erster Kampf endete in einer Niederlage. Dadurch motiviert konnte er knapp 30 Duelle in Folge gewinnen. Dadurch verdiente er sich den Titelkampf gegen Culcay.

„Ich hatte die Hoffnung nie aufgegeben. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber man wird nicht jünger. Mit 29 kam ich einmal nach einer schweren Verletzung zurück. Heute bin ich 10 Jahre älter, habe Einschränkungen im Alltag. Der Arzt hat mir das Stoppschild gegeben. Die medizinischen Maßnahmen sind noch nicht beendet. Am Ende ist es das Schicksal, das mich bremst. Ich muss mich damit zufrieden geben und versuchen damit fertig zu werden. Das Kapitel Profiboxen ist abgeschlossen, aber das Buch ist noch nicht zu Ende geschrieben. Man wird von mir noch in irgendeiner Form hören. […] Ich möchte mich vom Herzen bei allen Fans, bei wirklich jedem, der auch nur einen Hauch dazu beigetragen hat, zu meiner Karriere, bedanken. Meine gesamten Trainer meiner Laufbahn, Trainingspartner, Kollegen, besonders Felix Sturm, der mir die Chance gab, nachdem ich mehrere Jahre aussetzte. Er trägt einen großen Teil dazu bei, zu meinem Erfolg. Ich möchte allen Danke sagen, für die tollen Jahre und die tolle Zeit. Ich weiß jetzt schon, dass ich diese Zeit vermissen werde. Ich war ein Kämpfer, bin ein Kämpfer und werde das mit Sicherheit überstehen – alles Gute, euer Maurice!“