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Maurice van Waeyenberghe Exklusiv-Interview

Maurice van Waeyenberghe

Einen Monat vor dem zukunftsweisenden Kampf bei Respect.4 stellen wir euch den im MMA-Sport ungeschlagenen Bremerhavener Maurice van Waeyenberghe vor. Wie der Jungspund mit seiner German Top Five-Nominierung umgeht und was er für den Kampf im September geplant hat, hat er uns exklusiv verraten.

GroundandPound: Hallo Maurice. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst. Was machst Du momentan?

Maurice van Waeyenberghe: Auch ein herzliches Moin an die GnP Redaktion und die Leser. Momentan habe ich Urlaub, bin aber trotzdem fleißig am trainieren. Im Urlaub sogar häufiger am Tag, weil die Zeit einfach da ist.

Wie hast Du auf deinen Neueinstieg in die German Top Five reagiert? Was ändert es für Dich?

Ich wusste das erstmal noch gar nicht, ich habe es zufällig gelesen, als ich am Sonntag auf GNP.de online war. Es war eine Mischung aus Freude und Schock. Ich freue mich tierisch darüber, und es motiviert mich echt ungemein. Auf der anderen Seite frage ich mich aber, ob ich es mir verdient habe - warum ich?

Ich finde es total schade um Ismail (Cetinkaya, Anm. d. Red.), da er aus meiner Sicht einer der besten Deutschen Mittelgewichtler ist und bleibt. Der Einstieg in Die German Top Five ist für mich noch ein Grund mehr, mein Bestes zu geben und um herauszufinden, ob ich dessen würdig bin.

Zuletzt warst Du bei GMC 1 gegen Willi Frank erfolgreich. Wie beurteilst Du Deine eigene Leistung?

Also ich kann mich nur sehr schwer selbst beurteilen. Das Ding war, dass ich meinen Gegner echt nicht einschätzen konnte. Aber ich denke mal, dass meine Leistung solide war. Ich habe zwar den Kampf gewonnen. Richtig zufrieden bin bzw. war ich aber nicht. Ich wollte die Sache ein wenig anders angehen.

Bei Respect.3 wurdest Du am Kampfabend noch vom Arzt nicht freigegeben. Was war genau passiert?

Tja, das liegt mir wie ein Stein im Magen. Es ist einfach schief gelaufen. Ich war kurz vor dem Doc-Check - wenn es hochkommt - eine Stunde in der Sonne. Am Abend ging es mir immer schlechter, irgendwann bin ich auch eingeschlafen. Mein Trainer hat den Arzt gerufen, der mich gleich an 2 Infusionen gelegt hat. Sonnenstich, Flüssigkeitsmangel usw. war das Resultat.

Schade war es wirklich, da ich viel für den Kampf getan habe, sehr viel. Ich hatte mich gefreut, mich einfach richtig dreckig mit Christian (Kroetsch, Anm. d. Red.) zu prügeln. Es gab noch ein wenig üble Nachrede von Sparta. Das klären wir aber am 11.09.

Dein Gegner bei Respect.4 wird – wie bei Respect.3 schon geplant - der Grappler Christian Kroetsch von Sparta Essen sein. Was weißt Du über ihn, und wie schätzt Du ihn ein?

Christian ist ein echt lockerer und freundlicher Typ. Würden wir uns unter anderen Umständen treffen, würden wir sicherlich ein paar Bierchen miteinander trinken. Okay, ihr meint natürlich den Sportlichen Teil (lacht). Also er ist ein guter Grappler und kann was am Boden.

Was können die Fans im September von Dir erwarten?

Maurice in Topform und ein bis zwei Überraschungen!

Maurice van Waeyenberghe (5-0-0) (Foto via Fight Fabrik Bremerhaven)

Dein Kampfstil beinhaltet immer ein gewisses Risiko, sowohl im Bodenkampf, als auch bei eher wilden Schlagwechseln im Stand. Kämpfst Du bewusst so?

Ich denke, der Sport, den wir machen und lieben, stellt selbst ein gewisses Risiko dar. Aber ich lasse mich ungern darum bitten, wenn ich weiß, dass der Gegenüber mir auch ans Leder will. Also würde ich schon sagen, dass es so gewollt ist. No Risk, no Fun!

Treibt es Deine Trainer zur Weißglut, dass Du spektakulär, aber risikoreich kämpfst?

Nein, eigentlich nicht. Von denen habe ich das ja (lacht).

Wodurch bist Du zum Kampfsport gekommen?

Witzige Geschichte. Damals waren ein guter Kumpel und ich 16 Jahre alt, als wir in einer üblen Bremerhavener Ecke um unsere Mobiltelefone erleichtert wurden und auf die „lass mich mal bitte telefonieren“-Abzocken reingefallen sind. Der Vater meines Kollegen, der ein alter Veteran in Sachen Kampfsport/-kunst war, zog uns an den Haaren zum Ju-Jutsu. Damals hatten wir bei der Wettkampfabteilung des Ju-Jutsu in Bremerhaven angefangen.

Wann hast Du das erste Mal vom MMA-Sport gehört, und was war es, das Dich in seinen Bann gezogen hat?

Ich habe in irgendeinem Bodybuilding-Forum ein Highlightvideo von Fedor gesehen und wusste damit gar nichts anzufangen, dachte mir einfach nur “das will ich auch“ . Google hatte dann die Fighfabrik ausgespuckt, die auch gerade erst eröffnet hatte. Zugeguckt, Probetraining und Mitgliedschaft seit dreieinhalb Jahren.

Wie sieht Dein wöchentlicher Mustertrainingsplan bei der Fight Fabrik Bremerhaven aus?

Ich trainiere täglich Stand, Boden und Ringen. Ich arbeite an meinen Schwächen und baue meine Stärken weiter aus.

Bis letztes Jahr noch wurde der Norden der deutschen MMA-Szene fest von Hamburg dominiert. Mit der Fight Fabrik Bremerhaven und dem Free Fight Team Bremen holte Bremen zuletzt aber enorm auf und kann mit Dir, Gasi Achmelov, Sebastian Risch, Alexander Heinrich, Sascha Meuthen und weiteren auf eine ganze Schar an aufstrebenden Kämpfern zurückgreifen. Wie siehst Du die Entwicklung?

Eine super Entwicklung. Man muss auch bedenken, dass es die Fightfabrik und das Free Fight Team Bremen gar nicht so lange gibt, und ich denke, dafür haben wir uns auf jeden Fall ganz gut entwickelt. Wiederum sollte man aber auch noch im Auge behalten, dass Hamburg mit Ismail (Cetinkaya, Anm. d. Red.) und Kamil, sowie Mehmet auch echt ein Riesennummer in Deutschland ist.

Bei GMC war zu sehen, dass Dein Team auch das Free Fight Team Bremen angefeuert und unterstützt hat und vice versa. Keine Spur von Konkurrenz zum größeren Nachbarn?

Keine Konkurrenz, ganz im Gegenteil. Wir unterstützen uns gegenseitig. Wir treffen uns auf Seminaren in Bremen und auch bei Veranstaltungen laufen wir uns immer wieder über den Weg. Wobei ich auch sagen muss, dass ich damals vom heutigen Trainer des FF-Team Bremen, Michael Rüdiger, bei meinem ersten Kampf gecoacht wurde.

Es gibt viele Sportler, die der Erfahrung wegen lediglich nur einmal MMA kämpfen wollen. Was hast Du Dir vor deinem ersten MMA-Kampf gegen Stefan Woelk von Deiner neuen Sportart versprochen?

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was ich mir versprochen hatte. Ich wollte meinen Trainern eigentlich nur zeigen, dass ich etwas von ihnen gelernt hatte. Dass ich ein zweites Mal irgendwo kämpfen würde war bis dahin auch eher eine Zukunftsillusion.

Wie hast Du als junger Sportler mit zwei Siegen im Gepäck das Großereignis UFC 99 erlebt?

Ein großes Ereignis, was absolut wichtig für uns war. Positiv, sowie negativ. Irgendwann hätten wir uns halt mit dem Image unseres Sportes in der Öffentlichkeit konfrontieren müssen. Früher oder später. Die UFC hat halt sehr viel dazu beigetragen. Leider war ich nicht live bei UFC 99 dabei. Wanderlei Silva live zu sehen, muss der Hammer gewesen sein. Ich hatte die Möglichkeit, war dann aber aus arbeitstechnischen Gründen zu fest eingeplant.

Wie beurteilst Du die Leistungen von Dennis Siver und Peter Sobotta in der größten Kampfsportliga der Welt?

Klasse Jungs! Ich freue mich für sie, dass sie so weit gekommen sind und ich hoffe, dass es noch mehr Deutsche schaffen werden, in der UFC zu kämpfen.

Mit Respect.FC und der German MMA Championship hast Du schon bei den zwei tonangebenden Events der Neuen Deutschen MMA-Welle gekämpft. Wie siehst Du die Entwicklung des Sports hierzulande speziell im Hinblick auf die Entscheidung der BLM, die die Ausstrahlung der UFC auf DSF/Sport 1 untersagte.

Die Qualität wird ja immer besser, Respect.FC und GMC sind ja echt professionelle Veranstaltungen, was das deutsche Niveau angeht. Europaweit kann ich das leider nicht beurteilen, da ich bisher nur national gekämpft habe. Ich denke, dass der Sport hier noch sehr populär wird. Noch ist er aber mit einem miesen Image behaftet, welches aus den Köpfen der breiten Masse erst noch vertrieben werden muss.

Dass die Ausstrahlung verboten wurde, ärgert mich sehr. Ich habe zwar keinen Fernseher, aber es ist ein wichtiger - ich sage einfach mal „Entwicklungsfaktor“ -, der hier leider zugrunde gegangen ist. Ich hoffe nur, dass MMA nicht komplett in Deutschland verboten wird und wünsche mir wirklich, dass unsere Politik auch mal die nötige Weitsicht bzw. Einsicht oder Toleranz zeigt.

Womit verbringst Du Deine Zeit, wenn Du nicht trainierst oder kämpfst?

Ich mache zurzeit meinen Zivildienst in einem Kindergarten, was auf jeden Fall eine tolle Sache ist. Aber ansonsten hab ich ausser dem Sport keine Hobbies mehr.

Was hält die Zukunft für Maurice van Waeyenberghe parat? Was sind Deine Ziele, mittel- und langfristig?

Auf jeden Fall bald und so früh wie möglich international zu kämpfen! Mein persönliches Ziel für die nahe Zukunft ist M-1. Mein langfristigstes Ziel, auf jeden Fall etwas in diesem Sport zu bewegen. Mal gucken, was so kommt.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir alles Gute für die Zukunft.

Ich danke euch für das Interview, alles Gute und wir sehen uns im September.