Interviews

Martin Zawada: Punktsieg in Russland? Keine Chance! Ich muss ihn vorzeitig stoppen!

Martin Zawada mit dem PLMMA-Gürtel, WFCA European Championship und International Vale Tudo-Titel.

Vor sechs Jahren war Martin Zawada (26-13-1) bei der russischen Organisation M-1 Challenge in Aktion, damalig in Bulgarien. Jetzt wird er wieder dorthin zurückkehren, wo er 2009 siegreich in den Ring stieg. Am 4. Dezember feiert „King Kong“ sein großes Comeback nach einer längeren Auszeit. In St. Petersburg trifft der 32-Jährige auf den neun Jahre jüngeren Rashid Yusupov (5-3). Wir sprachen mit dem Düsseldorfer Urgestein vor seinem Auslandsauftritt über die Begegnung und vieles mehr.

GNP1.de: Wir haben Dich lange nicht mehr in Aktion erlebt. Wie geht es Dir? Sind Deine Verletzungen alle auskuriert?
Martin Zawada: Mir geht es gut, danke. Es stimmt, als ich im Cage stand ist eine Weile her. Ende letzten Jahres musste ich meine Titelverteidigung bei PLMMA aufgrund einer Rückenverletzung absagen. Aber durch die Pause und die Reha konnte ich dieses Jahr wieder ins Training einsteigen und bin seitdem durchgehend am Trainieren und helfe meinen Teamkameraden bei ihrer Kampfvorbereitung.

Was hast Du in den letzten Monaten gemacht?
Ich habe mich mehr um unseren Nachwuchs gekümmert, da ich bei der UF Düsseldorf auch als Trainer für Luta Livre und MMA fungiere. Aber ich hab mich nicht ausgeruht, war die ganze Zeit aktiv und habe mich als Sparringspartner für unsere Boxer und MMA-Kämpfer zur Verfügung gestellt. Und dann habe ich natürlich meinen Bruder David gepusht.

Mit 32 und Deiner Bilanz hast Du ja schon einiges hinter Dir. Wie lange hält das Dein Körper noch aus? Wie lange willst Du noch kämpfen?
Das kann man natürlich nie sagen, aber ich hoffe, ich kann noch sehr lange kämpfen. Der Sport ist Teil meines Lebens. Ich arbeite natürlich und versuche dabei, so gut es geht zu trainieren und mich zu verbessern. Wir haben tolle Jungs in unserem Team und seit einiger Zeit haben wir uns mit dem Team Alpha zum Düsseldorf Top Team zusammengeschlossen. Das motiviert mich immer wieder aufs Neue. Außerdem gibt es viele Menschen, die an mich glauben und mir Vertrauen schenken, meine Freundin, mein Bruder und meine Familie und auch mein Manager Ivan. Ich mache auch für sie weiter, nicht nur für mich. An dieser Stelle möchte ich euch "Danke!" sagen, dafür, dass ihr immer für mich da seid. Ich werde immer mein Bestes geben, das verspreche ich euch.

Du hast vor kurzem Andreas Kraniotakes herausgefordert, wolltest mit ihm bei GMC kämpfen. Steht die Herausforderung noch?
Ja das stimmt. Er hat auch ein gutes Angebot von GMC erhalten. Er wollte sich ja schon länger im Halbschwergewicht ausprobieren, wollte aber wenn, dann seinen GMC-Gürtel im Schwergewicht verteidigen. Ich hätte auch da gegen ihn gekämpft. Leider kam es nicht dazu, es wäre ein guter Kampf geworden. Ich wünsche Andreas trotzdem viel Erfolg. Ob wir irgendwann noch aufeinander treffen, weiß ich nicht.

Wieso gerade "Big Daddy"?
Wir sind beide schon sehr lange dabei und haben viel für den MMA-Sport hierzulande getan, besonders auch im Ausland. Er hat sehr starke Jungs gekämpft, ich auch. Ich denke einfach, dass dieser Kampf für uns beide Sinn ergeben würde und für mich wäre es eine große Herausforderung. Jetzt steht vorerst M-1 an erster Stelle für mich.

Du sprichst die M-1 Challenge an, bei der Du nächsten Freitag kämpfst. Wie laufen die Vorbereitungen?
Einfach super. Ich bin gerade mit den letzten Sparringseinheiten durch. Jetzt noch ein wenig Schnelligkeit und Spritzigkeit und dann ab nach Russland.

Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren wieder für M-1 zu kämpfen? Und was weißt Du über Deinen Gegner Rashid Yusupov?
Man muss dabei aber gleich sagen, dass ich jetzt zum ersten Mal bei der Hauptshow von M-1 kämpfe. Beim letzten Mal war es ja bei der Team-Challenge in Bulgarien. Über meinen Gegner weiß ich nicht viel. Er ist ein großes Talent aus Dagestan und hat ein starkes Team hinter sich. Er ist Amateurweltmeister und bei M-1 noch ungeschlagen, außerdem hat er das Publikum in St. Petersburg im Rücken und soweit ich weiß, soll er mit einem Sieg gegen mich einen Titelkampf bekommen. Aber das werde ich mit allen Mitteln verhindern.

Verspürst Du Druck vor diesem Kampf? Schließlich hast Du mit Deiner Erfahrung deutlich mehr zu verlieren als Yusupov.
Also Druck verspüre ich gar nicht. Ich habe die größere Erfahrung, ja, aber im MMA heißt das wenig, da kann alles passieren. Yusupov ist jung, motiviert und hat den Heimvorteil auf seiner Seite. Ich werde also alles darauf setzen, das Ding vorzeitig zu beenden und ihn zu stoppen, denn nach Punkten gegen einen Lokalmatador in Russland zu gewinnen, wird nicht funktionieren. Aber ich spüre, dass ich wieder aufs Kämpfen brenne. Die Pause hat mir gut getan. Der Kampf ist ein Neuanfang für mich.

Ein Neuanfang in der altbewährten Gewichtsklasse. Bleibt es also im Halbschwergewicht?
Ja, ich fühle mich im Halbschwergewicht einfach am besten. Hier habe ich die besten Kämpfe gemacht und es fühlt sich wie mein natürliches Gewicht an. Ich weiß, dass die Gegner im Ring meist etwas mehr wiegen als ich, aber ich bin dafür beweglicher und mein Schlag hinterlässt auch mit 93 Kilogramm große Wirkung.

Seit zwölf Jahren bist Du als Profi aktiv, die Geburtsstunde des deutschen MMA-Sports hast Du also hautnah miterlebt. Wenn Du einmal zurück blickst, wie ist Deine Einschätzung zur aktuellen Situation des Sports hier?
Der Sport ist stark gewachsen. Ich habe früher vor sehr kleiner Kulisse gekämpft, heute sind die meisten Veranstaltungen voll mit Fans. Der Sport wächst immer weiter und zieht immer mehr Leute an. Auch die Medien schenken MMA jetzt mehr Aufmerksamkeit und es gibt immer mehr positives Feedback. Aber klar, wir haben es immer noch nicht einfach und man muss einfach versuchen, die positiven Aspekte herauszufiltern und stetig zu verbessern. Der nächste Schritt muss einfach sein, den Sport ins Fernsehen zu bringen, um ihn noch größer und salonfähig zu machen. Ich hoffe, man kann dafür entsprechende Kontakte knüpfen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass deutsche MMA-Veranstaltungen im TV laufen? Und wie könnte man diesen Prozess beschleunigen?
Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir MMA live im Fernsehen erleben werden. Noch hat das Boxen Vorrang, es wird noch dauern. Vielleicht braucht man ja ein paar Freak Fights mit Prominenten aus Sport und Fernsehen, um die Leute mit dem MMA-Sport vertraut zu machen, keine Ahnung. Wir müssen einfach abwarten, wie sich das ganze entwickelt und Geduld haben.

Danke für das Interview und viel Erfolg in St. Petersburg.