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Martin Buschkamp: Ich will in Berlin ins Octagon steigen!

Das UFC-Ziel vor Augen: Martin Buschkamp. (Foto: Nazariy Kryvosheyev/Groundandpound.de)

Martin Buschkamp, Deutschlands Nummer drei im Federgewicht, stand seit seinem Auftritt bei GMC 5 im September des vergangenen Jahres nicht mehr im Käfig. Gefaulenzt hat der 24-Jährige in dieser Zeit allerdings nicht. Er hat sich weitergebildet und vorbereitet auf sein großes Ziel - die UFC. Wir sprachen mit dem ungeschlagenen BJJ-Experten.

Groundandpound.de: Hallo Martin, dein letzter Kampf fand bei GMC 5 statt. Wie war dein Erlebnis, gegen den M-1-erfahrenen Vugar Bakhshiev zu bestehen?
Martin Buschkamp: Ja, mein letzter MMA-Kampf ist schon wieder eine Weile her. Im September letzten Jahres durfte ich bei GMC 5 in Castrop-Rauxel antreten und bin immer noch sehr glücklich, dass ich die Chance hatte dort neben den Größen der deutschen MMA-Szene in den Käfig zu steigen. Leider verlief der Kampf nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte.

Ich hatte einige Möglichkeiten für ein frühzeitiges Finish, aber mir hat in den entscheidenden Momenten die Kraft gefehlt, um den Sack zuzumachen. Es wurde ein sehr harter Kampf, bei dem ich das erste Mal seit Cage Warriors über alle drei Runden gehen musste. Zwar habe ich den Kampf nach Punkten gewonnen, war aber dennoch etwas enttäuscht von meiner Leistung. Ich hätte besser sein können.

Was hast du daraus gelernt?
Dass ich mich davon nicht runterziehen lasse. Zu wissen, dass ich noch viel an mir arbeiten muss und vor allem noch kann, motiviert mich vielmehr dazu, jeden Tag mein Bestes zu geben. Ich arbeite an mir, und ich werde besser. Ich werde zeigen, dass ich mehr kann. Sobald mein nächster Fight steht, könnt ihr euch auf etwas gefasst machen!

Nach meinem Kampf bei GMC habe ich auch sofort die Konsequenzen aus meiner Performance gezogen und bin für zwei Monate nach Brasilien gereist. In der Heimat des BJJ habe ich hart an mir gearbeitet, um mit den Besten der Besten meine Schwächen auszumerzen und an meinen Stärken zu feilen. Und ein wenig Erholung und Urlaub mit meiner Familie waren dort nach einem anstrengenden Jahr natürlich auch drin.

Du wurdest daraufhin zum BJJ-Braungurt hochgestuft. Erläutere uns den Prozess, wie du ihn erlebt hast.
Nach meiner Rückkehr im Dezember stand wieder eine offizielle Graduierung bei meinem Trainer und Freund Augusto Frota in der Schweiz an. Da auch einige meiner Schüler inzwischen große Fortschritte gemacht hatten, wurden auch wir zur Graduierung eingeladen. Die Zeremonie fand in einer riesigen Halle statt, weil unser gemeinsames Team inzwischen so groß geworden war. Über 200 Leute wurden alleine an dem Tag graduiert.

Gerade als die Graduierung zu Ende gehen sollte, wurde auch mein Name von Frota aufgerufen. Ich nahm an, dass ich den Schülern vorgestellt werden sollte, weil ich häufiger als Trainer aushelfe. Das tat er tatsächlich auch. Allerdings übergab er mir zu meinem größten Erstaunen im nächsten Satz zusammen mit Leandro Lo meinen Braungurt. Ich war wie versteinert. Als Kind träumt man noch von dem weit entfernten großen Tag, an dem man selbst ausgezeichnet wird. Nach Jahren des Trainings rückt dieses Ziel für mich immer näher. Nun sind es nur noch wenige Schritte, die mich von meinem Schwarzgurt trennen.

Obwohl du seit September 2014 nicht mehr im MMA aktiv warst, bist du dennoch des Öfteren auf der Matte gewesen. Wo bist du angetreten?
Um in der Zeit bis zu meinem nächsten Kampf nicht ganz einzurosten, habe ich die letzten Wochen zuerst in Stuttgart bei Age of Cage einen No-Gi-Kampf in der Offenen Gewichtsklasse bestritten, den ich durch Armbar gewinnen konnte.

Letztes Wochenende bin ich dann beim Mittelrhein Cup gestartet und hab dort nach dem Turniersieg die Siegerprämie bekommen. Der kleine Zuschuss kam gerade richtig für meine Weiterbildung in der Meisterschule in Tuttlingen, die ich im Dezember begonnen habe.

In letzter Zeit gab es zudem noch ein Großprojekt für die Buschkamp Bros zu stemmen. Im Januar haben wir unsere zweite Buschkamp Bros Filiale in Spaichingen eröffnet und dürfen dort bereits jetzt einen enormen Andrang von Nachwuchskriegern im Kindertraining verzeichnen. Dort ziehen wir schon die nächste Generation von Fightern unter dem Buschkamp Bros Logo groß.

Es gibt einige Gerüchte zu deinem nächsten Auftritt im MMA. Jetzt, da die UFC wieder nach Deutschland kommt, wie stehen deine Chancen? Hat die UFC schon an deine Tür geklopft?
Im letzten Jahr war die UFC schon einmal zum Greifen nah für mich. Im April letzten Jahres hatte mein Trainer Augusto Frota mich für zwei Monate ins American Top Team in Miami zu seinen Bekannten geschickt, damit ich mich dort auf meinen nächsten Shootokampf in Zürich vorbereiten konnte.
Die Zeit dort war für mich ein außerordentliches Privileg, auch wenn es mein bislang härtestes Trainingscamp war. Immerhin bringt das American Top Team erstklassige MMA-Fighter hervor und ist derzeit mit 35 Kämpfern in der UFC vertreten, darunter Größen wie Robbie Lawler, Thiago Alves, Nik Lentz und Dustin Poirier.

Dass ich mich dort so wohl fühlte, war auch dem Umstand geschuldet, dass die Hälfte der ATT Kämpfer aus Brasilien stammt – ich fühlte mich also wie zuhause. Die Zeit dort verging allerdings sehr schnell, ich kam wieder nach Deutschland zurück und war gerade im Anschluss zu GMC nach Brasilien gereist, als schon mein Telefon klingelte. Frota war dran und fragte mich, ob ich Lust hätte, wieder zu kämpfen. Natürlich hatte ich das. Allerdings verschlug es mir recht schnell die Sprache, als Frota mir daraufhin erklärte, dass ich für das ATT bei „The Ultimate Fighter“ antreten soll. Ich hatte also einen guten Eindruck hinterlassen – so gut, dass ich ins Team aufgenommen werden sollte.

Martin Buschkamp bei „The Ultimate Fighter“, wie ging dieses Vorhaben zu Ende?
Bei meiner Rückkehr nach Deutschland hatte die Organisation für meinen Aufenthalt und den Dreh bereits begonnen und das ATT hatte sogar schon meinen Flug nach Miami gebucht. Doch gerade als ich schon die Koffer gepackt hatte, ein Tag vor meinem Abflug, kam ein erneuter Anruf. Die -66kg Klasse bei der nächsten TUF-Staffel war gestrichen worden. Selbstverständlich war ich sehr enttäuscht, aber ich sehe es inzwischen auch wieder positiver.

Was sind die nächsten Ziele? Ist der Traum von der UFC damit in greifbare Nähe gerückt?
Im Jahr 2009 habe ich meinen ersten MMA-Kampf unter Pro-Regeln bestritten. Seit diesem Tag habe ich keinen einzigen Kampf mehr verloren. Von meinen neun Kämpfen durfte ich bei den letzten dreien sogar gegen hochkarätige und erfahrene Gegner aus dem Ausland antreten und habe dennoch überzeugen können. Ich fühle mich wohl im internationalen Vergleich. Meine Bilanz zeigt, dass ich qualifiziert bin für die UFC. Und das ATT war bereit, mich ins Rennen zu schicken, auch wenn es letztlich nicht geklappt hat. Es gibt jetzt nur noch einen Weg. Den nach vorne! Ich bin hungrig. Ich will kämpfen. Und ich gebe so kurz vor dem Ziel nicht auf! Ich steige ins Octagon für Deutschland - am 20. Juni in Berlin will ich dabei sein!