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Leon Bauer: „Wir werden Las Vegas rocken!“

Leon Bauer (Foto: Holger Plautz)

Wie bereits berichtet, wird Leon Bauer als jüngster deutscher Boxer in den Vereinigten Staaten in den Ring steigen. Der erst 17-Jährige boxt auf großer Bühne, im Vorprogramm von „Pacquiao vs. Bradley III“, und wird auf den Russen Ilshat Khusnulgatin treffen. Wir sprachen mit dem „Löwen aus der Pfalz“ vor seinem bisher größten Kampf.

GNP1.de: Leon, mit deinen 17 Jahren bist du der jüngste Deutsche, der in den Vereinigten Staaten kämpft und dazu im MGM-Grand bei einem hochkarätigen Programm. Erzähl uns wie es war, als du die Nachricht bekommen hast dort zu boxen.
Leon Bauer: Ende Januar habe ich zufällig mitbekommen, dass mein Manager Rainer Gottwald mit Sauerland Event diese Veranstaltung ins Auge gefasst hat. Rainer rief an und teilte uns nichts Konkretes mit, nur Andeutungen und wir sollten mal Reisepässe machen lassen. Es war alles irgendwie sehr geheim und irgendwann kam mein Manager an und sagte: "Alles okay, wir boxen im MGM-Grand". Für mich war damit ein Traum in Erfüllung gegangen.

Dies wird dein erster Auslandseinsatz sein. Laufen die Vorbereitungen diesmal anders oder gar härter als sonst?
Ich freue mich auf die USA. Der Umstand, dass dieser Kampf im MGM hohe Ansprüche an mich stellt, und die Tatsache, dass bei uns genau in dieser Phase Osterferien sind, hat mein Training auf ein Maximum erhöht. Das kommt natürlich meiner Kondition ganz besonders zugute. Und ja, alle Trainingseinheiten wurden erhöht!

Empfindest du als jüngster Boxer, und dann auch noch in Amerika, mehr Druck oder gibt es dir mehr Motivation?
Ich kann es eher locker angehen lassen, gerade weil ich noch so jung bin. Der Druck ist dem anderer Kämpfe vorher gleich, würde ich meinen. Für uns kommt es, glaube ich, weniger darauf an wo wir kämpfen. Ich bin stark fokussiert auf den Kampf. Ich lasse mich nur wenig von den Rahmenbedingungen ablenken, Boxring ist Boxring. Dass ich Geschichte schreibe, als jüngster Boxer, macht mich natürlich sehr stolz und ich kann meinem Manager Rainer und auch Kalle Sauerland gar nicht genug danken.

Dein Kontrahent wird Ilshat Khusnulgatin (12-1, 6 K.o.) sein. Was wisst ihr über ihn?
Über unseren Gegner haben wir uns umfangreich informiert. Wir wissen um seine Stärken und wir kennen seine Schwächen. Er ist mit 1,92m viel größer - aber gut, mein Vater stellt mich sehr gut auf den langen Russen ein. Es wird mit Sicherheit meine härteste Aufgabe.

Habt ihr euch eventuell schon eine Strategie bereitgelegt? Mit welchem Kampfverlauf rechnest du?
Eine Strategie im Boxen geht oft nach hinten los, nach meiner Erfahrung. Wir machen uns einen roten Faden, an dem ich mich versuche weitestgehend zu orientieren. Zu dem Kampfverlauf kann ich im Vorfeld wenig sagen. Wir werden unser Bestes geben und das hat uns bisher gut geholfen und so sollte es auch weiterhin klappen. Wie gesagt, wir sind gut vorbereitet. Jeder hat seinen Job gemacht. Mein Manager Rainer, mein Trainer und gleichzeitig mein Papa Bernd und ich als Boxer, werden Las Vegas rocken.

Von sieben Kämpfen konntest du sechs vorzeitig beenden, lediglich einmal gewannst du durch die Punktrichter. Wird dein Ziel gegen deinen erfahrenen Gegner ein K.o. sein oder stellt ihr euch auf die volle Distanz ein?
Ich habe mit Khusnulgatin den wohl stärksten Gegner bis jetzt. Hier einen Kampfverlauf vorauszusagen, halte ich für schwierig. Das ist das, was für mich das Kämpf ausmacht. Das Kribbeln im Bauch, zu wissen es geht bald wieder meine Ringglocke. Und dann werden wir sehen. Auf Distanz zu kämpfen wird bei Khusnulgatin schwierig werden, weil er der Größere ist. Er ist allerdings auch im Nahkampf stark. Wir setzten hier auf Flexibilität. Wir werden in der Distanz sehr beweglich bleiben.

Welche Chancen eröffnen sich bei einem Sieg?
Das weiß mein Manager Rainer wohl am besten. Er wird mit meinem Promoter Kalle Sauerland und meinen Eltern dann die richtigen Entscheidungen treffen. Nun, ich kann nicht abschätzen was danach sein wird. Für mich zählt jetzt der Moment, um genau diesen Sieg zu erreichen. Bei einem Sieg würde sich für mich nicht viel verändern. Es wird mein Selbstbewusstsein weiter stärken und mich bereit machen für größere Aufgaben.

Solltest du nicht gewinnen, was würde sich bei dir ändern?
Kein Kommentar dazu. Wir gewinnen!

Was ist dein großer Traum? Das große Ziel?
Mein Traum ist, was ich leben darf. Mein Ziel was ich erreichen will, die begehrtesten Titel im Boxen! Ich werde meinen Traum leben, denn dafür sind schöne Träume da. Das sagt mein Vater mir schon mein Leben lang. Deshalb rechnen wir nicht mit einer Niederlage.

Wer sind deine Helden im Boxsport?
Meine Boxhelden sind Leute wie Ali, Mayweather und vor allem der Boxstil von Roy Jones Jr. Hierbei ist auch zu sagen, das Ali für mich nicht nur durch sein Boxen für mich ein großer Mann ist, sondern auch durch das, für was er stand. Er hat sich nicht gebeugt - er ist ein wahrhaftiger Kämpfer für mich.

Las Vegas ist neben den großen Boxevents auch fürs Glückspiel bekannt. Anhand deines Alters darfst du dort noch nicht reinschnuppern. Wirst du nach dem Kampf versuchen dich ins Kasino zu reinzumogeln?
Ich finde es traurig, dass viele Menschen beim Zocken die Kontrolle verlieren und damit auch oft alles was sie besitzen. Noch trauriger ist, dass auf dieser Basis ein scheinbares Paradies gebaut wurde. Las Vegas ist für mich außerhalb des Ringes unwirklich und fremd und so soll es bleiben. Für mich spielt dort einzig und alleine der Ring eine Rolle.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg am 9. April!
Vielen Dank GNP1. Ich wünsche meinen Sauerland-Teamkollegen Arthur Abraham und auch Deniz Ilbay, die Deutschland vertreten werden, viel Erfolg!