Interviews

KSW 27: Abu Azaitars nächster Kampf gegen Melvin Manhoef?

Martin Lewandowski (Foto: Nazariy Kryvosheev/Groundandpound.de)

Martin Lewandowski ist der Dana White Polens. Nach erfolgreichem Abschluss an der Breslauer Wirtschafts-Universität und jahrelanger Erfahrung als Manager des Fünf-Sterne-Hotels Marriot, gründete er 2004 mit seinem Geschäftspartner Maciej Kawulski die MMA-Organisation Konfrontacja Sztuk Walki. Heute ist KSW eine der größten Veranstaltungsreihen der Welt. Am Samstag steht ihr größter Event dieses Jahres in der Danziger Ergo Arena an. Mit dabei sind die Top-Stars der Liga, wie Mamed Khaildov und Mariusz Pudzianowski - und der Deutsche Abu Azaitar. Groundandpound.de hat vorher ausführlich mit Lewandowski gesprochen.

Groundandpound.de: Martin, am Samstag wird es KSW zum ersten Mal im Käfig geben. Eine mutige Entscheidung, immerhin könnte das auf Wiederstand in Medien und Gesellschaft stoßen.
Martin Lewandowski: Das glaube ich nicht. Nach so vielen Jahren, die wir den MMA-Sport nun in Polen fördern, hat sich die Öffentlichkeit daran gewöhnt. Mittlerweile findest du auf fast jedem Sender etwas zum Thema MMA. Die meisten Medien behandeln das als ganz normalen Sport und bezeichnen es nicht als brutal oder regellos.

War der Käfig der nächste logische Schritt in der Entwicklung von KSW?
Nicht ganz, die polnischen Fans haben ihn gefordert. Unsere Entwicklung wäre auch ohne Käfig vorangegangen, bisher haben wir in jedem Jahr viele kleine Schritte nach vorn gemacht. Außerdem werden wir auch weiterhin Shows im Ring abhalten.

KSW existiert seit 2004 und ist heute eine der größten Organisationen Europas. Wie kam es zu der Gründung?
Damals war ich Manager in einem Fünf-Sterne-Hotel und habe mich nach einer neuen Sportart umgesehen, mit der man unsere Gäste unterhalten könnte. Ich habe es mit Formel 1 versucht, American Football, aber nichts davon hat mir so recht gefallen. Dann habe ich meinen heutigen Partner Maciej Kawulski getroffen, der bereits Erfahrung mit dem MMA-Sport hatte. Wir haben uns zusammengesetzt, das Thema besprochen und später beschlossen, KSW 1 in dem Hotel zu veranstalten, in dem ich gearbeitet habe.

Warum MMA? Hast du einen Background im Kampfsport?
Damals hatte ich Kickboxen betrieben, früher, als Teenager ein wenig Kung-Fu und Boxen. Heute bin ich selbst ein MMA-„Kämpfer“ (lacht).

Mariusz Pudzianowski war für den KSW-Boom vor einigen Jahren mitverantwortlich. Er allein?
Natürlich nicht. Pudzianowski hat uns in Polen bekannter gemacht, als je zuvor, ich würde das kommerziellen Erfolg nennen. Mamed Khalidov gab uns den sportlichen Erfolg. Es gab jedoch noch einige weitere wichtige Punkte in der Entwicklung von KSW. Das Verpflichten internationaler Kämpfer, der TV-Vertrag, die „echten“ Sponsoren, die wir dadurch bekamen, die Entscheidung, Shows in größeren Hallen zu veranstalten – die Kombination aus all diesen Dingen macht den heutigen Erfolg von KSW aus.

Kämpfer wie Khalidov oder Michal Materla sind in Polen extrem populär. Wie baut ihr eure Stars auf?
Das ist ein komplizierter Prozess mit vielen verschiedenen Aspekten. Vor und nach den Kämpfen tun wir alles was nötig ist, sobald die Kämpfer aber im Ring stehen und sich gegenseitig in die Augen sehen, ist unser Job getan. Hätten sie nicht so viel Talent, wäre unser Job deutlich schwieriger (lacht).

Warum habt ihr das beliebte Turnierformat abgeschafft?
Das war nur eine Frage der Zeit. Als der Sport sich weiterentwickelt hat, konnten die Kämpfer nicht mehr mehrmals an einem Abend antreten. Aufgrund von Verletzungen hätte man dann am Ende Paarungen, die keinen Sinn machen würden.

Gab es in eurer Erfolgsgeschichte auch Rückschläge?
Natürlich, die gibt es in jedem Geschäft. Nach zehn Jahren in diesem Business findet man aber glücklicherweise immer einen Weg.

Wann wusstet ihr, dass KSW etwas besonderes ist und ein großer Erfolg werden wird?
Das kann ich gar nicht sagen. Ich sehe das wie eine Eltern-Kind-Beziehung, du selbst erlebst das rasche Wachstum deiner Kinder gar nicht so deutlich wie die Menschen um dich herum. „Der ist aber groß geworden!“ Wenn ich einen Moment wählen müsste, wäre das sicher KSW 16, als wir zum ersten Mal in der Ergo Arena veranstaltet haben. Das war die größte Halle in der wir bis dahin je waren und es gab jede Menge Publicity.

Jan Blachowicz, einer eurer größten Stars, ist vor einigen Monaten zur UFC gewechselt. Auch Karol Bedorf scheint nicht abgeneigt zu sein. Wie wollte ihr da gegensteuern, um zu verhindern, dass ihr am Ende nur eine Farmliga für die UFC werdet?
Darüber mache ich mir keine Sorgen, es wird immer Änderungen in unserem Kader geben. Eines meiner liebsten Sprichwörter ist: „Panta Rhei“ – Alles bewegt sich fort, nichts bleibt. Das gilt auch für Kämpfer, Organisationen, die globale Entwicklung, usw.

Gibt es denn potenten Nachwuchs?
Das ist nicht so einfach. Es kommt immer auf das Talent, die Fähigkeiten und die Bekanntheit des Kämpfers an.

Die UFC verfolgt die Strategie der globalen Expansion. Ihr offenbar auch, zumindest wurden Shows in den USA und England angekündigt. Euer geplanter England-Event im Frühjahr 2015 würde ziemlich genau mit dem jährlichen London-Event der UFC zusammenfallen...
Die UFC befindet sich natürlich in einer ganz anderen Position als KSW. Dennoch: Zwei Shows zur selben Zeit in derselben Stadt abzuhalten ist nicht nur für eine von beiden Organisationen problematisch. Sobald ich näheres zu der UK-Show weiß, werde ich die UFC auf jeden Fall kontaktieren.

In diesem Jahr soll es auch zum ersten Mal nach Stettin gehen – dort regiert das Berserker-Team. Was können wir von dem Event erwarten?
Der Bürgermeister von Stettin ist ein großer KSW-Fan und hat uns eingeladen. Wir sind dort sehr bekannt und man erwartet uns schon lange. Die Halle wird mit Sicherheit voll bis oben hin und wir werden den Zuschauern einen emotionsgeladenen Abend bieten.

Am Samstag wird auch Abu Azaitar in den Ring steigen, er trifft auf Piotr Strus. Was sind eure Pläne für ihn?
Abu hat seine Fähigkeiten im Ring bereits beeindruckend unter Beweis gestellt. Er konnte unseren Ex-Champion besiegen, den Fans hat der Kampf gefallen. Er hat sehr viel Power in seinen Fäusten, ich erwarte also noch viele weitere spannende Kämpfe für uns.

Sollte er Strus besiegen, wäre dann ein Kampf gegen Jay Silva eine Option?
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Beide lieben den Schlagabtausch, das wäre also auf alle Fälle ein hochspannender Kampf. Vielleicht könnte er aber auch gegen Melvon (Manhoef) antreten – wer weiß?

Jay Silva hat mehrfach einen vierten Kampf gegen Materla ins Gespräch gebracht. Wie realistisch ist der?
Vielleicht in zwei Jahren. Im Moment habe ich kein Interesse an einem weiteren Kampf.

Ihr plant angeblich, weitere deutsche Kämpfer zu verpflichten. Mit Aziz Karaoglu habt ihr neben Abu Azaitar schon einen zweiten unter Vertrag. Kommt da noch mehr?
Es gibt ein paar Namen, aber solange da noch nichts unterschrieben ist, sollte ich darüber nicht öffentlich sprechen. Aber es stimmt, ich schaue sehr genau auf den deutschen Markt.

Was wird es in Zukunft sonst noch zu erwarten geben?
Wir wollen uns noch mehr für Fans auf der ganzen Welt öffnen. Unsere Internetplattform www.kswtv.com steht, darüberhinaus sprechen wir weltweit mit TV-Lizenznehmern und es wird noch mehr internationale Kämpfer auf den Fight Cards zu sehen geben.

Vielen Dank für das Gespräch Martin.

KSW 27: Cage Time wird am Samstag in der Danziger Ergo Arena stattfinden. Groundandpound-TV wird vor Ort sein.

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Martin Lewandowski ist Poland's Dana White. After graduating from Wroclaw's University of Economy and years of experience as manager of Warsaw's five-star Marriot hotel, he founded Konfrontacja Sztuk Walki together with his business partner Maciej Kawulski in 2004. Today, KSW ist one of the biggest MMA promotions in the world. This Saturday they hold their biggest event of the year, with top stars such as Mamed Khalidov and Mariusz Pudzianowski. Groundandpound.de had a lengthy chat with Lewandowski about the history and future of his organization.

Groundandpound.de: KSW 27 will feature the debut of the cage. Isn’t there a possibility that the Polish public and media will reject that?
I do not think so. After many years of promoting MMA in Poland, the public has gotten used to it. Right now nearly on every TV channel you will find something about MMA. Most of the media talk about it in a normal manner, they do not describe the sport as brutal or without any rules.

Is the cage the logical next step for you in your constant growth as an organization?
Not exactly. The Cage is just the demand of the Polish KSW fans. We would develop our organization with or without it. Every year we have made some small steps forward. Besides that, we will still do some shows in the ring.

Your evolution began in 2004, when you founded KSW. Tell us more about those early days.
Back in times I was the manager in one of the five-star hotels. I was looking for new sports that might be interesting for the Polish crowd. I tried with F1, American Football, but none of them gave me such “pleasure”. Then I met my current business partner Maciej Kawulski who knew MMA. We sat together, talked and talked about it and later decided to do KSW number one in the hotel I was working in.

Did you have any combat-sports background back then?
At that time I was practicing kickboxing, earlier, when I was a teenager, it was kung-fu and boxing and now I am an MMA “fighter” (smiles).

What have been the crucial points in KSW’s evolution? I am sure Pudzian played a huge part, but not him alone, right?
Of course not. Pudzianowski made us more recognizable in Poland than ever before. I would call this commercial success. Mamed Khalidov gave us the sporting success. But there were few more as you call it “crucial points”, like bringing in more international fighters, the contract with TV, getting “real” sponsors, the decision to do shows in bigger venues. There is not a single man or situation, but a combination of all that.

Guys like Khalidov and Michal Materla are ultra-popular in Poland. How did you build your stars?
It is a complicated process with many different aspects. Basically, we do everything before they enter the ring and just after the fight. Our role finishes when they are standing in the ring, looking at the opponent. If they would not be so talented, then our job would have been way harder (laughs).

Why did you abandon the tournament format?
It was just a matter of time. While the sport was developing, fighters could not fight more than once a night. We would have ended up with injuries during the show, illogical matchups etc.

Have you faced adversity during the long journey that building KSW has been until now?
Of course I have. In each business there are many traps and barriers. But luckily, after ten years on the market I am always finding a way out.

When did you realize that this could be a really big thing for you and for Poland?
I really cannot tell. I can compare this to a parent-child relation. When you look at your own child, you do not see the growth like people around you point this to you. If I were to choose one, KSW 16 was the biggest venue we did that time, but also with big publicity.

You have lost Jan Blachowicz, one of your biggest stars to the UFC, another big name is Karol Bedorf, who might be interested in going there. How can you avoid losing your biggest names and end up as a feeder league for the UFC?
I am not worried about that. There will be always somewhat changes to the roster. One of my favorite sayings is: "Panta rhei", which means that nothing is constant and everything changes – fighters, organizations, the global situation, etc.

What are you doing to build new heroes? Are there any follow-ups in sight, yet?
It is not easy. It depends on the fighter’s sporting level, how big his name is, how talented the person is, etc.

The UFC’s key to growth right now is global expansion. You seem to have a similar goal and talked about shows in England and the US. You have plans on visiting London’s Wembley Arena early next year. But it is very likely that the UFC will host an event in London in the same time frame. Are you aware of that, do you feel that this can pose any problems?
The UFC has a different position than KSW has. However, doing two shows in the same city and similar time frame is not a problem only for one of the promotions involved. When I will have a certain idea about the show in UK, I will definitely contact the UFC about it.

Another show is planned for Szczecin this year, Berserker-country. What can we expect from that show?
We have been invited by the mayor of Szczecin, who is a big fan of our organization. KSW is very well known there and very much expected. For sure it will be a packed arena and we are going to give them a good portion of electrifying emotions.

Abu Azaitar faces Piotr Strus on Saturday. What are your plans for him?
Abu has already shown good skills in the ring. He defeated our ex-champion and fans enjoyed that fight. He has heavy hands, so I expect he will do a lot of exciting bouts for us.

If he wins, would a fight against Jay Silva be an option?
I cannot tell right now, but these guys like to trade punches, so definitely it would be a thrilling fight. Maybe against Melvin (Manhoef)… who knows?

How realistic is Materla-Silva 4?
Maybe in two years time. Right now I am not interested in another fight.

I heard you plan on signing more German talent for your Western-Europe expansion, Aziz Karaoglu is already under contract. Do you have anyone else in sight, yet?
There are a few names, but it would be not wise from my side to talk about them publicly as long as I have not signed the contract. The truth is that I am looking at your market very intensely.

What else is there to expect from you in the next years?
We want to be more open for fans around the globe. We develop out internet platform www.kswtv.com, we talk with licenses distributors about being more visible on world’s TV networks, there will be some more international transfers to KSW fight cards as well.