Interviews

Kraniotakes vs. Poberezhets Teil 2

Andreas "Big Daddy" Kraniotakes (Foto: Milos Markovic/WFC)

Wie wir bereits berichteten, wird die britische MMA-Organisation Cage Warriors am morgigen Abend ihren 46. Event in der Ukraine abhalten. Hierbei wird es zum Aufeinandertreffen zwischen German Top Five Kämpfer Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes (12-5) und dem 26 Jahre alten Ukrainer Dimitry Poberezhets (10-4) kommen.

GroundandPound sprach mit den beiden charismatischen Kämpfern über das bevorstehende Duell. In unserer zweiteiligen Interviewreihe findet ihr nun im zweiten Teil das vollständige Gespräch mit Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes:

GroundandPound: Andreas, du wirst kommenden Donnerstag bei Cage Warriors 46 in der Ukraine auf Dimitry Poberezhets treffen. Was weißt du bislang von deinem Gegner?
Andreas Kraniotakes: Natürlich weiß ich alles über ihn, was das Internet an Informationen hergibt. Auch meine Kontakte in der Fight-Szene haben mir das Ein oder Andere gesteckt. Allerdings versuche ich, mich nie zu sehr darauf einzuschießen, was mein Gegner jetzt besonders gut macht. Am Ende geht es darum, dass ich mein Ding mache. Je besser mir das gelingt, desto besser wird auch der Kampf für mich ausgehen. Ich weiß jedoch genug über ihn, um ihn keineswegs zu unterschätzen. Seine Fähigkeiten sind mehr als solide und er ist mental stark genug, um auf großen Bühnen zu kämpfen. Da mache ich mir keine Illusionen.

Gab es für diesen Kampf eine spezielle Trainingsvorbereitung?
Es ist relativ schwer sich für einen Gegner wie Dimitry vorzubereiten. Er ist ein ausgeglichener Kämpfer. Sowohl sein Stand, Boden, als auch das Ringen sind solide. Somit habe ich mich bei dieser Vorbereitung eher auf mich und mein Spiel konzentriert. Ich habe daran gearbeitet, meine Stärken besser einsetzen zu können und versucht, ein paar meiner Fehler zu verkleinern. Was das genau ist, kann ich leider so kurz vor einem Kampf nicht preisgeben.

Nach deinem Kampf mit Tim Sylvia triffst du nun auf einen eher unbekannten Gegner. Siehst Du dies als einen kleinen Rückschritt in deiner Karriere?
Wenn ich nach dem Sylvia-Kampf darauf warten würde, nur noch gegen Leute mit seiner Reputation anzutreten, dann würde ich wohl den Rest meiner Karriere mit Warten verbringen. Diese großen Namen muss ich mir nun erst wieder verdienen. Und nur, weil ich einmal gegen einen ehemaligen UFC Champion gekämpft habe, heißt das ja noch lange nicht, dass Leute wie Dimitry nicht mehr auf meinem Level sind. Er wird mir sicher genügend Probleme bereiten und hat sich gewissenhaft vorbereitet. Es ist natürlich weitaus gefährlicher gegen solch einen Gegner zu kämpfen. Hier habe ich etwas zu verlieren, wohingegen bei meinem letzten Kampf Sylvia in der Bringschuld war. Abgesehen davon ist Dimitrys Kampfrekord von 10-4-1 schon für sich ein Zeichen, dass er ein ernstzunehmender Gegner ist. Von daher sehe ich keinerlei Veranlassung, diesen Kampf als einen Schritt nach hinten zu sehen.

Andreas Kraniotakes vs. Tim Sylvia

Dein Gegner hatte in unserem Interview nichts als löbliche Worte über deine Fähigkeiten als Kämpfer zu verkünden. Er bezeichnet dich als einen sehr charismatischen, intelligenten und sehr vielseitigen Kämpfer, der den Namen „Big Daddy“ auf jeden Fall verdiene. Macht ihn dies gleichzeitig als Gegner umso gefährlicher?
Definitiv! Jemand wie Sylvia ist mir da weitaus lieber. Es ist immer gefährlich, seinen Gegner zu unterschätzen und das würde mir natürlich in die Hände spielen. Aber ich freue mich, dass er mir diese Fähigkeiten zuspricht. Das heißt, dass ich gegen den besten Poberezhets kämpfen werde, den wir bislang gesehen haben. Und genau den will ich auch mit mir im Käfig wissen.

Fällt es dir leichter gegen einen Gegner zu kämpfen, der dir gegenüber eher respektlos ist?
Eigentlich ist mir das relativ egal. Ich finde immer eine Motivation mein Bestes zu geben. Die meisten Animositäten, die es vor den Kämpfen zwischen den Kontrahenten gibt, begründen sich entweder auf der Absicht den Kampf zu promoten oder sie erwachsen aus der Unsicherheit der Kämpfer. Von daher versuche ich sie als natürliches „Drumherum“ zu interpretieren. Genau wie die Kameras und die Zuschauer. Für manche gehört es eben dazu.

Von seinen 14 Kämpfen gingen sechs über die volle Distanz. Stellst du dich auf einen langen Abend ein?
Wenn es meinem Gegner gelingen sollte, seinen Kampf zu kämpfen, dann muss ich mich tatsächlich auf einen langen Abend einstellen. Von daher habe ich mich mal auf das Schlimmste vorbereitet. Sollte es jedoch mir gelingen, ihm meinen Stil aufzuzwängen, dann könnte ich schon relativ frühzeitig Feierabend machen.

Es wird dein erster Kampf in der Ukraine sein. Hast Du schon eine Vorstellung, was dich dort erwarten wird?
Ich hoffe, dass es so wird, wie bislang in jedem meiner Trips in den Ostblock: schön. Die Akzeptanz für den Sport ist erfahrungsgemäß eine ganz andere als hierzulande. Das alleine würde mich schon sehr freuen. Cage Warriors liefert ohnehin immer sehr gute Events ab. Die Planung und Betreuung ist große Klasse. Somit mache ich mir eigentlich keine großen Gedanken, dass etwas schief laufen könnte. Die Zuschauer werden wohl eher auf der Seite meines Gegners sein, aber das ist ja nicht das erste Mal.

Bislang bist du in dieser Organisation ungeschlagen. Wie hoch schätzt du deine Chancen ein, sofern du diesen Kampf jetzt gewinnst, in naher Zukunft einen Titelkampf zu erhalten?
Natürlich ist es Zukunftsmusik und reine Spekulation. Zunächst steht erst einmal Dimitry vor mir und ich werde ihm nicht den Gefallen tun, den er mir verwehrt hat, und ihn auf die leichte Schulter nehmen. Dennoch werde ich dir auf deine Frage antworten:

Ich weiß, dass mich die Verantwortlichen bei Cage Warriors sehr gerne mögen. Sowohl das, was ich ihnen innerhalb, als auch das was ich außerhalb des Käfigs biete, loben sie stets in den höchsten Tönen. Hätte das Timing besser gepasst, dann hätte ich schon um die Krone dort kämpfen können. Das Problem an der Sache sind eben die „hätte“ in dem Satz. MMA ist, wie die Leser wohl wissen, nicht nur ein Sport, sondern auch ein Business, und dort muss eben auch häufig das Timing stimmen. Angenommen ich gewinne und das Timing stimmt, könnte es also durchaus sein.

Gibt es bereits einen weiteren Kampf, von dem du uns berichten kannst?
Dank CTRLMSTR gibt es viele Dinge, die in der Mache sind. Allerdings ist noch nichts dabei, über das ich jetzt reden kann.

Da Björn Schmiedeberg bislang als Respect-Schwergewichtchampion für den anstehenden Event noch nicht gelistet ist, fragen sich viele Fans, ob es nun zum Showdown im April zwischen euch beiden kommen wird. Kannst du uns darauf eine Antwort geben?
Definitiv nicht! Ich mag Björn. Er ist ein guter Kämpfer und ein noch besserer Mensch. Respect mag ich als Veranstaltung aus diversen Gründen nicht mehr, die ich aber hier nicht weiter diskutieren will. Für mich ist diese Rematch-Geschichte eigentlich noch nie ein Thema gewesen. Ich dachte, das hätte ich in der Vergangenheit schon klar gemacht. Falls nicht, sollte es spätestens jetzt klar sein.

Andreas, wir bedanken uns für deine Zeit. Gibt es zum Abschluss noch etwas, was du deinen Fans oder auch Dimitry wissen lassen möchtest?
Ich freue mich auf den Trip nach Kiew und auch darauf, endlich wieder in den Käfig zu steigen. Sowohl für die Fans, als auch für Dimitry und mich hoffe ich, dass es ein guter Kampf wird. Let’s Rock´n Roll!