Interviews

Kentikian, Brähmer und Alekseev im Interview

Kentikian, Brähmer und Alekseev (Fotos via boxing.de)

Susi Kentikian und Jürgen Brähmer werden am 17. Juli ihre Weltmeistertitel in Schwerin auf Spiel setzen. Alexander Alekseev versucht dagegen in einem WM-Eliminator einem Titelkampf näher zu kommen (siehe auch unsere Vorschau zur Universum Champions Night). Vorher sprachen sie jedoch mit ihrem Promoter Universum über ihre Kämpfe und Ziele – lest hier was sie zu sagen hatten.

Susi Kentikian - „Ich bin daran gewöhnt, die Gejagte zu sein.“

Susi, Sie steigen nun gegen Arely Mucino in den Ring, und nicht gegen Nadia
Raoui. Warum?

Ich wollte das Rematch sofort machen, aber Nadia hat in den Verhandlungen mit meinem Promoter zu hoch gepokert. Das heißt aber nicht, dass das Rematch für immer gestorben ist. Jetzt bekommt Arely ihre Chance. Und das wird schon hart genug.

Wie denken Sie über ihren letzten Fight?
Gegen Nadia hatte ich einen meiner schlechteren Kämpfe gezeigt, auch wenn ich es unfair finde, wenn einige sagen, ich hätte ihn klar verloren. Ich hatte die deutlich klareren Treffer. Und als Herausforderin musst du einfach mehr tun. Die Kritik hat mich aber letztlich sogar motiviert. Ob das gute oder schlechte Kritik ist, sie bringt mich voran. Ich liebe es sogar, wenn die Leute mich kritisieren. Dann sieht man nämlich, dass die Menschen mich ernst nehmen und an mir interessiert sind. Und es ist schön, wenn Leute dazu stehen und sagen, das war aber nicht gut von dir, aber wir wissen, du kannst es eigentlich besser. Ich weiß selbst, dass ich es besser kann und das werde ich am Samstagabend zeigen.

Hat Sie der letzte Kampf vorangebracht oder zurückgeworfen?
Natürlich vorangebracht. Jeder Kampf ist wie eine Lektion, die man lernen muss. Es ist sehr schwierig oben zu bleiben. Du bist immer die Gejagte. Aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt.

Wie denken Sie über Ihre Gegnerin aus Mexiko?
Wir hatten leider nur wenig Videomaterial zur Verfügung. Da gehe ich fast blind in den Kampf. Aber ich unterschätze meine Gegnerinnen niemals. Was mein Trainer Magomed Schaburow und ich sehen konnten, ist, dass sie boxen und hauen kann. Es wird auf jeden Fall eine Schlacht. Auch, weil es ziemlich heiß wird bei diesen hochsommerlichen Temperaturen und die Halle wieder brennen wird. Das ist meine Gegnerin natürlich etwas mehr gewöhnt. Aber ich kenne das aus den letzten Tagen im Gym auch. Ich freue mich sehr auf den kommenden Samstag.

Haben Sie eine besondere Siegtaktik parat?
Lasst euch überraschen. Aber so viel kann ich verraten. Ich werde den Stil boxen, den die Leute von mir kennen. Und der heißt Vernichten. Geradeaus gehen und sie vernichten. Ich werde nichts ausprobieren, wie beim letzten Mal. Die Leute kennen mich dafür, dass ich rein gehe und die Gegnerin zerstöre.

Was tun Sie eigentlich, wenn Sie nicht an Boxen denken?
Ich gehe gern shoppen, treffe mich mit Freundinnen. Was man so tut in meinem Alter. Auch gehe ich gern mit meiner Pudel-Hündin Cleopatra spazieren. Bei mir um die Ecke ist ein kleiner See. Da tollen wir manchmal rum. Sie ist schon 11 Jahre alt – aber immer noch sehr fit und kann noch viel schneller rennen als ich. Gestern war ich hier auf dem Schweriner See mit einem Motorboot unterwegs. Man muss sich auch mal mit anderen Dingen beschäftigen als nur mit Boxen. Die letzten Tage vor dem Kampf sind eher ruhig und konzentriert. Darum hab ich gestern noch mal ein bisschen auf dem See Gas gegeben. Das war echt toll. Am Samstag gebe ich im Ring ja auch Vollgas.

Jürgen Brähmer - „Bernard Hopkins wäre mein Traum.“

Herr Brähmer, Sie boxen diesen Samstag in Ihrer Heimat Schwerin gegen den sehr erfahrenen Spanier Alejandro Lakatos. Wie schätzen Sie Ihn ein?
Er ist ein erfahrener Mann und ein kleiner Stinker. Und durch seine Erfahrung und die Art und Weise wie er boxt, ist es garantiert keine einfache Aufgabe. Er ist ein sehr hart schlagender Mann vor dem man immer auf der Hut sein muss. Aber ich glaube, dass ich mit meiner technischen Überlegenheit den Gegner klar dominieren kann.

Wie verlief die Vorbereitung bisher und wie sieht die Woche vor dem Kampf aus?
Die lief ausgezeichnet. Wir haben die perfekten Sparringspartner ausgewählt und im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit der Vorbereitungsphase. Die letzte Woche vor dem Kampf verbringe ich in Schwerin und werde mich vor Ort vorbereiten. Mit einer guten Mischung aus Anspannung und Entspannung.

Beschäftigen Sie sich vor Ihren Kämpfen gerne mit Ihren Gegnern oder konzentrieren Sie sich lieber auf sich selbst?
Ich konzentriere mich eigentlich vor allem auf mich selbst und meine Fähigkeiten und Stärken. Ich möchte ja schließlich dem Gegner meine Stärken aufzwängen und nicht seine annehmen. Dementsprechend bereite ich mich auch vor.

Sie haben bisher 36 Profikämpfe bestritten und davon 29 vorzeitig beendet. Gehen Sie mit dem Ziel in den Ring, den Gegner durch K.O. zu besiegen?
Nein, ich gehe nie in den Kampf mit dem Ziel ihn vorzeitig zu gewinnen. Ich bereite mich immer ganz bewusst auf die volle Distanz vor. Wenn es im Kampf die Chance eines Knockouts gibt, dann nutze ich sie. Das ist dann schön und gut für mich. So muss ich nicht über die vollen 12 Runden gehen, aber das ist nie mein Ziel. Ein Knockout passiert eigentlich von alleine, man kann ihn nur vorbereiten.

Sie sollen ja auch viel weniger Tape als andere Boxer verwenden, damit ihre Schläge härter sind – stimmt das?
Ja das stimmt. Ich verwende weniger Tape als andere Boxer. Dadurch kommt mehr Schlaghärte durch.

Sie engagieren sich für die Marke Santa Fu, benannt nach dem berühmten Hamburger Gefängnis. Was steckt dahinter?
Santa Fu ist ein gemeinsames Projekt mit dem Justizministerium in Hamburg. Es wird von Insassen selbst produzierte Kleidung veräußert und ein großer Teil der Erlöse geht an die Organisation „Weißer Ring“. Sie kümmern sich um einen Opferausgleich. Ich wurde angesprochen, ob ich bei dem Projekt nicht mitmachen möchte und da habe ich natürlich gleich zugestimmt. Das ist eine gute Sache und die Herstellung der Textilien eine sinnvolle Aufgabe für die Jungs da drinnen, die im Vollzug sitzen. Ich weiß selbst was es heißt, im Gefängnis eine sinnvolle Aufgabe zu bekommen. Ich unterstütze diese Sache und mache gerne Werbung für dieses Programm. Und wie ich gehört habe, kommt das auch sehr gut an. In meinem Bekanntenkreis sind jedenfalls alle heiß auf die Sachen.

Wie ist die persönliche Lage, Ihr Berufungsverfahren läuft?
Ja, aber das wird eine lange Story. Man muss mit 3-6 Jahren rechnen bis etwas passiert. Die Gerichte haben viel zu tun. Ich gehe davon aus, dass der Fall neu aufgerollt wird und die Wahrheit ans Licht kommt.

Welche Bedeutung haben für Sie die Fans, insbesondere jetzt in Schwerin und Ihr Promoter? Beide haben Sie auch in schwierigen Zeiten immer unterstützt.
Ja, wieder in Schwerin zu boxen ist natürlich toll. Zwar hat mich das Publikum in Hamburg auch gefeiert, aber Schwerin ist eben ein echtes Heimspiel. Die Fans sind enorm wichtig für mich und auch für Universum. Ich glaube auch, dass Universum so viel Potenzial hat, dass es auf jeden Fall weiter geht. Im Übrigen haben wir mehr Potenzial als viele andere Boxställe. Wir haben die meisten deutschen Weltmeister. Dementsprechend ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Potenzial bei allen ankommt und wir einen Partner haben, der an uns zu 100 Prozent glaubt. Ich mache mir da gar keine Sorgen um die Zukunft.

Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Trainer Michael Timm innerhalb und außerhalb des Gym? Sie kennen sich seit den Anfängen in den 90ern.

Ja, das ist definitiv mehr als eine Trainer-Boxer-Beziehung. Wir kennen uns schon so lange. Ich kenne Timmi seit ich 15 oder 16 Jahre alt bin, dementsprechend ist es schon mehr eine Freundschaft.

Schwerin ist eine deutsche Boxhochburg. Viele erfolgreiche Boxer und Trainer kommen aus Schwerin. Können Sie sich vorstellen nach der Karriere wie Michael Timm oder Fritz Sdunek als Trainer zu arbeiten?
Ja, das kann ich mir schon vorstellen. Aber ich kann mir viel danach vorstellen. Ich finde, ich muss mir darüber jetzt aber noch keine Gedanken machen. Ich habe einige Projekte am Laufen und es wird sich sicherlich noch viel ergeben. Aber der Trainerjob ist natürlich eine reizvolle Aufgabe. Man wird sehen, wohin der Weg dann führen wird.

Haben Sie einen Wunschgegner, den Sie unbedingt mal boxen möchten?
Zurzeit fokussiere ich mich natürlich auf Lakatos. Aber man hat ja seine Träume. Einer davon ist Bernard Hopkins. Das reizt mich sehr und es wäre eine tolle Aufgabe.

Alexander Alekseev - „Boxen ist gefährlich - Wenn ich die Chance nicht nutze, dann tut es mein Gegner.“

Herr Alekseev, Sie haben immer von Ihrem Traumgegner Marco Huck gesprochen – jetzt haben Sie die Chance Pflichtherausforderer zu werden. Wie motiviert sind Sie?
Mich motiviert im Moment nur mein nächster Gegner Denis Lebedev. Ich will natürlich Weltmeister werden. Das ist für mich jetzt das Halbfinale. Ich konzentriere mich nur auf diesen Gegner und denke nicht an Huck. Ich will gewinnen. Ich muss gewinnen. Dafür werde ich alles tun. Das ist meine Chance.

Sie kriegen es mit Ihrem ungeschlagenen Landsmann Denis Lebedev zu tun. Ihre größte Herausforderung bisher?
Alle Gegner sind stark. Oben gibt es keine leichten Gegner. Und man wächst mit seinen Herausforderungen. Ich will Weltmeister werden, da gibt es keine leichten Aufgaben und jeder Gegner ist eine Herausforderung. Man muss sich voll und ganz auf den Kampf fokussieren, um seine Höchstleistung zu bringen. Er ist stark, aber ich kann ihn besiegen.

Wie haben Sie sich auf diesen schweren Kampf vorbereitet?
Insgesamt habe ich mich 12 Wochen vorbereitet. 18 Tage davon in Österreich in den Bergen. Gemeinsam mit meinem Trainer Magomed Schaburow, Eddy Gutknecht und Dimitri Sartison. Dort haben wir vor allem Grundlagentraining gemacht, um die konditionellen Voraussetzungen zu schaffen. Dann haben wir in Hamburg intensiv weiter gearbeitet. Zwei Wochen Sparring mit drei verschiedenen Sparringspartnern absolviert. Jetzt bin ich topfit und bei 99 Prozent Leistungsvermögen angekommen. Den letzten Prozentpunkt hole ich mir in den letzten Tagen vor dem Kampf im Feinschliff.

War es schwer für Sie, die überraschende Niederlage gegen Victor Emilio Ramirez
wegzustecken und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Jeder Mensch macht Fehler. Das ist keine Ausrede, aber das ist abgehakt. Ich habe alles gut analysiert und die Konsequenzen daraus gezogen. Ich kann mir keine weitere Niederlage mehr leisten. Ich weiß genau warum ich verloren habe und diese Schwächen habe ich ausgemerzt und meine Stärken weiter verbessert. Es war eine Überraschung, aber ich habe dadurch an Erfahrung gewonnen. Man sagt ja, dass man aus Fehlern lernt - und das habe ich! Diese Erfahrung kann auch positiv sein, wenn man sie zu nutzen weiß. Und das werde ich im Ring zeigen.

Sie haben eine beeindruckende K.O.-Statistik. Gehen Sie mit dem Ziel ins Gefecht, Ihren Gegner auszuknocken?
Wir boxen im Cruisergewicht. Jeder Schlag kann alles entscheiden. Ich bin immer bereit, die ganze Distanz zu gehen. Aber wenn ich die Chance habe, den Gegner umzuhauen, dann nutze ich sie. Boxen ist gefährlich. Wenn ich die Chance nicht nutze, dann tut es mein Gegner. Jeder Schlag kann die Niederlage sein, deswegen werde ich versuchen, meine Chancen zu nutzen und meinem Gegner zuvor zu kommen.

Ihr Trainer Fritz Sdunek musste aus gesundheitlichen Gründen sein Trainerengagement beenden. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Magomed Schaburow?
Ich bin Fritz sehr dankbar für alles. Es ist wirklich sehr schade, dass er aufgehört hat bzw. aufhören musste. Aber ich muss weiterarbeiten, um meine Ziele zu erreichen. Magomed ist durch die alte sowjetische Boxschule gegangen. Das ist für mich sehr positiv. Ich entwickle mich unter ihm sehr gut und lerne viele neue Dinge dazu.

Wie entspannen Sie sich nach einem Kampf?
Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie und meinem Sohn. Kinder sind die beste Regeneration. Sie geben so viel positive Energie mit ihrem Lachen, ihrer natürlichen naiven Art. Natürlich fliege ich auch nach Möglichkeit in meine Heimat. Da wohnen meinen Schwiegereltern, Freunde und alte Boxerkollegen aus meiner Amateurzeit. Alle kennen mich dort und begegnen mir immer sehr positiv. Da kann ich dann richtig auftanken.

Warum können Sie den Weltmeister Huck entthronen?

Erstmal muss ich meinen nächsten Kampf gewinnen, dann denke ich über Marco Huck nach. Meine volle Konzentration ist auf Lebedev gerichtet und alles andere interessiert mich nicht.

 

Anzeige:

Vantage Fighting - Boxhandschuhe, Boxequipment und mehr.