Interviews

Keine Fehler erlauben

Sebastian Holzmann trifft bei der III. la familia Fightnight auf Thomas Wichmann.

Nach jahrelangen Erfolgen im K-1 und Muay Thai wagt sich der 30-jährige Sport- und Wirtschaftswissenschaftsstudent Sebastian Holzmann auf neues Terrain: MMA. Nach ersten erfolgreichen Gehversuchen im vergangenen Jahr, will der Hallenser la familia-Fighter in diesem Jahr richtig Gas geben. Nach einem Sieg über Haudegen Maik Stumbries trifft Holzmann am 05. Mai auf der hauseigenen Veranstaltung auf den Merseburger Taktiker Thomas Wichmann.

GroundandPound: Sebastian, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg über Maik Stumbries – einen echten MMA-Veteranen. Wie beurteilst du deine Leistung aus deiner Sicht?
Sebastian Holzmann: Danke, aus meiner Sicht war der Kampf ein großer Test für mich, ob ich nach dem letzten Jahr, wieder zum Ringgeschehen zurückfinde. Ansonsten war der Gameplan gegen so einen starken und erfahrenen Kämpfer klar: Da Maik für sein starkes Groundgame bekannt war, wollte ich die erste Runde den Takedown verhindern und viel mit Händen arbeiten, was mir auch ganz gut gelang, obwohl Maik am Wettkampftag gute 5 Kilo mehr auf den Rippen hatte, als ich. Trotzdem bin ich im MMA noch ein absoluter Rookie und habe noch viele Fehler gemacht, das weiß ich, und diese kann ich mir am 5. Mai definitiv nicht erlauben.

In der ersten Runde konntest du Stumbries mit einem Spinning-Back Kick gut zusetzen, in der zweiten hast du dann den Takedown gesucht. Damit hätte man nicht unbedingt gerechnet...
Der Kick saß echt gut, das hat man auch gesehen. Leider war die Runde dann zu Ende. Wegen dem Takedown: wenn dein Gegner acht Minuten lang versucht, dich auf den Boden zu bekommen, und merkt, dass du im Stand bleiben willst, dann ist das das letzte womit er rechnet: selber einen Takedown schießen. Auch wenn sich das halbwegs ergeben hat, habe ich vorher extrem viel an meinen ringerischen Fähigkeiten gearbeitet. Das gehörte zum Plan.

Sebastian Holzmann (r.) in Magdeburg gegen MMA-Veteren Maik Stumbries. (Foto: Foto Mally)

Dein Pensum ist hart, am 5. Mai geht es schon in den nächsten Fight. Bei der III. la familia Fightnight stellst du dich Thomas Wichmann. Ihr kennt euch ja schon ganz gut vom Training…
Das kann man so nicht ganz sagen. Thomas hast sich unser Gym mal angeschaut und auch mal eine Einheit mitgemacht. Aber jeder erfahrene Sportler weiß, dass man in einem fremden Gym weder alles zeigt noch alles gibt. Von daher schenke ich dieser Tatsache wenig Bedeutung. Aber ich habe Thomas vorher schon kämpfen sehen, auch bei unserem Grappling Cup, von daher weiß ich, wie stark er ist und werde ihn ganz sicher nicht unterschätzen. Das wird echt eine Riesen-Herausforderung für mich. 

Was erwartest du von dem Kampf?
Wie gesagt, ich halte Thomas für einen guten und intelligenten Kämpfer. Außerdem ist er wesentlich erfahrener als ich. Diesmal muss ich mich auf alles einstellen, da er auch im Stand sehr stark ist. Das wird eine harte Nuss, aber man muss sich sportlich immer nach oben orientieren, wenn man sich verbessern will. Und zu guter Letzt:  wir wollten beide diesen Kampf schon eine ganze Weile.

Noch ein paar Worte zu Kampfrichterentscheidungen: Das Kampfgericht letztes Jahr stellte die WBC, dieses Jahr die WKA. Wir, also der Veranstalter, dürfen das komplette Kampfgericht mit allem drum und dran bezahlen und das ist echt nicht billig. Da man aber das ganze Paket von der WKA nehmen muss, haben wir überhaupt gar keinen Einfluss auf Kampf- oder Punktrichterentscheidungen. Das wollte ich nur noch einmal kurz klarstellen.

Vor längerer Zeit hatten wir beide uns unterhalten und du sagtest, du fühlst dich ein wenig ausgebrannt. Nun bestreitest du zwei MMA-FIghts in wenig mehr als einem Monat. Hast du neue Motivation gefunden?
Das stimmt. Ich hatte nach zwei grottenschlechten Kämpfen letztes Jahr, unter anderem auf unserer eigenen Gala, echt ein Tief und keine Motivation mehr. Zusätzlich noch viel Stress mit Uni und Nebenjob, da habe ich erst einmal eine ganze Weile vom Kampfgeschehen pausiert. Das hat auch ganz gut getan, vielleicht habe ich diese Pause auch gebraucht, um mich wieder frisch motiviert zum Training zu schleifen.

Du bist bereits seit Jahren sehr erfolgreich im Muay Thai und K-1 unterwegs. Nun trainierst du schon seit längerem Grappling, hast erfolgreich einige MMA-Fights bestritten. Wie kommt es zu dem Wechsel?
Die Liebe zum MMA hab ich schon sehr lange. Ich verpasse kaum einen UFC-Event, das ist wie Fußball-WM schauen für Fußballfans. Ich dachte allerdings lange Zeit, ich hätte nicht das nötige Talent dafür. Außerdem hat mein Trainer immer gesagt: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“. Mal schauen, wer recht behalten wird… (grinst)

Wohin soll die Reise für dich nach dem 5. Mai gehen? Planst du, im Fall eines Sieges, im MMA richtig durchzustarten oder wird man dich auch wieder einmal im K-1 oder Muay Thai sehen?
Zum richtig durchstarten bin ich viel zu alt, das weiß ich. Leider habe ich nicht die Gene eines Randy Couture… Ich würde aber gern noch ein paar gute Kämpfe im MMA abliefern und möglichst lange verletzungsfrei bleiben, das war sonst immer ein Problem. Trotzdem werde ich definitiv auch noch ein paar Kämpfe im K-1 oder Muay Thai machen, da sind noch ein paar Rechnungen offen und ich würde im K-1 gern noch einen Gürtel erkämpfen, den ich auch wirklich verdient habe.

Sebastian Holzmann und Thomas Wichmann werden am 5. Mai 2012 bei der III. la familia Fightnight in der Volksbank Arena Halle/Saale aufeinandertreffen. Informationen zur Veranstaltung, Karten und eine vollständige Fightcard gibt es auf der offiziellen Internetseite: www.la-familia-fightclub.de.

Ein Interview mit Thomas Wichmann findet sich hier.