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Katharina Lehner: Ich glaube fest daran, dass ich bald in der UFC kämpfe!

Katharina Lehner (Foto: Control Master Management)

Titelkampf bei Invicta, Einladung und Teilnahme an „The Ultimate Fighter“, Box-Debüt. Katharina Lehner hat im vergangenen Jahr einiges erlebt und hat große Pläne für 2019. Mit GNP1.de hat sie über ihr vergangenes Jahr, ihre Pläne für 2019, Cris Cyborg und das UFC-Federgewicht für Frauen und mehr gesprochen.

GNP1.de: Hallo Katharina, alles Gute im neuen Jahr 2019. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter dir. Du hast gegen Sarah Kaufman bei Invicta um den Titel gekämpft, warst im TUF-Haus, hast dein erstes Trainingslager in den USA hinter dich gebracht und zum Schluss auch noch einmal geboxt. Was würdest du als dein Highlight bezeichnen?
Katharina Lehner: Das Highlight ist auf jeden Fall meine Zeit im TUF-Haus. Trotz der Niederlage war es eine einmalige Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Man ist ja nie sechs Wochen irgendwo eingesperrt, ohne Kontakt zur Außenwelt, man lernt neue Leute kennen. Das war also auf jeden Fall mein Highlight.

Ist dir nicht nach einer Weile die Decke auf den Kopf gefallen?
Ich hatte das Pech und hab direkt in der ersten Runde gekämpft. Ich hatte vielleicht drei Trainingstage, dann musste ich schon Gewichtmachen und danach war eigentlich klar, dass ich fünf Wochen im Haus bin, ohne dass ich einen Kampf anstehen habe. Meine Motivation fürs Training war schon noch da, aber wie man in den Folgen sehen konnte, war unser Team nicht so begeistert vom Training. Man hatte eigentlich keinen geregelten Tagesablauf mehr. Man war halt den ganzen Tag im Haus, hatte ein wenig Ablenkung und hat sich viel unterhalten. Aber es hat mir gut getan. Ich war die ganze Zeit unter Leuten, habe mich viel unterhalten und ausgetauscht. Die ganze Sache war sehr wertvoll für mich.

Wie war es, anschließend noch fünf Wochen mit Pannie Kianzad im Haus zu leben, gegen die du in deinem Kampf verloren hattest?
Am Anfang war es ein wenig komisch. Aber ich war mehr von mir selbst enttäuscht. Ich habe gemerkt, dass ich nicht fit genug war und dann habe ich mich natürlich sehr über mich geärgert, weil ich mich hätte besser vorbereiten können fürs Haus. Ich wusste ja, dass ich vielleicht schon in der ersten Woche kämpfen muss. Aber ich habe das nicht an ihr ausgelassen, sie ist ein sehr nettes Mädel. Wir haben uns eigentlich danach sehr gut verstanden.

In der TUF-Geschichte kommt es ja immer wieder zu Verletzungen, durch die Ausgeschiedene noch eine zweite Chance erhalten. Ertappt man sich manchmal dabei, dass man auf so einen Fall hofft?
Ja klar. Teilweise war es so, dass mir der Gedanke kam, dass ich vielleicht „Glück“ habe und es verletzt sich jemand, was natürlich nicht nett ist. Aber man ist eigentlich nur zum Kämpfen in diesem Haus. Der Gedanke kam also schon ab und zu, aber ich habe keinem was Schlechtes gewünscht, weil wir uns alle sehr gut verstanden haben.

Katharina Lehner als Teil von Team Whittaker bei The Ultimate Fighter 28 (Foto: ZUFFA LLC)

Du hast es ja selbst schon erwähnt und auch andere Kämpfer aus dem Haus haben Kritik am Training von Robert Whittaker geübt. Was lief da nicht gut?
Ich wurde ja schon zum Kämpfen ausgewählt, bevor wir ins Haus eingezogen sind. Ich habe dann kurz mit ihm persönlich gesprochen und ihm meine Routine erklärt, also was ich so in der letzten Woche vor dem Kampf so mache. Ich habe ihn drum gebeten, dass wir noch Pratzentraining machen und vor allem Drills am Boden und am Käfig. Hat nie stattgefunden, keiner der Trainer hat dort einzeln mit mir trainiert vor dem Kampf. Und nach dem Kampf war ich sowieso sauer, dass ich verloren habe, aber klar lag es nicht nur an ihnen. Im Training haben wir danach teilweise nur Spiele gespielt, also Fußball und Handball. Ich bin eigentlich mit der Erwartung dorthin gegangen, dass ich sehr viel lerne und ich wollte eigentlich auch zu Team Whittaker, weil er als Champion natürlich weiß, was er macht. Wir haben öfter nachgefragt, ob wir nicht auch sonntags trainieren können oder andere Übungen machen, aber die Coaches haben da nicht diskutiert, sondern sind sofort an die Decke gegangen, wenn man Kritik geäußert hat. Es war einfach unmöglich. Deswegen haben die meisten im Haus trainiert oder wir sind ins Performance Institute der UFC gefahren und haben dort unser eigenes Ding gemacht.

Also ein riesiger Unterschied zu deinem Trainingscamp vor deinem Titelkampf bei Invicta, das du bei Jackson-Wink gemacht hast.
Auf jeden Fall. Also bei Jackson-Wink wurde ich mit offenen Armen empfangen. Mike Winkeljohn hat mir sofort angeboten, täglich mit mir Pratzentraining zu machen. Also zusätzlich und freiwillig. Er hat auch gemeint, er macht es sehr gerne und hofft auch, dass ich wiederkomme. Harry St. Leger, der Grappling-Coach, hat jeden Tag Einzeleinheiten mit mir gemacht, also das war dort ganz anders.

Willst du für deinen nächsten Kampf auch wieder in die USA für die Vorbereitung?
Ja, ich plane, demnächst wieder in die USA zu gehen. Ich würde gerne zurück zu Jackson-Winkeljohn, weil ich weiß, wie es dort abläuft, aber ich hatte auch überlegt, zu Xtreme Couture nach Las Vegas zu gehen, weil ich dort zu ein paar Mädels Kontakt habe. Das ist gerade alles noch in der Schwebe, aber ich würde eher zu Jackson-Winkeljohn zurückkehren.

Nachdem die TUF-Staffel abgedreht und ausgestrahlt war, hast du dann keinen Platz in der Final-Show bekommen, was meist darauf hinausläuft, dass man nicht von der UFC übernommen wird. Stattdessen hast du noch im Dezember dein Box-Debüt gegeben und in Hamburg gegen Mariam Tatunashvili gewonnen. Wie kam es dazu?
Also wir waren recht unschlüssig und wussten zwei Wochen vor der Finalshow am 1. Dezember gar nicht, wer kämpft. Und ich hatte immer noch darauf gehofft, weil das Federgewicht in der UFC ja so dünn besetzt ist. Aber Mick Maynard, der UFC-Matchmaker, meinte dann, dass er sich nicht so ganz sicher sei mit der Gewichtsklasse. Als ich ihm erklärte, dass ich ja eigentlich im Bantamgewicht kämpfen möchte, sagte er mir, dass er für die nächsten sechs Monate nicht mit mir planen könnte. Ich habe dann alte Kontakte bemüht und dem Chef von Boxsport gesagt, dass ich unbedingt bis zum Jahresende noch einmal kämpfen möchte. MMA geht nicht, weil der TUF-Vertrag noch läuft, aber Boxen könnte ich und ob er nicht was für mich hätte. Ja und dann hat er mich zwei Wochen vor dem Kampf gefragt, ob ich nicht Lust hätte, zu boxen. Es sei ein Frauenkampf auf einer Gala in Hamburg frei. Dann kam ich aus Thailand zurück und habe den Kampf gewonnen.

Katharina Lehner nach erfolgreichem Box-Debüt in Hamburg (Foto: EC Boxpromotion)

Ist das eine einmalige Sache oder willst du zukünftig noch öfter im Boxring stehen?
Ich möchte auf jeden Fall weiter boxen, solange es geht und sofern es mein Vertrag erlaubt. Momentan stehe ich sowieso nirgends unter Vertrag, das heißt, ich kann boxen, wenn ich will. Es ist auch so, dass man als Kämpfer keinen Vollzeitjob machen kann. Ich gebe zwar Training, aber ich lebe vom Kämpfen. Boxen ist nicht so schlecht bezahlt, es macht Spaß und ich würde auch sagen, dass es nicht so gefährlich wie ein K-1- oder MMA-Kampf, sodass ich das zwischendurch schon machen kann.

Wie geht es dann jetzt mit dir weiter? Was steht in den nächsten Monaten bei dir an?
Ich möchte natürlich den UFC-Vertrag und bin auch der festen Überzeugung, dass ich ihn dieses Jahr bekomme, aber ich brauche natürlich vorher einen Kampf. Das schließt natürlich aus, dass ich mich an irgendeine andere Organisation binde, weil die einen dann meist gleich für drei oder vier Kämpfe unter Vertrag nehmen wollen. Mick Maynard meinte dann, dass er es für das Beste hält, wenn ich wieder bei Invicta kämpfen würde. Das gehört ja quasi zur UFC und sie können die Leute dort ganz einfach aus dem Vertrag nehmen können. Wenn alles klappt, kämpfe ich daher im März wieder bei Invicta bei der Veranstaltung in Minneapolis und mache dafür auch die Vorbereitung in den USA.

Die UFC wollte mit TUF 28 ja eigentlich weitere weibliche Federgewichte für die Gewichtsklasse finden, aber jetzt kämpft die TUF-Siegerin Macy Chiasson in ihrem nächsten Kampf schon im Bantamgewicht und auch du hast ja nicht vor, im Federgewicht zu bleiben. Was denkst du, wie es mit der Gewichtsklasse weitergeht?
Ich glaube, dass die Gewichtsklasse nicht mehr lange überleben wird, sondern abgeschafft wird. Dass Amanda Nunes den Titel gewonnen hat, ist das Beste, was der UFC passieren konnte. So wie ich das mitbekommen habe, war es auch Cyborgs letzter Kampf im Vertrag. Ohne sie gibt es ja nur noch Megan Anderson, alle anderen Gegnerinnen von Cyborg sind ja für den Titelkampf hochgegangen. Daher denke ich, dass die Gewichtsklasse abgeschafft wird. Ich glaube auch, dass die UFC zu spät dran ist. Die guten Frauen, die auch bei 66 Kilogramm kämpfen wollen, sind alle bei Bellator unter Vertrag. Und ich glaube auch, dass die UFC lange Zeit niemandem das Potenzial zugesprochen hat, Cyborg zu schlagen. Ich denke auch nicht, dass die UFC Cyborg wirklich als Champion haben wollte. Es ist leider so, dass es schwierig ist, eine Frau zu vermarkten, die jetzt nicht so aussieht wie Paige VanZant. Deswegen glaube ich, dass es ihnen ganz recht ist, wenn die Gewichtsklasse wieder verschwindet.

Du bist mit Cris Cyborg befreundet. Wie war es da für dich, ihren Kampf gegen Amanda Nunes bei UFC 232 zu sehen?
Ich war schockiert und richtig traurig. Cyborg war schon immer mein Vorbild. Sowohl sportlich als auch menschlich. Ein richtig netter Mensch mit einem richtig guten Herz. Aber Amanda Nunes war auf jeden Fall besser. Man sieht ja auch die kleinen Details und Cyborgs Kopf war einfach immer in der Schusslinie, sie hat nur mitgeschwungen. Und Amanda Nunes hat sich einfach besser bewegt.

Glaubst du, es kommt zum Rückkampf?
Es sah natürlich aus wie eine wilde Schlägerei, bei der jede die andere ausknocken konnte, wenn man es jetzt mal so sieht. Ich glaube aber ehrlich gesagt nicht, dass sie sofort einen Rückkampf ansetzen. Ich halte auch wenig von Rückkämpfen, wenn jemand deutlich verloren hat. Und das war eine deutliche Niederlage. Wäre der Kampf über fünf Runden und dann knapp ausgegangen, wäre ein Rückkampf okay, aber so eher nicht.

Dass die UFC bei solchen Dingen aber gerne eine Ausnahme macht, hat man ja in der Vergangenheit immer wieder gesehen. Anderson Silva bekam einen direkten Rückkampf gegen Chris Weidman und Ronda Rousey durfte nach ihrer Niederlage gegen Holly Holm in ihrem nächsten Kampf auch direkt um den Titel antreten.
Anderson Silva und Ronda Rousey sind aber auch Charaktere, die die UFC besser vermarkten kann.

Katharina Lehner gibt den Titelkampf bei Invicta FC bekannt (Foto: Twitter.com/KLWMMA)

Apropos Vermarktung: Wenn du bald wieder bei Invicta kämpfst, sehen wir dann wieder ein entsprechend „freizügiges“ Bild von dir in den sozialen Netzwerken?
Du bist nicht der erste, der diese Frage stellt [lacht]. Also ich muss mir das noch überlegen, aber ich habe sehr gute und einfallsreiche Freunde, die für jeden Spaß zu haben sind. Es wird also auf jeden Fall wieder ein witziges Bild dazu geben.

Kannst du dich da überhaupt noch steigern?
Das muss ich mir noch überlegen, aber es gibt hundertprozentig eine Steigerung.

Sind diese Fotos eine Reaktion auf das Problem, dass du bereits angesprochen hast? Also das beim Frauen-MMA immer noch „Sex sells“ gilt?
Ja, es ist definitiv eine Reaktion darauf. Leider, so muss man das fast schon sagen, kann man daraus seine Vorteile ziehen. Bei Frauen ist es so, dass die nicht nur gut kämpfen müssen, sondern am besten auch noch hübsch sind und Sex-Appeal haben um besser vermarktet werden zu können. Und diese Fotos sind einfach meine Reaktion darauf.

Genügend Aufmerksamkeit dürfte dir damit definitiv sicher sein. Gibt es eigentlich auch einen Plan B, wenn die UFC sich mit deiner Verpflichtung Zeit lässt?
Also ich habe natürlich immer einen Plan B. Plan A ist der UFC-Vertrag. Plan B ist, dann eben noch ein Jahr darauf zu warten. Ich bin jetzt 28, werde in diesem Jahr 29 und wünsche mir natürlich, dass ich noch mit 28 den Vertrag bekomme. Mit 29 wäre es auch noch okay und wenn es erst passiert, wenn ich 30 bin, dann ist es eben so. Ich weiß, dass ich gut genug bin, um dort zu kämpfen und ich bin der festen Überzeugung, dass es bald geschehen wird.

Das sind also deine Pläne für 2019? Volle Konzentration auf den UFC-Vertrag.
Genau. Also das Gute an einem Invicta-Vertrag ist, dass ich nicht exklusiv an sie gebunden bin. Das heißt, ich kann überall kämpfen und auch boxen. Ich werde dieses Jahr wieder viel Erfahrung sammeln und so viel kämpfen, wie möglich. Ich wünsche mir, dieses Jahr drei MMA-Kämpfe und zwischendrin vielleicht zwei Box-Kämpfe zu machen, wenn es funktioniert. Außerdem möchte ich viele Trainingscamps machen und dabei viel Neues lernen.

Wäre neben dem Boxen eigentlich auch Wrestling für Dich interessant? Mittlerweile gibt es ja immer mehr ehemalige MMA- und UFC-Kämpfer, die das Octagon gegen den Wrestling-Ring eintauschen.
Die WWE hatte mich letztes Jahr zu den Tryouts eingeladen und sie hätten mich sehr gerne dort gehabt. Zu der Zeit war es aber sehr unsicher, wie es mit der UFC läuft und ob ich vielleicht beim TUF-Finale kämpfen kann. Es ist auf jeden Fall eine gute Alternative und ich könnte es mir sogar irgendwann vorstellen, aber mein Traum ist die UFC und den werde ich für die WWE nicht aufgeben!

Wärst du dann eine weitere Horsewoman neben Ronda Rousey geworden?
Vielleicht, vielleicht, aber nur echt im Dirndl.

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea