Interviews

Julia Symannek: Ümmi Erdogan hätte die erste Runde nicht überlebt!

Sammelt Gürtel, wie andere Frauen Schuhe: Julia Symannek. (Foto: Thomas Eickholt)

Über Monate stieg die Vorfreude der Fans auf den WM-Kampf im Muay Thai zwischen Julia Symannek, der mehrfachen MT-Weltmeisterin aus Bottrop, und der Hamburgerin K-1-Veteranin Ümmi Erdogan. Vor wenigen Tagen dann die Hiobsbotschaft: Im exklusiven Interview teilte uns Erdogan mit, dass der für die Galaxy Fight Night am 3. Oktober eingeplante Kampf ausfallen wird (GNP1.de berichtete). Jetzt sprachen wir mit Symannek, die uns ihre Sicht der Dinge nach der Absage zum Ausdruck brachte.

GNP1.de: Der Kampf gegen Ümmi Erdogan ist vorerst abgesagt. Was ging dir durch den Kopf, als du die Nachricht bekommen hast?
Julias Symannek: Mein Ehemann und Trainer Thomas-Marc ist bereits im Vorfeld davon ausgegangen, dass der Kampf nicht stattfinden wird. Als die Gerüchte sich dann verdichtet haben, habe ich Fotos bei Facebook gepostet und Ümmi darauf makiert. Kurz darauf kam dann der Anruf von Brian El Amin.

Kannst du Erdogans Entscheidung verstehen?
Ich muss eine Ehe führen, mich um meine Töchter kümmern, einen Haushalt führen, ein Gym leiten, mich um Verbandsangelegenheiten kümmern, usw. Beim Kämpfen geht es nicht nur um Training. Wir alle haben mit Alltagsproblemen zu kämpfen. Wenn sie sowieso mit anderen trainiert, hätte sie auch kämpfen können. Aber es ist ihre Entscheidung und war ihre WM-Chance. Ich stecke aber in niemanden drin und wenn sie nicht kämpfen will, respektiere ich das.

Habt ihr miteinander gesprochen, bzw. besteht die Chance auf eine neue Ansetzung oder ist das Thema für dich damit gar erledigt?
Ich kämpfe gleich heute gegen Ümmi, wenn es sein muss. Da habe ich kein Problem mit, aber ich denke dass sie immer einen Ausweg suchen wird. Ich weiß nicht. Meine Pläne gehen weiter. Sie wollte den Kampf. Dass sie Muay Thai gegen mich kämpfen wollte, verstehe ich bis heute nicht. Sie mag ja eine gute Kämpferin nach K1-Rules sein, aber Muay Thai funktioniert ganz anders.

Symannek traut sich in den Käfig. (Foto: Thomas Eickholt)

Wird es im Oktober eine Ersatzgegnerin geben oder kämpfst du woanders?
Im Moment sieht es so aus, als würde ich gegen eine Belgierin, die auch bei der IFMA startet, kämpfen. Ich bin als Hauptkampf auf dem Event eingeplant, wenn dort der Kampf platzt, werde ich zu dem Termin nicht woanders im Muay Thai starten.

In unserem letzten Interview hast du dich über Politik im Muay Thai-Sport beschwert. Was hat sich seitdem getan?
Es ist ruhig. Ich hoffe, im Moment ist man sich bewusst, dass man mit dem ganzen Theater nur Schaden für alle angerichtet hat. Denn Streits bleiben am Ende am ganzen Sport kleben. Wenn öffentliche Diskussionen auf Hinterhofniveau geführt werden, muss man sich nicht wundern, wenn dann die Öffentlichkeit unseren Sport als Hinterhofsport wahrnimmt. Das ist sehr dumm und äußerst schade.

Gibt es neben Erdogan eine Kämpferin, die dich interessiert? Deine Kritiker forderten u.a., dass du dich mit Athletinnen wie Johanna Kruse oder Jorina Baars messen sollstest.
Gegen Jorina habe ich schon gekämpft. Valentina (Shevchenko) wäre noch ein Traum. Ich würde gerne die Top-Muay Thai-Kämpferinnen in meiner Gewichtsklasse kämpfen und nicht Newcomer, die sich an meiner Person bereichern. Ich habe meinen Weg gemacht. Ich möchte auch gegen Frauen kämpfen, die mich weiterbringen.

Trainerin, Kämpferin, Präsidentin der WMF und zweifachen Mutter - im Bild mit Tochter Lisa Marie. (Foto: Thomas Eickholt)

Du trainierst neuerdings auch MMA und Grappling. Welche Motivation steckt dahinter?
Das ist seit neuestem mein Ausgleichssport und das Training macht mir sehr viel Spaß. Einerseits sehe ich das als neue Herausforderung, auf der anderen Seite muss ich beim Muay Thai-Training auch mal anderen Platz machen. Wir haben einen großen Pool an Kämpfern und wenn ich ins Muay Thai-Training gehe, habe ich das schlechte Gewissen, dass die Trainer zu viel auch mich achten. Das möchte ich nicht. Ich will mehr beim Muay Thai-Training mithelfen und fokussiere mich dann in den MMA-Kursen. Außerdem hatte ich meinem Mann versprochen, dass ich im Thai & Kickboxen mit 50 Kämpfen aufhöre. Die habe ich ja. Vom MMA-Kämpfen haben wir ja nie gesprochen (lacht).

Welche Gewichtsklasse strebst du an?
Ich glaube, das Bamtamgewicht (61,23 kg) ist für mich optimal. Derzeit bewege ich mit normaler Ernährung zwischen 64 und 66 kg.

Können wir dich also bald bei Grapplingturnieren starten sehen oder gar im Käfig?
Ich werde erst einmal sehen, wie ich mich im Grappling schlage. Das Ziel ist dann fit zu sein für professionelle MMA-Kämpfe, wo ich dann auch mit den Ellbogen arbeiten kann. Ich werde jetzt schon von den MMA-Docs betreut, die einen ersten Kontakt zu Nordin Asrih hergestellt haben. Dort werde ich demnächst mal zum Training und Sparring gehen. Ebenfalls gesprochen haben wir mit Gracie Barra Roermond, die mir helfen wollen und eine Kooperation mit Luta Livre Leuten ist auch schon im Gange.

Gibt es schon ein Datum, das du für dein MMA-Debüt anstrebst oder Verhandlungen mit Veranstaltern?
Ich gab vorher schon einige Anfragen von diversen Veranstaltern. Vor zwei Jahren hat mich sogar Invicta FC angeschrieben und mir ein Angebot gemacht. Mein Mann hat das natürlich abgelehnt, weil ich keine Erfahrung im Bodenkampf hatte. Wir haben auch in Deutschland einige Kontakte, aber ich will hier keine großen Prognosen abgeben, sondern schaue erstmal, was ich im Grappling und MMA sportlich leisten kann. Dieses Jahr habe ich im Muay Thai aber schon den Titelkampf am 3. Oktober  und die Titelverteidigung (bis 63,5 kg) am 28. November in Luxemburg zugesagt.