Interviews

Jimi Manuwa im Interview vor UFC 191

Jimi Manuwa steht bei UFC 191 vor dem größten Kampf seiner Karriere (Foto: Florian Sädler/GNP1.de).

Jimi Manuwa wusste sofort, dass er ein Problem hatte. Wieder einmal. In ein paar Wochen würde er ins Octagon steigen, zum ersten Mal seit der ersten Niederlage seiner Karriere – durch K.o. gegen Alexander Gustafsson mehr als ein Jahr zuvor – und genau jetzt gab sein Knie nach. Innenband, vorderes Kreuzband und den Meniskus hatte es dieses Mal erwischt. Manuwa biss die Zähne zusammen und stieg einmal mehr verletzt in den Käfig und jetzt, ein halbes Jahr später, hat sich die schwere Entscheidung im großen Stil ausgezahlt.

„Ein paar Ärzte wollten, dass ich den Kampf absage, aber das war keine Option“, so Manuwa im Rückblick auf den Sparringsunfall vor seinem Kampf gegen den ehemaligen KSW-Champion Jan Blachowicz im April. „Ich war bereit, und außerdem hat die Verletzung nicht geschmerzt. Also bin ich davon ausgegangen, dass es mich im Kampf nicht groß einschränken würde. Mein Knie war funktionstüchtig genug, um den Kampf zu überstehen und deswegen habe ich mich dazu entschieden, nicht abzusagen. Verletzung hin oder her, ich bin ein Kämpfer. So etwas ändert nichts an meiner Mentalität oder an der Art, wie ich kämpfe.“

Der „Poster Boy“ stieg in Krakau trotz aller Widrigkeiten in den Käfig und holte sich gegen Blachowicz einen Punktsieg in dessen Heimatland. „Ich war ziemlich zufrieden mit meiner Leistung“, bewertet Manuwa den auf einem Bein gewonnenen Kampf. „Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich über die volle Distanz gegangen bin. Und das mit Jan Blachowicz gegen einen sehr guten Mann.“

Das lädierte Knie hielt die 15 Minuten durch und der bittere Nachgeschmack des Gustafsson-Debakels verschwand. Außerdem blieb die befürchtete monatelange Pause aus – eine Operation und acht Wochen Reha reichten, um wieder zurück zu voller Stärke zu finden. Vor einigen Wochen dann erntete Manuwa die Früchte der riskanten Entscheidung, in Polen nicht abzusagen.

Anthony Johnson, der einen Monat nach UFC Krakau seine Chance auf den vakantierten UFC-Halbschwergewichtsgürtel hatte und sie gegen Daniel Cormier grandios in den Sand setzte, suchte einen Gegner für ein schnelles Comeback. Wenig später wurde für UFC 191 die Ansetzung gegen Jan Blachowicz bekanntgegeben, die in der MMA-Welt Stirnrunzeln auslöste und noch einmal ein paar Wochen darauf ersetzte die UFC Blachowicz durch Manuwa. „Ich dachte auch, dass Jan Blachowicz den Kampf schon in der Tasche hatte, aber dann haben sie ihn mir angeboten. Ich weiß selbst nicht, wie das genau abgelaufen ist, aber jetzt kämpfe halt ich gegen Johnson.“

Manuwa ist sich bewusst, was für eine Chance ihm an diesem Wochenende bevorsteht – zum ersten Mal außerhalb Europas unterwegs, auf dem Hauptprogramm eines PPV-Events in der altehrwürdigen MGM Grand Garden Arena in Las Vegas und gegen eines der gefürchtetsten Gesichter im UFC-Halbschwergewicht: „Er ist ein spektakulärer Kämpfer“, erkennt Manuwa an. „Er hat starke, harte Schläge und Kicks.“ Die teils harsche Kritik an Johnsons Leistung im Cormier-Kampf, gegen den er nach einer Runde konditionell am Ende schien, lässt Manuwa kalt. „Er stand nicht umsonst ganz oben. Samstag sehen wir, was läuft.“

Der letzte Gegner, den Johnson besiegt hat, ist für Manuwas letzte Niederlage verantwortlich – Insider-Tipps von Alexander Gustafsson, der im Januar von „Rumble“ ausgeknockt wurde, wird der „Poster Boy“ am Wochenende aber nicht mit in den Käfig nehmen, obwohl der Brite die letzten Monate über häufig zusammen mit dem Schweden in Stockholm auf den Matten des Allstars Gyms gestanden hat: „Wir haben uns nicht wirklich über ihn ausgetauscht, das war in diesem Fall nicht so ergiebig. (Johnson) ist zwar auch technisch gut, aber seine eigentliche Stärke ist seine Schlagkraft, seine schiere Power. Davor muss ich mich in Acht nehmen.“

Auch seine Rolle als Underdog stört den Briten nicht: „Das ist nicht das erste Mal, dass ich der Underdog bin. Ich war eigentlich meistens der Underdog in meiner Karriere. Natürlich erwarten die Fans, dass er gewinnt, er ist höher gerankt als ich. Er hat gerade erst um den Titel gekämpft. Ich finde es aber gar nicht so schlecht, im Hintergrund zu stehen. Wenn es an der Zeit ist, dann werde ich loslegen.“

Und wenn alles glatt geht, dann ist das Duell mit Johnson nur die erste von vielen großen Aufgaben: „Ich weiß, dass mein Titelkampf irgendwann unausweichlich ist. Wenn ich Anthony Johnson besiege, habe ich ein ziemlich gutes Argument in der Hand.“ Gerade das allerdings könnte zu einer verzwickten Situation führen, denn der nächste Herausforderer auf Daniel Cormiers Gürtel heißt Alexander Gustafsson. Die beiden werden im Oktober bei UFC 192 in den Käfig steigen.

Gewinnen sowohl Manuwa als auch Gustafsson, bewegen sich die beiden scheinbar unausweichlich auf Kollisionskurs: „Ich würde versuchen, einen anderen Weg zu finden“, stellt Manuwa jedoch angesichts eines potentiellen Rückkampfes gegen den Schweden klar. „Ich werde nicht nochmal gegen Alex kämpfen. Er ist jetzt ein guter Freund, er hat mir sehr viel geholfen und ich ihm auch.“

Die erfolgreiche Europa-Connection übrigens geht mittlerweile über das Duo Gustafsson/Manuwa hinaus: „Ich habe gestern hier in Vegas Jan Blachowicz getroffen. Er trainiert jetzt auch in Stockholm und wir haben uns ein wenig unterhalten. Wir werden zwei Siege mit zurück nach Europa bringen.“

Was wäre, wenn Manuwa ihren Kampf in Krakau abgesagt hätte, darüber macht er sich keine Gedanken.


Wer Jimi Manuwa in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Aktion sehen will, kann UFC 191 ab 4 Uhr auf maxdome.de verfolgen.