Interviews

Jerry Otto: „Deutschlands Schwergewichte sollen sich stellen!“

Jerry Otto ist ein Urgestein der Magdeburger Thaibox-Szene. Am Sonntag bestreitet er bei MMA Gladiators in Magdeburg einen MMA-Kampf gegen den Tschechen Michal Reissinger. Kein Neuland für den 38-Jährigen, der bereits sechs MMA-Kämpfe auf dem Buckel hat, unter anderem einen Sieg über Deutschlands Nummer eins, Andreas Kraniotakes. Wir haben wenige Tage vor dem Kampf mit dem „Bomber“ gesprochen.

Groundandpound.de: Der erste reine MMA-Event in Magdeburg steht vor der Tür und du bist an Bord. Wie kam es dazu?
Jerry Otto: Zeiten ändern sich und da geht man mit. Wir wollen uns auch alle ausprobieren und gucken, wo wir stehen. Also haben wir uns da mit angeschlossen. Ich folge Sascha (Poppendieck, Veranstalter) sowieso schon seit über zehn Jahren. Jetzt ist MMA über den großen Teich gekommen und wird immer populärer.

Für dich wird das der erste MMA-Kampf seit zwei Jahren. Wie liefen die letzten Wochen?
Die letzten Wochen der Vorbereitung waren super. Ich hab das endlich mal ernstgenommen (lacht) und hatte gute Trainer. Steve Mensing war bei uns, der noch mal einiges erklärt hat und wo ich viel mitgenommen habe. Im Endeffekt bleibe ich aber ein Standkämpfer. Aber ich bin vom Kopf her fit und gut vorbereitet, da sollte alles andere laufen. Der Rest ist tagesformabhängig.

Vier Tage vor dem Kampf hat verletzungsbedingt dein Gegner gewechselt. Du wirkst trotzdem recht entspannt.
Das ist nichts neues, das kenne ich nicht anders. Den Neuen kenne ich nicht, auf den Polen konnte ich mich einstellen. Ich bin da trotzdem ganz locker entspannt, das ist nun mal so in diesem Gewerbe. Alles andere wird sich dann am Sonntag entscheiden.

In deinen letzten Kämpfen sahst du deutlich besser aus, als noch vor einigen Jahren. Beweglicher, variabler. Woran liegt das?
Das liegt daran, dass ich schon immer trainingsfaul war und eigentlich eine gute Physis habe. Ich dachte immer, ich kann allein mit Größe, Statur, Kraft und Masse alles hinbiegen. Wie man 2012 gegen Sergio Pique gesehen hat, ist das aber nicht so. Da bin ich auch wie immer komplett untrainiert reingegangen, und Ende vom Lied: Ich lag uff de Bretter! Das würde mir jetzt natürlich nicht nochmal passieren. In meinen letzten beiden Kämpfen habe ich dann bewiesen, dass man, auch wenn man schon ein bisschen älter ist, noch richtig was reißen kann, wenn man sich sechs bis acht Wochen permanent dahinterklemmt. Und vom Kopf her war ich sowieso schon immer stark.

2013 hast bei uns quasi deinen Rücktritt erklärt, aus dem ist offenbar nichts geworden.
Ich habe wieder neuen Spaß am Kampfsport gefunden, weil ich mir selbst bewiesen habe, dass ich mit etwas Fleiß und Intensität wirklich noch was reißen kann. Warum soll ich da nicht nochmal ein Jahr dranhängen?

Was reißen? Was heißt das?
Dieses Jahr werde ich definitiv noch einmal für mich nutzen. Ich will und werde jeden, der im Schwergewicht auf nationaler Ebene Rang und Namen hat herausfordern. Dieses Posen mit irgendwelchen Gürteln geht mir dermaßen auf den Sack! Dann sollen sie sich auch richtige Granaten raussuchen, die sie nicht so einfach umhauen können – und dann ist gut. Ich meine das respektvoll gegenüber den Sportlern, aber ich kann das nicht mehr sehen auf Facebook. Die sollen alle antreten. Zwei gehen rein, einer kann nur gewinnen. Ich werde es mir in diesem Jahr noch einmal beweisen. Die Leute, die meinen, dass sie im Schwergewicht top sind, vor allem im K-1, aber auch MMA, die sollen sich stellen. Da habe ich nochmal Bock drauf. Und nach diesem Jahr ist dann Schluss.

MMA Gladiators findet am 15. März in der Hermann-Gieseler-Halle in Magdeburg statt. Karten und Infos zum Event gibt es hier: MMA Gladiators.