Interviews

Jasminka Cive springt dem Tod von der Schippe

Jasminka Cive schwebte in Lebensgefahr.

Jasminka Cive ist MMA-Fans als Invicta FC- und KSW-Veteranin ein Begriff. Wer die lebenslustige Österreicherin kennt, weiß, dass sie ihr Leben dem Kampfsport verschrieben hat. Freizeit gibt es kaum bei der 33-Jährigen. Wenn sie nicht als Coach fungiert und ihre Schüler schwitzen lässt, trainiert sie selbst. Genau das wurde der früheren Max FC-Championess fast zum Verhängnis. Eine ernste Staphylokokken-Infektion brachte sie ins Krankenhaus, wo sie in akuter Lebensgefahr schwebte.

Groundandpound.de: Jasminka, wie kam es zum Infekt und wann wusstest du, dass es wirklich ernst ist?
Jasminka Cive: Schon vor einigen Wochen plagten mich sehr starke Schmerzen im IS-Gelenk-Bereich. Da ich schon mal Erfahrung mit einem Bandscheibenvorfall machte und von außen auch nichts sichtbar war, ging ich davon aus, dass ich wieder darunter leide. Dann war es auf einmal so weit, dass ich keinen Schritt mehr alleine machen konnte. Die Schmerzen waren sehr stark und ich wurde erstmal zu Hause vom Notarzt mit verschiedenen Schmerzmitteln und Kortisonspritzen versorgt - und das täglich.

Was war die Diagnose?
Der Arzt wusste nicht wirklich, was mit mir nicht stimmte. Drei Tage später bekam ich hohes Fieber und wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus nach Linz gebracht. Eine stationäre Aufnahme erfolge sofort aufgrund von abnormal hohen Entzündungswerten im Blut (CRP-Wert war bei 18 und Leukozyten 15.000). Nach einigen Untersuchungen stand folgendes fest: Ich hatte einen Abszess im Muskel Iliopsoas (Lenden- Darmbeinmuskel) links in der Leiste. Dieser war für einen hochfiberhaften Infekt verantwortlich, da er mit Bakterien Staphylokokken-Aureus infiziert war. Mir wurden jede Menge Opiate verabreicht und ich bekam sehr starke Schmerzmittel rund um die Uhr. Zusätzlich wurde ich auch mit Antibiotika behandelt.

Wie du uns verraten hast, wurde es aber noch schlimmer im Laufe deines Krankenhausaufenthaltes. Was genau war die Folge der Staphylokokken-Infektion?
Die Ärzte fanden erst zwei Tage später, nach einer CT-Untersuchung, eine weitere Horror-Diagnose: Der Abszess sowie Bakterien waren in die Blutbahn durchgedrungen und ich bekam eine Sepsis (Blutvergiftung). Ich wurde sofort auf die Intensivstation verlegt und musste mich einer Notoperation unterziehen. Da ein Multiorganversagen kurz bevorstand, hatten wir keine Zeit um OP-Erklärungen zu unterschreiben und mir wurde nach einer kurzen Erklärung gesagt, dass die Chancen 50/50 stehen, aber es gleichzeitig auch meine einzige Chance war. Natürlich stimmte ich der OP zu und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie alle um mich herum voller Panik herumrannten. Ein Herzkatheter wurde mir sogar noch ohne Narkose angelegt und dann kam ich in den CT zur OP.

Die Operation verlief zu deinen Gunsten. Was waren deine ersten Gedanken danach?
Das Aufwachen erfolgte ebenfalls auf der Intensivstation und mir wurde seitens des Pflegepersonals mitgeteilt, dass ich 1000 Schutzengel gehabt haben musste. Ich musste auf neue Antibiotika eingestellt werden und hatte zu diesem Zeitpunkt einen CRP-Wert von 35 und 25.000 Leukozyten im Blut.

Wie lange dauerte es, bis du wieder bei Kräften warst?
Acht Tage nach dem Eingriff konnte ich das erste Mal selbst Aufstehen. Zehn Tage nach der Operation konnte ich endlich entlassen werden. Weitere Behandlungen erfolgten beim Hausarzt und Blutlabor. Bis heute nehme ich Schmerztabletten und kann nicht zu viel Belastung ertragen. Dass ich irgendwann ganz gesund und schmerzfrei werde, steht außer Frage. Es ist aber unklar, wo der Abszess im Muskelinneren herkam. Ein innerer Bluterguss war leicht möglich nur der Eingang der Bakterien und der Infekt bleiben bis heute nicht geklärt. Ich hatte großes Glück so eine schwere Krankheit zu überleben - denn alle vier Sekunden stirbt ein Mensch an Sepsis weltweit. Die Sterberate liegt mit Staphylokokken-Abszesse bei 50 Prozent.

Mehrere MMA-Kämpfer litten bereits an Staphylokokken. Hast du eine Vermutung, wie du dich infiziert hast?
Die „Staph Infection“ kennt man aus dem MMA-Sport, einige UFC-Kämpfer hatten es auch, wie Kevin Randleman, Kenny Florian, Diego Sanchez, Forrest Griffin, Mayhem Miller, Rodrigo Nogueira, Kendall Grove uvm. Ob das MMA-Training dafür verantwortlich ist, weiß ich nicht, aber das ist derzeit auch meine letzte Sorge und wenn ich daran denke, was ich durchgemacht habe. Ich konnte zwei Wochen lang nichts, absolut nichts, essen und hatte knapp 10kg verloren - und was ich alles ertragen musste, kann ich nur eines sagen: Kein Sport der Welt ist es wert! Bei früheren Operationen (Gelenke), die ich schon hatte, in Summe fünf, war meine Hauptsorge, wann ich wieder trainieren kann - jetzt ist es nun ganz anders gekommen und ich bin nur dankbar und froh, dass ich noch lebe. Es geht mir derzeit den Umständen entsprechend gut, aber es dauert noch lange, bis ich wieder voll einsatzfähig bin.