Interviews

Ismail Cetinkaya im Kampf gegen die Ungerechtigkeit

Ismail Cetinkaya hilft in Kambodscha.

Während sich Menschen in sozialen Netzwerken über Ungerechtigkeit und Kriegsopfer echauffieren, Hass gegen einzelne Religionen oder Volksgruppen verbreiten und/oder Demos auf deutschen Straßen organisieren, anstatt Rettungsorganisationen aktiv oder monetär zu unterstützen, gibt es erfreulicherweise auch jene, die aktiv anpacken und etwas dazu beitragen, das Leid in bedürftigen Ländern zu lindern.

MMA-Veteran Ismail Cetinkaya ist einer dieser Leute. Der Hamburger befindet sich derzeit in Kambodscha, um mit anzupacken. Aus eigenen Beweggründen und nicht, um in der Presse auf sich aufmerksam zu machen. Aufgefallen sind uns seine Ambitionen durch Facebook-Beiträge, in denen der 32-Jährige seine Reise dokumentiert. Wir sprachen mit Cetinkaya, der im Land am Golf von Thailand nur zu seltenen Fällen erreichbar ist.

„Ich bin hier, um Weisenkindern und bedürftigen Menschen zu helfen“, erklärte der MMA-Profi auf unsere Frage hin. „Ich mache das für mich und für das Projekt „Schaue nicht weg e.V.“, aber trotzdem hoffe ich, dass dies auf andere Fighter abfärbt und ihnen Mut macht, etwas am Leid dieser Welt zu ändern, anstatt nur zu reden. Ich habe einen Verein gegründet mit einem Freund und wir möchten in erster Linie allen armen Kindern und Waisen helfen. Zwar auch in Deutschland, aber die nächsten Ziele sind Afghanistan, Syrien und viele andere Länder. Unser Ziel ist es, die Bildung zu unterstützen, aber ohne große finanzielle Mittel kann man derzeit nicht viel erreichen. Wir planen demnächst ein Bankkonto und eine offizielle Internetseite einzurichten.“

Die Menschen in Kambodscha können sich Bildung nicht leisten, zudem ist die Erinnerung der Herrschaft der Roten Khmer nicht vergessen. Diese gilt als eines der brutalsten Terrorregimes der modernen Geschichte. Die Folgen der Zerstörung der Infrastruktur waren extrem und wirken bis in die Gegenwart nach.

„Es gibt kein gefährliches Land, es gibt nur gefährliche Menschen“, so Cetinkaya über die Frage nach seiner Sicherheit in dem Staat in Südostasien. „Ihr glaubt gar nicht, was man hier alles erlebt. Wir wurden schon mehrfach von Kambodschanern angegriffen, die uns ausrauben wollten, aber es lief dank unserer MMA-Erfahrung immer alles gut. Viel schlimmer war es im Dschungel, dort gibt es jede Menge giftiger Schlangen und Spinnen, aber da muss man durch, um das nächste Dorf zu erreichen.“

Kambodscha gilt als eines der ärmsten Länder Asiens. Es hat eine Armutsrate von weit über 50%, wenn man die Armutsgrenze auf einen Euro pro Tag festlegt.

„Hier in Kambodscha bleiben wir noch 17 Tage und versuchen, mit eigenem Geld den Einheimischen zu helfen und für die Zukunft zu planen und schauen uns an, was das Land und besonders die Kinder am nötigsten brauchen“, erklärt Cetinkaya. „Wir haben am Aufbau von ein paar Schulen mitgeholfen, die zum Teil nicht mal ein Dach hatten. Viele Städte sind arm und bekommen keinerlei staatliche Unterstützung, es gibt keine Lehrer, kein Essen und keine Medizin. Das ist ungerecht. Niemand kann es sich aussuchen, ob er arm oder reich auf diese Welt kommt.“