Interviews

“Ich will die Nummer eins sein”

Niklas Bäckström (Foto: mmaviking.com)

Sein Ticket in die UFC löste Niklas Bäckström erst vor wenigen Wochen: „Es ist eine lustige Geschichte, denn ich war kurz davor krank geworden“, erzählt der 24 Jahre alte Schwede über seinen Kampf gegen Max Coga Ende März. Das Duell mit dem jungen Deutschen war eine mit Spannung erwartete Ansetzung zweier europäischer Top-Talente, die beide als heiße Kandidaten auf einen Platz im Kader der UFC galten.

Gar kein guter Zeitpunkt also, um krank zu werden: „Ich dachte nur ‘es wäre so schön, wenn ich einfach mit dem ersten Kick oder Schlag treffen würde, wenn er zu Boden geht und ich den Kampf beenden kann’. Ich dachte ‚das ist doch schon so oft passiert, warum kann es mir nicht Mal so gehen?’“, erinnert sich Bäckström an die intensiven Minuten vor dem Kampf. “Als ich mich dann mit diesem Frontkick aufgewärmt habe, dachte ich immer stärker daran, ihn im Kampf einzusetzen.”

Die beiden Kämpfer stiegen schließlich in den Käfig und15 Sekunden, nachdem der Ringrichter den Kampf gestartet hatte, war alles schon wieder vorbei – Bäckström hatte Coga tatsächlich mit einem perfekt platzierten Frontkick zum Kinn auf die Bretter geschickt. Der Ringrichter ging dazwischen und ein entfesselter Bäckström feierte ekstatisch auf dem Käfigzaun: „Das war natürlich alles nur reine Vorstellung; ich dachte nicht, dass ich damit tatsächlich so gut und so früh treffen würde, aber es hat geklappt und ich war ein bisschen geschockt, weil ich diesen Moment gerade erst visualisiert hatte. Als es passierte, dachte ich nur ‚Mann, das kann doch nicht sein, was zur Hölle.’“

Acht Wochen ist dieser Abend nun her und da ist er – bis zum Hals steckt Bäckström mittlerweile in letzten Trainingseinheiten und jeder Menge Presse-Terminen. Hat er damit gerechnet, dass all das nach einem Sieg gegen Coga auf ihn zukommen könnte? „Ein wenig, aber ich habe das einfach schon zu oft gehört. ‚Niklas! Noch ein Kampf, dann bis du in der UFC’, und danach dann ‚jetzt nur noch ein Kampf und du bist in der UFC’“, so Bäckström. Nun ist es tatsächlich Realität geworden – der Brasilianer Thiago Tavares sollte eigentlich zusammen mit dem Finnen Tom Niinimäki das Hauptprogramm der UFC Fight Night 41 in der Berliner o2 World eröffnen, musste vergangene Woche jedoch wegen einer Rippenverletzung absagen.

Die Gelegenheit am Schopf packen
Die Nachricht war kurze Zeit später auch im Stockholmer Zentrum für psychisch kranke Kriminelle angekommen, wo Bäckström ein Mal die Woche arbeitet: “Einer meiner Kollegen erzählte mir, dass Niinimäkis Gegner verletzt war und fragte, warum ich nicht auf Twitter den Kampf forderte? Ich habe ihm gesagt, dass ich kein Twitter habe und mich dann gefragt, warum mein Manager mich eigentlich noch nicht damit kontaktiert hatte. 20 Sekunden später habe ich dann eine SMS bekommen, in der stand, dass ich mit dem Training starten sollte, weil ich wahrscheinlich den Niinimäki-Kampf bekommen würde.“

Die meisten jungen Sportler in dieser Position wären an dieser Stelle wahrscheinlich sehr nervös geworden – aus gutem Grund, denn schließlich bot sich hier die Gelegenheit, auf die wohl jeder aufstrebende Kämpfer hinarbeitet, in diesem Fall jedoch unter verschärften Bedingungen – die Veranstaltung war noch knapp zweieinhalb Wochen entfernt, der Kampf sollte das Hauptprogramm eröffnen und der Gegner hat in seinem letzten Kampf erst einen respektablen Veteranen dominiert. Kein Problem für Niklas Bäckström: „Ich hatte nicht wirklich Zeit, um das sacken zu lassen. Natürlich willst du immer möglichst lange Zeit zur Vorbereitung haben, aber das klappt halt nicht immer so. Ich hatte in meiner Karriere erst zwei Kämpfe, die ich nicht kurzfristig angenommen habe, von daher war das nichts Neues für mich. ”

“Ich habe gegen sehr harte Gegner mit wenig Vorbereitung gekämpft, mit viel weniger Vorbereitung als jetzt. Und da war ich in viel schlechterer Form. Ich habe gegen Sergej Grecicho, einen Sambo-Weltmeister, mit einer Woche Vorbereitung gekämpft. Es macht keinen wirklichen Unterschied für mich – so ist es jetzt halt gekommen und es stört mich nicht sonderlich. Ich trainiere mittlerweile immer und bin immer in Form.“

Auch sein hoch gehandelter Gegner kann Bäckström keine Angst einjagen; tatsächlich ist der aus dem benachbarten Finnland stammende Niinimäki kein Unbekannter für den Schweden: „Er ist ein sehr guter Kämpfer, sehr technisch versiert, sehr stark und ein guter Kerl. Aber ich bin all das und noch mehr. Ich habe nichts gegen ihn, er ist ein guter Kerl und ich habe sogar ein Mal mit ihm trainiert, aber er verfolgt den gleichen Traum wie ich und das ist nicht okay”, lacht Bäckström, bevor er wieder ernst wird: “Ich werde einfach so kämpfen, wie ich immer kämpfe und gewinnen, wie ich es immer tue – erst nachdem ich diesen Kampf gewinne, kann ich mich über all das freuen.“

Das nächste Level
Mit einem Sieg könnte Bäckström den nächsten Schritt auf einem Weg gehen, der ihn als Jugendlicher bereits aus seiner Heimat im Norden Schwedens – dort, wo laut Bäckström „nie die Sonne scheint“ – ins geschäftige Stockholm geführt hat: „Lange Zeit habe ich gedacht, ich sei einfach ein großer Fisch in einem kleinen Teich, aber irgendwann sind ein paar Leute für Seminare zu uns gekommen und meinten ‚Hey, du musst hier wegziehen’ und haben mir gesagt, dass ich wirklich talentiert sei. An diesem Punkt habe ich realisiert, dass ich sehr weit kommen könnte.” Der nächste Schritt war dann nur noch Formsache: “Zu diesem Zeitpunkt war ich ungefähr 16, da bin ich noch zur Schule gegangen. Also habe ich meinen Abschluss gemacht und bin nach Stockholm gezogen. Das war echt eine coole Sache.“

Im Allstars Training Center unter der Leitung von Chef-Trainer Andreas Michaels wurde Bäckström in das harte, hoch effektive Training mit einbezogen, dass bereits Kämpfer wie Reza Madadi, Magnus Cedenblad oder Nico Musoke ins Octagon und Alexander Gustafsson sogar zu einem UFC-Titelkampf geführt hat. Genau aus diesem Grund kommt seine eigene Verpflichtung durch die UFC, wenn auch kurzfristig, nicht sonderlich überraschend für Bäckström: “Wir haben eine Menge sehr, sehr guter Kämpfer in unserem Team. Ich bekomme so viel Unterstützung und habe viele gute Trainingspartner. Daher weiß ich auch, was für ein Level ich habe. Ich weiß, dass ich auf dem UFC-Level bin, das ist nichts Neues für mich.“

Am 31. Mai muss Bäckström beweisen, dass das wirklich so ist. Vor den berüchtigten Debüt-Flattern in der UFC hat er keine Angst, ebenso wenig wie vor seinem Gegner oder seiner prestigeträchtigen Position auf dem Hauptprogramm des Events. Viel kann also eigentlich nicht mehr schiefgehen für den jungen Schweden, der den großen Tag kaum erwarten kann: “Ich war, glaube ich, noch nie in Deutschland. Es wird spaßig, da rüberzufliegen. Ich habe das alles visualisiert, seit ich sieben Jahre alt war – und jetzt bin ich schon seit einiger Zeit auf dem Level der UFC. Für mich geht es nicht nur darum, in die UFC zu kommen; ich mache diesen Sport nicht, um in der Top Ten zu stehen – ich mache es, um die Nummer eins zu sein.“

Wer Niklas Bäckström in Aktion erleben will, bekommt die Gelegenheit dazu am 31. Mai bei der UFC Fight Night: Munoz vs. Mousasi. Tickets erhältlich unter http://on.ufc.com/1ol2O9s

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“I want to be Number one!”
We talked to Niklas Bäckström ahead of his UFC debut in Berlin.

Niklas Bäckström has literally punched his ticket into the UFC just a few weeks ago: „It’s actually a funny story, because I got a bit sick before that fight“, the 24-year-old Swede says about his most recent bout against Max Coga at the end of March. The clash with the young German was a highly anticipated fight between two European top prospects who were both considered to be hot candidates for a spot on the UFC’s roster.

Not a good time to get sick, after all: „I just thought ‘it would be so nice if I landed the first kick or punch, drop him and finish the fight’. I thought ‘that has happened before, why can’t that happen to me?’“, Bäckström remembers the intense moments before the fight. “When we started warming up with that front kick I thought more and more about (using) it.”

The two fighters eventually stepped into the cage and just 15 seconds later, it was all over – Bäckström had in fact knocked Coga out with a perfectly placed front kick to the jaw.
The referee stepped in and a fired up Bäckström ecstatically celebrated on the cage walls: „Of course it was just fantasy; I didn’t think it would land that good that early, but it did and I was a little bit shocked because I had just visualized that moment. When it happened I was like ‘man, you’ve got to be kidding me, what the…’”

That night was eight weeks ago and there he is – Bäckström’s schedule is now stacked with last minute specific training and all kinds of media appointments. Did he think that after a victory against Coga this was going to happen? „A little bit, but I had heard that so many times, like ‘Niklas, one more fight and you’ll be in the UFC’ and then after that ‘just one more and you’ll be in the UFC’”, Bäckström says. Now, it has finally become reality – Brazilian Thiago Tavares was supposed to kick off the main card of UFC Fight Night 41 in Berlin’s o2 World with Tom Niinimäki, but had to withdraw from the fight with a rib injury.

Seizing the opportunity
That news arrived at Stockholms ‘Mental Institution for the Criminally Insane’ shortly thereafter where Bäckström works once a week: “One of my co-workers told me that Niinimäki’s opponent was injured and asked why I didn’t write on Twitter that I wanted the fight? So I said ‘I don’t have Twitter’ and I started wondering why my manager hadn’t contacted me. Then like 20 seconds later I got the text message that told me to start training because I would probably get the Niinimäki fight.”

Most young athletes would probably have felt their nerves a lot in that position – understandably so, since the opportunity that almost every aspiring fighter strives for had just presented itself without any warning. On top of that, the stakes were raised even higher in this case – the event was going to take place just around two weeks ahead, the fight was supposed to start off the main card and the opponent had just dominated a respected veteran in his most recent fight. Not a problem at all for Niklas Bäckström: „I hadn’t really have time to let it sink in. Of course you always want a long time to prepare, but it doesn’t always work out like that. I’ve only had two fights that have not been short notice, so it’s nothing new to me.”

“I’ve fought very tough guys on short notice, a lot shorter than this. And I’ve been a lot more out of shape than this. I fought Sergej Grecicho, a world champion in sambo, on one week notice and I hadn’t trained anything. It doesn’t really matter for me; this is just the way it happened now so I don’t really care. Nowadays, I always train and I’m always in shape.”

Even his highly praised opponent can’t scare Bäckström; in fact Niinimäki, who hails from nearby Finland, is not a total stranger to the Swede: „He is a very good fighter, very technical and strong, nice guy. But I’m all of those things and more. I don’t have anything against him, I’ve trained with him once and he’s a really good guy but he has the same dream as me and that’s not okay”, Bäckström says with a laugh before turning serious again: “I will just fight as I always do and win as I always do – after I win this fight I can be happy.”

The next level
With a win, Bäckström could take the next step on a path that has already led him away from his home in northern Sweden – where, according to Bäckström, “the sun never shines” – to busy Stockholm: „It was a long time that I thought I was a big fish in a small pond, but we had some guys come up to hold seminars that told me ‘hey, you’ve got to move from here’ and told me that I was really talented, so that’s when I thought I could go really far.” The next step was just a formality at that point: “That was when I was like 16 when I was still in high school. So I finished school and moved to Stockholm. It was a cool thing to do.”

At Allstars Training Center, under the tutelage of head coach Andreas Michaels, Bäckström was introduced to the hard and highly effective training that had already led teammates like Reza Madadi, Magnus Cedenblad or Nico Musoke into the Octagon and Alexander Gustafsson all the way to a UFC title fight. For that very reason Bäckström, even on short notice, isn’t too surprised by his own signing with the UFC: “We have a lot of very, very good fighters in our team. I got a lot of good support and a lot of good training partners, so I know what kind of level I have. I know I’m UFC level, that’s nothing new to me.”

On May 31st, Bäckström has to prove that this is actually the case. He isn’t afraid of the infamous UFC jitters, he’s not scared by his opponent nor by his prestigious position on the main card – in fact, there doesn’t seem to be much that could go wrong for the young Swede, who can’t wait for the big night to arrive: “I don’t think I’ve ever been to Germany, actually, so it’s going to be fun going there. I’ve visualized this since I was seven years old – I have been UFC level for quite some time now. It’s not just about getting into the UFC for me, I don’t really do this sport to be top ten – I’m in this sport to be number one.”

Watch Niklas Bäckström in action at UFC Fight Night Berlin: Munoz vs. Mousasi on Saturday May 31st. Tickets now on sale here:

German: http://on.ufc.com/1ol2O9s
English: http://on.ufc.com/1fFjgIu