Interviews

„Ich muss aufhören so nett zu sein“

Abel Cullum.

GroundandPound.de sprach exklusiv mit dem KOTC-Federgewichtschampion und DREAM-Veteranen Abel Cullum, über Japan, seinen Antrieb und seine Ziele im MMA-Sport.

Steckbrief:

Name: Abel “The Silent Assassin” Cullum
Kampfrekord: 17-3
Alter: 22 Jahre
Größe: 1,70m
Gewicht: 61 kg (135 Pfund)
Heimatort: Tucumcari, New Mexico
Team: Cullum Ground Fighting
Erfolge: KOTC Fliegengewichtschampion (4x), Runde 2 des DREAM Federgewichts Grand Prix 2009


GroundandPound: Zuerst einmal, danke für das Interview. Wie geht es dir?

Abel Cullum: Es geht mir gut, habe gerade meine Küche geputzt (lacht).

Abel, kannst du uns etwas darüber sagen, wie du zum MMA gekommen bist?
Ich habe begonnen MMA zu trainieren als ich dreizehn war. Mein Vater hatte ein bisschen Erfahrung und ich wurde ein Fan, also habe ich angefangen, ihn zu bitten mir ein paar Dinge zu zeigen. Etwa ein oder zwei Jahre später hat meinen Vater dann eine King of the Cage Veranstaltung bestellt, wo ich sah, dass es dort Gewichtklassen für kleinere Jungs wie mich gibt. Danach habe ich mein ganzes Training mit der Hoffnung verbracht eines Tages für King of the Cage zu kämpfen und vielleicht einen Titel zu erringen. Mein Vater dachte, ich würde da noch heraus wachsen, hat mir aber trotzdem einen Boxsack besorgt und Handschuhe. Wir haben den Boxsack aufgehängt und ich habe stundenlang darauf eingeschlagen und -getreten. Ich war ein Jahr Ringer an der High School aber es war nichts für mich. Meine Familie hatte Vorstellungen von einem eigenen Bodenkampfstil und so wurde „Cullum Ground Fighting“ geboren... Wow, das war 'ne lange Antwort – entschuldige.

Was war die größte Herausforderung in deiner Karriere als Kampfsportler?

Um ehrlich zu sein, völlig auf meinen Vater zu hören und mich auf all die Dinge zu konzentrieren die etwas bedeuten und nicht auf die Dinge, die es nicht tun.

Letztes Jahr hast du zweimal in Japan bei DREAM gekämpft, welche Erfahrungen hast du im Land der aufgehenden Sonne gemacht?

Japan war noch besser als ich erwartet hatte. In Japan ist MMA ein Teil des Lebens und der Kultur und nicht nur irgendein Sport. DREAM war erste Klasse. Wenn alle Veranstalter ihre Kämpfer wie DREAM behandeln würden, wäre es ein völlig anderer Sport. Als ich zum ersten Mal die Saitama Super Arena betrat, war ich wie weggefegt von der Größe. Ich kannte die Geschichte dort. Ich liebe die japanischen Fans und plane dorthin zurückzukehren.

Erzähle uns bitt
Cullum vs. Nishiurae etwas über die Kämpfe gegen Akiyo Nishiura und Hideo Tokoro.

Der Kampf gegen Akiyo [Nishiura] war eine großartige Erfahrung, weil er vor 30 000 Fans stattfand und ich nach dem Kampf viele davon für mich gewonnen hatte. Ich war wirklich fertig von dem Kampf selbst. Du bist der erste der das hört, aber ich hatte mir im Training einen Muskel im rechten Unterarm gezerrt und konnte nicht ideal zugreifen. Wie auch immer, zur Hölle, wenn ich diese Chance verpasst hätte. Als ich gegen [Hideo] Tokoro kämpfte, machte ich einige Fehler im Training und mit meinem Vater. Die Art, wie ich mental in den Kampf ging, war einfach total daneben. Mein Vater hat den Kampf ausgelassen, ist daheim geblieben und half meinem Bruder mit unserem Gym. Ich möchte mich bei Tokoro und meinem Vater bedanken, mir dabei geholfen zu haben, mich neu darauf zu fokussieren, was ich aus meiner Karriere machen will.

Vor ein paar Wochen hast du den King of the Cage Fliegengewichtstitel zum dritten Mal erfolgreich verteidigt. Macht es für dich einen Unterschied, in einem Titelkampf zu stehen?
Ja, ich habe gegen Joe Coca gekämpft, der ein guter Kämpfer und eine gute Person ist. Der Kampf war ein Umschwung, weil ich mich in einer Zone befand, in der ich schon lange nicht mehr war. Der Kampf gegen Coca war der erste seit einiger Zeit, bei dem ich total fokussiert war. Als wir gegenüber standen, wollte ich ihn einfach schlagen, nichts Persönliches gegen Joe – es war einfach eine persönliche Herausforderung für mich selbst. Ich muss aufzuhören so nett zu sein und mich damit anzufreunden, die Kämpfe intensiver werden zu lassen. Ich nehme es ein bisschen persönlicher, wenn es um meinen Gürtel geht. Wer würde das nicht, wenn es um etwas geht, das du seit deiner Kindheit wolltest und endlich bekommen hast.

Wenn wir schon bei Titelkämpfen sind, 2008 musstest du dich gegen Wilson Reis im Kampf um den EliteXC Bantamgewichtstitel geschlagen geben. Was lief falsch für dich in diesem Duell?
Es soll nicht wie eine Ausrede klingen, aber mir fehlte die Konzentration und ich hörte nicht auf die Leute, die mir helfen wollten. Wir können den Kampf noch immer nicht miteinander ansehen.

Weißt du schon etwas über deinen nächsten Kampf, wer dein Gegner sein wird?
Weiß ich leider noch nicht.

Wenn du einen Gegner wählen könntest, wer wäre es?
Ich werde King of the Cage entscheiden lassen, aber ich würde irgendwann sehr gerne noch einmal gegen [Hideo] Tokoro kämpfen.
Cullum vs. Tokoro
In den letzten Jahren hast du in verschiedenen Gewichtsklassen gekämpft, welche davon ist dir am liebsten?
135 Pfund ohne Zweifel. Ich habe in dieser Gewichtsklasse nie verloren und könnte mir sogar vorstellen, auf 125 [Pfund] runter zu gehen, wenn es Sinn macht. Ich weiß nicht, ob ich 125 [Pfund] schaffe, aber vielleicht versuche ich es irgendwann. In Japan gibt es ein 60 kg Limit in manchen Events, das entspricht etwa 132 Pfund und ich würde auch diese Klasse gerne versuchen. Bei 63kg, 139 Pfund, und bei 140 Pfund war ich etwas klein. Es hört sich nicht viel an, aber wenn du klein bist, machen ein oder zwei Pfund einen großen Unterschied.

Du hast einen Großteil deiner Karriere bei King of the Cage verbracht, was denkst du über die Organisation?

KOTC ist mein Zuhause und ich liebe es. King of the Cage ist eine großartige Organisation und ich war sehr glücklich darüber, als KOTC einen Vertrag mit HDNet abschloss, damit meine Fans mich verfolgen können. Ich weiß nicht, wie die Geschichte mit Mark Burnett laufen wird, aber ich finde es aufregend.

(Anm. d. Red.: King of the Cage ging eine Beteiligungsvereinbarung mit Mark Burnett ein, dem Macher der erfolgreichen TV-Shows „Survivor“, „The Contender“ und „The Apprentice“. KOTC Champions traten auch regelmäßig bei der von Burnett produzierten „Bully Beatdown“-Show auf MTV an.)

Was ist dein übergeordnetes Ziel im MMA?

Ich will bekannt werden als jemand, der zeigte, wie viel Spaß es macht, den „kleinen Jungs“ zuzusehen. Ich will immer mein Bestes geben und die Leute sagen hören, egal ob Sieg, Niederlage oder Unentschieden, der Junge kam um zu kämpfen.

Hast du abschließend eine Nachricht für deine Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Ich hoffe, alle meine Fans genießen meine Kämpfe und ich hoffe ich kann irgendwann vor euch kämpfen. Oh und nebenbei, ich bin teilweise Deutscher. Mexikanisch-Irisch-Deutsch um genau zu sein. Danke und passt auf euch auf.