Interviews

„Ich möchte gegen Phill Harris kämpfen!“

Artemij Sitenkov (Foto: Cagewarriors/Dolly Clew)

Ausnahmetalent Artemij Sitenkov zählt nicht unbegründet zu den stärksten Bodenkämpfern seiner Gewichtsklasse. Bei seinen 14 Siegen gelang es dem Litauer, alle seine Gegner vorzeitig via Aufgabegriff zu besiegen. Nach seinem Wechsel ins Fliegengewicht möchte der 28-jährige Vale Tudo MMA Academy-Kämpfer dem UFC-Präsidenten Dana White nun endgültig beweisen, dass er nicht nur zu den stärksten Athleten Europas zählt, sondern mit den besten Kämpfern der Welt mithalten kann.

In einem exklusiven Interview sprach GroundandPound mit dem Fliegengewicht über das Leben als MMA-Kämpfer in Litauen, „Nemesis“ Phil Harris und seinen Erfahrungen bei den TUF-Tryouts.

GroundandPound: Würdest Du Dich bitte einmal unseren Lesern vorstellen?
Artemij Sitenkov: Hallo! Mein Name ist Artemij Sitenkov und ich bin 28 Jahre alt. Ich komme aus Litauen und kämpfe für die Vale Tudo MMA Academy. Ich konnte bereits einige Titel im Kampfsport und auch im MMA-Sport gewinnen. Zudem war ich bereits bei einigen europäischen Ranking-Listen auf Platz Nummer 1 gelistet. Aus meiner Sicht steht aber noch viel an und einige Erfolge und Gürtel noch aus, welche ich in Zukunft sehr gerne in Angriff nehmen möchte.

Wie bist Du überhaupt zum MMA-Sport gekommen?
Ich betreibe seit meinem 7. Lebensjahr Kampfsport. Die meisten Kampfsportarten waren mir aber nicht herausfordernd genug und da ich etwas “extremes“ ausprobieren wollte habe ich mit dem MMA-Sport angefangen. Ich habe sofort Feuer gefangen. Die Adrenalinausschüttung und der Spaßfaktor waren so intensiv, dass für mich nichts anderes mehr in Frage kam.

Du hast vor kurzem Deine Gewichtsklasse gewechselt und kämpfst von nun an im Fliegengewicht. Was hat Dich dazu veranlasst, dem Bantamgewicht den Rücken zu kehren?
Nun, bislang musste ich immer gegen Gegner antreten, die weitaus schwerer waren als ich. Ich bin von Natur aus ein Bantamgewicht. Dies bedeutet, dass ich noch nicht einmal Gewicht machen muss. Es ist einfach schwierig, auf Dauer erfolgreich zu sein, wenn du in einer Gewichtsklasse kämpfst, in der weitaus schwerere Gegner sind.

Zwei Bodenkampfexperten unter sich: Artemij Sitenkov und Peter Sobota (Foto: Cagewarriors/Dolly Clew)

Ist es Dir denn leicht gefallen, dass Gewicht einzuhalten? Dass Diäten gehörte ja bislang nicht zu Deinem Aufgabenbereich.
Nein, dies war nicht schwer für mich. Wenn ich mir ein Ziel setze, erreiche ich dies, egal wie schwer die Bedingungen sind!

Es ist kein Geheimnis, dass Du an den „Tryouts“ für die letzte The Ultimate Fighter-Staffel teilgenommen hast. Warum hat es letzten Endes nicht für einen Platz in dem berühmten TUF-Haus gereicht?
Ja, ich habe versucht ins berühmte TUF-Haus zu kommen. Leider habe ich mir auf den Hinflug eine Erkältung zugezogen und war völlig neben der Spur. Ich verbrachte mehrere Tage ohne Medizin im Hotel und hatte auch keinen Appetit, was dazu führte, dass ich auch einiges an Gewicht verlor und ich mich noch schwächer fühlte. Glücklicherweise half mir mein Landsmann Davidas Taurosevicius, der in New York lebt. Er nahm mich auf und versorgte mich, wofür ich ihm wirklich sehr dankbar bin. Leider war ich noch immer etwas geschwächt am Tag der Tryouts, aber ich versuchte mein Bestes. Es reichte einfach nicht aus, um Dana White zu überzeugen und somit musste ich wieder nach Hause fliegen.

Ist es denn immer noch dein Ziel, in der UFC zu kämpfen?
Ja, ich möchte der erste Kämpfer aus Litauen sein, der einen UFC-Vertrag erhält. Das ist mein Ziel! Ich muss einfach weiter hart an mir arbeiten und meine Kämpfe gewinnen. Sonst wird die UFC nicht auf mich aufmerksam werden. Ich weiß nicht, wie viele Kämpfe ich gewinnen muss, aber anders wird es nicht laufen. Warum auch immer, aber irgendwie haben die britischen Kämpfer immer die Nase vorn, wenn es um eine Verpflichtung in der UFC geht. Die restlichen europäischen Kämpfer haben es da etwas schwerer.

Wie lebt es sich eigentlich als MMA-Kämpfer in Litauen?
MMA wird immer beliebter in Litauen, aber ist längst noch nicht so populär wie manch andere Sportarten. Hier ist es für die meisten Kämpfer eher ein Hobby, als ein Beruf. Man hat nicht wirklich viele Möglichkeiten, um professionelle Bedingungen zu schaffen, zumindest was das Sponsoring angeht. Ich habe das Glück, etwas Unterstützung zu erhalten, aber es reicht nicht wirklich immer voll aus. Die schwedische Marke Kenka hilft mir zum Beispiel mit Fight-Gear aus, welche ich für das Training und für meine Kämpfe benötige. Hier in Litauen finden auch einige gute Events statt, wo zum Teil 10.000 Zuschauer den Weg in die Halle finden. Ich habe in meinem Heimatland auch schon einige Male gekämpft, aber die Kampfgagen sind wirklich sehr gering und somit kämpfe ich hauptsächlich im Ausland.
Stets das Ziel vor Augen: Artemij Sitenkov (Foto: Cagewarriors/Dolly Clew)

In unserer GnP- MMA-European-Top-Ten befindest Du Dich derzeit auf dem ersten Platz. Auf dem zweiten Platz befindet sich Dein “Erzfeind“ Phil Harris. Wann wird es denn zu diesem längst überfälligen Kampf kommen?
Ich hoffe schon bald! Ich möchte unbedingt gegen Phil kämpfen, aber es liegt nicht in meinen Händen. Phil ist ein wirklich netter Kerl und wir haben bei unserem letzten Gespräch viel miteinander gelacht. Wir scherzten noch, dass wir uns bestimmt beim nächsten Treffen im Käfig gegenüber stehen werden, aber ich vermute, dass sein Manager diesen Kampf nicht möchte und er deswegen nicht stattfinden wird.

Du hast Deine 14 Kämpfe allesamt via Aufgabegriff gewonnen. Phill hat ebenfalls fast alle seine Kämpfe via Submission gewonnen. Sollte dieser Kampf entstehen, könnte man von einem Aufeinandertreffen der Bodenkampfexperten sprechen, oder siehst Du dies anders?
Ich denke Phill würde den Bodenkampf vermeiden und versuchen im Stand einen Punktsieg einzufahren. Ich arbeite aber immer hart an meinen Fähigkeiten und bin im Kampf immer für eine Überraschung gut. Welche Überraschung dies sein wird, werde ich natürlich an dieser Stelle nicht verraten.

Hast Du denn zum Abschluss noch etwas auf dem Herzen, dass Du deinen Fans/den GnP-Lesern noch sagen möchtest?
Ich möchte an dieser Stelle allen MMA-Fans und GnP-Lesern danken, weil ihr den Sport unglaublich unterstützt und dadurch immer populärer macht! Dies ist der Grund, warum ich es so liebe zu kämpfen!