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Human Nikmaslak vor Kampf am Samstag: „Es ist nie zu spät“

Human Nikmaslak - auch mit 41 ist es nicht zu spät. (alle Fotos: Human Nikmaslak/toughgym.de)

Am kommenden Samstag steigt die nächste Kickmas-Veranstaltung in der Wandsbeker Sporthalle in Hamburg. Dabei wird mit Human Nikmaslak ein norddeutsches Urgestein wieder in den Ring zurückkehren. Begleitet wird Nikmaslak von dem TV-Sender RTL, welcher eine Doku über ihn drehen wird. Was ihn mit 41 Jahren dazu gebracht hat, noch einmal die ganzen Strapazen auf sich zu nehmen und wie sein Umfeld diese Nachricht aufgenommen hat, das hat uns Human Nikmaslak im Interview verraten.

GNP1.de: Human, am 12. Dezember wirst du bei der Kickmas Fight Night in Hamburg dein Comeback im Ring geben. Wie laufen die Vorbereitungen?
Human Nikmaslak: Hallo Tobias, und erst mal Danke für dieses Interview. Die Vorbereitungen laufen gut. Da ich eine lange Pause hatte und nicht der Jüngste bin (lacht), muss ich natürlich anders vorgehen. Am Anfang war es hart wieder anzufangen. Die Muskeln und die Gelenke mussten sich an das harte Training erst wieder gewöhnen und das war keine einfache Arbeit. Überall Schmerzen nach jeder Trainingseinheit, ich hatte am Anfang keine Lust mehr gehabt (lacht). Du kannst eben ein Auto, was lange nicht gelaufen ist, nicht starten und sofort Vollgas geben. So ist es genau mit mir gewesen. Ich habe mich in den ersten vier Wochen nur auf Kraft und Muskelaufbau konzentriert. Dazu bin ich diesmal einen Monat lang zweimal pro Woche zusätzlich zu meinem Training bei der Champ-Performance in Hamburg unter der Aufsicht von Martin Jahn und Moritz Klatten – wo auch viele Boxprofis von Sauerland sind - trainieren gewesen. Das war etwas ganz neues für mich und hat mir auch sehr geholfen. Ich habe auch viele Sparringsrunden hinter mir, da ich ja wie erwähnt lange nicht mehr gekämpft hatte. Mein Bruder hat mich sehr gut auf den Kampf eingestellt, denn keiner kennt mich so gut wie er. Er holt alles aus mir heraus, obwohl er eigentlich gegen den Kampf war. Aber ohne seine Unterstützung würde ich nicht in den Ring steigen. Mein Training bestand aus 7-8 Einheiten in fünf Tagen und danach folgten zwei Tage Pause. In den letzten drei Wochen vor dem Kampf wurde das Ganze auf sechs Einheiten in sechs Tagen abgeändert, was auch effektiver war. Ich fühle mich einfach super.

Dein Gegner wird Stefanos Apostolakis aus Griechenland sein. Ist er dir überhaupt ein Begriff?
Nein. Die Griechen, genau wie der Chinese bei meinem letzten Kampf, legen nicht viel Wert darauf, bei YouTube oder Facebook etwas  hochzuladen. Sie kämpfen viel im eigenen Land. Er hatte in 2015 um die Weltmeisterschaft gekämpft, aber musste wegen einer Verletzung am Knie den Kampf abbrechen. Er hat viel Ausdauer, kämpft MMA, Kickboxen/K1 und bei seinem MMA-Kampf sieht man, dass er 3x5 Minuten nur vorwärts geht. Also Luft und Ausdauer hat er.

Was glaubst du, auf welchen Kampf wirst du dich einstellen müssen?
Ich bin nicht so ein Kämpfer, der sich vor einem Kampf einen Gameplan macht. Ich bin total gegen eine solche Methode, weil man sonst nur an den Gameplan denkt. Mein Motto lautet: Du musst deinen Gegner in 20-30 Sekunden lesen können und dann musst du einen Plan B haben. Wenn du nur einen Plan hast und in nur eine Richtung kämpfst, dann kann dich ein guter Gegner mit einer guten Ecke schnell durcheinander bringen. Ich kann einen Kampf ruhig oder aggressiv beginnen – da passe ich mich meinem Gegner an. Aber ich denke, dass es ein harter Kampf wird, da er ebenso ein harter Kämpfer ist wie ich und auch den Titel wie ich gewinnen möchte.

Bei diesem Kampf wird es um den WM-Titel der Kimbo-Serie gehen. Kannst du uns kurz erklären, was sich genau dahinter verbirgt?

Auf Eurosport werden derzeit nur die drei besten Serien aufgezeichnet oder übertragen. Das sind Glory, Super Kombat und Kimbo. Da es kurzfristige Probleme mit Eurosport gab, wird mein Kampf diesmal leider nicht  übertragen.

Es gibt ja immer die Frage nach dem warum? Also, warum steigt Human Nikmaslak noch einmal vor seiner Haustür in den Ring?
(lacht) Ja die Frage haben mir viele gestellt. Ich bin leidenschaftlicher Boxer und ich liebe diesen Sport. Ich möchte der neuen Generation zeigen, dass wenn man etwas will, man es auch schaffen kann. Denn nichts ist unmöglich. Wenn ich höre, dass viele junge Leute mit 28-30 Jahren alles aufgeben, weil sie der Meinung sind, dass es zu spät sei – es ist niemals zu spät. Egal ob sportlich oder privat.
Dieser Kampf ist nur für mich. Ich wollte schon immer mit 40 in den Ring steigen. Jetzt bin ich 41 – noch besser. Ich möchte das Beste aus mir herausholen und schauen, wie weit ich bei diesem Kampf gehen kann. Natürlich will ich gewinnen, aber in erster Linie soll es ein guter Kampf werden weil ich der Jugend damit zeigen möchte dass man im Leben nicht aufgeben soll. Auch wenn man zu Boden fällt, man kann immer wieder aufstehen und weiter machen.

Machen wir es kurz, Human Nikmaslak besiegt Stefanos Apostolakis, weil …?
Ich sage ungerne vor dem Kampf, dass ich gewinne, aber ich werde der Kampf gewinnen, weil ich ganz Hamburg hinter mir haben werde. Weil ich super Leute im Tough Gym habe, die mich unterstützen, mit Homayoun Nikmaslak einen super Trainer, der mich auch sehr gut motiviert und natürlich meine Familie, die immer für gute Laune sorgt, wenn ich nach Hause komme. Ganz besonders meine beiden kleinen Töchter. Die geben mir die meiste Power.
 
Wie auch zu hören war, wird TV-Sender RTL eine Reportage über dich drehen. Um was genau handelt es sich dabei?

Ja. Es wird eine 45-minütige Doku über mich, den Kampf, die komplette Vorbereitung und mein Privatleben gemacht. Sobald ich weiß, wann die Doku ausgestrahlt wird, werde ich es euch mitteilen.

Wie kam der Deal mit RTL überhaupt zu Stande?
Dass ich nochmal in den Ring steigen werde – mit dieser Nachricht haben wir in Hamburg eine Bombe platzen lassen. Ganz Hamburg spricht darüber und ich meine nicht nur die Kampfsport-Szene, sondern auch Leute, die nichts mit dem Sport zu tun haben. Dadurch sind die Medien auf mich aufmerksam geworden. Da ich 2009 schon einmal bei Günter Jauch ein Interview gegeben hatte und des Öfteren auch Dokus über mich, meinen Bruder und unsere Firma gedreht wurden, war das für die natürlich interessant. Auch die Tatsache, dass ich 41 und ein großer "Rocky Balboa"-Fan bin.
 
Was sagt eigentlich deine Familie dazu, dass du nach ein paar Jahren Pause wieder in den Ring steigst?
Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich wieder in den Ring steigen will und sie gefragt, was sie davon hält. Sie hat nur gelacht und mir den Vogel gezeigt. Ich sagte ihr, dass ich diesen Kampf brauche und es mir sehr ernst ist. Es gibt mir einfach diesen Kick, den sich andere beim Bungee Jumping oder dem Falschirmspringen holen. Sie fand es zunächst nicht gut und wollte auch gleich wissen, was mein Bruder dazu sagt. Denn sie weiß, ohne meinen Bruder ist es besser, nicht in den Ring zu steigen. Ich sagte ihr, dass er es gut finden würde und überhaupt nicht dagegen sei – es war gelogen, da mein Bruder noch gar nicht wusste, dass ich noch einmal in den Ring steigen würde. Als ich dann mit ihm gesprochen habe, meinte er nur: „Du hast jetzt eine Familie, Kinder, viel Arbeit und wenig Zeit. Wie willst du das schaffen?“. Die ersten beiden Wochen hat er mich im Training ignoriert, in der Hoffnung, dass ich meine Meinung ändern würde. Als er aber gesehen hat, wie ernst es mir damit ist, hat er mich natürlich super unterstützt und vorbereitet. Meinen Eltern hingegen habe ich gesagt, dass es ein Show-Kampf sei. Meine Mutter hat dabei so getan, als ob sie mir glauben würde. Sie lächelte und meinte, seit du 16 bist und deinen ersten Kampf gemacht hast, hast du immer gesagt, dass du nur einmal kämpfen würdest. Warum soll ich dir jetzt glauben dass es nur ein Show-Kampf ist? (lacht)
 
Hat es da auch einige Überredungskünste gebraucht, um deine Frau überzeugen zu können?
Meine Frau kennt mich seit 19 Jahren und weiß wie ich ticke. Ich sagte ihr, dass ich diesen Kampf einfach brauche und will. Das ist wie eine Sucht – also der Sport natürlich. The Heart and Soul of Boxing – das Motto unseres Gyms.

Du bist ein vielbeschäftigter Mann und da stellt sich natürlich die Frage, wie du den Job mit deinem Training koordiniert bekommst?
Es ist eine Frage der Organisation, aber da ich nicht alles alleine mache und mein Bruder mit dabei ist, hat er natürlich die ganze Last auf sich. Aber es ist hart, ich muss trotzdem viel machen. Ich hatte in der Vorbereitungsphase nur 5-6 Stunden Schlaf am Tag. Aber Ich habe mir es ausgesucht und es gibt keine Ausrede.

Wird dieser Kampf ein einmaliges Erlebnis sein, oder hast du für die Zukunft noch weitere Kämpfe geplant?
Nein. Ich habe meiner Familie versprochen, dass es eine einmalige Sache ist, das schaffe ich nicht nochmal. Doch wenn ein lukratives Angebot kommt, was gegen einen bekannten Sportler geht und es sich auch lohnen würde, dann überlegt man es sich bestimmt noch einmal (lacht). Aber das ist eine sehr harte Arbeit und es kann sich wohl kaum einer vorstellen.

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.

Ich freue mich, dass ich mit 41 noch einmal die Möglichkeit bekomme, in den Ring zu steigen und ich möchte dabei bis an mein Limit gehen und schauen, wie weit es gehen wird. Natürlich möchte ich gewinnen, weil ich damit allen zeigen möchte, dass man es im Leben zu etwas bringen kann und es besser ist als mit der Fernbedienung in der Hand auf dem Sofa zu sitzen. Ackern muss man, aber dann kann man auch erreichen, was man möchte. Gebt niemals auf. Wir sind als Kämpfer geboren, auch wenn wir als Kind nach den ersten 2-3 Schritten hingefallen sind, wir sind immer wieder aufgestanden und haben trotzdem laufen gelernt. Ich danke meiner Familie für die Unterstützung und besonders meinem Bruder, der alles mit mir durchmachen musste, obwohl wir so viel Arbeit hatten. Ein großes Dankeschön geht auch an die Tough Gym Familie – ihr seid die Besten. Leider konnte ich mich nicht so gut um euer Training kümmern, da mich Homayoun vorbereiten musste – ihr seid einfach toll. Danke an die Menschen aus Hamburg für die Unterstützung. Durch eure positive Einstellung gebt ihr mir die Kraft, die ich brauche. Kämpfen ist kein Einzelsport, denn alle sind daran beteiligt. Ohne meine Sponsoren dem Arriba Erlebnisbad in Norderstedt und Eindruck – Die Druckerei wäre es natürlich auch nicht möglich. Ich danke auch dem GNP1-Team, da ich euren Aufstieg von Anfang miterlebt habe. Ihr wurdet immer größer und besser und seit in der Martial Arts Szene die Nummer eins in Europa. Da darf man sehr stolz drauf sein. Danke für die lange Zusammenarbeit und das ihr mir die Möglichkeit zu diesem Interview gegeben habt.