Interviews

Hausaufgaben gemacht

Daniel Zeuner geht selbstbewusst in seinen Fight gegen Marco Aschenbrenner. (Alle Fotos: Daniel Zeuner)

Trotz seines relativ jungen Alters hat der Thüringer Daniel Zeuner bereits 45 Kämpfe auf dem Buckel. 35 davon entschied er für sich. Seinen größten Erfolg feierte er, als er sich 2010 die Europameisterschaft der IKBO sichern konnte.

Im vergangenen Jahr gründete der Masterstudent für Stadt und Raumplanung schließlich eine Filiale des erfolgreichen Hallenser la familia Fightclubs in Erfurt. Dort coacht er seither seine Nachwuchskämpfer, während er selbst am 05. Mai vor großer Kulisse in den Ring steigen wird. Bei der III. la familia Fightnight trifft er auf den Hamburger Veteranen Marco Aschenbrenner. Wir haben vorher mit Zeuner gesprochen.

GroundandPound: Daniel, du triffst am 05. Mai bei der III. la familia Fightnight auf Marco Aschenbrenner, wie läuft die Vorbereitung?
Daniel Zeuner: Die Vorbereitungen laufen echt klasse. Durch eine Handoperation musste ich das gesamte Jahr 2011 mit kämpfen aussetzen. Seit Januar 2012 bin ich wieder in einer super Verfassung und auch wieder im Kampfgeschehen. Wie immer bereite ich mich mit meinem Trainingskamerad und Freund Marek Ljastschinkij und - anders als sonst - nun auch mit den Jungs vom la familia Fighclub Halle vor. Die jetzige Trainingsatmosphäre und das Coaching könnte ich mir nicht besser vorstellen.

Das Ganze wird ein Duell der Stile könnte man sagen...
Ich denke Marco ist keiner der planlos in den Kampf geht. Er wird schon wissen, was er macht und nicht versuchen, es mit der „Brechstange“ anzugehen. Ich denke, es liegt auf der Hand, dass sich unser Stil allein schon durch unsere Statur unterscheiden wird.

Die Amerikaner sagen ja „styles make fights“ – was für einen Kampf erwartest du hier also?
Marco ist ein erfahrenen Kämpfer, der auf seine Chance warten wird. Aber meine Chance lasse ich mir definitiv auch nicht nehmen. Ich kann nur sagen was die Zuschauer erwarten können, nämlich einen knackigen Kampf mit viel Action. Ich gehe aber selber nicht von vollen drei Runden aus, da ich mich in einer guten Verfassung fühle und die Zuschauer mit einem starken Kampf unterhalten möchte.



Marco Aschenbrenner hat international sehr viel Erfahrung, stand unter anderem schon bei K-1 Grand Prix-Events im Ring. Wie viel wird ihm das nützen?
Erfahrung kann viel im Kampfverlauf ausmachen, aber wenn die Vorbereitung und Motivation stimmt, dann ist eh alles offen. Außerdem kochen alle nur mit Wasser. Neben der K-1-Disziplin, stehe ich auch immer gerne bei reinen Boxkämpfe des Weimarer BV im Ring. Dadurch bekomm ich auch immer wieder andere Stile vor die Fäuste, was definitiv auch fürs K-1 nicht verkehrt ist.

Man kann dennoch sagen, dass Aschenbrenner hier der Favorit ist. Stört dich die Außenseiterrolle?
Überhaupt nicht. Ich werde meine Hausaufgaben machen.

Aschenbrenner stand seit November 2010 nicht mehr im Ring, war lange Zeit am Knie verletzt. Siehst du hier einen Vorteil für dich?
Zu einer Vorbereitung gehört es sicherlich, die Stärken und Schwächen des Gegners herauszufinden, darauf gilt es zu trainieren. Ich denke aber trotzdem, dass Marco weiß was er macht, wenn er in den Ring steigt, deswegen gehe ich erstmal von keinen Vorteilen aus. Ich werde einfach so kämpfen, wie mich meine Trainer aus Halle darauf eingestellt haben.

Du bist in Halle als la familia-Mitglied quasi der Lokalmatador, d.h. mehrere tausend Leute werden dich am 05. Mai in der Volksbank Arena anfeuern. Gibt das nochmal zusätzlich Energie oder bekommst du das im Ring gar nicht mit?
Im Ring merke ich das kaum noch. Da läuft ein Programm ab, sobald die erste Runde beginnt. Aber sicherlich freue ich mich jetzt schon auf den Kampf in der Arena mit einer lautstarken Unterstützung. Das motiviert natürlich ungemein. Der Kampf und die gesamte Veranstaltung wird einfach der Hammer. Viva la familia!



Du bist Coach in Erfurt, bei der la familia „Zweigstelle“ in der Thüringer Landeshauptstadt. Wie kam es dazu?
Oh da fragst du was! Da könnt ich ganz weit ausholen. Also es hat eigentlich alles während einer Vorbereitungsphase im Oktober letzten Jahres angefangen. Wir trainierten mit Madi und Matze aus Halle. Ich kann nur sagen, dass wir uns von Anfang an verstanden haben. Aus sportlicher Sicht haben wir die gleichen Ansichten und auch darüber hinaus sind die Jungs einfach klasse. Dieser Besuch blieb somit nicht der letzte und es entwickelte sich eine ausgezeichnete Freundschaft. Den Plan, in Erfurt ein eigenes Studio zu eröffnen, gab es schon länger, aber die Begegnung mit dem Team des la familia Fightclub Halle war ausschlaggebend.

Lenkt es ab, wenn man sich neben seinem eigenen Wettkampf noch um die Belange seiner Schüler kümmern muss?
Es macht mir ungemein Spaß Training zu geben. Die Jungs entwickeln sich und man sieht, dass es Ihnen Spaß macht und die ganze Arbeit sich mit der Zeit auszahlt. Es ist einfach eine Art Lifestyle, der aber auch ein gewisses Zeitmanagement benötigt.

Dein bisher größter sportlicher Erfolg ist die IKBO Europameisterschaft, die du auch schon einige Male verteidigen konntest. Was können wir künftig noch von dir erwarten?
Der Plan ist es, auf jeden Fall weitere Kämpfe gegen gute Leute zu bestreiten. Mir ist es egal, ob Titel oder kein Titel. Natürlich sieht es immer gut aus, sich einen Titel nach dem anderen um die Hüfte zu schnallen, aber heutzutage gibt es so viele Verbände mit Titeln. Darüber hinaus wollen wir uns um ein eigenes Studio kümmern. Wir sehen noch großes Potential für den la familia Fightclub Erfurt.

Daniel Zeuner und Marco Aschenbrenner werden am 05. Mai 2012 bei der III. la familia Fightnight in der Volksbank Arena Halle/Saale aufeinandertreffen. Informationen zur Veranstaltung, Karten und eine vollständige Fightcard gibt es auf der offiziellen Internetseite: www.la-familia-fightclub.de.

Ein Interview mit Marco Aschenbrenner findet sich hier.