Interviews

Haqparast: Ich werde meine Jugend nicht verschwenden!

Als erster Deutscher bei ManoManagement unter Vertrag: Nasrat Haqparast.

Nasrat Haqparast (4-1) gehört zu den aufstrebenden Talenten in Deutschlands Leichtgewicht. Der 19-jährige Hamburger mit Wurzeln in Afghanistan konnte seit seiner Niederlage im Debütkampf alle weiteren Begegnungen für sich entscheiden und sich von Duell zu Duell steigern. Durch gute Arbeitsmoral in Trainingcamps in Schweden sowie in Los Angeles ist er ManoManagement, Europas größtem MMA-Management, aufgefallen und wurde vor wenigen Tagen als bislang erster Deutscher verpflichtet. Neben Haqparast hat ManoManagement UFC-Athleten wie Joanne Calderwood, Robert Whiteford, Niklas Bäckström, Reza Madadi, Ilir Latifi, Alexander Gustafsson uvm. unter Vertrag. Der junge Athlet vom Team Ismail, der gestern sein Abitur erfolgreich abgeschlossen hat, sprach mit uns über seine Entwicklung.

GNP1.de: Wie kamst du zum MMA und wer waren deine Vorbilder?
Nasrat Haqparast: Ich kam zum MMA, nachdem ein Freund mich dazu überredet hatte mit zum Thaiboxtraining, damals bei Ardalan Sheikholeslami, zu kommen. Nachdem wir ankamen, war dort Ismail Cetinkayas Gruppe, die noch trainierte. Nachdem ich etwas zuschaute, bekam ich sofort Interesse und so fragte ich Ismail, ob ich nächstes Mal mitmachen dürfte. Er erlaubte es, obwohl es damals keine jüngeren Schüler in seinem Team gab unter 18. Durch zunehmendes Interesse schaute ich mir UFC-Kämpfe an, um durch das Gucken von MMA etwas zu lernen. Cain Velasquez wurde sofort mein Lieblingskämpfer, weil er den unterhaltsamsten Stil hat.

Warum MMA und nicht Fußball oder Judo?
MMA ist die härteste Sportart der Welt. Ich bin ein Mensch, der mit viel Willen und Motivation an eine Sache rangeht, deswegen suchte ich mir direkt die härteste Sportart der Welt aus (lacht).

Du hast bereits mit 14 Jahren dein MMA-Training angefangen und bist seitdem drangeblieben. Wie kam es dazu, dass du dich nicht hast davon abbringen lassen in deiner Jugend, in der es so viel Ablenkung gibt?
Ich hab mir schon früh große Ziele gesetzt. Ich hab noch nie Zeit verschwendet, indem ich einfach den ganzen Tag rumhing oder auf Partys war. Alles was mich vom Sport ablenkte vermied ich, bzw. vermeide ich bis heute noch. Ich sehe keinen Sinn darin meine Jugend mit unnötigen Sachen wie Partys oder Freundinnen zu verschwenden, weil es einen mehr Schaden als Nutzen bringt.

Was haben dir der Sport und das Training gegeben in den letzten sechs Jahren, den du ihn betreibst? Welche Rolle spielt MMA in deinem Leben?
Ich liebe den Sport einfach. Ich liebe es, mit den besten Leuten der Welt zu trainieren und mich weiterzuentwickeln. Ich kämpfe nicht, wie die Meisten für Facebook-Ruhm oder dergleichen. Jeder Kämpfer weiß wie schön das Gefühl des Sieges ist. In jedem Kampf setzte ich mir ein Ziel, meine beste Leistung im Käfig zu zeigen. Manchmal sitze ich sogar Zuhause um 2:00 Uhr morgens und will unbedingt trainieren, dann geh ich z.B. ins Fitnessstudio und mache Sprints. Ich will mich immer weiterentwickeln, tagtäglich steigt meine Motivation.

Dein Trainer Ismail Cetinkaya hat dich immer wieder Disziplin und mentalen Fokus gelehrt – wie man in Dokus und live am Ring/Cage sehen konnte. Was hat sich dadurch geändert?
An meiner Persönlichkeit hat sich eine Menge verändert. Ich bin viel disziplinierter geworden, zielstrebiger und motivierter. Dafür danke ich ihm.

Du hast dich stets von Kampf  zu Kampf gesteigert. Wie bitter ist die einzige Niederlage deiner Karriere?
Die einzige Niederlage war ein Mix aus Dummheit, Naivität und Unerfahrenheit. Drei Tage vor dem Kampf hatte ich mir die Nase gebrochen, Mein Coach Ismail musste nach Moskau, um Andreas Bernhard in seinem größten Karrierekampf zu coachen. Ich wollte jedoch unbedingt kämpfen und wir fuhren also ohne meinen eigentlichen Trainer hin. Ich war 17 und hatte keine Ahnung vom Sport. Das ist mittlerweile schon drei Jahre her.

Im vergangenen Jahr warst du in Los Angeles und hast bei Eddie Bravo oder Bas Rutten trainiert. Wie kam es dazu?
Da meine halbe Familie in Los Angeles wohnt, kam ich auf die Idee meinen Onkel zu besuchen. Ich war entschlossen ein paar Gyms zu besuchen, um dort mit guten Leuten zu trainieren und Erfahrung zu sammeln. Also kam ich zu Bas Rutten und sein Team Elite MMA, bei welchen das Training auch sehr gut war. Ich war auch im TapOut Los Angeles und somit im 10Th Planet bei Eddie Bravo. Er schaut extrem präzise drauf, wie sauber die Techniken ausgeführt werden und ist ein echt cooler Typ. Außerdem konnte ich auch beim Wild Card Boxing Club trainieren. Zu der Zeit hatte Manny Pacquaio seine Vorbereitung für seinen Kampf im April und Freddie Roach hatte alle Hände voll zu tun (lacht).

Anfang 2015 warst du in Schweden, beim Allstars Training Center, einem der besten Gyms Europas. Was hast du dort gelernt und mit wem hast du trainiert?
Mein Aufenthalt in Schweden war unglaublich erfolgreich. Ich bin mit meinem Bruder dahin gereist. Sofort nach Ankunft war das Allstars Team extrem gastfreundlich und das ManoManagement sorgte sich sehr um uns und versorgte uns mit allen nötigen Sachen. Meine Trainingspartner in Schweden waren Reza Madadi, Niklas Bäckström , Makwan Amirkhani, Frantz Slioa, Fernando González, Marc Diakiese und andere Top-Athleten. Es war toll.

Dein Auftritt bei We Love MMA 13 war dein wohl bester Kampf deiner Karriere. War das das Ergebnis gegen Patrick Schwellnus des harten Trainings im Ausland?
Für meinen letzten Kampf habe ich einen Teil meiner Vorbereitung in Schweden absolviert. Ich wusste, dass es nur im Allstars die besten Trainingspartner in Europa gibt. Dort wurde ich mit Top-Sparring und guten Techniken versorgt und ich war in der Form meines Lebens. Also kämpfte ich beim Veranstalter des Jahres 2014, We love MMA 13, in Hannover. Normalerweise kämpfe ich im Leichtgewicht, aber bei WLMMA startete ich im Weltergewicht, was 7 kg über meiner eigenen Klasse war, aber das war kein Grund für mich nicht zu kämpfen. Im Co-Main Event konnte ich gegen einen zähen Gegner via T.K.o. gewinnen. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar gegenüber dem Allstars Team, welche mich behandelten als wäre ich einer ihrer eigenen Kämpfer.


Haqparast bei WLMMA 13 in Aktion (Foto: Pervin Inan Serttas/Foto Seven)

Wie kam es überhaupt dazu, dass du Hamburg verlassen hast, um im Ausland zu trainieren?
In Hamburg hab ich leider nicht die Bedingungen mich richtig zu entwickeln. Ich will mehr als es hier gibt, härteres und bessere Sparring als es hier verfügbar. In Hamburg gab es wenige Leute in meiner Gewichtsklasse, mit denen ich mich vorbereiten konnte. Einer meiner Top-Trainingspartner ist Lom-Ali Hutaev und mein Bruder Hejrat Haqparast, jedoch reichen zwei Trainingspartner nicht aus, um sich für einen Kampf vorzubereiten. Deswegen musste ich nach Schweden, um in die beste Form zu kommen und große Sprünge in meiner Entwicklung zu machen.

Dort bist du in Kontakt mit ManoManagement gekommen. Wieso hatten sie an dir Interesse?
Mano Management beobachtete mich im Training und im Sparring mit Weltklasse-Leuten. Dort wurde ihr Interesse geweckt und sie erkannten mein Talent und Potential. Da ich mich auf Anhieb mit ihnen und den Fightern sehr gut verstand, nahmen sie mich letzten Donnerstag unter Vertrag. Mano Management managed mich jetzt und ich fühle mich sehr wohl bei ihnen, da sie sich um alle ihre Kämpfer sehr Sorgen.

Was erhoffst du dir von der Zusammenarbeit? Ist das große Ziel die UFC?
Mano Management hat 12 UFC-Kämpfer unter Vertrag, was schon Weltklasse ist und sie haben eine sehr gute Beziehung zur UFC. Das Ziel ist es, mich aufzubauen, um mich mit den richtigen Kämpfen schlussendlich in die UFC bringen. Da ich aktuell eine professionelle Bilanz von 4-1 habe und ich eine Siegesserie von vier Kämpfen besitze, allesamt durch K.o./T.K.o., bin ich mehr als motiviert, um große Dinge umzusetzen zu können. Seid gespannt was in der Nächsten Zeit passiert

Was ist der nächste Schritt, ziehst du nach Schweden oder L.A.?
Nächsten Montag geht's für drei Monate nach Los Angeles und Ich ziehe im kommenden Jahr nach Los Angeles, um mein Training auf das nächste Level zu bringen. Da ich in den USA Familie habe, ist es die erste Option dort zu trainieren. Weiter werde ich Trips nach Schweden machen, um mich mit den ManoManagement Kämpfern vorzubereiten. Da ich jetzt die Schule fertig gemacht habe, werde ich meinen vollen Fokus auf meine Karriere legen.

Danke an mein Management Mano Management, danke an Ismail Cetinkaya, an das Allstars Team und an meine Trainingspartner Hejrat, Lom Ali, Jorge, Dimitar, Hasan und alle weiteren. Danke auch an GNP1.de für das Interesse!

ManoManagement

Des Weiteren sprachen wir mit dem ManoManagement in Form von Tomas Ghassemi über den Vertrag des Deutschen.

Tomas, wie seid ihr auf Nasrat aufmerksam geworden?
Nasrat war mehrfach im Allstars Training Center und hat dort mit unseren Athleten trainiert. Wir haben gesehen, dass er viel Potential besitzt und zudem ist er sehr jung. Die Entwicklung, die er seitdem in nur wenigen Wochen gemacht hat, ist erstaunlich. Er ist ein mutiger Kämpfer mit technischem Verständnis, der keiner Herausforderung aus dem Weg geht – und das ist ein Stil, der uns sofort aufgefallen ist.

Wird Nasrat nach Schweden ziehen müssen oder ab und an Trainingscamps besuchen?
Nur weil er bei uns unterschrieben hat, ist es kein Muss, dass er nach Schweden ziehen soll. Wer weiß, vielleicht läuft es in Zukunft darauf hinaus, aber fürs erste ist es in Ordnung, wenn er für kurze Trainingscamps hier ist. Er ist noch sehr jung und sollte nichts überstürzen. Er braucht seine Familie und Freunde.

Was ist der Plan für ihn, oder anders gefragt: Was habt ihr mit ihm vor?
Wir haben ihn unter Vertrag genommen, während das Ziel die UFC ist. Dann startet auch unser Komplettservice. Bis dahin wollen wir sichergehen, dass er seinen guten Kampfrekord ausbaut und die richtigen Gegner bekommt.

Die UFC ist somit das große Ziel?
ManoManagement ist Europas größtes MMA-Management und wie ihr wisst, nehmen wir nur große Talente oder UFC-Kämpfer unter Vertrag. Wenn wir internationale Athleten verpflichten, dann müssen sie etwas Besonderes haben – manchmal ist es nicht einmal genug, wenn sie UFC-Potential haben, sie müssen in unseren Augen mit der Top Ten in ihrer Gewichtsklasse mithalten können – und genau das denken wir über Nasrat, er hat großes Potential.