Interviews

Gestatten, Arthur Bril.

Gestatten, Artur Bril: Der sympathische Kölner vertritt die Leipzig Leopards in der Gewichtsklasse bis 61 Kilo. (Fotos: Sabine Ziran/GroundandPound)

In der aktuellen Ausgabe des GroundandPound Journals haben wir Arthur Bril als einen „Star von morgen“ vorgestellt. Seine Teilnahme an der World Series of Boxing war zum damaligen Zeitpunkt noch reine Spekulation. Nun steht fest: der 19-jährige Bril wird den deutschen Kader im WSB-Leichtgewicht bis 61 Kilo verstärken.

Der 1,72 Meter große Normalausleger war bereits Junioren-Weltmeister 2010 und gewann bei den Olympischen Jugendspielen 2010 Gold. Am 12. November bestreitet der ehrgeizige Kölner seinen ersten Kampf in der internationalen Box-Champions League, wenn sein Team, die Leipzig Leopards, in Halle/Saale auf die Mexico City Guerreros treffen.

GroundandPound: Arthur, wie bist zum Boxsport gekommen?
Arthur Bril: Ich habe mit sieben Jahren angefangen. Mein Vater hat früher selbst geboxt, da wollte ich das natürlich auch machen. Nachdem wir von Usbekistan nach Deutschland gezogen sind, bin ich dann zum SC Colonia 06 gekommen, wo ich bis heute geblieben bin.

Wie bist du auf die WSB aufmerksam geworden?
Ich kenne die WSB seit dem letzten Jahr und habe die Kämpfe eigentlich immer verfolgt. Vor allem meine Gewichtsklasse habe ich mir angeschaut, um zu sehen, welche Gegner da auf mich warten könnten.

Wie ist es denn zu deiner Berufung in den WSB-Kader gekommen?
Ich habe einen Anruf von unserem Nationaltrainer bekommen, der mich gefragt hat, ob ich Lust hätte mitzumachen.

Wo siehst du persönlich die Vor- und Nachteile am Konzept WSB?
Vorteile... (lacht). Also die Nachteile sind ja klar: man boxt mehr Runden und benötigt so auch eine bessere Kondition. Es ist einfach eine Umstellung. Bald stehen die Deutschen Meisterschaften der Elite an und dort werden wir wieder über drei Runden boxen. Jetzt boxen wir fünf, das Training ist daher ein wenig anders. Es wird schwer sein, das zu kombinieren.

Ihr müsst in der WSB nun auch ohne Kopfschutz boxen...
Ja, aber das stört mich nicht.

Das neue Team ist in Leipzig stationiert, die Heimkämpfe finden in Halle/Saale statt. Trainieren werdet ihr aber selten im Team, sondern in euren eigenen Heimat-Vereinen. Stört dich das?
Das ist mir egal, mir gefällt es bei meinem Trainer sowieso am besten. Ich mache außerdem noch Schule, bin gerade in der 12. Klasse und kann da nicht ständig fehlen. Anders ginge es also gar nicht.

Das Team der Leipzig Leopards für den ersten Heimkampf am 12. November (v.l.n.r.): Cornelius Sheehan (+91 Kilo), Kevin Künzel (-85 Kilo), Stefan Härtel (-73 Kilo), Artur Bril (-61 Kilo) und Edgar Walth (-54 Kilo).

Wie groß ist die Mehrbelastung durch die WSB-Duelle, angesichts deiner Verpflichtungen in der Bundesliga?
Eine Mehrbelastung wird es natürlich schon geben. Das sind ja nun nochmal fünf zusätzliche Runden, die man boxen muss. Irgendwann hat man einfach einen dicken Kopf und vielleicht auch keinen Bock mehr. Ich weiß ehrlich gesagt noch gar nicht so recht, was da genau auf mich zukommen wird. Ich weiß nur, das es etwas ganz anderes ist, als in der Bundesliga zu boxen. Ich habe mich mit einigen der Jungs hier unterhalten, die bereits Erfahrungen in der WSB sammeln konnten... mal sehen wie es laufen wird.

Hast du vor deiner WSB-Verpflichtung über einen künftigen Wechsel ins Profilager nachgedacht?
Nein, das Risiko, dass man später einmal pleite ist, ist einfach zu hoch. In Deutschland können vielleicht 15 Leute von ihrem Verdienst gut leben, gerade einmal fünf von denen können sich ein Leben im Luxus leisten. Wirklich darüber nachgedacht habe ich noch nicht, weil ich auch bei der Elite noch nicht erreicht habe, was ich mir so vorstelle.

Ist die WSB erst einmal ein guter Kompromiss zwischen Amateur- und Profi-Dasein?
Ich glaube, die WSB wurde dafür geschaffen, dass die Sportler eben nicht zu den Profis wechseln, sondern stattdessen hier antreten und ihr Geld machen. Der Amateursport soll mehr Aufmerksamkeit bekommen und noch attraktiver werden.

Die Leopards müssen sich starker Konkurrenz stellen. Wen siehst du als stärksten Gegner in der kommenden Saison? Viele tippen ja auf den Titelverteidiger Paris...
Mexiko (lacht). Ich weiß nicht, ich habe gehört, die Jungs dort sind einfach nur bescheuert. Die ballern fünf Runden lang durch, ich weiß im Moment noch gar nicht was ich machen soll... ich bin verzweifelt (lacht).

Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, wer der stärkste Gegner sein wird, weil ich die neu besetzten Mannschaften noch nicht gesehen habe. Ich lass' mich überraschen.

Natürlich tritt man immer an um zu gewinnen, jeder Anfang ist aber schwer. Wo siehst du die Leopards am Ende ihrer ersten Saison?
Platz sechs (lacht).

Wie gesagt, ich kann da jetzt echt noch nichts zu sagen, ich weiß nicht wer für die Anderen boxen wird. Aber die Heimkämpfe sollten wir eigentlich gewinnen, so dass wir mit diesen Punkten mindestens im Mittelfeld, vielleicht auch etwas höher landen werden.

Die World Series of Boxing ist ein innovatives Format, das es den Sportlern ermöglicht, unter Profibedingungen internationale Wettkämpfe zu bestreiten – ohne dabei ihr Recht auf die Teilnahme an „klassischen“ Amateurwettkämpfen, wie Weltmeisterschaften oder auch den Olympischen Spielen zu verlieren. Geboxt wird ohne Schutzhelm und Leibchen, sowie in fünf Gewichtsklassen (Bantam-, Leicht-, Mittel, Halbschwer- und Schwergewicht). Die Kampfdistanz beträgt fünf mal drei Minuten.Wir stellen euch das Team der Leipzig Leopards in dieser Interview-Serie vor.