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„Für mich ist jeder Gegner eine Herausforderung“

Jessin Ayari

Neunzehn Jahre jung und schon die Nr. 3 der German Top Five im Weltergewicht: Das Nürnberger Nachwuchstalent Jessin Ayari (6-1) ist ausgezogen, um den alten Hasen das Fürchten zu lehren. An diesem Samstag, dem 31. März ist er bei Superior FC in Göppingen in Aktion.

Ursprünglich wollte er ja zum Boxtraining gehen, und so ist es einem von Jessin Ayaris Freunden zu verdanken, dass er heutzutage mit Faustschützern anstatt mit Boxhandschuhen im Ring steht.

„Wir haben uns früher immer am Sportplatz getroffen und haben bisschen gegeneinander geboxt,    so wollte ich eigentlich mit dem Boxen anfangen“, erzählt Ayari. „Dann hat mir ein sehr guter Freund den Kampf Rampage gegen Wanderlei gezeigt und somit hab ich anstatt nach einem Boxgym nach einem MMA-Gym gesucht. “

Jessin Ayari vs. Volker Dietz (Foto: Bas Uterwijk/MixFight.nl)Fündig wurde er beim Hammers Team in Nürnberg, wo er bislang bestens auf seine Profikämpfe vorbereitet wurde. Seit dem letzten Jahr ergänzt Ayari sein Training durch Besuche im kalifornischen San Diego, wohin ihn der UFC-Veteran Peter Sobotta das erste Mal mitgenommen hatte. Erst vor wenigen Tagen kehrte er aus dem Trainingslager in den USA zurück.

„Also eigentlich wird dort jeden Tag Sparring gemacht, mit verschiedenen Aufgaben“, sagt Ayari über das dortige Training. „Es wird auch viel am Cage trainiert, weil es in Amerika eigentlich keine MMA-Veranstaltungen gibt, die nicht im Cage stattfinden. Man trainiert dort regelmäßig mit richtig guten Leuten, die in der UFC, Strikeforce, Bellator usw. kämpfen. San Diego ist auf jeden Fall die richtige Adresse für MMA.“

Ayari hat in San Diego aber nicht nur Sparring gemacht, sondern auch an seinen Fähigkeiten im Bodenkampf gefeilt. Als Anerkennung für seine Fortschritte auf der Matte verlieh ihm die Grappling-Legende Dean Lister den Blaugurt im brasilianischen Jiu-Jitsu.

„Mir war es eigentlich nie so wichtig, ob ich einen Gurt habe oder nicht, und ich hab auch immer gesagt, wenn ich einen Gurt haben will, dann von jemanden, bei dem ich mir sicher sein kann, dass ich ihn mir verdient hab“, sagt Ayari. „Und ich denke, Dean Lister ist so jemand. Also war es für mich ein Wahnsinns-Gefühl, als er ihn mir überreicht hat.“

Ayari, Lister und das Trainerteam in San Diego. (Foto: Jessin Ayari)Seit seinem Profidebüt im Oktober 2009 hat Ayari sechs von sieben Kämpfen gewonnen – allesamt in der ersten Runde. Seine ersten Kampferfahrungen sammelte er bei Bodo Elsbecks Outsider Cup. Dort gewann er vier Kämpfe in Folge durch Aufgabe, ehe er von Ruben Crawford, der heutigen Nr. 1 der German Top Five, selbst zur Aufgabe gezwungen wurde. Seitdem haben sich die beiden enorm weiterentwickelt – würde Ayari ein Rückkampf gegen den CFN Weltergewichtschampion reizen?

„Was heißt reizen – für mich ist jeder Gegner eine Herausforderung, und wenn ich auf meinem Weg nach oben an ihm vorbei muss, dann Ja“, sagt Ayari.

Trotz der Niederlage gegen Crawford wurde Ayari kurz darauf von Respect.FC verpflichtet, Deutschlands größtem Veranstalter. Bei Respect.FC schlug er im vergangenen Jahr erst Volker Dietz, dann Sebastian Baron – beides Veteranen, die über viel Erfahrung verfügen und rein rechnerisch seine Väter sein könnten. Für Ayari macht das aber keinen Unterschied.

„Ich hatte noch nie einen Kampf, in dem ich der Ältere war“, erzählt Ayari. „Für mich spielt es keine Rolle mehr, wie alt mein Gegner ist.“

Ellenbogenstoß gegen Dietz. (Foto: Uwe Tersek/youte.info)Ayari besiegte sowohl Dietz als auch Baron durch TKO. Bei Dietz war es eine gebrochene Hand, die den Kampf beendete, Baron gab in der Rundenpause auf. Im Gegensatz zu seinem Trainer Gabriel, der damals vergeblich versucht hatte, Baron zum Weiterkämpfen zu überreden, ist Ayari mit den Kampfausgängen im Reinen.

„Ich war nicht sehr enttäuscht, ich hätte den Kampf einfach lieber durch KO oder Submission beendet. Im Nachhinein denke ich: Gewonnen ist Gewonnen. Man kann nicht immer so gewinnen, wie man will.“

Vielleicht gelingt es Ayari ja an diesem Samstag wieder, einen Kampf nach seinem Geschmack zu entscheiden. Bei Superior FC in Göppingen trifft er auf Matthias Merkle vom German Top Team in Reutlingen. Ein vielseitiger Kämpfer, der einerseits boxerisch stark ist, andererseits alle seine Profisiege durch Aufgabe erzielt hat.

„Ich denke, er ist ein guter Gegner – im Stand und am Boden gefährlich“, sagt Ayari über Merkle.

Ayari steht noch ganz am Anfang seiner Karriere, gehört aber jetzt schon zu den fünf besten Weltergewichten in Deutschland. Sein oberstes Ziel ist natürlich die UFC, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

„Ich danke allen, die mich unterstützen, vor allem meinen Trainern und Trainingspartnern. Meiner Familie, Freundin, Freunden und meinem Management Control Master Management“, teilt uns Ayari zum Schluss noch mit. „Im Bereich Sponsoring stehe ich noch am Anfang, also würde ich mich freuen, wenn sich da noch etwas ergibt.“

Liefert er weiterhin so überzeugende Vorstellungen im Ring ab, ist das mit Sicherheit nur eine Frage der Zeit.