Interviews

„Für mich ist eine Welt zusammengebrochen!“

Jonas Billstein auf dem Weg zum Ring.

Nach seinem Rauswurf beim Combat Club Cologne und der damit verbundenen Kampfabsage bei Respect.6 steht der erst 19-jährige Kölner Jonas Billstein im Kreuzfeuer der Kritik (GnP-Radio-Interview vom 16.9.2011). GroundandPound verrät Deutschlands stärkster 93-Kilo-Kämpfer zehn Tage nach Bekanntwerden der Trennung seine Sicht der Dinge.

Jonas Billstein über...

...die Trennung vom Combat Club Cologne:

Die Trennung war eine ganz private Sache. Das hatte nichts mit den ganzen Gerüchten, die kursieren - wie Bellator - zu tun. Da habe ich schon wilde Theorien zu dem Thema gehört. Das ist alles schon was her, als das angefangen hat, und das brodelte immer so. Es hat damit angefangen, dass ich das Management gewechselt habe... das ist alles blöd gelaufen, und da will ich jetzt nicht ins Detail gehen, weil ich keinen Rosenkrieg anzetteln will und es natürlich mehrere Perspektiven gibt. Das war alles privater Natur, zwischenmenschlich, und es ging nicht mehr. Wegen jedem Firlefanz wurde sich dann gestritten.“

Ich habe den Manuel sehr ernst genommen, auch wenn er der Underdog war. Natürlich auch, weil schon gegen ihn gekämpft habe. Deswegen bin ich zur Vorbereitung in die USA geflogen, weil es hier an schweren Sparringspartnern gemangelt hat. Ich war einen Monat drüben. Als ich dann wiedergekommen bin – ungefähr zwei Wochen vor dem Kampf -, ist das ganze ausgeartet und nochmal 'ne Nummer härter geworden, und irgendwann ging's dann nicht mehr. Ich hatte dann zwei Wochen oder zehn Tage vor dem Kampf mein Gym verloren.“

Ich habe versucht, noch hinzukriegen, dass ich noch trainieren kann, dass ich den Kampf noch machen kann. Als das nicht mehr geklappt hat... Ich höre viel über mich, ich höre viel Schlechtes über mich. „Der ist zu arrogant, zu egoistisch, dem geht alles am Arsch vorbei.“ Wenn du mich fragst, ich bin ein Typ, der braucht Rückhalt. Ich hatte immer ein starkes Team, ich hab mich immer mit meinem Team super auseinander setzen können. Deshalb war mir alles andere immer egal - weil ich hatte mein Gym! Das waren alles super Leute, und ich war rundherum zufrieden. Als das nicht mehr war, ist für mich eine Welt zusammengebrochen...“

Jonas Billstein (3.v.l.) im Freudentaumel nach seinem Titelgewinn bei GMC, umringt von seinen ehemaligen Teamkollegen. (Foto via Uwe Tersek, youte.info)

...die Reaktionen von außerhalb:

Da hatte ich nicht mehr die nötige Stärke im Hintergrund – abgesehen davon, dass ich nicht mehr trainieren konnte – mit dem Kopf kann ich nicht mehr kämpfen. Das erste, was ich gemacht habe, ich habe dem Manuel (Masuch, dem Gegner bei Respect.6, d. Red.) eine E-Mail geschrieben, habe mit ihm telefoniert und ihm alles erklärt - detaillierter, als ich das jetzt hier sage. Ich habe ihn um Verzeihung gebeten, weil ich weiß, dass es für Manuel der große Kampf war. Manuel ist ein super lockerer Typ, und ich war echt erleichtert, wie er das aufgenommen hat. Wir haben darüber geredet, und es war alles in Ordnung.“

Das ist ja das Ironische daran: Er ist einer der wenigen Menschen, die damit vernünftig umgehen. Mein Gegner! Alle anderen... da lese ich Sachen wie „der kneift“, „der verrät sein Team“. Woher kommt das? Eigentlich wollte ich dazu gar nichts sagen, weil das ist eine private Sache gewesen. Da es aber so öffentlich geworden ist, und da soviel darüber spekuliert wird, wollte ich auf jeden Fall auch mal ein paar Takte sagen. Ich hoffe, die Leute akzeptieren das, und ich muss nicht mehr so Sachen lesen wie „Ohne jetzt zu wissen, was im Combat Club vorgefallen ist, finde ich es scheiße, dass er sein Team verraten hat.“

Ohne jetzt gegen den Menschen selbst gehen zu wollen – ich kenne ihn nicht wirklich persönlich -, aber wenn ich dem Ben (Helm, Matchmaker von Respect.FC, d. Red.) im Interview zuhöre... Das Interview wird natürlich auch angefangen mit Sachen wie „ich weiß natürlich nicht genau, was da passiert ist, aber ich weiß ganz genau, dass und das...“ Da weiß er es doch, während des Interviews fällt es ihm dann wieder ein. Wenn mich jemand fragt, ob ich ein Interview geben will und ich keine Ahnung habe, dann sage ich „Ne, worüber soll ich denn reden?“ Abgesehen davon hat er mich morgens angerufen und gefragt, was da los gewesen ist.“

Ich habe ihm die Sache auch noch erklärt, und dann erzählt er im Interview etwas vollkommen anderes. Wozu rufst du mich morgens an, wenn du eh etwas anderes erzählst, wenn du mir eh nicht glaubst? Da war ich wirklich sauer drüber, und das kann ich absolut nicht verstehen. Ich mache auch oft über andere Leute Witze, aber wenn dann privat, und ich würde das niemals... Jeder macht sich Gedanken, jeder glaubt etwas anderes, aber damit halte ich mich zurück, halte das in meinem Freundes- oder Bekanntenkreis.“

Ich finde es wirklich nicht gut, was da für Sachen rumgehen, und ich hoffe, dass auf das, was ich jetzt sage – weil so ist es gelaufen -, dann aufgebaut wird in Zukunft und nicht auf wilde Spekulationen seitens wem auch immer.“

Der heiß erwartete Kampf hatte nicht sollen sein. Über das "Wieso" gehen die Meinungen weit auseinander.

...den Bellator-Vertrag:

Mittlerweile habe ich unterschrieben. Das habe ich aber erst später getan. Das ist aber auch ein nicht-exklusiver Vertrag. Ich habe extra mit den Leuten (Bellator, d. Red.) gesprochen über den Kampf. Die Anfrage kam schon deutlich vorher. Sam Caplan, Bellator-Matchmaker, war mit meinem amerikanischen Manager zusammen in meinem Trainingscamp. Nach dem Training hat er mir das Angebot gemacht, und ich war hin und weg. Ich war auf Wolke sieben, aber ich hatte ja noch einen Kampf anstehen.“

Das ist kein Problem, die sind damit locker umgegangen. Ben hatte ja auch noch angerufen und gefragt, ob der Kampf denn trotz Bellator noch steht. Na klar! Und das war auch so. Da war die ganze Sache schon brisant, aber ich hätte nicht gedacht, dass es dann zum Rausschmiss kommt. Ich wollte den Kampf kämpfen. Ganz klar!“