Interviews

Exklusiv-Interview mit Xavier Foupa-Pokam

Professor X: Xavier Foupa-Pokam (Foto via fonsecaphotos.com)

Am 26. Februar wird der französische MMA-Kämpfer Xavier Foupa-Pokam bei BAMMA 5 in Manchester, England, den Ring mit MMA-Stars wie Paul Daley und Ricco Rodriguez teilen. Der ehemalige UFC-Kämpfer sprach mit GroundandPound über die Entwicklung des MMA-Sports in Frankreich, Cyrille Diabatè und die Bedeutung seines Spitznamens: Professor X.

GroundandPound: Hallo Xavier, würdest du dich unseren Lesern bitte einmal vorstellen?
Xavier Foupa-Pokam: Hallo, mein Name ist Xavier Foupa-Pokam. Mein Kampfname lautet Professor X. Ich kämpfe im Mittelgewicht (85kg), bin 1,86 Meter groß und Mitglied des Snake Teams. Ich habe bereits für unterschiedliche MMA-Organisationen gekämpft, darunter für die UFC, Jungle Fight und Cage Rage. 2003 habe ich den europäischen Titel der XFC und 2008 das WAFC World Tournament gewonnen.

Wie bist du überhaupt zum MMA-Sport gekommen?
Ich habe mich sieben Jahre lang dem Karate gewidmet, dann entschloss ich mich jedoch nach einer Sportart mit mehr Kontakt Ausschau zu halten. Ich traf Cyrille (Diabatè) und dadurch kam ich dem Muay Thai näher und schließlich auch dem MMA. Das ist mittlerweile zehn Jahre her. Meine Kollegen und ich waren von Anfang an begeistert und so entstand unser MMA-Team.

Professor X ist ein eher ungewöhnlicher Spitzname für einen MMA-Kämpfer. Wie bist du dazu gekommen?
Wenn die Menschen in einem Zusammenhang den Buchstaben "X" hören, denken sie meist an ungezogene oder schmutzige Dinge. Aber Professor X ist in Anlehnung an Professor Charles Xavier gedacht, dem Boss der X-Men (ein Charakter aus der Comicverfilmung "X-Men",  Anm. d. Red.). In dem Film heißt dieser Charakter Xavier, genau wie ich und er ist der gefährlichste und psychisch stärkste X-Men von allen. Das ist der Grund, warum mein Trainer Cyrille “The Snake” Diabaté mir diesen Spitznamen gegeben hat.

Vor einigen Tagen hast du einen harten Kampf gegen Lucio Linhares verloren. Kannst du uns bitte etwas von den Geschehnissen berichten?

In dieser Nacht hat Lucio gezeigt, dass er ein wirklich zäher Kämpfer ist. Er hat sehr harte Schläge genommen und obwohl er einige Male stark angeschlagen war, ist er ununterbrochen nach vorne gegangen. Ich hatte Lucio in der ersten Runde bereits den Arm mit einem Fußtritt gebrochen, aber er zeigte mir zu keinem Zeitpunkt, dass er verletzt war. Ich habe das erst nach dem Kampf erfahren. Nach unserem Kampf kam Lucio zu mir und sagte: „Hey, du hast mir den Arm gebrochen!“ und zeigte mir seinen stark angeschwollenen Unterarm. Ich konnte erkennen, dass der Arm nicht einfach nur gebrochen war, der gebrochene Knochen stand regelrecht ab. Es sah ein wenig aus, als ob er jeden Moment droht, aus seinem Körper zu springen. Ohne jeden Zweifel: der Spartaner (Lucios Spitzname) ist ein zäher, steinharter Kämpfer!

Staredown: Denis Kang vs. Professor X (Foto via mmajunkie.com)

Das war bereits deine dritte Niederlage in Folge, allesamt durch Aufgabegriffe. Hast du Lücken im Bodenkampf?
Nicht wirklich. Natürlich ist bin ich aufgrund meines Muay Thai-Hintergrunds ein besserer Standkämpfer. Ich bin aber ein MMA-Kämpfer und trainiere deshalb jeden Tag sehr hart in allen Bereichen. Ich möchte so vielseitig wie nur möglich sein, deshalb zählt der Bodenkampf auch nicht zu meinen Schwächen - er ist aber nun einmal Linhares Stärke. Meine zwei vorherigen Gegner waren halt so klug zum richtigen Zeitpunkt die nötige Technik anzuwenden, um den Kampf vorzeitig beenden zu können.

Hast du denn etwas in deinem Training umgestellt, um dies in Zukunft verhindern zu können?
Ich habe sehr viel an meinem Jiu Jitsu gearbeitet und ich versuche an meiner Taktik zu feilen. Ich trainiere jeden Tag, außer an den Wochenenden.

Wie du bereits sagtest, bist du Mitglied des Snake Teams. Berichte uns doch über die Zusammenarbeit mit Cyrille Diabatè.
Cyrille ist ein sehr leidenschaftlicher und anspruchsvoller Trainer. Das ist auch der Grund, warum wir uns auch ständig weiterentwickeln. Ich habe ihn vor über zehn Jahren kennengelernt. Ich bin das älteste Kind in unserer Familie, habe einen Bruder und zwei Schwestern. Cyrille ist wie ein älterer Brude für mich.

In Deutschland wächst und gedeiht der MMA-Sport geradezu prächtig und dies, obwohl die UFC im deutschen Fernsehen nicht mehr ausgestrahlt werden darf. Nachdem sich auch die Medien sehr negativ gegen den Sport ausgesprochen haben, ist es nun sehr still geworden. Wie sieht die derzeitige Situation in Frankreich aus?
Es ist wirklich eine Schande, dass die Dinge solch einen Lauf nehmen müssen. In Frankreich mussten sich MMA-Fans und Kämpfer schon immer einigen Gegnern stellen, die irgendein dummes Zeug über unseren Sport erzählen. Einige von ihnen reden in der Öffentlichkeit schlecht über den Sport, aber schauen sich die Kämpfe zu Hause mit vollem Genuss an. Andere sprechen schlecht über den MMA-Sport und kennen sich dabei noch nicht einmal damit aus. Aber mittlerweile verstehen immer mehr Menschen in Frankreich, warum so viele den MMA-Sport schlecht reden, nämlich aus politischen und ökonomischen Gründen. Sie wissen zum Beispiel, dass die UFC vielen Zuschauern jegliches Interesse am Boxsport nimmt. Dementsprechend wollen einige mächtige Leute in Frankreich nicht, dass der MMA-Sport wächst, weil das für ihre eigenen Geschäfte nicht gerade förderlich wäre.

Der UFC-Kämpfer Cheick Kongo hat bereits eine ähnliche Aussage uns gegenüber getroffen. Er meinte, dass die Menschen in Frankreich den MMA-Sport lieben, es aber in der Öffentlichkeit nicht zeigen wollen, weil sie Angst haben, deshalb verurteilt zu werden. Du scheinst in etwa die gleiche Sichtweise zu vertreten.

Wie ich bereits sagte hat das politische und ökonomische Gründe. Hier ein Beispiel: David Douillet ist ein vierfacher Weltmeister und Olympiasieger im Judo. Obendrein ist er Parlamentsabgeordneter, was den Kampfsport betrifft, ist er also eine bedeutende und wichtige Persönlichkeit in unserem Land. Judo ist die wohl beliebteste Kampfsportart in Frankreich. Als er das Judo noch aktiv repräsentierte, bezeichnete Douillet MMA in Fernsehshows als einen wilden und brutalen Sport. Dann bekam er aber eine Stelle bei Canal+, einem der größten Fernsehsender in Frankreich, und man sah ihn immer weniger im Fernsehen, da er nun mehr im Hintergrund arbeitete.

Genau zu dieser Zeit tobte eine Debatte über eine mögliche Legalisierung des MMA-Sports in Frankreich. Canal+ begann mit Planungen für die Übertragungen einiger MMA-Events in Frankreich. Plötzlich erklärte der große David gegenüber der Presse, dass er während eines Besuchs bei seinem Freund (Hidehiko) Yoshida in Japan MMA als einen moralisch durchaus vertretbaren Sportart kennen lernte. Fortan widmete er dem Ganzen sehr viel Aufmerksamkeit und wiederholt einfach nur immer wieder das, was wir schon seit Jahren predigen. Um das zu erkennen muss er also 12.000km fliegen? Naja, vielleicht spricht er ja besser japanisch als französisch…

Kürzlich organisierte der Kampfsportzweig der Marke Adidas, von dem Herr Douillet die meisten Anteile in Frankreich besitzt, ein Treffen hinsichtlich der Entwicklung des MMA-Sports in unserem Land, für den  professionelle MMA-Kämpfer eingeladen wurden. Diesbezüglich sollte man kein ehrliches Interesse für den Sport erwarten,dieses plötzliche Interesse ist vielmehr nur auf individuelle Bedürfnisse zurück zu führen.

Das Snake Team

Gibt es Möglichkeiten sich UFC-Events in Frankreich anzuschauen oder sogar im eigenen Land MMA-Kämpfe zu bestreiten?
In Frankreich ist es den Fernsehsendern verboten MMA-Events auszustrahlen. Es ist erlaubt Pornos oder in den Nachrichten hingerichtete und ermordete Menschen zu zeigen, natürlich auch Horrorfilme. Aber auf keinen Fall MMA… es ist doch einfach lächerlich. Eines Tages wird es aber möglich sein, das ist offensichtlich. Es ist eine Frage des Geldes und der Politik.

Kannst du uns denn schon etwas zu Deinem nächsten Kampf sagen?
Ich werde am kommenden Samstag bei BAMMA 5 gegen Alex Makhonin in Manchester, England  kämpfen.

Wird man vielleicht einmal die Möglichkeit haben, dich einmal in Deutschland kämpfen zu sehen?
Warum nicht? Zieht mir meine Handschuhe an (lacht)!

Kennst du einige deutsche Kämpfer?
Ja, ich habe mir mal mit Mario Stapel ein Zimmer in Dänemark oder Schweden geteilt. Er ist ein wirklich netter Kerl!

Gibt es einige Zukunftspläne, von denen Du uns berichten kannst?
Jetzt gerade… Es ist Sonntag, also werde ich gleich meine X-Box anmachen!

Zum Abschluss, möchtest Du noch einige Worte an Deine Fans los werden?
Ich möchte den Menschen danken, die mich jeden Tag unterstützen. Es tut mir leid, dass ich nicht immer direkt auf eure Fragen antworten kann. Wir betreiben solch einen harten und aufopferungsvollen Sport… es ist schön, so unterstützt zu werden und mir bedeutet eure Nachrichten und Grüsse auf meiner Webseite www.theprofessorx.com sehr viel. Zudem möchte ich meinem Freunden vom Snake Team, Trainer Cyrille Diabaté, und meinem neuen Sponsor: BullRot Fighting Equipement danken.

Haltet für den 26. Februar etwas zu trinken und  Popcorn bereit. Macht es euch gemütlich auf der Couch und schaut euch den BAMMA 5- Event an! It`s Punishment Time!