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Erdogan: Ich bin wieder die alte Ümmi!

Ümmi Erdogan (Bild: Homburg Fotografie)

Am 11. Juni feiern Marek Ljastschinskij und Daniel Zeuner vom La Familia Fightclub in Erfurt die Premiere ihrer neuen Event-Reihe: Welcome to the East. Einer der zwei Titelkämpfe des Abends, in denen es um die Deutschen Meisterschaft der IKBF im K-1 geht, überzeugt mit Frauenpower. Die Hamburgerin Ümmi Erdogan wird dabei gegen Lokalmatadorin Michaela Michl in den Ring steigen. Damit treffen zwei Kämpferinnen aufeinander, die den Rückwärtsgang nicht kennen und für spektakuläre Kämpfe stehen. Wir sprachen mit Erdogan vor ihrem großen Comeback.

GNP1.de: Du hast eine längere Auszeit hingelegt, warst über ein Jahr nicht mehr im Ring, erzähl uns, was passiert ist in den letzten Monaten - dein Titelkampf gegen. Julia Symannek fiel u.a. auch aus.
Ümmi Erdogan: Ganz genau. Ich muss sagen, ich habe ein sehr hartes Jahr hinter mir. Es gab einige Probleme, die mich sehr viel Kraft gekostet haben und es kaum noch Energie mehr dafür gab, leistungstechnisch oben mitzuspielen. Da ich versucht habe, trotz allem, im Sport weiterhin Gas zu geben, hat meine Gesundheit mir dementsprechend immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich hatte sehr lange mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber zu kämpfen. Diese Krankheit war mir lange nicht bekannt und es hat ewig gedauert, bis ich wusste, was mit mir los war. Nun musste ich anfangen, mich selbst und einige Dinge in meinem Leben zu hinterfragen und zu ändern. Ich musste mich wieder auf mich konzentrieren.

Den Kampf gegen Julia hatte mir mein damaliger Trainer verschafft, mit der Meinung, ich könnte sie in jeder Disziplin kämpfen. Dem habe ich natürlich dann auch zugesagt. Denn das, was mein Trainer mir zutraut, das mache ich auch. So ist meine Einstellung. Doch in diesem Fall hat es nicht mehr funktioniert, mich auf Kämpfe vorzubereiten. Es gab wie gesagt, Probleme und zwischenmenschliche Unstimmigkeiten, wo das Vertrauen nicht mehr da war, wie es sein sollte. Es gab immer wieder Abbrüche in der Vorbereitung. Das hat mich mental fertig gemacht. Denn gerade, wenn man sich auf einen großen Kampf vorbereitet, muss alles zwischen Kämpfer und Trainer stimmen. Deshalb blieb mir am Ende nichts anderes übrig, als diesen Kampf erstmal abzusagen und die Probleme zu lösen. Keine Frage, ich habe sehr viel von ihm gelernt und bin für alles dankbar. Dennoch musste ich die Entscheidung treffen, zu gehen und mich neu aufbauen.

Du hast dein Team gewechselt bzw. erweitert und trainierst jetzt mit wem genau?
Ja, das ist richtig. Ich war zwischenzeitlich in Holland und bin sehr happy über den Neustart bei Roosmalen. Seitdem ich kämpfe, bin ich großer Fan von Robin. Ich liebe seinen Kampfstil und fühle mich sehr geehrt, unter einem so großen Namen kämpfen zu können. In Hamburg bin ich nun im Hammerbrook Gym zuhause. Dort trainiere ich bei Denis Schneidmiller und Latif Özbek unterstützt mich ebenfalls in der Vorbereitung. Ich bin sehr froh und dankbar, diese Möglichkeiten zu haben.

Ist es schwer, gute Sparrings- und Trainingspartner zu finden?
Ehrlich gesagt, ist es nicht schwer. Es gibt viele gute Kämpfer in Hamburg, man braucht nur zusammen zu arbeiten und voneinander zu lernen. Das ist das, was zählt. Ich habe hier zum Glück feste Sparringspartnerinnen. Mit denen habe ich sehr viel Spaß im Training. Denn als Frau, hat man dann doch nicht so viel Auswahl.

Welcome to the East: Michaela Michl vs. Ümmi Erdogan um die DM der IKBF im K-1.

Wie hat sich dein Fokus in den letzten Wochen verändert?
Ich würde sagen, ich bin wieder die "alte" Ümmi. Ich war anfangs sehr verwundert, wie viel Energie ich wieder für mich übrig hatte. Mein Fokus ist wieder auf mich selbst gerichtet.

Wie hat dich William van Roosmalen voran gebracht bzw. was ist anders bei ihm?
Vom ersten Tag an, hat alles gepasst. Es ist ein hohes Niveau und dennoch ist sein Team total bodenständig. William ist sehr entspannt und hat viel Humor, dennoch hat er alles im Griff. Seine Kämpfer sind für ihn wie seine Kinder. Ich würde sagen, genauso sollte es sein.

Was bedeutet es dir, wieder in den Ring zu steigen und gleich einen Titelkampf zu bekommen?
Das bedeutet sehr viel für mich. In erster Linie möchte ich dieses Gefühl wieder erleben und den Ringrost loswerden. Ein Titelkampf war nicht geplant, aber als das Angebot aus Erfurt kam, habe ich zugesagt.

Du kämpfst um die Deutsche Meisterschaft der IKBF im K-1 gegen Michaela Michl. Was weißt du über deine Gegnerin?
Michi und ich hatten schon einmal das Vergnügen im Ring, allerdings war es nur ein Sparringskampf. Ebenfalls war sie auch schon einmal mit ihrem Team bei uns in Hamburg auf einem Event. Sie ist ein sehr liebes Mädel und auch eine super Sportlerin. Ich freue mich auf den Kampf.

Wie glaubst du, wird der Kampf verlaufen, du kennst ihren Stil aus eurem früheren Kampf und hast sicher das eine oder andere Duell von ihr gesehen.
Ich schaue mir generell wenige Kämpfe meiner Gegnerinnen an. Ich weiß den ungefähren Stil einzuschätzen und ziehe dann einfach in meiner Vorbereitung meinem Stil durch. Da vertraue ich immer auf meine Ecke. Denn am Ende verläuft der Kampf doch fast immer anders, als man denkt und jede Kampfpaarung ist auch anders. Ich glaube, es wird viel Action geben. Wir beide sind Kämpferinnen, die den Kampf suchen und offensiv sind.

Ümmi Erdogan in Aktion. (Foto: MarkM)

Sie hat einen Reichweiten und Größenvorteil. Wie willst du damit umgehen und ist es etwas Neues für dich?
Ich fühle mich generell im Infight wohl. Da sie aber auch etwas schwerer ist als ich, muss ich variabel und schnell bleiben. In erster Linie gilt es für mich einen guten und fairen Kampf zu machen.

Du gewinnst diesen Kampf weil...?
Weil ich alles geben werde.

Du hast Michl vorhin als „liebes Mädchen“ bezeichnet. Im Ring wird das wahrscheinlich anders aussehen. Hast du eine Message für deine Gegnerin?
Michaela, mach dich bereit auf einen harten Kampf!

Was bringt die Zukunft. Was ist noch geplant? Willst du z.B. den Kampf gegen Symannek nachholen?
Wie gesagt, der Kampf wurde nur erstmal abgesagt. Ich habe es damals ihrem Trainer auch so mitgeteilt, dass wir diesen Kampf gerne nachholen können. Ich habe nur nicht die Option, einen Full-Muay Thai-Kampf zu machen, da mich in diesem Stil mein damaliger Trainer vorbereitet hätte und es sein Angebot an Symannek war. Ich werde weiterhin in meinem Stil kämpfen und das ist K-1. Das wäre meine einzige Bedingung, ansonsten sollte diesem Kampf nichts im Wege stehen. Denn soweit ich weiß, hat Julia ebenfalls Titel im K-1. Weiterhin wird sich nun William um meine Kämpfe kümmern und ich freue mich auf alles, was noch kommt.

Danke für deine Zeit und viel Erfolg im Titelkampf in Erfurt.
Vielen Dank GNP1 für das Interview.