Interviews

Die Maschinenpistole rattert

Steven Kitzing spricht über seinen Kampf gegen Hanse Gym-Fighter Nikita Pankraz. (Alle Fotos: Steven Kitzing)

Steven „Machine Gun“ Kitzing hat nach sieben Jahren Kampfsport die wohl erfolgreichsten sechs Monate seiner Karriere hinter sich. Nach dem Gewinn der Deutschen Muay Thai-Meisterschaft, nach Version der WKN, im vergangenen Oktober, sicherte sich der Berufssoldat am 04. März den K-1-Europameistertitel im selben Verband. Nach nur 60 Sekunden küsste Gegner Alex Pittiloni in Kiel die Bretter und der „Bad Boy“ aus Kühnau, bei Dessau, feierte den größten Triumph seiner bisherigen Laufbahn.

Auch privat hat sich für den FFC-Veteran Kitzing einiges verändert. Aufgrund einer Versetzung in den hohen Norden, hat er seine Zelte nun in Warnemünde aufgeschlagen und trainiert unter anderem bei der German Fight Company in Rostock, den Baltik Thais in Kiel und Team Kwan in Hamburg.

Am 05. Mai wird er nach Sachsen-Anhalt zurückkehren und bei der 3. la familia Fightnight gegen den Hamburger Hanse Gym-Puncher Nikita Pankraz in den Ring steigen. Ein „Prestigekampf“, wie er sagt, bei dem die EM zwar nicht auf dem Spiel stehen wird, dafür aber der Name seines Heimclubs, des Bushido Freefight und Muaythai Teams. Wir haben vorher mit der menschlichen Maschinenpistole gesprochen.

GroundandPound: Steven, vor ein paar Tagen konntest du in Kiel den WKN-Europameistertitel durch einen Erstrunden-KO gewinnen. Man geht natürlich selbstbewusst in einen solchen Kampf, warst du hinterher trotzdem erleichtert?
Steven Kitzing: Natürlich ist jeder Kämpfer erleichtert, wenn er die Chance kriegt, in so einem Kampf nach einer Minute das Finish zu suchen. Da ich so rein gar nichts über Alex wusste, und kurz vor dem Kampf noch die einen oder anderen Gerüchte aufkamen, war die Nervosität am Ende grenzenlos. Man sieht im Video von dem Kampf schon an meinem Freudentanz und dem "Knutscher" für meinen Trainer Arnd Mordersbach, dass ich sehr erleichtert war, denn der hat mir vor dem Kampf noch sehr „geholfen“, indem er sagte: "Steven, ich will dich nicht unter Druck setzen, aber du musst gewinnen" (lacht). Natürlich schafft so ein Sieg Selbstvertrauen, aber ich unterschätze niemanden und arbeite hart!

Es heißt, einen Titel zu verteidigen ist schwerer, als ihn zu gewinnen. Da kommt also einiges auf dich zu.
Ich denke, da ist etwas dran, dass man vielleicht etwas nachlässiger wird, im Training und der Vorbereitung, wenn man den Titel erst einmal hat. Aber ich weiß, was ich dafür getan habe, und ich werde den Gürtel - und das glaub’ mir - bis aufs letzte verteidigen! Sowohl den Deutschen Meistertitel im Muay Thai und erst recht den neuen EM-Titel im K-1.

Du hattest für diesen Fight eine der härtesten Vorbereitungsphasen deiner Karriere...
Ja, das stimmt. Ich bin Berufssoldat bei der Marine, das heißt, ich bin auch viel auf See. Für diese Vorbereitung habe ich unter anderem meinen Jahressurlaub geopfert, um immer unter professioneller Anleitung zu trainieren. Aufgrund einer Versetzung trainiere ich jetzt beim GFC Rostock, wo ich sehr gut betreut werde. Mein Arbeitsweg wurde zum fünf Uhr morgens Jogging umfunktioniert und in der Mittagspause wurde der Kraftraum gerockt - und dann abends eben Training. Während des Urlaubs den ich hatte, habe ich in Kiel bei den Baltik Thais trainiert, für die ich dann ja auch in Kiel in den Ring gestiegen bin, um mir die EM-Krone zu holen.

Eine so heftige Vorbereitung für nur 60 Sekunden – juckt es da nicht schon wieder in den Fingern?
Ja, eigentlich war am 31. März schon ein Kampf bei der Shuri Fight Night in Zwickau geplant, es sollte ein Ausscheidungskampf für das Finale um den Gürtel des IFCA-Verbandes werden. Nun bin ich aber schon im Finale und werde am 8. September in Zwickau um diesen Titel kämpfen.

Vorher geht es am 05. Mai in Halle gegen den Hamburger Hanse Gym-Fighter Nikita Pankraz. Was erwartest du von dem Kampf?
Ich habe Nikita schon live gesehen, er hat einen ähnlichen Stil wie ich. Wenn ich das so sagen darf, wir sind beide nicht die "Riesentechniker", aber wir haben einen Kampfstil, den die Zuschauer sehen wollen - nämlich alles oder nichts. Entweder KO gewinnen oder KO verlieren, grob gesagt (grinst). Ich freue mich wahnsinnig auf den Kampf, allein schon, weil die Veranstaltung ein Mega-Event wird. Und ich denke, Nikita und ich werden das Publikum unterhalten. Hoffen wir, dass die Vorbereitung für uns beide ohne Probleme verläuft.

Für die Titelverteidigung in Kiel hast du dich sehr viel im hohen Norden vorbereitet, unter anderem mit Meryem Uslu. Wird das dieses Mal auch so sein?
Ich hoffe es! Wie gesagt, da ich jetzt beim GFC trainiere und die Zusammenarbeit mit dem Kwan Gym in Hamburg sehr eng ist, werde ich versuchen, so oft es mir möglich ist mitzufahren und dort zu trainieren. Das Training mit Meryem ist erfrischend und für mich immer wieder mit einem Wow-Effekt verbunden. Mit ihrer Kondition und Schnelligkeit würde ich die Welt erobern (grinst). Ich mag sie als Mensch und bewundere sie als Sportlerin.

Was bedeutet der Wohnortwechsel für dich? Immerhin bist du ja ein waschechter Sachsen-Anhalter.
Ich bin aufgrund des Umzuges gerade nicht so viel zu Hause, was Familie und Freunde schon etwas stört, aber sie stehen alle hinter mir, wissen, dass der Sport mein Ein und Alles ist, und kommen auch immer und überall angereist. Und am 27. Mai kämpfe ich ja auch bei der FFC-Veranstaltung in Köthen, da sehe ich dann alle wieder.



Ergebnisse zu prognostizieren ist immer schwierig. Dennoch wollen wir natürlich ein bisschen Wind machen und fragen: Wie wird der Kampf gegen Pankraz entschieden?
Das ist natürlich schwer zu sagen. Selbstverständlich bin ich selbstbewusst, und wenn ich einigen Aussagen so Glauben schenke, werde ich als Underdog gehandelt. Aber das reizt mich natürlich erst recht! In dem Sport hängen viele Faktoren am Sieg, die Vorbereitung, Verletzungen, Krankheit. Läuft die Vorbereitung so wie jetzt ab, ohne Probleme, gewinne ich. Wie, das lassen wir offen (grinst).

Als Kämpfer kann man nicht immer nur gewinnen. Gegen Marek Lajtschinski musstest du, nach zunächst sehr knapper Startphase, zwei Niederlagen hinnehmen. Würde dich ein zweiter Rückkampf reizen?
Ich habe leider beide Kämpfe gegen Marek verloren. Den ersten in Zwickau sehr umstritten, da es ein Turniermodus war und ich, trotz erster Runde und Niederschlag in der zweiten, ein Unentschieden hinnehmen musste und die vierte Entscheidungsrunde dann an ihn ging. Und der KO, den ich beim letzten Kampf hinnehmen musste, war mit einer schweren Verletzung verbunden. Da mir vor seinem letzten Tritt der Mundschutz verloren ging und der Ringrichter nicht unterbrach, habe ich vier Zähne und den Kiefer eingebüßt. Ich gebe bei beiden Kämpfen der Kondition die Schuld. Ich habe mich in der Hinsicht stark verbessert, schon weil ich die Möglichkeit habe, jetzt immer unter "Aufsicht" zu trainieren. Ich denke, aller guten Dinge sind drei,  Marek ist ein Spitzenmann - und ich will alle Spitzenleute schlagen.

Steven Kitzing und Nikita Pankraz werden am 05. Mai 2012, bei der 3. la familia Fightnight in der Volksbank Arena Halle/Saale, aufeinandertreffen. Informationen zur Veranstaltung, Karten und eine vollständige Fightcard gibt es auf der offiziellen Internetseite: www.la-familia-fightclub.de.