Interviews

Deutschlands Jonas Billstein will bei Bellator hoch hinaus

Jonas Billstein mit Trainer Andreas Schmidt. (Foto: Jonas Billstein)

Sein Debüt bei Bellator FC hat sich der Kölner Jonas Billstein im vergangenen November gehörig selbst versaut. Dafür konnte er am Freitag bei seinem zweiten Auftritt umso mehr glänzen und steht jetzt vor größeren Aufgaben in der US-Organisation.

Scheinbar problemlos stoppte er dort im Vorprogramm den Mexikaner Mike Seal (GnP berichtete). Unterschätzt hatte Billstein den erfahrenen Gegner trotz des erheblichen Altersunterschieds und einer vermeintlichen Negativbilanz dennoch nicht. Vor allem deshalb nicht, weil er bei Bellator nach seinem Soccerkick-Ausrutscher im November selbst mit dem Rücken zur Wand stand.

„Jeder der etwas über mich informiert ist, weiß, dass ich mir in diesem Kampf keine Niederlage erlauben durfte“, so Billstein gegenüber GroundandPound. „Ich bin noch am Anfang meines zweiten Anlaufs, aber ich bin extrem glücklich über meinen Erfolg.“

Der zweite Anlauf begann holprig. Zum offiziellen Wiegen, im Harris Casino von New Orleans, wurde der erst 20-jährige Billstein aufgrund seines Alters nicht hineingelassen und musste deshalb vor dem Casino, auf offener Straße gewogen werden.

„Die Verantwortlichen von Bellator und mein Betreuer haben wirklich alles versucht, um mich auf die Wage zu bringen. Doch im Endeffekt wurde sogar die Staatspolizei dazu gerufen, um sicher zu gehen, dass ich nicht irgendwie ins Casino komme. Kommt nach dem Weight-Cut natürlich super“, scherzt Billstein. „Der Kampf war dann zum Glück im Convention Center.“ 

Und verlief trotz der Probleme mit dem Wiegen aus deutscher Sicht optimal. Mit seiner Leistung im Kampf zeigt auch Billstein selbst sich offenbar zufrieden. Zu recht: Nach einem schnellen Takedown dominierte er das Geschehen am Boden und setzte Seal mit einer Serie harten Ground and Pounds zu, bis der seinen Rücken freigab und kurz darauf im Choke abklopfte.

„Ich bin zufrieden, hätte aber gerne mehr gezeigt“, so Billstein, der im Vorfeld besonders intensiv an seinem offensiven Ringen gearbeitet hatte. „Der Takedown war doch eher simpel im Vergleich zu dem was ich in meiner Vorbereitung dazu gelernt habe.“

Auch die Offiziellen bei Bellator FC, allen voran deren CEO Bjorn Rebney scheinen mit Billsteins Performance ebenfalls zufrieden zu sein: „Bei den Events steht man eigentlich im ständigen Kontakt mit den Veranstaltern. Vor und nach dem Kampf haben wir viel beredet. Der Chef war sehr zufrieden mit meiner Leistung und will mich schnell wieder kämpfen sehen“, erklärt Billstein.

Schon vor dem Kampf wurde dem Kölner mitgeteilt, im Falle eines Sieges eventuell einen Platz im kommenden Mittelgewichtsturnier ergattern zu können. Die Teilnahme dort wäre ein großer Schritt für Billstein und der Anfang eines Weges, der ihn bis zum Mittelgewichtstitel der Organisation führen könnte – ein Titel, den UFC-Neuzugang Hector Lombard zuvor für mehrere Jahre gehalten hatte.

„Das Angebot steht zum aktuellen Zeitpunkt im Raum“, so Billstein. „Ich will bis zum Beginn der nächsten Season aber noch mehrere Kämpfe machen, also fest steht es für mich noch nicht.“

Die nächste Bellator-Staffel wird nicht vor September diesen Jahres beginnen.

„Bis zum Turnier ist es noch etwas hin. Wenn ich teilnehmen sollte, muss ich mich auch darauf fokussieren, schon weil die Kämpfe in kurzen Abständen stattfinden. Bis dahin will ich aber noch zurück auf die Siegerstraße und meine Pole Position in Deutschland zurückholen.“

Billstein rangiert derzeit auf Platz vier der deutschen Rangliste. Bis er die vor ihm platzierten Herb, Zawada und Azaitar jedoch in den Fokus nimmt, genießt er erst einmal die Früchte seiner wochenlangen Arbeit und feiert seinen Sieg. Schon am Kampfabend stieg die Siegesfeier in New Orleans - ohne altersbedingte Einlassprobleme.

„Mein Vater ist mit einem guten Freund nach New Orleans gekommen. Nach dem Kampf haben wir zuerst meine sechs Wochen Diät in einem super Restaurant gefeiert. Dann ist die Nacht für mich auf der berühmten Bourbon Street noch etwas entgleist. Es war eine geile Nacht.“