Interviews

Der Stapel-Plan: Drei Kämpfe in sechs Wochen

Mario Stapel (l.) beim Wiegen für Respect.7. (Foto: Franz Schwerdtmann/GroundandPound)

Er gilt als einer der größten deutschen MMA-Veteranen: Am Wochenende kämpft Mario Stapel um den Halbschwergewichtstitel von Respect.FC. Außerdem wird er innerhalb der nächsten drei Wochen zwei weitere Kämpfe bestreiten. Grund genug, ein exklusives Interview mit "Serious" Mario Stapel zu führen. Erfahrt, was er über seine Kämpfe, sein Team und sein Training in den USA zu sagen hat.

Hi Mario, wie geht es dir momentan?
Gut, danke. Allerdings bin ich auch echt im Stress so kurz vor meinem Titelkampf bei Respect.

Auf deiner Facebook-Seite hast du angekündigt, dass du in den nächsten sechs Wochen drei ­­­Kämpfe haben wirst. Erzähl bitte den Lesern, um was es sich handelt.
Ja, das ist richtig. Es geht an diesem Wochenende los. Da werde ich am 21. April bei Respect FC 7 in den Ring steigen und dort um den Halbschwergewichtstitel kämpfen. Am 12. Mai werde ich dann schon wieder im Ring beziehungsweise im Käfig stehen - diesmal in Dänemark. Dort wird es um den European-Titel im Weltergewicht gehen. Kurz darauf geht es dann nach Irland, um dort für Cage Warriors zu kämpfen. Dort werde ich mal wieder in meiner eigentlichen Gewichtsklasse - dem Mittelgewicht - antreten.

Du kämpfst in verschiedenen Gewichtsklassen und hast in deiner gesamten Karriere oftmals die Gewichtsklasse gewechselt. Hat das einen besonderen Hintergrund?
Nein, da gibt es keinen besonderen Hintergrund. Ich habe eine andere Einstellung zum Kampf. Ich mache es, weil ich es liebe, mich selbst zu testen. Ich möchte wissen, wo meine Grenze ist und reize alles aus. Dadurch habe ich von Feder-, Leicht- über Welter- und Mittelgewicht schon alles gekämpft. Jetzt wollte ich eben herausfinden, ob ich auch im Halbschwergewicht eine Chance habe. Ob ich jetzt an meine Grenze komme, wie damals beim Federgewicht, werden wir wohl alle dieses Wochenende herausfinden (lacht).
Respect.FC Halbschwergewichtstitelkampf: Stapel vs. Naruszczka (Foto: Franz Schwerdtmann/GroundandPound)Wie stellst du es an, innerhalb von sechs Wochen Gewichtsklassenwechsel von über zehn Kilogramm zu schaffen? Und wie willst du die drohenden konditionellen Probleme lösen?
Ach, das wird kein Problem werden. Man muss es nur richtig machen. Ich bin früher von ca. 80kg auf unter 70kg runter gegangen. Da ist es kein Problem, von fast 90kg auf 77kg abzukochen. Das wird mich nicht belasten. Es gibt zwar schöneres als Gewicht zu machen, aber ich bin es ja gewohnt.

Was weißt du über deine Gegner?
Ich weiß, dass mein Gegner bei Respect ein sehr harter Hund ist und noch nie einen Kampf verloren hat. Mit den anderen beiden werde ich mich ab Sonntag befassen. Einer nach dem anderen - wie ein Scharfschütze, weißt du (grinst)?

Bereitest du dich speziell auf deine Gegner vor?
Jein... das Training ist eigentlich immer recht gleich. Hier und da ändere ich mal ein paar Kleinigkeiten, aber im Großen und Ganzen bleibt es gleich. Der Gameplan ist immer etwas anders und dementsprechend versuche ich das Sparring aufzubauen. Das war es dann aber auch schon.

Weg von deinen Kämpfen. Du hast dein eigenes Gym, das Team Serious Fighter, kannst du uns ein bisschen über dein Gym und die Arbeit dort mit dem Nachwuchs erzählen?
Klar, gern! Ja also das Serious Fighter Training Center habe ich um mich herum aufgebaut. Soll heißen, dass alles darin von meinem Stil geprägt ist. Ich denke, sobald du einen Fuß rein setzt, weißt du, was ich damit meine. Es war zuerst gar nicht als kommerzielles Gym gedacht. Es sollte einfach nur ein Ort werden, an dem ich mich perfekt zusammen mit meinen Wettkämpfern vorbereiten kann. Aber irgendwie kommt es so gut an, dass es immer größer wird. Zum Nachwuchs will ich nicht viel sagen. Ich habe ein paar sehr talentierte Jungs, mit denen ich zusammen arbeite, aber ich will hier keine Namen nennen. Irgendwie hat das in der Vergangenheit immer Unglück gebracht (lacht). Was, denke ich, sehr für mein Training Center spricht, ist die Tatsache, dass viele der bekannten deutschen Namen zu uns kommen, wie zum Beispiel Sebastian Baron, Niko Lohmann, Aron Bland, um sich für Kämpfe vorzubereiten.
Mario Stapel
Gibt es Talente, auf die man auch schon in nächster Zukunft achten sollte?
Die sollen erst einmal kämpfen, dann wird man schon von alleine auf sie achten (lacht).

In deiner Karriere bist du viel herumgekommen. Unter anderem hast du in den USA bei Matt Hughes trainiert. Inwieweit unterscheidet sich das Training in Deutschland von dem in anderen Ländern?

Wo soll ich da anfangen. Der Unterschied zu dem Training mit Hughes, (Robbie) Lawler, French, (Matt) Veach, (Brian) Foster und Co. war, dass es ein reines Pro-Team war. Hier gab es niemanden, auf den Rücksicht genommen werden musste und hat sich doch mal jemand verirrt, wurde keine Rücksicht genommen. Es wurde dreimal am Tag extrem hart trainiert. Wir wurden für das Training bezahlt, also war auch Anwesenheitspflicht. Es waren wirklich harte, aber auch sehr schöne Jahre dort.

Gibt es von dort irgendwelche besonderen Erlebnisse, über die du berichten kannst?
(lacht) Ja, aber davon kann euch hier, in einem Interview nichts erzählen. Oh Mann, ich habe so viele tolle Sachen erlebt, dass ich echt nicht weiß, wie und wo ich anfangen soll. Die BBQ bei Hughes oder Coach Fiore waren immer legendär und genau das Richtige, um sich nach einer harten Woche zu entspannen. Hughes und Fiore haben immer darum gekämpft, der bessere Koch zu sein. Sie sind beide gut, aber ich muss sagen, dass Fiore noch ein bisschen besser ist. Sagt das aber nicht Hughes (lacht). Robie Lawler ist auch immer für eine Geschichte gut. Ich weiß noch, wie ich einen Jungen aus Tennessee im Training KO geschlagen hatte. Als er wieder zu sich kam, zeigte Robbie mit dem Finger auf ihn, war am lachen und sagte: "Welcome to the Hit Squad, Bitch!" (lacht) Oh ja, es war eine gute Zeit.

Du hast einige internationale Auftritte und gilst als einer der MMA-Veteranen in Deutschland. Wie verfolgst du die MMA-Szene in Deutschland? Gibt es vielleicht Kämpfer, denen du den große Erfolg zutraust?
Ich verfolge die gesamte MMA-Szene kaum - weder die deutsche, noch die internationale. Ich habe genug mit mir, meinem Gym und meiner Familie zu tun. Da bleibt für so etwas keine Zeit. Aber natürlich gibt es Jungs, die schon sehr erfolgreich sind. Vorn weg mein alter Schüler Daniel Weichel, Dennis Siver, Pascal Krauss, Peter Sobotta - alles Jungs, die schon international erfolgreich sind. Denen muss ich das nicht mehr zutrauen.
GnP Award-Sieger 2009: Aufgabegriff des Jahres national (Foto: GroundandPound)Du selbst hast schon einige Kämpfe und einige Jahre auf dem Buckel. Wie lange wird man dich noch im Ring sehen können, bevor du deine Faustschützer an den Nagel hängst?
Ich kämpfe MMA oder Vale Tude schon seit 1997. Ich habe schon viele Kommen und Gehen sehen. Solange es mir noch Spaß macht, mich sportlich mit anderen zu messen und mein Körper mitspielt, werde ich auch noch dabei bleiben. Ich finde es recht komisch, dass mich das alle fragen, muss ich auch ganz ehrlich sagen. Ich bin 35 - das ist doch im MMA kein Alter. Na ja, lange Rede, kurzer Sinn. Ich mache mir gar keine Gedanken darüber. Wenn es irgendwann soweit ist, dann ist es soweit.

Ich gebe dir jetzt ein paar Begriffe und du schreibst mal was dir spontan dazu einfällt!

Matt Hughes: Freund und Trainer
UFC: Matt Hughes und GSP
Respect FC: Aufstrebende, deutsche Liga!
Deutsches MMA: Respect FC
USA: Training, Freunde, Kämpfe

Gibt es noch irgendetwas, was du an deine deutschsprachigen Fans loswerden willst?
Leute, danke für die tolle Unterstützung. Schreibt mir bitte weiter Mails auf Facebook und Co. Ihr seid die Größten. Ohne euch würde es kein deutsches MMA geben!

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen dir viel Glück bei den kommenden Aufgaben!
Danke dir, immer wieder gern!