Interviews

Der Kampf um die Krone: Teil 1

Andreas "Big Daddy" Kraniotakes

Am 11. September werden mit Andreas Kraniotakes (German Top 5 Nr. 2) und Björn Schmiedeberg (GT5 Nr. 3) zwei der besten MMA-Kämpfer der deutschen Königsklasse um den Schwergewichtstitel von Respect.FC kämpfen. Da die beiden charismatischen Athleten stets offen für kritische Fragen sind, nutzte GroundandPound die Chance, den beiden Duellanten vor dem Kampf noch einmal näher auf den Zahn zu fühlen. Im ersten Teil unseres zweiteiligen Interviewspecials stand uns der Koblenzer Andreas Kraniotakes Rede und Antwort.

Hi Andreas, danke, dass Du uns so kurzfristig für ein Interview zur Verfügung stehst. Du bist in der deutschen MMA-Szene sehr bekannt, aber für die wenigen MMA-Fans, die Dich noch nicht so gut kennen, wäre es schön, wenn Du Dich bitte kurz vorstellen würdest!

Tja, wo fängt man da an? Ich bin mittlerweile stolze 28 Jahre jung. Was meinen beruflichen Werdegang angeht, habe ich nie etwas Anständiges gelernt. Kurz: Ich bin Diplom-Pädagoge. Momentan versuche ich darauf aufzubauen und meine Doktorarbeit in Soziologie und Philosophie zu schreiben. Zuhause bin ich im Kampfsportgym Koblenz, wo sich Tarik Ettaous und Jens Mewisen als Trainer meiner angenommen haben. Den Einstieg in die deutsche Szene habe ich durch meine Auftritte beim Outsider Cup geschafft. Zuletzt konnte ich durch zwei Auftritte bei der WFC auf mich aufmerksam machen. Ansonsten mag ich Sonnenuntergänge und lange Spaziergänge am Strand mit meinem Hund Amaru.

Du wirst bei Respect.4 gegen Björn Schmiedeberg um den Schwergewichtstitel kämpfen. Wie laufen Deine Trainingsvorbereitungen?

Es läuft großartig! Wer meine Blogs verfolgt, der weiß, dass ich in San Diego bin, um mich vorzubereiten und dass ich keinen Spaß verstehe. Ich trainiere jeden Tag sehr hart 25 Minuten lang. Der Kampf geht ja auch maximal 25 Minuten und daher muss ich so viel trainieren. Das ist 'ne ganz schöne Steigerung von sonst nur 15 Minuten. Aber wer was erreichen will, der muss auch mal in den sauren Apfel beißen. Es ist eine großartige Gelegenheit, hier mit Leuten wie Dean Lister, Tony Palafox und allen anderen in professioneller Atmosphäre zu trainieren und ich bin sehr froh, dass ich diese bekommen habe.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Du Dich in San Diego auf den Kampf vorbereitest?

Von jeher habe ich eine enge Beziehung zu der Stadt, weil ein sehr guter Freund von mir hier wohnt und ich mich bereits bei meinem ersten Besuch 2002 verliebt habe (in die Stadt natürlich). Als Peter Sobotta dann über seine grandiosen Kontakte sein erstes Trainingslager hier anging, konnte mein Freund Sia ihm mit einer Unterkunft aushelfen. Als ich dann schließlich nach Vancouver gereist bin, um Peter bei seinem Auftritt bei UFC 115 zu unterstützen, habe ich die Trainier aus San Diego kennengelernt. Sie haben mich freundlicherweise eingeladen und ich habe die Einladung so schnell es mir möglich war dankend angenommen.

Dient das Trainingscamp ausschließlich zur Vorbereitung für den Kampf gegen Björn?

Sagen wir mal ich bin deswegen hierher gekommen, aber ich nehme weitaus mehr mit. Es ist mein erstes professionelles Camp, in dem ich mich mit anderen Profis gemeinsam vorbereite. Da sammelt man Erfahrungswerte, die weit über den Kampf gegen Björn ihren Einsatz finden können und auch werden.

Big Daddy vs. Nandor Guelmino (Foto: Simon Plestenjak)

Denkst Du, dass es für die deutschen MMA-Kämpfer unausweichlich ist sich in den Vereinigten Staaten auf ihre Kämpfe vorzubereiten, um den Sprung in die großen Ligen zu schaffen?

Ich weiß, dass es zu dieser Sache verschiedene Einstellungen gibt. Persönlich bin ich der Auffassung, dass ich sportlich wie auch menschlich wachse, wenn ich neue Menschen und Orte kennenlerne. Insofern würde ich jedem aus eigener Erfahrung dazu raten, Trainingsreisen zu unternehmen. Dabei müssen es jetzt nicht zwangsläufig die USA sein. Es gibt auch innerhalb von Deutschland viele gute und interessante Kämpfer und Menschen, die einem helfen können, sein Spiel zu verbessern. Auch im europäischen Umland, wie z.B. Holland, Schweden, Polen etc. gibt es großartige Kämpfer und Camps, bei denen man sich noch einiges abschauen kann. Und natürlich auch andere klassische Länder wie Thailand, Brasilien oder Japan eignen sich sehr gut fürs Training. Die USA ist sicher ein guter Anlaufpunkt, aber bei weitem nicht der Einzige.

Dein letzter Kampf gegen Gerald Turek verlief sehr unglücklich. Hat sich durch diese Niederlage dein Training geändert?

Wieso unglücklich? Ich musste nur 17 Sekunden arbeiten, das ist doch großartig! Natürlich hätte ich mir den Ausgang andersherum gewünscht. Als ich den Kampf von Arlovski gegen Fedor gesehen habe, hätte ich eben besser von Fedor abgucken sollen als von Andrei. Das habe ich mir zu Herzen genommen und ab jetzt werde ich mich dann einfach in die Triangle meines Gegners stürzen. Mal sehen wie das so klappt...

Jeder bevorstehende Kampf ist ja üblicherweise der wichtigste. Jedoch wird dieser Kampf maßgeblich darüber entscheiden, wer die Nr. 2 hinter Dawid Baziak im deutschen Schwergewicht ist. Gehst Du diesbezüglich mit einem besonderen Druck in diesen Kampf?

Wenn ihr mich so fragt: Nein. Die Nummer zwei interessiert mich nicht! Ich weiß, dass es da draußen viele gute Jungs gibt, aber ich bin das beste deutschsprachige Schwergewicht im MMA-Sport. Jedenfalls wenn man Randy herausnimmt, der ein paar Brocken Deutsch kann. Wer das nicht glaubt, ist herzlich eingeladen, 15 bzw. 25 Minuten den Ring oder Käfig mit mir zu teilen und wenn ich es doch nicht sein sollte, dann werde ich mit noch mehr hartem Training und Hingabe zumindest dafür sorgen, dass ich es in Zukunft bin. 

Wie denkst Du über Björn Schmiedeberg als Person und Kämpfer?

Als Person kann ich nur positives über ihn berichten. Ich finde seine Art sehr angenehm. Er ist mir eigentlich viel zu sympathisch, um ihm ins Gesicht zu schlagen. Aber ich denke, wir sind beide professionell genug, um davon abstrahieren zu können. Als Kämpfer hat er meiner Meinung nach in den letzten zwei Jahren einen Quantensprung hingelegt, was seine Entwicklung angeht. Auch wenn er den Kampf gegen mich verlieren sollte, hat er eine gute Karriere vor sich, wenn er dieses Potential nutzt. Was ich am liebsten an ihm mag ist, dass er keine Herausorderungen scheut. Das ist leider selten in der deutschen Szene.

Welchen Vorteil hast Du ihm als Kämpfer gegenüber?

Bislang noch keinen, aber ich werde mir am Kampftag versuchen, zwei Hufeisen in die Handschuhe zu stecken. Das sollte wohl helfen!

Wo liegen Björns Schwächen?

Er kann sich nicht so richtig entscheiden. In seinem letzten Kampf hat er ständig nach unten gesehen und dann doch zum Gesicht geschlagen. Ich hatte das Gefühl, er konnte sich nicht zwischen dem Takedown und dem Schlag entscheiden. Letztlich hat er seinen Gegner so KO geschlagen. Hmm, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist das vielleicht keine Schwäche...

Als Spielcharakter im neuen EA Sports Spiel: MMA 2010

Wer von euch beiden hat den Kampf gefordert?

Das war wohl eher ich als er. Nachdem mein letzter Kampf dann doch etwas kurz und unbefriedigend war, wollte ich so schnell wie möglich wieder ran. Da ich immer an klaren Verhältnissen interessiert bin, war ich natürlich an den anderen Jungs aus den Top 5 interessiert. Leider stellte sich das als Problem heraus. Björn war der erste, der sich darauf eingelassen hat und ich danke ihm dafür, weil ich denke, dass es auch den Fans genau das bietet, was sie sehen wollen. Letztlich gibt es doch nichts besseres als den direkten Vergleich zwischen Top-Athleten.

Stehen bereits schon weitere Kämpfe in Deinem Terminkalender?

Es ist einiges in der Mache, aber noch nichts, worüber ich konkret reden könnte. Wünschenswert wäre für mich ein weiteres Duell mit einem Top-5ler und natürlich ein Rückkampf gegen den Herrn Turek. In einer Traumwelt würde ich auch in Oberhausen bei der UFC kämpfen. Aber wie uns Jesse-Björn Buckler (Dokumentation über den MMA-Kämpfer Jesse-Björn Buckler: Das Leben ist kein Ponyhof - Anm d. Red.) schön beigebracht hat, ist das Leben ja weder ein Wunschkonzert noch ein Ponyhof.

Die Finale Frage zum Schluss: Wie wird der Kampf zwischen Andreas Kraniotakes und Björn Schmiedeberg ausgehen?

Es wird brutal und unerbittlich, Köpfe werden Rollen und wir werden in Blut baden. Also kommt alle zu Respect.4, wo übrigens noch andere großartige Athleten mit auf der Fightcard sind, wie Janosch Stefan, Andreas Birgels, Nick Hein uvm. Am Ende wird jedoch der Verlierer dem Gewinner gratulieren und wir werden uns mal kurz knuddeln. Darauf freue ich mich eigentlich am meisten! Hab ich schon erwähnt, dass der Björn echt voll nett und sympathisch ist?

Möchtest Du zum Abschluss noch einige Worte an die deutschen MMA-Fans richten?

Sehr gerne möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um den deutschen MMA-Fans erst einmal ausführlich zu danken. Ihr habt mir insbesondere in den schweren Zeiten, die der Sport nun mal auch mit sich bringt, sehr geholfen! Es tut sehr gut, Unterstützung zu erfahren und von Leuten zu hören, die man durch das, was man tut, berühren kann.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch einen Appell an euch richten. Wenn ihr die deutsche MMA-Szene liebt, dann helft ihr ein wenig zu wachsen! Es sind viele Leute da draußen: Veranstalter, Trainer, Kämpfer, Sponsoren uvm. die sich den Allerwertesten aufreißen, um euch großartige Kämpfe und Unterhaltung zu liefern. Also besucht nationale und regionale Events und supportet euren Sport auch darüber hinaus! Zeigt der Welt, dass wir ein Sport sind und dass man uns auch als solchen respektieren und tolerieren sollte!

Wenn ihr dann noch auf Facebook, StudiVZ, MySpace und Twitter mit mir befreundet seid und immer regelmäßig meine Homepage besucht und Kolumnen lest, dann wird alles gut!

Andreas, wir danken Dir für dieses Interview und wünschen Dir alles Gute für Deinen Kampf!

Ich danke euch! Ihr Jungs von GnP macht einen großartigen Job!