Interviews

Der Hitman fordert die German Top Five

Hendrik Oschmann im Interview vor seinem Kampf in Prag. (Foto: Hendrik Oschmann)

Am 30. September wird der „German Hitman“ Hendrik Oschmann bei MMAA Arena in der Tipsport Arena in Prag, Tschechien, gegen Lubos Vrnata in den Ring steigen. GroundandPound hat vorher mit ihm gesprochen.

Hendrik Oschmann ist unbequem. Der Mann sagt, was er denkt, und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Dieser Umstand hat es ihm nicht einfacher gemacht, in der deutschen MMA-Szene einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Dennoch gehört der Magdeburger mittlerweile zu Deutschlands etablierten Halbschwergewichten, belegt Rang fünf in den German Top Five – der definitiven deutschen MMA-Rangliste – und kämpft regelmäßig auf großen Events im Ausland.

Nun, ohne sein langjähriges Team La Onda, will Oschmann an die Spitze der German Top Five. Und für Oschmann bedeutet das: Er muss gegen jeden, der bislang vor ihm platziert ist, antreten.

GroundandPound: Hendrik, zunächst einmal: Dein Kampfname lautet „The German Hitman“ – wie bist du dazu gekommen?
Hendrik Oschmann: Seit dem Kinofilm "Hitman - jeder stirbt alleine" hab ich den Namen weg, basierend auf dem Gang des Hitmans, der meinem sehr ähneln soll. Dazu kommt auch noch der Sinn der Figur, andere im Auftrag "umzulegen", mit allen verfügbaren Mitteln.

Am kommenden Wochenende wirst du in Prag in den Ring steigen. Was bedeutet dir das?
Der Fight in Prag bedeutet mir wie jeder andere Fight im Ausland sehr viel. In Deutschland für mich Kämpfe zu bekommen ist sehr schwer. Auch wenn man Veranstalter persönlich anschreibt, bekommen sie meist keine Gegner hin. Umso mehr freut es mich, andersherum von großen ausländischen Veranstaltern persönlich eingeladen zu werden, die mir natürlich auch starke Gegner vorschlagen, die ich noch nie abgelehnt habe und auch nie ablehnen werde! Das ist für mich wie eine Herausforderung, die an meinen Stolz, an mein Ego geht, und die ich nie ausschlagen werde, egal wer da kommt.

Was weißt du über deinen Gegner?
Über meinen Gegner weiß ich, dass er dreimal auf Karate-Weltmeisterschaften angetreten ist und jedes Mal unter den ersten fünf bis acht war. Und dort hat der Titel „Weltmeister“ noch mehr Wert als die heutigen „Weltmeister" aus anderen Disziplinen, die ihren Gürtel in einem schwachen Kampf um "vakante" Titel bekommen haben. Lubos hat im K-1 29 Kämpfe, davon 20 gewonnen und nur einen verloren. Im MMA hat er sechs Kämpfe und davon fünf durch K.o. gewonnen. Das bringt er also mit und ist somit im Stand sehr gefährlich.

Bereitest du dich speziell auf ihn vor?
Speziell vorbereitet habe ich mich auf ihn nicht, ich werde mich eh nie wegen einem Gegner umstellen. Ich trainiere hart im Stand sowie hart am Boden, darum brauche ich mich nie speziell auf einen Gegner vorbereiten oder einstellen. Ich sehe mir jedoch seine Stärken und Schwächen an und hoffe, das sie mir im Kampf wieder einfallen... (grinst).

Wie bereitest du dich derzeit überhaupt vor, ohne Team? Du hast dich ja kürzlich erst von deinem langjährigen Gym La Onda getrennt.
Ich bereite mich genauso vor, wie in den letzten Jahren auch. Ich habe ein Team, das aus Freunden aus dem Stand sowie Bodenkampf besteht. Ich tingele von Gym zu Gym wie ein Nomade und ziehe mir die besten Sachen raus. Bei La Onda habe ich nur den Sandsack benutzt, einen Trainer hatte ich dort nie. Mit dem Fakt, dass ich in diesem Gym trainiere, wurde nur immer Werbung gemacht. Ich sollte dort auch als Trainer eingesetzt werden, was ich aber abgelehnt habe, da ich mit den anderen Trainingsmethoden dort nicht einverstanden war. Auf meinen Schultern wurde fleißig Geld verdient und Werbung gemacht. Ich bin da kommentarlos mitgegangen, weil ich dort kostenlos trainieren konnte. Bis zu dem Punkt, an dem ich persönlich angegriffen wurde und man mir vorwarf, das Gym nicht genug zu repräsentieren – und das, obwohl mein Name in Magdeburg eigentlich schon immer mit La Onda in einem Atemzug genannt wurde. Da war es für mich Zeit zu gehen. Mehr Details möchte ich nicht nennen, auch wenn ich mich gerade richtig auskotzen könnte. Es steht derzeit auch kein anderes Gym in Aussicht. Vielleicht bietet sich ja jetzt eins an, oder ein richtiger Trainer. Aber selbst wenn nicht, ich bin die ganzen Jahre auch so klargekommen.

Gib uns eine Prognose, wie der Kampf ausgehen wird.
Prognosen für einen Kampf abzugeben, ist immer sehr schwierig. Da ich im Kampf immer komplett abschalte und total durchdrehe, ist ein Konzept auch für’n Arsch. Das beste Beispiel ist der Kampf gegen Andreas Wagner, der dato in sieben Kämpfen ungeschlagen war und alle vorzeitig gewonnen hatte. Am Boden hat er null Ahnung, was er mir in einem persönlichen Gespräch nach dem Kampf gestand. Ich ahnte das vorher und wollte eigentlich mit ihm auf den Boden. Das Konzept ging aber nicht auf. Nachdem ich die erste harte Gerade von ihm ins Gesicht bekam, bin ich durchgedreht und habe den Kampf nach 40 Sekunden durch K.o. im Stand für mich entschieden. Hinterher mussten sie mich in der Notaufnahme mit acht Stichen im Mundbereich nähen.

Auch Peter Sobotta und Andreas Kraniotakes werden am selben Abend in Prag in den Ring steigen. Wirst du nach dem Kampf mit den beiden ein wenig auf die Pauke hauen?
Zu den anderen beiden Deutschen habe ich keinen Kontakt. Über Facebook hatte ich einige Male versucht, durch „Gefällt mir“-Angaben oder Kommentare Verbindung aufzubauen, was ich unter Sportlern sehr schätze, da ja eigentlich alle das gleiche Blut haben sollten. Aber da kam nie etwas zurück! Somit stelle ich mir da in Prag mit denen gar nichts vor. Mir ist es absolut Wurst was und wie die es da machen. Auf die Pauke hau ich mit meinen Leuten. Wegen mir fahren sehr viel Deutsche da runter und die machen für mich schon genug Stimmung.

Du bist derzeit auf Rang fünf in der deutschen Halbschwergewichts-Rangliste. Wie geht es nach Prag weiter?
Nach Prag habe ich wieder eine Einladung zu HERO's bekommen. Letztes Jahr konnte ich dort vor 11.000 Zuschauern in der Siemens Arena in mit einem gebrochenen Fuß nicht viel ausrichten, dieses Jahr hoffe ich, verletzungsfrei hinzufliegen. Bestimmte Ziele habe ich nie gehabt und werde auch keine haben. Jeder Kampf war für mich immer ein Ziel, der Sieg und das weitere Training sind meine Ziele. Mir waren Statistik und Augenwischerei auch immer scheißegal, ich will einfach nur kämpfen. Irgendwann habe ich dann bei GroundandPound meinen Namen in den German Top Five gesehen. Coole Sache, dachte ich erst, aber dann habe ich diese Liste doch wieder nicht ernst genommen. Ich sehe dort zwei Sportler, die es wohl verdienen, in den Top Fünf zu sein: (Mathias) Schuck und (Manuel) Masuch, über die Platzierung lässt sich streiten. Aber Platz drei und vier nehme ich mal raus. Und da kam mir der Gedanke, die anderen auf dieser Liste herauszufordern und so nach oben zu steigen, einer nach dem anderen. Somit fordere ich für das Jahr 2013 erst die Nummer vier, Evren Karakaya, und falls ich das gewinne dann die Nummer drei, Danny Stritzke. Und wenn ich das auch gewinne, die Nummer zwei und dann die Eins. Es wäre schön, wenn sich Veranstalter finden, die mir das ermöglichen. Damit ich im nächsten Jahr was zu tun habe und nicht immer ins Ausland muss (grinst).