Interviews

Der erste deutsche Offizielle beim Marktführer im Kickboxen

Tobias Gerold

Tobias Gerold ist deutschen Kampfsportfans durch langjährige Einsätze als Ringsprecher und Moderator ein Begriff. Der erfahrene Frankfurter rundet zudem das Team von Groundandpound.de als Ressortleiter im Kickboxen ab und ist auch als Punkt- und Ringrichter stets im Einsatz. Der volle Terminplan wird jetzt um eine internationale Veranstaltung erweitert. Der 42-Jährige wurde vom Marktführer im Kickboxen als Kampfrichter geladen und feiert damit sein Debüt als erster Deutscher bei Glory 20 am 3. April in Dubai.

Groundandpound.de: Wie kam der Kontakt mit Glory zustande?
Tobias Gerold: Kontakt zu Glory hatte ich ja bereits mit dem ehemaligen CEO Marcus Luer, dem Chef von TotalSportsAsia. Diesen konnte ich interviewen, als Glory die Organisation „It's Showtime“ übernommen hatte. Ein interessanter Mann mit sehr guten Ideen. Den jetzigen Supervisor Cory Schafer, seines Zeichens auch Weltpräsident der ISKA, kenne ich bereits seit ein paar Jahren. Wir hatten uns auf einer Veranstaltung von Felix Sturm kennengelernt und von daher gab es den Kontakt schon länger.

Wann (und wie) hast du erfahren, dass du bei Glory als Aktiver einsteigen sollst?
Die ISKA hatte Ende Januar ihren Weltkongress in Prag. Sonntagabend hatte ich dann einen Anruf vom Vize-Präsidenten aus Deutschland, Marc Schmid, erhalten. Dieser meinte nur trocken, dass ich zu Glory fahren würde, was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht so ganz glauben konnte. Als ich dann aber gebeten wurde, verschiedene Videos von mir in die USA zu schicken, da war mir schon klar, dass es jetzt ernster wird. Mittlerweile ist mein E-Ticket für den Flug angekommen – am 31. März geht es endlich los. (lacht)

Was ging dir durch den Kopf, als dir klar wurde, dass du damit der erste Deutsche bist, der für Glory aktiv wird?
Wow, einfach unglaublich. Realisiert habe ich es erst, nachdem ich Cory Schafer die Videos von mir geschickt hatte und dieser mich anrief. Nach diesem Telefonat ging es dann eigentlich ganz schnell. Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie professionell Glory hier arbeitet. Aber eben ohne diese Professionalität würde man auch nicht da stehen, wo man sich gerade befindet: ganz oben an der Spitze.

Welche Rollen wirst du vor Ort übernehmen und wie musstest du dich im Vorfeld darauf vorbereiten?
So wie man mir mitgeteilt hat und es der derzeitige Stand der Dinge ist, werde ich einer von zwei Ringrichtern sein. Insgesamt wird es zwölf Kämpfe geben – sprich, ich werde dann voraussichtlich sechs Kämpfe leiten. Welche das genau sein werden, wird man mir aber erst vor Ort mitteilen. Die Vorbereitung ist eigentlich recht unspektakulär. Einfach das Regelwerk für die Ring- und Punktrichter durchlesen, sich verinnerlichen und den einen oder anderen Kampf per Video studieren. Einzelne Gespräche wird es dann aber noch in Dubai vor Ort geben.

Du bist als Referee unmittelbar am Kampfgeschehen beteiligt. Steigt damit der Druck, im Vergleich zu deinem Job als Punktrichter oder Ringsprecher?
Wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich. Es ist ein Ring wie jeder andere auch mit zwei Kämpfern wie sonst auch. Aber es ist natürlich schon etwas anderes, wenn die Kamera direkt auf einen gerichtet ist und tausende von Fans einen via Stream im Internet oder später auf dem Youtube-Kanal von Glory sehen können. Da bin ich mir schon dessen bewusst, dass hier einige genau hinschauen werden. Aber Druck empfinde ich da jetzt nicht wirklich.


Mittendrin statt nur dabei: Tobias Gerold als Referee. (Foto: Marco Baumann/www.boxgymnasium.de)

Wie reagierst du auf Kritik nach deinen Entscheidungen?
Da reagiere ich eigentlich ganz gelassen darauf. Nobody is perfect, wie man so schön sagt, und natürlich unterlaufen auch mir Fehler. Das ist ja überall so, wo Menschen am Werk sind. Ich kann ja die Trainer eines Kämpfers direkt nach dem Kampf schon verstehen. Man ist emotional aufgeladen, wenn es für den eigenen Mann nicht so gelaufen ist oder man sich warum auch immer benachteiligt fühlt. Da muss ich einfach drüber stehen. Wenn es konstruktiv ist, höre ich mir Kritik immer an. Auch nach der langen Zeit, in der ich aktiv bin, lernt man immer noch dazu, und das wird auch in der Zukunft so sein.

Sind schon weitere Einsätze geplant?
Bisher noch nicht. Zuerst muss ich ja schauen, dass ich am 3. April in Dubai einen guten Eindruck hinterlasse. Alles Weitere wird man dann sehen.

Was versprichst du dir davon, vor einem weltweiten Publikum aufzutreten? Du warst bereits auf Sat.1, Eurosport, Kabel1, n-TV, Swiss TV und im Schweizer Sportfernsehen zu sehen. Warum ist es trotzdem etwas Besonderes?
Natürlich ist es etwas ganz Besonderes, wenn man für die weltweit größte Organisation im Standkampf arbeiten darf, keine Frage. Dazu kommt ja noch Dubai als Einsatzort – ich glaube viel mehr ist eigentlich nicht möglich. Ich persönlich möchte einfach nur einen guten Job vor Ort machen, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass sie in ihrer Entscheidung richtig lagen, mich einzusetzen. Es geht ja auch im Prinzip nicht um meine Person, sondern darum, den Sport in einem würdigen Rahmen zu präsentieren.

Welchen Job machst du lieber: Redakteur, Interviewer, Ringsprecher oder aktiver Referee?
Eine wirklich schwierige Frage, welche sich in meinen Augen nicht so einfach beantworten lässt. Jede der genannten Tätigkeiten hat seinen ganz eigenen Reiz. Das kann man ja so nicht miteinander vergleichen. Redakteur ist da teilweise schon etwas schwieriger, weil man ja nicht jeden Kämpfer kennt und daher einiges an Recherche betreiben muss. Grundsätzlich mag ich aber jede der genannten Tätigkeiten, weil so auch genügend Abwechslung vorhanden ist und man nicht stupide nach dem Schema-F arbeiten muss.

Danke für das interessante Gespräch und viel Erfolg bei deinem Glory-Einsatz.
Ich danke für die Zeit und für dieses Interview. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei Davut Sidal (ISKA-Präsident von Deutschland) und Marc Schmid (ISKA Vize-Präsident) bedanken, welche mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Zudem geht mein Dank an Mark Vogel (Stickerei69/Example Sports) und Tom Schneider (GermanMMAStore), welche mich bei diesem Einsatz sehr unterstützen.