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„Das Ding in Bremen behalten“

Sebastian Risch (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

17. September 2011 – an diesem Tag gelang Sebastian Risch (8-2) der größte Coup seiner jungen Karriere. Bei Respect.6 besiegte er den ungeschlagenen Kölner Nick Hein in der zweiten Runde durch TKO und sicherte sich damit den vakanten Mittelgewichtstitel von Respect.FC, Deutschlands größter Veranstaltungsreihe. Diesen Mittelgewichtstitel muss der 31 Jahre alte Bremer am 21. April bei Respect.7 in Essen zum ersten Mal verteidigen. Rischs Gegner ist der junge Stuttgarter Nicolas Penzer (6-0), der noch keine Niederlage hinnehmen musste.

Erfolgsduo: Risch und sein Trainer Michael Rüdiger. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)„Die Vorbereitung läuft ganz gut“, erzählte Risch vergangene Woche im Interview mit GnP Radio. „Wir haben den Gegner gecheckt, haben geschaut, wo seine Stärken und Schwächen sind und arbeiten jetzt daran, dass wir uns gut auf ihn einstellen. Mich interessiert natürlich, wie mein Gegner im Ring agiert, wie er sich vorbereitet, wie seine Laufbahn, seine Karriere war, womit er seine Kämpfe gewonnen hat.“

Was Risch dabei mit Sicherheit herausgefunden hat: Penzer trainiert in Stuttgart beim Stallion Cage und bei Arte Suave, ist ein Braungurt im brasilianischen Jiu-Jitsu und hat alle seine sechs Profikämpfe in der ersten Runde durch Aufgabe gewonnen – dreimal mit einem Armhebel, dreimal mit dem Rear Naked Choke. Risch weiß also, worauf er sich vorzubereiten hat.

„Wir bringen immer viel Abwechslung rein, und gerade wenn meine Gegner starke Bodenkämpfer sind, wird das Grappling natürlich in den Vordergrund gestellt“, sagte Risch. „Aber es wird auch nichts vernachlässigt!“

Auf den vergleichsweise „harmlosen Kampfnamen“ von Penzer („Panda“)  angesprochen, antwortete die deutsche Nr. 5 im Mittelgewicht: „Das hat ja nichts zu sagen. Das ist das letzte, worauf ich etwas geben würde.“

Respect.6: Risch vs. Hein (Foto: Uwe Tersek/YouTe.info)Risch nutzte diese Frage gleich aus, um zu einer Erklärung auszuholen, was ihn am MMA-Sport so fasziniert: „Gerade am Kampftag, da hat vielleicht einer einen Kampf und der andere hat zehn Kämpfe, aber im MMA ist alles möglich, egal ob man als Favorit oder als Underdog gilt. Die Chance ist immer 50-50. Man kann immer einen Lucky Punch landen oder in eine Submission reinrutschen. Man hat in unserem Sport einfach so viele Möglichkeiten, und das macht den Sport wahrscheinlich auch so schön.“

Eine Ansicht, die wohl die meisten MMA-Fans teilen, und die sie auch am 21. April in die Eishalle in Essen strömen lässt. Unter anderem zu diesem großen Hauptkampf, bei dem man eigentlich von einem klassischen Duell zwischen Striker und Grappler sprechen könnte. Im Gegensatz zum Bodenkampfspezialisten Penzer stammt Risch aus dem Thaiboxen und kämpft bevorzugt im Stand – seine Kampfbilanz verdeutlicht das: Er erzielte sieben seiner acht Siege durch TKO, sechsmal in der ersten Runde. Allerdings kommt es Risch beim Kampfstil nicht so sehr auf die Stärken in unterschiedlichen Disziplinen an.

„Mein Stil ist einfach, dominant im Ring zu sein und dem Gegner zu zeigen, was ich drauf habe und ihn damit unter Druck zu setzen“, erklärte der Titelverteidiger.

Respect.5: Risch vs. Christian Kroetsch (Foto: Bas Uterwijk/MixFight.nl)Das gelang Risch zuletzt im Februar, als er den Merseburger Thomas Friedrich innerhalb von 47 Sekunden KO schlug. Eine große Genugtuung, nachdem er im vergangenen November beim Deutschland-Debüt von M-1 Global von dem starken Ukrainer Alexander Dolotenko mit einem Triangle Choke zur Aufgabe gezwungen wurde.

Vor dieser unglücklichen Niederlage hatte Risch sieben Kämpfe hintereinander gewonnen, darunter auch den Titelkampf gegen Nick Hein – wie immer frenetisch unterstützt von den Anhängern seiner Mannschaft, dem Free Fight Team Bremen. Risch erfreut sich seitdem tagtäglich an der goldenen Trophäe und denkt nicht im Traum daran, sie am 21. April an Penzer abzugeben.

„Ich sehe den Gürtel jeden Morgen wenn ich aufstehe, der steht bei mir im Regal“, erzählte Risch. „Ich bin stolz darauf, dass ich damals den Kampf gegen Nick Hein machen durfte und dann auch gewonnen habe, und dass der Kampf dann von den ganzen Lesern und Fans zum ‚Kampf des Jahres‘ gewählt wurde. Und ich bin sehr stolz darauf, dass ich den Titel jetzt verteidigen darf, als Champion in den Ring gehe und als Champion angekündigt werde. Ich werde alles daran setzen, dass wir das Ding in Bremen behalten!“

Das komplette Interview mit Sebastian Risch könnt ihr euch unter folgendem Link bei GnP Radio anhören. Risch sprach noch über sein Gewicht, unter Naturschutz stehende Pandabären, seine Stubentiger und mehr...