Interviews

Danijel Solaja: Ich bin der beste Prüfstein für Maurice Adorf!

Danijel Solaja ist bereit für sein MMA-Debüt als Profi.

Danijel Solaja ist zahlreichen Kickbox-Fans ein Begriff. Der 26-Jährige, der bekannt für einen actionreichen Kampfstil ist, krönte sich bereits dreimal zum Weltmeister und war einmal Super Cup Champion, stieg u.a. auch beim Branchenriesen Glory in den Ring. Nach knapp 70 Kämpfen im Stand, will Solaja nun auch im MMA durchstarten. Nachdem er im Mai 2018 bei Integra FC als Amateur einen ersten Versuch wagte und dort wichtige Erfahrung sammelte, strebt Solaja nun nach über einem Jahr reiner MMA-Vorbereitung sein Debüt als Profi an. Wir sprachen mit dem schlagstarken Düsseldorfer über dieses Vorhaben.

GNP1: Hallo Danijel, seit wann betreibst du eigentlich Kampfsport? Womit fing es an und wie kamst du überhaupt zum Kickboxen?
Danijel Solaja: Im Alter von 6 Jahren fing es mit Judo an. Den Sport betrieb ich leidenschaftlich 4 Jahre. Leider wechselte die Schule ihren Standort, sodass ich 3 Jahre überbrückungsweise Fußball spielte und der Fokus nicht mehr auf Kampfsport lag. Im Alter von 13 Jahren lief ich in eine Kampfsportschule hinein und dann hat es mich wieder gepackt. Denn man sagt doch, alte Liebe rostet nicht (lacht). So fand ich meinen Weg zurück in den Kampfsport und zum Kickboxen und schließlich auch zum MMA.

Du warst jahrelang ein Schüler von Kamal El Amrani. War der Schritt zu Amrani der Wendepunkt in deiner Karriere?
Ich verdanke ihm wirklich sehr viel und bin ich für immer Dankbar. Hätte ich Kamal damals nicht kennen gelernt, ich hätte im Alter von 20 Jahren aufgehört. Ich fand keine Schule mit ordentlicher Harmonie und Menschlichkeit. Kamal versprach mir damals nichts, was mich dazu bewegt hat, bei ihm anzufangen. Was ausschlaggebend war, war seine ruhige Art. So hat er mich, vielleicht ungewollt, aufgefangen und aufgebaut.

Was hast du von einem Meistertrainer wie ihm gelernt? Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Kamal ist eine Legende. Jeder, der sich mit dem Sport beschäftigt, kennt ihn. Zu seiner Zeit war er einer der besten Kämpfer der Welt, weit technisch einfach oberste Liga. Gemeinsam haben wir an mir gearbeitet, er half mir besser zu werden. Er hat die Techniken ausgebaut. Kamal konnte mich stets motivieren und fand immer die richtigen Worte. Was hängen geblieben ist? Niemals aufzugeben, an sich selbst zu glauben und immer Spaß zu haben, in dem was man tut was man liebt. Durch ihn bin ich dreimal Weltmeister geworden und einmal Super Cup Champion. Und zudem dürfte ich bei Glory kämpfen. Auch habe ich diverse Kämpfe international bestritten und mir einen Namen gemacht. Es war eine Erfahrung fürs Leben.

Danijel Solaja mit Kamal El Amrani (r.) im Interview bei GNP1.de

Als langjähriger Kickboxer, wie hast du den Aufstieg des MMA-Sports erlebt? Du hast es ja sicher parallel auf Veranstaltungen gesehen/mitbekommen.
Der Aufstieg ging rasant vonstatten. MMA wird immer populärer und attraktiver für Zuschauer sowohl auch für uns Kämpfer. Klar wird der Sport teilweise von Leuten mit kritischen Augen gesehen, es liegt aber an deren mangelnder Bildung. Sie setzen sich nicht mit dem Sport auseinander, haben ihre Meinung und lassen sich nicht belehren. Ich kann es nur betonen klar ist es ein harter Sport. Hart, allerdings auch sehr fair.

Wann und warum kam der Gedanke, die Sportart zu wechseln?
Ich habe damals mit 15 oder 16 Jahren erstmals MMA betrieben. Allerdings eher im kleinen Kreis und privat. Der Gedanke kam, als ich mehr und mehr mit dem Grappling Training bei Team Taifun Luta Livre angefangen habe. Mein Freundeskreis besteht aus Kämpfern und größtenteils aus Luta Livre- und MMA-Kämpfern. So habe ich auch hier eine Verbindung gefunden. Ein Kämpfer bleibt ein Kämpfer. Das Feuer erlischt nicht und das ist auch der Grund, wieso ich mich hier messen will. Und bestenfalls werde ich in paar Ärsche treten (lacht).

Bist du inzw. komplett auf MMA umgestiegen oder fährst du Zweitgleisig?
Ich konzentriere mich gerne auf eine Sache. Im Kickboxen weiter mitzumischen kommt zurzeit nicht in Frage, da ich meinen Fokus komplett auf den MMA-Sport gesetzt habe. Da ich echt viel Lernen und Nachholen angesagt. Ich habe jede Menge zu tun und meine Woche ist immer sehr durchgeplant.

Bei welchem Gym(s) bist du inzw. und wie schwierig war die Umstellung vom reinen Standkampf zum MMA?
Ich trainiere beim NFT Gym unter der Leitung von Max Schwindt. Mir fiel es gar nicht so einfach, ehrlich gesagt. Allerdings gebe ich jeden Tag mein bestes und gerade kommt der Punkt und das Verständnis fürs Ringen. Ich entwickle Mittlerweile ein Feingefühl fürs Ringen und das Grappling. Er wird etwas einfacher, aber das reicht mir noch nicht. Hier liegt noch viel Arbeit vor mir. Ich bin erst zufrieden, wenn es perfekt ist.

Hat im Kickboxen schon zahlreiche Titel erobern können: Danijel Solaja.

Wie hast du dein Debüt als Amateur erlebt, bei Integra FC im Mai 2018? Wie bist du mit der Niederlage umgegangen? Dein damaliger Gegner Zafar Mohsen hat deine Stärke im Stand neutralisiert und dich auf den Boden gebracht und dort gehalten. Was hast du aus dieser Niederlage gelernt?
Ich habe es entspannt genommen. Ehrlich gesagt, bin ich froh, das es so gekommen ist. So wusste ich wenigstens, woran ich arbeiten muss. Und ganz unter uns, so lief es auch damals beim Kickboxen. Ich habe immer etwas wichtiges aus Niederlagen gelernt. Wichtig ist es, auf großen Bühnen zu zeigen was man kann. Eben wegen dieser Erfahrung habe ich mich stark aufs Ringen konzentriert.

Seit deinem Amateurkampf im MMA 2018 standest du nicht mehr im Ring. Was hast du seitdem genau gemacht und was hast du gelernt? Du warst u.a. beim Pride Gym oder beim Allstars Training Center in Schweden, wie wir wissen.
Der letzte Kampf sollte mir als Hilfe dienen. Die Theorie ist immer so eine Sache. Ich habe die Praxis gebraucht und musste fühlen und sehen, woran ich arbeiten muss. Ich habe den Kampf als Erfahrung mitgenommen, wollte mich gar nicht lange im Amateurbereich aufhalten. Ich habe in der Zeit seitdem meine Fehler ausgebessert, bin viel gereist, habe mit guten Jungs trainiert. Hierzu möchte ich meinem Bruder danken, Zoran Solaja, der mir diverse Türen im Allstars Team eröffnet hat. Jeder der sich auskennt, müsste das Gym in Stockholm kennen und wissen, was da für Kaliber rumlaufen. Dadurch habe ich Erfahrung sammeln können. Hier in Deutschland bin ich super aufgestellt mit dem NFT Team, vor allem mit einem Max Schwindt im Rücken, der gefühlt das Ringen für MMA erfunden hat (lacht). Und dann kommt natürlich der Bodenkampf beim Taifun Luta Livre unter der Leitung von Armin Eslami, der den Sport so intensiv lebt - genauso wie ein Mimoun Arbaoui. Also kurz gesagt, ich habe echt an mir gearbeitet und über den Tellerrand hinaus geschaut, mich mehr auf meine Schwächen konzentriert und nicht auf meine Stärken. Ich würde sagen, es ist der Zeitpunkt gekommen, um mit den großen Jungs in den Cage zu steigen. Es gab schon ein paar Anfragen, für mein Debüt, aber bisher haben alle Gegner abgesagt.

Woran glaubst du, liegt es, dass es noch keine Zusagen gab?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob diese Kämpfer ihre Bilanz schonen wollen oder sonst was. Es ist ein anderer Sport. MMA ist kein Kickboxen, also verstehe ich den Aufstand gar nicht wirklich, warum man mich meidet. Wenn die Zuschauer einen Tag hinter den Kulissen verbringen würden und die Voice- und Text-Nachrichten sehen würden, mit denen ich mich herumschlagen muss, um endlich einen Kampf zu bekommen...da fällt mir nichts mehr ein. Ich muss doch niemanden anbetteln, damit er kämpft?! Was sind das für Kämpfer, die nicht kämpfen wollen? Dann nennt euch nicht Kämpfer!

Gibt es bestimmte Namen, gegen die du antreten willst? Hast du einen Wunschgegner Und in welcher Gewichtsklasse willst du antreten?
Es gibt schon lange eine Phrase im MMA, die reines Fantasiegeschwafel ist. Überall hört man den Satz: „Ich kämpfe gegen jeden“ - und bei mindestens 80 Prozent der Leute stimmt es nicht. Die Leute, die an erster Stelle harte Fights wollen, sind die Leute, vor denen ich Respekt habe, nicht die ganzen 9-0 Kämpfer, die sich alle Gegner ausgesucht haben. Um konkret auf deine Frage zurück zu kommen, ich möchte Maurice Adorf vor die Fäuste bekommen und dem Jungen mal zeigen, was es bedeutet ein richtiger Standkämpfer zu sein. Ich bin meiner Ansicht nach, der beste Prüfstein für ihn. Wenn er mich ausschalten kann, dann gebe ich ihm die Hand und ziehe meinen Hut vor ihm. Aber beweise dir und allen anderen, dass du kein Bilanz-Mathematiker, sondern ein Kämpfer bist. Dass ich nicht genug Kämpfe im MMA bestritten habe, nehme ich als Gegenargument übrigens schon provisorisch nicht an! Im Striking bin ich besser als jeder in Deutschland in den Klassen 66 und 70 Kilogramm. Also Maurice, mein Angebot steht, egal wo, egal wann - ich kämpfe! Hast du die Cojones (z.D. „Bälle“, Anm. d. Red.) oder nur wieder eine Ausrede?

Warum gerade Maurice Adorf?
Wenn sich schon kein anderer traut, dann jener Maurice Adorf, der in Interviews die richtig große Fresse hat. Er behauptet, die größten Eier zu haben und redet schon vom Titelkampf, nachdem er erst zwei Kämpfe bestritten hat. Wenn schon alle anderen Gegner abgesagt haben und denen die Knie schlottern, dann erwarte ich von Maurice, dass er seinen Mann steht und gegen mich – ich denke ich habe einen guten Namen in der Kampfsport-Szene – antritt. Er hat etwas zu gewinnen und ich auch.

Was machst du, wenn Adorf deine Herausforderung nicht annimmt? Was ist dein Plan B?
Machen wir es ganz einfach: Wenn andere Kämpfer mehr Mut haben als Maurice und sich trauen, ganz gleich, ob im Feder- oder Leichtgewicht – schreibt oder ruft mich an. Ich habe derbe Bock!

Was willst du im MMA erreichen und wie lange gibst du dir dafür Zeit?
Ich habe jemanden und mir selbst etwas versprochen und ich versuche es einzuhalten. Wie lang ich mir dafür Zeit gebe? Keine! Deswegen bin ich so hinterher! Von mir aus jeden zweiten Monat im Käfig stehen, dafür wäre ich bereit. Solange es mein Körper mitmacht, bin ich „all in“! Leute die mich kennen wissen, dass ich damals teilweise jeden Monat gekämpft habe.

Besten Dank für deine Zeit, Danijel. Wir drücken die Daumen, dass du demnächst dein Profi-Debüt bestreiten kannst.
Vielen Dank für das Interview. Meine letzten Worte sind einfach nur: Ich bin bereit.
Ich hoffe, GMC hat ein offenes Ohr und sie halten sich nicht an Instagramer, sondern an richtige Fighter, die Action bringen. Ich bin nur ein Kämpfer und nichts weiter. Ich will keine Politik betreiben und kläre alles Weitere im Cage.

Das Interview führte Elias Stefanescu