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Daniel Weichel: Ich bin in der besten Form meines Lebens!

Daniel Weichel (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Am Samstag ist es soweit, Daniel Weichel steht zum zweiten Mal Patricio Freire gegenüber, zum zweiten Mal geht es um den Federgewichtstitel von Bellator. Beim ersten Duell konnte Weichel den Champion zu Boden schlagen, wurde dann aber in der zweiten Runde selbst gestoppt. Dieses Mal soll es anders laufen. Der 33-Jährige sprach vorab mit GNP1.de über seinen anstehenden Kampf, die Entwicklung bei Bellator und seine weiteren Ziele.

GNP1.de: Hallo Daniel, danke, dass du Dir für uns die Zeit genommen hast. In wenigen Tagen kommt es zum Rückkampf mit Patricio Freire, wie lief die Vorbereitung?
Daniel Weichel: Ich fühle mich super und kann es kaum abwarten, zu kämpfen. Wobei man sagen muss, dass ich keine klassische Vorbereitung hatte. Ich bin dauerhaft im Training und habe auch seit der Absage im November durchtrainiert. Die letzten acht Wochen waren einfach ein bisschen intensiver.

Der erste Termin im November ist jetzt über sechs Monate her, wie schwer ist es da, die ganze Zeit mental fokussiert zu bleiben?
Es war schon eine kleine Herausforderung, weil es nach seiner Absage kein konkretes Datum für den nächsten Kampf gab. Es hat ja auch eine Weile gedauert. Ich habe zwar durchgehend trainiert, aber ich finde es immer angenehmer, wenn ich ein Datum vor Augen habe, auf das ich mich einstellen kann. Das mag ich lieber, als einfach so in der Luft zu hängen. Allerdings wussten mein Team und ich, was auf uns zukommen würde, deswegen war die Motivation immer sehr hoch.

Kann man nach drei Jahren den ersten Kampf überhaupt noch als Maßstab nehmen, um sich auf den Gegner vorzubereiten?
Er hat ein bestimmtes Bewegungsmuster, das ändert sich nie komplett. Aber wenn man seine Kämpfe danach angesehen hat, sieht man schon, dass er seinen Stil in gewisser Hinsicht verändert hat. Er kämpft in größerer Distanz, arbeitet mehr, hat sein Footwork verändert. Man muss die Entwicklung ein wenig mitbegleiten und sieht dann anhand der aktuellen Kämpfe schon eine gewisse Veränderung.

Was wollt ihr anders machen als beim ersten Kampf und worin bist du heute besser als damals?
Ich gehe davon aus, dass er nicht wieder freiwillig in meine Distanz kommen wird und eben weiter außen kämpfen wird. Wir haben zwar die Veränderung bei ihm beobachtet, aber der Schwerpunkt liegt eigentlich immer auf mir. Distanz und Kontrolle sind zwei große Kapitel, an denen wir gearbeitet haben und das gilt es am Samstag umzusetzen.

Du hast immer betont, dass du öfter kämpfen willst. Jetzt wartest du schon seit April auf einen Einsatz. Hättest du lieber einen Kampf dazwischen geschoben, oder wolltest du deine Titelchance nicht aufs Spiel setzen?
Die Pause war zu lang. Ich habe letztes Jahr nur einmal gekämpft und eigentlich sind mir sogar zwei Kämpfe im Jahr zu wenig. Ich habe im November auch den Wunsch geäußert, einen Kampf einzuschieben, wenn irgendwo ein Platz frei wird, weil ich immer bereit bin, zu kämpfen. Leider hat sich nichts für mich ergeben. Ich wäre auf jeden Fall bereit gewesen, einen anderen Kampf anzunehmen, weil ich auch einfach sehr gerne kämpfe. Aber dann kam Bellator mit dem Termin und Patricio als Gegner, dazu der Titel als wichtiger Indikator. Von da an haben wir uns nur noch auf ihn vorbereitet und keine anderen Kämpfe angenommen.

Freire hat in letzter Zeit wiederholt gegen dich gestänkert. In einem Interview meinte er, du wärst ein zäher Gegner, aber weder spektakulär noch ein großer Techniker. Anschließend hat er dich in sozialen Netzwerken auch noch des Dopings bezichtigt. Wie geht man als Kämpfer mit solchen Aussagen um?
Ganz ehrlich, ich hab mich nicht mal geärgert. Ich weiß, was dahintersteckt. Er versucht, den Kampf zu hypen und mir mit Trash Talk unter die Haut zu gehen. Aber genau das Thema Doping ist das Ungünstigste, dass er wählen kann. Ich sage in allen Interviews meine offene Meinung dazu. Ich mag es, dass der Sport sauberer wird und wünsche mir einen noch saubereren und faireren Sport. Ich bin offen für allerlei Tests, die man machen kann. Daher habe ich das nicht einmal ernst genommen. Er hat da einfach das komplett falsche Thema gewählt und will mir damit nur unter die Haut.

Freire hat auch öffentlich den Wunsch nach dem Testverfahren der Voluntary Anti-Doping Agency geäußert, du hast sofort geantwortet, dass du jeden Test mitmachen würdest. Gibt es bei Bellator denn Entwicklungen in dieser Hinsicht?
Inwieweit da der Stand der Dinge und der Fortschritt ist, kann ich nicht sagen. Derzeit werde ich vor und nach jedem Kampf getestet. Wie gesagt, ich bin für alles offen, was den Sport sauberer macht und wenn es da gewisse Veränderungen gäbe, wäre ich sehr glücklich.

Freire hat in letzter Zeit auch weitere Nebenkriegsschauplätze mit Michael Chandler oder dem irischen SBG-Gym aufgemacht, dein Name fällt nur selten. Glaubst du, dass er dich unterschätzt?
Um ehrlich zu sein, weiß ich das nicht und denke auch nicht groß darüber nach. Ich bin in der besten Form meines Lebens und es wird ein ganz anderer Kampf gegen ihn, ich bin ein ganz anderer Kämpfer. Ob er sich darüber im Klaren ist, spielt für mich überhaupt keine Rolle.

Daniel Weichel (re.) im ersten Duell mit Patricio Freire (Foto: Bellator MMA)

Ihr hättet erst im November in Israel kämpfen sollen, nun ist es Italien. Beide Events werden nirgends live übertragen, selbst in den USA nur in einer Wiederholung, obwohl ihr einen Titelkampf macht. Wie geht es dir damit? Oder ist es dir egal?
Jein. Also ich muss schon sagen, dass es immer sehr ärgerlich war, dass ich meinen Fans nie sagen konnte, wo man meine Kämpfe sehen kann. Ab September werden ja alle Bellator-Events auf DAZN übertragen. Darüber bin ich natürlich extrem glücklich. Endlich kann ich sagen, holt euch einen Account und schaut euch meinen Kampf an. Das ist sehr schön für mich. Ein weiterer Fortschritt bei Bellator für mich ist, dass man auch immer mehr Europa-Events macht. Damit können meine Fans und meine Familie öfter live in der Halle dabei sein. Ich glaube auch nicht, dass man Deutschland bisher bewusst ausgeblendet hat, sondern schon länger an diesem Deal gearbeitet hat. Da habe ich auch schon mit Scott Coker darüber gesprochen. Aber es ist natürlich schade, dass man erst so spät einen Streaming-Deal erreicht hat und diesen Titelkampf jetzt nicht sehen kann. Aber dann wird eben meine erste Titelverteidigung übertragen.

Wie stehen die Chancen, dass du vielleicht ein Heimspiel erhältst?
Das wäre natürlich mein absoluter Traum, in Deutschland den MMA-Sport mit der Marke Bellator zu vertreten. Ich weiß aber nicht, ob derzeit etwas in Planung ist, aber ich würde es generell nicht ausschließen.

Du bist zwar erst 33 Jahre alt, aber mit 48 Kämpfen schon ein sehr erfahrener MMA-Kämpfer, der schon überall auf der Welt im Käfig stand. Welche Ziele hast du noch für deine Karriere, vom Titel bei Bellator abgesehen?
Das ist eine schwierige Frage, weil ich nur von Kampf zu Kampf denke. Jetzt steht erstmal ein großes Highlight an. Mein Ziel der letzten Jahre war immer, viel zu kämpfen. Ich trainiere durchgehend und Kämpfen macht mir einfach Spaß und ist meine große Leidenschaft, weil es auch der Ausdruck dessen ist, was ich im Training mache und woran ich bei mir arbeite. Daher habe ich derzeit einfach den Wunsch, noch mehr zu kämpfen. Jetzt steht erst einmal Rom an und dann sehen wir, wie es weitergeht. Ich freue mich auf viele weitere Kämpfe und genieße alles in vollen Zügen.

In wenigen Jahren kannst du dein zwanzigjähriges Jubiläum im Käfig feiern. Wenn du dich an deine Anfänge zurückerinnerst. Hast du jemals gedacht, einmal an diesen Punkt zu kommen?
Ehrlich gesagt schon. Ich habe mit diesem Ziel angefangen. Ich habe immer Kämpfer wie Rickson und Renzo Gracie oder Wanderlei Silva bewundert und ich wollte immer dort kämpfen, wo die auch kämpfen. An der Weltspitze in den größten Organisationen der Welt.

Du bist seit einem halben Jahr Vater. Hat sich seitdem deine Perspektive auf das Kämpfen verändert?
Ich muss sagen, dass mich die Vaterschaft eigentlich noch mehr motiviert. Wenn ich in der Vorbereitung bin oder in den Käfig gehe, ist es ein großer Faktor. Ich will meine Familie versorgen und uns ein schönes Leben ermöglichen.

Peter Sobotta, der erst vor wenigen Wochen Vater geworden ist, hat angekündigt, zukünftig mehr auf seine Gesundheit zu achten und will sogar eine Gewichtsklasse aufsteigen, weil die Weight Cuts so hart waren. Spielen solche Überlegungen auch bei dir eine Rolle?
Meine Diät und der Cut sind eigentlich nicht so schlimm, von der letzten Woche abgesehen. Ich habe im Laufe der Jahre einen Weg gefunden, um das für mich so angenehm wie möglich zu machen. Ich habe dabei auch sehr gute Leute um mich herum, alleine schon mein Sponsor Olimp gibt mir immer Tipps und Hinweise, welche Details man noch verändern kann. Ich muss auch sagen, dass ich mich bis auf die letzten drei Tage, bei denen es echt an die Substanz geht, immer extrem gut fühle. Es ist wie eine Reinigung des Körpers. Kein Zucker, sehr gesunde Ernährung, das läuft alles gut. Ein Wechsel der Gewichtsklasse ist daher kein Thema.

Wenn du mehr kämpfen willst, wäre das doch eine Möglichkeit. Sogar die Bellator-Champions steigen mittlerweile ja gerne auf, etwa Ryan Bader ins Schwergewichtsturnier oder Rory MacDonald, der gegen Gegard Mousasi antritt.
Ich würde es jetzt nicht generell ausschließen. Das Federgewicht bei Bellator hat aber jede Menge gute Kämpfer und viele Junge, die nachkommen. Ein Emmanuel Sanchez wäre zwar ein weiterer Rückkampf, aber der hat sich zuletzt sehr gut in Szene gesetzt und platziert. Ich bin wirklich offen für alles, Hauptsache, ich kann kämpfen. Aber ich glaube schon, dass es im Federgewicht für mich noch einiges zu tun gibt.

Dann kommen wir zur abschließenden Prognose: Wie geht der Titelkampf am Samstag gegen Patricio Freire aus?
Ich habe alles im Kopf. Ich weiß, wie ich ihn im Stand schlage, oder ihn abklopfen lasse. Ich habe volles Vertrauen in mich und in meine Ecke. Wie es genau ausgeht, werden wir sehen, aber was sicher passieren wird, ist, dass am Ende meine Hand oben sein wird.

Wir wünschen dir für Samstag alles Gute und viel Erfolg. Die letzten Worte gehören an dieser Stelle dir.
Vielen Dank für das Interview. Ich möchte mich in erster Linie bei meinen Teamkollegen vom MMA Spirit bedanken, bei meinen Sponsoren Olimp, Fightnature, Allianz Vollbrecht, Thai 4 More und natürlich bei all meinen Fans, die mich in der Vorbereitung unterstützt und mir Energie gegeben haben. Und natürlich an alle, die für mich mitreisen um mich am Samstag in Rom vor Ort zu unterstützen, vielen, vielen Dank.

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea