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Daniel Dörrer: „Ich liebe diesen Scheiß!“

Daniel Dörrer - 10 facher Weltmeister (Foto: Andreas Wegelin)

Vor wenigen Wochen erfüllte sich Daniel Dörrer seinen Traum und konnte sich in New York seinen zehnten WM-Titel durch einen K.o.-Erfolg in der vierten Runde sichern. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt dem "Peaceful Warrior" allerdings nicht, denn in Kürze geht es weiter nach Russland, wo er im MMA wieder aktiv wird. Wie er seinen Erfolg erlebt hat, welche Motivation er verspürt und wie es für ihn in der Zukunft weiter geht, das hat uns Daniel Dörrer exklusiv verraten.

GNP1.de: Daniel, zehnfacher Weltmeister – herzlichen Glückwunsch. Wie fühlt es sich an?

Daniel Dörrer: Danke, Tobi! Das fühlt sich natürlich super an! Mein zehnter WM-Titel ist schon ein kleines Jubiläum für mich.

Wie hast du den Kampf in New York selbst erlebt?
Es war einfach alles der Wahnsinn! Schon alleine die Stadt an sich ist ja der Hammer! Ich wollte schon immer mal nach New York und nun konnte ich diese Reise wunderschön mit einem Kampf verbinden. Ich habe mich hierfür wieder drei Monate lang in Thailand auf diesen Kampf vorbereitet. Alles verlief perfekt. Sowohl Vorbereitung als auch Kampf.

Wenn man einen Gegner K.o. schlägt, dann hört sich das immer einfach an. War es das?

Der Fight war definitiv nicht einfach. Papin war einer der stärksten Gegner, die ich seither vor den Fäusten hatte. Wir hatten den Hauptkampf. Mein K.o.-Kick zum Kopf geschah auch erst in der vierten Runde und bis dahin war das komplette Gefecht ziemlich ausgeglichen, finde ich. Wir sind alle schon sehr gespannt auf die Fernsehausstrahlung!

Was war in deinen Augen der Schlüssel zum Sieg?
Meine technische Variabilität und mein körperlicher Zustand - aber dazu später mehr. Der finale Drehkick zum Kopf war auch ein sehr glücklicher Treffer. Ich habe zuvor über drei Runden lang Papins Beine mit Lowkicks bearbeitet und dann in Runde vier einfach nur glücklich getroffen.

Was ist deine Motivation? Was treibt dich nach all den Erfolgen noch immer an?
Nach all den Erfolgen und Siegen treibt mich weiterhin an, dass ich nie Erfolge oder Siege gebraucht habe. Meine Motivation zu kämpfen ist eine komplett andere: mir ist es völlig egal, ob ich um einen WM-Titel oder um einen Blumentopf kämpfe. Ich kämpfe, um zu kämpfen! Ich liebe das, was ich mache, über alles! Meine Motivation kommt von ganz tief innen heraus und ich würde auch kämpfen, wenn es um rein gar nichts gehen würde, beziehungsweise auch, wenn niemand zuschauen würde! Die Titel, das Fernsehen, die Kohle usw. Das ist alles nur zusätzlicher Bonus für mich. Klar macht das Spaß und ist cool - aber ein wahrer Kämpfer braucht so etwas nicht, um mit dem Herzen zu kämpfen. Das ist meine Meinung. Das war auch schon immer meine Meinung.

Gürtel sammeln - eine Lieblingsbeschäftigung von Dörrer (Foto: Michael Wegelin)

Hand aufs Herz. Hast du jetzt mehr Gürtel / Pokale zu Hause als deine Freundin Schuhe im Schrank?
Da ich Single bin, habe ich noch viel Platz für weitere Gürtel und Pokale in meinem Schrank!

Wo Erfolg ist, gibt es auch bekanntlich Neider. Eben solche, die sagen: "10-facher Weltmeister vielleicht wenn er alle seine gewonnenen WM-Kämpfe zählt." Jetzt klär die Unwissenheit der Leute einfach auf.
Das geht ganz einfach. Für mich sind Titelverteidigungen keine zusätzlichen WM-Titel. Das wäre ja sonst sehr lustig! Ich habe zehn einzelne WM-Titel gewonnen: Sechs WM-Titel bei den Amateuren und vier WM-Titel bei den Profis in vier verschiedenen, großen Verbänden. In Mathe war ich immer schlecht, aber sechs plus vier ergibt zehn. Zehn einzelne, schöne WM-Titel. Und nochmal, Titelverteidigungen sind für mich keine zusätzlichen Titel. Das ist wichtig!

Welchen Stellenwert hat ein WM-Titel heutzutage für dich noch, verglichen mit dem von vor zehn oder 15 Jahren?
Meinen allerersten WM-Titel habe ich damals mit 21 Jahren im Jahre 2006 in Spanien gegen Sean Keane aus Irland gewonnen. Das war natürlich fantastisch und der erste WM-Titel ist und bleibt immer etwas Besonderes. Aber eigentlich sind alle Kämpfe und überhaupt alle Dinge etwas Besonderes für mich! Als Buddhist sehe ich das natürlich so. Wenn man es schafft, in allen Dingen auf der Welt das Wunder zu sehen, was den Dingen innewohnt, dann ist alles ein Geschenk... alles! Ich habe Siege eingefahren, in denen es um "nichts" ging, die mir aber mehr bedeuten als irgendwelche Titel.

Eine große Pause gibt es für dich nicht, denn in Kürze wirst du auf der Insel Krim wieder MMA kämpfen. Kannst du uns hier schon genaueres verraten?
Ja, sehr gerne. Ich werde am 23. September in Russland auf der Insel Krim gegen Dimitry Tebekin meinen nächsten MMA-Kampf bestreiten! Dies wird das dritte Mal sein, dass ich in Russland kämpfe. Das ist jedes Mal Mega.

MMA, K-1 oder Muay Thai - Hauptsache kämpfen. (Foto: GnP1.de)

Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wurde ist, warum Daniel Dörrer nicht mehr auf der Stekos Fight Night kämpft? Ja, warum eigentlich?
Ich habe den Gebrüdern Steko sehr viel zu verdanken. Es war eine sehr schöne Zeit in München im Kampfsportzentrum Steko - das hat mich kämpferisch und auch medial, zum Beispiel bei meinen Kämpfen auf Sat1, Kabel1 und Sport1, wirklich weitergebracht. Alles ist genau richtig, so wie es nun ist. Wie jeder weiß, kämpfe ich einfach auch sehr gerne international, beziehungsweise liebe ich es auch einfach, MMA-Kämpfe zu bestreiten. Ich stehe einfach drauf, in ein fremdes Land zu fliegen und dort den Lokalmatador vor seinem eigenen Publikum K.o. zu schlagen. Könnt ihr Euch vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn 17.000 Russen auf einen Schlag auf einmal still sind, weil du "ihren" Kämpfer K.o. gehauen hast, so wie jetzt in New York vor drei Wochen? Ich liebe diesen Scheiß!!! Sowas ist nun möglich.

Nach Bochum im März, wirst du im November bei The Champions Club in Fürth kämpfen. Wo kämpfst du denn lieber? In Deutschland oder im Ausland?
Das ist mir egal. In New York habe ich K1 gekämpft. In Russland nun wieder MMA. In Fürth wird es wieder mal Muay Thai sein. Ich mache einfach das, auf was ich Bock habe. Wo das ist, und was es ist, ist zweitrangig.

Du hast als aktiver Kämpfer schon so viel erreicht in deiner Karriere. Gibt es aber einen Event oder Gegner, welchen du gerne noch mitnehmen möchtest, so lange dein Körper es zu lässt?

Nein. Ich bin komplett wunschlos. Wenn sich etwas anbietet und das Angebot passt, oder wenn mich ein Fight reizt, dann schlage ich zu. Bestimmte Pläne habe ich nicht und hatte ich auch nie. Ich habe so viele tolle Angebote, dass ich gar nicht alle wahrnehmen kann. Also langweilig wird es mir so oder so nie werden!

Kämpfen so lange es geht. (Foto: Daniel Dörrer)

Du bist keine 20 mehr, aber natürlich auch noch keine 40. Wohin soll die Reise für dich noch gehen und wann soll Schluss sein?
Vor meinem letzten Kampf vor drei Wochen im Big Apple habe ich offiziell gesagt, dass ich aktuell in der Form meines Lebens bin. Das meine ich auf mehreren Ebenen. Papin war einer meiner stärksten Gegner bisher. Aber New York sah den bisher stärksten Daniel Dörrer in diesem Fight. Ich habe meinen Gegner K.o. geschlagen und hab den Bonus für den Knockout des Abends abgesahnt. Meine persönliche, neutrale Einschätzung ist, dass ich gegen Papin den bisher besten Kampf meines Lebens gezeigt habe. Dies ist mein bisher größter Sieg. Nicht nur wegen des zehnten WM-Titels.