Interviews

Buschkamps: „Die Art wie wir rollen, spiegelt auch unseren Charakter wieder“

Foto: (v.l.n.r.) Matthäus, Martin und Thomas Buschkamp.

Die Buschkamp Bros. haben es getan! Alle drei bekamen ihren nächsten Gurt. Thomas und Martin wurde der schwarze Gurt verliehen, Matthäus der braune. Nach rund zwölf Jahren haben sie ein neues Ziel erreicht. GNP1 hatte jetzt Gelegenheit, mit Thomas und Matthäus Buschkamp im exklusiven Interview über ihren Werdegang zu sprechen.

GNP1.de: Herzlichen Glückwunsch an die Buschkamp Bros. zur Triple Graduierung. Was bedeutet euch die Graduierungen? Zwölf Jahre harte Arbeit - ganz ehrlich, ihr habt euch doch gegenseitig zu immer besseren Leistungen gepusht, oder?
Thomas: Vielen Dank! Ja, zwölf Jahre sind eine lange Zeit. So einen Weg kann man alleine nicht gehen. Ein gutes Team ist nicht nur für ein qualitatives Training, sondern auch für die richtige Motivation unheimlich wichtig. Unter Geschwistern ist dieses nochmal auf einer ganz anderen Ebene, man hat seinen besten Freund und härtesten Trainingspartner stets zur Seite. Das Ego da nicht mit auf die Matte zu nehmen, war meist einfacher gesagt als getan. Ein, zwei Heelhooks hätten nicht ganz so hart durchgezogen werden müssen und der ein oder andere Kimura hätte mit etwas weniger Krafteinsatz auch funktioniert (lacht). 

Die meiste Zeit über war das Ziel konstant technisch besser zu werden. Trotzdem denke ich, dass niemand einen eher versteht als die Person die mit einem Tag für Tag durch dick und dünn geht- auf der Matte, aber auch im täglichen Leben. Gerade nach Verletzungen und Wettkämpfen, die nicht so toll liefen, war es schön dass jemand da war der einen motiviert und Kraft gibt weiter zu machen. Gerade in diesen Phasen ist es Gold wert jemanden zu haben der mit einem diesen Weg geht.

Ihr habt lange auf dieses Ziel hingearbeitet, viel Schweiß und Blut im Training und den Matten dieser Welt gelassen. Habt ihr es euch so damals vorgestellt diese Graduierung zu erhalten?
Thomas: Um ehrlich zu sein hatte ich nie eine genaue Vorstellung, wie ich eines Tages den Black Belt bekommen würde. Wenn man ein Ziel fokussiert, das sehr weit weg ist, kann dies schon sehr frustrierend sein, deshalb habe ich die letzten Jahre immer step by step gemeistert. Durch die kleinen Erfolge bleibt man einfach länger motiviert.

Wie ist das Verhältnis zu eurem BJJ-Mentor Professor Augusto Frota? Wie darf man sich eure Graduierung vorstellen?

Thomas: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu allen unseren Trainern. Von Damion Thomas -der die Grundlage des Kampfsports gesetzt hat und der bis heute ein guter Freund und Mentor ist, über Nilton Cadan und Adenauer Oliviera aus Brasilien, die uns die ersten blauen Gürtel im BJJ verliehen haben, zu Augusto Frota, der ein genialer Stratege und Trainer ist und aus einem gutem Sportler einen Weltklasse Sportler machen kann.

Im Verhältnis zu seinem Trainer sind die zwischenmenschlichen Werte entscheidend. Nur wenn man dieselben Werte teilt, wird man langfristig gut miteinander arbeiten können und somit Ziele verfolgen können.

Gab es hinterher eine große Feier?
Thomas: Wir sind nach der Graduierung ganz klassisch brasilianisch Essen gewesen und haben mit unseren Freunden die Graduierung ausklingen lassen.

In eurer Brust schlagen zwei Herzen. Der feurige Südamerikaner und der mit den deutschen Tugenden. Wie geht ihr damit um?
Thomas: Die beiden Tugenden ergänzen sich hervorragend. Das brasilianische Feuer wäre ohne die deutsche Arbeitsmentalität und Disziplin nichts. Brasilianer sind nicht gerade bekannt für ihre Arbeitsmoral, dafür für ihre Freude und ihr Feuer. Wiederum sind die Deutschen manchmal etwas sehr konservativ und ihnen fehlt das Feuer. Ab und zu stehen sich diese Eigenschaften im Weg, aber glücklicherweise gibt es immer einen von uns dreien der dann den anderen in den Arsch tritt. Jeder von uns ist zum Glück unterschiedlich viel Brasilianer bzw. Deutscher, was teilweise sehr lustig sein kann.

Ihr drei seid ständig in Bewegung, ein Leben ohne Training ist bei euch nicht denkbar. Wie sieht euer Ausgleich zum, Sport aus? Thomas, du bist außerhalb des Sports auch unterwegs, wo liegen derzeit deine Prioritäten: Sport oder Schauspielerei? Welche Attribute konntest du aus dem BJJ mitnehmen, die dich bei deinen Filmprojekten unterstützen?
Thomas: Mein Ausgleich zum Sport ist die Schauspielerei. Seit etwas über drei Jahren bin ich jetzt auf einer Schauspielschule in Stuttgart. Ende dieses Jahres mache ich meinen Abschluss und bin dann neben BJJ Black Belt auch noch staatlich geprüfter Schauspieler. Wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich Medizin studieren wollte, würde ich sagen dass es eine kleine Kursabweichung gab (lacht). Mit der ich aber sehr glücklich bin. Ich kann sehr viele Dinge aus dem Sport in die Kunst übertragen.

Das Feingefühl für den Körper, der Umgang mit einem Konflikt, verschiedene Spannungen. Mittlerweile sehe ich Jiu Jitsu auch immer mehr als Kampfkunst. Es ist schön zu sehen, wie ich da künstlerisch etwas ganz eigenes kreieren kann und trotzdem meinen Wurzeln treu bleibe.

Die Frage ist, was Priorität bedeutet. Sportlich gesehen habe ich im Moment keine Ambitionen zu kämpfen, was sich aber bestimmt noch mal ändern wird. Was viele nicht verstehen ist, dass die Wettkampfphase im Sport nur eine Phase ist. Gefährlich ist, wenn man das als das Ganze sieht. Dann wird man früher oder später ausbrennen und damit aufhören. Das will ich nicht, ich trainiere mal mehr mal weniger, aber es wird ein Teil von mir bleiben und so bin ich mir sicher, werde ich auch noch wenn alles gut geht mit 60 auf der Matte sein.

Im Schauspiel sind meine Ziele ganz klar, an Projekten teilzunehmen, die mich fordern und an denen ich wachsen kann. Also derselbe Gameplan wie zwölf Jahre lang im BJJ. Das ist das Schöne, das ich die Dinge die ich im Sport lernte jetzt auch auf alles andere übertragen kann. Dies will ich als Lehrer auch meinen Schülern weitergeben.

Was steht bei euch sonst noch auf der Agenda, wird es demnächst wieder ein großes Seminar bei euch in Tuttlingen geben?
Thomas: Bei uns wird es am 22./23. Juli ein Steve Maxwell Seminar geben. Es ist enorm wichtig, dass man in seine Ausbildung investiert. Wenn etwas hier in Deutschland fehlt, dann dass Leute bereit sind für qualitativ hochwertiges Training zu bezahlen. Ich glaube davon kann jeder Gymbesitzer ein Lied singen.

An was arbeitet ihr gerade am Boden?
Thomas: Wir setzen immer für 3-6 Monate Schwerpunkte und setzen uns Ziele - das ist die deutsche Tugend.
Momentan haben wir wieder bei 0 angefangen und üben Basic Positionen, allerdings schauen wir noch genauer hin und achten noch mehr auf Details. Nur so wird man besser.

Jeder lobt die Art wie ihr euch auf der Matte bewegt, woher kommt euer Bewusstsein immer das richtige zu machen?
Thomas: Jeder von uns setzt seine Schwerpunkte woanders und hat auch einen anderen Unterrichtsstil. Am lustigsten ist es, wenn wir zusammen unterrichten, dann haben wir strategisch gut getimte, technische Setups mit der Präzision eines Chirurgen. Meist steht Martin achselzuckend daneben und sagt: „Und wenn es nicht klappt, dann zieht so lange bis er tappt….“ Bei Matthäus ist es so, dass er dieselben Techniken seit Jahren unterrichtet und niemand im Gym es verhindern kann. Gegen Matthäus zu rollen ist so ein bisschen wie ein K-1 Kampf.

Matthäus: Die Sache ist, man macht nicht immer das Richtige, das ist aber auch nicht schlimm. Es ist nur wichtig wie man damit umgeht. Nach einer Weile findet Jiu-Jitsu nicht mehr im Kopf, sondern im Moment statt. Wenn man die Sachen etliche Male geübt und wiederholt hat, ist der Trick dann einfach loszulassen, zu atmen, es zu genießen und Spaß zu haben. Darum geht es ja auch. Die Welt für einen kurzen Moment anzuhalten und in den Flow zu kommen. Dieser Flow ist wie eine Meditation in dem man über nichts nachdenkt. Das ist glaube ich das ganze Geheimnis.

Was würde euch stolz gemacht haben, wenn ihr im Alter von 100 Jahren alles Revue passieren lasst?
Thomas: Ich glaube die Momente an die man sich zurück erinnert werden die vielen Momente sein, bei denen man mit seinen Brüdern und Freunden auf der Matte zusammen lag und sich über irgendwelche Dummheiten schieflachte.

Matthäus, wie sehr freust du dich für deine Brüder, dass sie den schwarzen Gurt erhalten haben? Ist es für dich ein Ansporn BJJ-mäßig beiden nicht zu viel Vorsprung zu lassen?
Matthäus: Ich freue mich riesig darüber, aber irgendwie hab ich auch schon damit gerechnet, trotzdem ist es etwas Unglaubliches für mich, wenn ich zurückblicke wo wir angefangen haben. Irgendwie ist es schon fast wie eine Geschichte. Als kleine Jungs haben wir zuhause auf dem Parkettboden gerollt, wir haben uns einen Großteil selbst beigebracht.  Als wir ca. 15 Jahre alt waren, haben Thomas und ich unseren Blau Gurt in Brasilien von unserem Freund Adenauer Oliviera bekommen. Heute leiten wir eine Kampfsportschule mit ca. 200 Mitgliedern.

Ja, eigentlich sollte man meinen, dass wir das gleiche Level und den gleichen Style auf dem Boden haben, das ist aber nicht so. Ich bin geschäftlich sehr viel unterwegs und habe bis jetzt leider nicht so viel Zeit gehabt mich dem Sport zu widmen wie meine Brüder. Trotzdem probiere ich so oft wie möglich ins Training zu kommen und wenn es geht auch im Ausland. Wenn ich mit Thomas rolle, kommt es mir vor als würden wir Schach spielen, da ich seine und er meine Techniken kennt. Wir sind eben selbst unsere besten Trainingspartner. Wenn ich mit Martin rolle merke ich oft seinen starken Background im Ringen, aber es heißt für mich einfach safe rollen, da macht er mir das Leben auf der Matte schon schwer. Ich denke die Art wie wir rollen, spiegelt auch unseren Charakter wieder. Mir ging es bei diesem Sport nie um Gürtel, sondern immer nur darum Spaß zu haben und vom Alltag abzuschalten.

Als wir bei der Graduierung auf der Matte standen, versammelt mit ca. 100 weiteren BJJ-Schülern, das war schon eine krasse Sache. Aber als Professor Augusto Frota die Eigenschaften beschrieben hat und warum er heute zwei Personen den schwarzen Gurt überreichen möchte, war ich schon erstaunt was da alles dahinter steckt, er hat mir eine komplett andere Sicht geschildert mit seinen Worten.

Wie ist das Verhältnis zu eurem BJJ-Mentor Professor Augusto Frota? Wie darf man sich eure Graduierung vorstellen?
Matthäus: Das Verhältnis zu unserem Mentor ist- wie nicht anders zu erwarten bei den Brasis- sehr familiär, egal was los ist, er nimmt sich für uns immer Zeit und klingelt auch einfach mal durch um zu hören wie es bei uns läuft.

Vielen Dank für das Interview.
Thomas: Ich wollte mich bei allen tollen Menschen bedanken die ich über den Sport kennen lernen durfte. Mit dem Gürtel verbinde ich auch Erinnerungen, Freundschaften, Gespräche und Momente mit euch.
Peace, Love and Jiu-Jitsu

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