Interviews

Buschkamp: "Ich bin mehr als nur ein guter Grappler!"

Martin Buschkamp (21) ist die amtierende Nr. 3 im deutschen Federgewicht. (Foto: Tim Leidecker)

Lange Zeit war es in diesem Jahr still geworden um den Cage Fight Night Federgewichtschampion Martin Buschkamp. Groundandpound.de's „Bester junger Kämpfer 2011“ hatte mehr mit seiner Gesundheit zu kämpfen als mit seinen Gegnern im Ring. Mit einem Erstrundensieg über den Holländer Denny Peters meldete er sich der 21-jährige Deutsch-Brasilianer bei der vierten Etappe des Superior-FC-Turniers 2012 eindrucksvoll zurück. Grund genug für uns, uns bei Martin nach seinem werten Befinden zu erkundigen.

GroundandPound: Du hast dich im September mit einem Erstrundensieg über den im Amateurbereich sehr erfolgreichen Holländer Denny Peters eindrucksvoll zurückgemeldet. Zuvor hattest du vierzehn Monate nicht gekämpft. Warum hast du so lange pausiert?

Martin Buschkamp: Es waren vierzehn harte Monte für mich, ich war fast die meiste Zeit verletzt oder im Krankenhaus. Meine erste Verletzung zog ich mir Mitte September in Balingen zu, während der Vorbereitung auf einen Kampf in Rumänien (Buschkamp sollte beim Länderkampf am 29. Oktober in Klausenburg für die deutsche Nationalmannschaft antreten, Anm. d. Red.). Ende Dezember bis Mitte Januar habe ich dann meinen Urlaub in Brasilien verbracht, wo ich endlich meinen Blaugurt überreicht bekommen habe.

Als ich wieder in Deutschland ankam, war ich ganz scharf drauf, meine neuen Tricks auszuprobieren! Nur leider wurde da nichts draus, denn ich hatte drei weitere Operationen in den nächsten drei Monaten. Nach dieser langen Zeit, habe ich unbedingt einen Ort zum Entspannen gebraucht und bin für zwei Wochen nach Thailand geflogen. Da hab ich aber auch nicht nur faul am Strand rumgelegen, sondern auch zweimal zwei Stunden am Tag an meinem Striking gearbeitet.

Du hast bis dato alle deine Profikämpfe durch Rear-Naked Choke beendet. Würdest du sagen, das ist dein „Finishing Move“?

Meine Gegner geben mir im Kampf sehr oft den Rücken und das ist natürlich ein willkommenes Geschenk für mich! Auch wenn ich den Großteil meines Trainings zusammen mit meinem Bruder Thomas in Tuttlingen mache, bin ich mittlerweile viel mehr als „nur“ ein guter Grappler: Ich gehe auch regelmäßig zum Ringen nach Dürbheim, wo ich echt gute Trainingspartner gefunden habe.

Für meinen letzten Kampf bei Superior FC konnte ich mich außerdem zusammen mit Paulo Tavares vorbereiten, einem richtig guten BJJ-Schwarzgurt vom Atos-Team aus Brasilien. Außerdem bin ich natürlich regelmäßig mit der Planet Eater Crew unterwegs. Zuletzt waren wir zusammen im Super Pro Sportcenter in Holland, wo ich die Gelegenheit hatten mit Spitzenleuten aus dem K-1 wie Albert Kraus oder Alviar Lima zu trainieren. Das war Spitze!

Deine Kämpfe gehen im Schnitt nicht einmal anderthalb Minuten. Gibt es einen besonderen Grund dafür, warum du deine Gegner so schnell wie möglich besiegen willst?

Meine Kondition reicht nur für eine Runde! (lacht)

Nein, Spaß beiseite: Für einen Kampf trainiere ich meist zwischen sechs bis acht Wochen. Wenn ich dann endlich in den Ring steigen kann, dann möchte ich auch gleich loslegen und nicht noch groß rumtaktieren. Ich kämpfe aggressiv und zwinge meine Gegner zu Fehlern. Bis jetzt konnte ich die immer ganz gut ausnutzen.

Martin (links) und sein älterer Bruder Thomas halten zusammen wie Pech und Schwefel. (Foto: Tim Leidecker)

Nach dem Sieg über Peters bist du in der German Top 10 im Federgewicht wieder auf Rang drei eingestiegen. Gibt es in Deutschland noch einen Gegner, gegen den du gerne antreten würdest?

Dennis Siver ist in der UFC und sicherlich noch zu erfahren für mich und Alan Omer ist ein guter Freund von mir, aber ansonsten möchte ich gegen jeden antreten, der in Deutschland Rang und Namen hat und der mit mir kämpfen möchte. Max Coga aus Frankfurt wäre ein Name, der mich reizen würde. Ich habe nichts gegen ihn persönlich, aber er ist wie ich ein talentierter junger Bursche, mit dem ich mich gerne messen würde.

Wir sollten ja schon zweimal gegeneinander antreten, einmal bei der Cage Fight Night in Bremerhaven im Sommer vergangenen Jahres und einmal bei Kombat Komplett Mitte November. Beide Male hat es leider nicht geklappt. Deshalb: Max, wenn du das hier liest: „Let’s get it on!“

Dein älterer Bruder Thomas und dein Zwillingsbruder Matthäus sind ebenfalls aktive Kampfsportler. Vertragt ihr euch untereinander oder gibt es zwischen euch auch zu Hause einen gesunden Konkurrenzkampf, z.B. beim Frühstück ums Nutella-Glas?

Ja, es kommt immer noch vor, dass wir morgens ein Grappling-Match um den letzten Joghurt veranstalten. (lacht)

Ansonsten ist es aber wirklich schon besser geworden bei uns. Als wir noch jünger waren und die Techniken noch nicht richtig beherrscht haben, kam es schon öfter vor, dass wir uns beim Raufen auch richtig böse verletzt haben. Jetzt gehen wir schon etwas rücksichtsvoller miteinander um, speziell weil auch jeder von uns seine Nische gefunden hat: Thomas grappelt und macht BJJ, Matthäus boxt und kickboxt gerne und ich fühle mich im MMA am wohlsten.

Hast du Kämpfer, die du besonders gerne siehst und bei denen du versuchst, deinen Kampfstil nach ihrem zu gestalten?

Ich trainiere generell gerne, egal ob Boxen, BJJ oder Ringen. Ich möchte in allen Disziplinen gleich gut werden. Zum Zuschauen gefallen mir die Mendes-Brüder, die wahre Erfinder auf der Matte sind, Manny Pacquiao, der sich schon seit Jahren bemerkenswert über seiner eigentlichen Gewichtsklasse behauptet und der US-Amerikaner Jordan Burroughs, der mir bei den letzten olympischen Spielen sehr imponiert hat. Von den deutschen Ringern gefällt mir auch unser Europameister Frank Stäbler sehr gut und ich würde liebend gerne einmal mit ihm trainieren!

Wann werden wir dich zum nächsten Mal im Ring sehen?

Mein nächster Kampf wird am 24. November in Mainz beim großen Finale von Superior FC sein. Mein Promoter Wladimir Stoppel sucht gerade nach einem passenden Gegner für mich. Wenn auch mein nächster Kampf wieder gut läuft, werde ich Anfang 2013 den Sieger zwischen Azdren Thaqi und Rasim Lemberanskij um den Superior FC Titel im Federgewicht herausfordern!

Lasst euch von der quietschbunten Leggings nicht täuschen, Buschkamp ist ein Killer im Ring! (Foto: Tim Leidecker)

Deine ersten Schritte als Amateur hast du im Shooto bestritten, dein bisher größter Erfolg war der Titelgewinn bei der Cage Fight Night. Trittst du lieber im Ring an oder im Käfig?

Ich kämpfe lieber im Cage, weil ich durch die Käfigwand mein Ringen besser einsetzen kann. Trotzdem fühle ich mich aber auch bei Superior FC sehr wohl und kann mir gut vorstellen, noch viele Kämpfe für sie zu bestreiten.

Welche Ziele hast du dir für das kommende Jahr gesetzt?

Ich möchte weiter an mir arbeiten und so viele Kämpfe gewinnen wie möglich. Außerdem habe ich mir vorgenommen, wieder an der BJJ-Europameisterschaft in Lissabon teilzunehmen. Letztes Mal hat es leider nur für Bronze gereicht und dieses Mal soll auf jeden Fall die Goldmedaille her!

Hast du zum Abschluss noch eine Nachricht an unsere Leser?

Ich möchte mich ganz herzlich bei meinen Brüdern und meinem Team Planet Eater bedanken, die mich immer unterstützen. Ein dickes Dankeschön auch an meine Sponsoren Boxhaus und Booster Fight Gear, die dafür sorgen, dass ich etwas anzuziehen habe. Ansonsten passt immer schön auf euren Rücken auf! (lacht)