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Anthony Johnson: Ich kann die ganze Welt ausknocken!

Anthony Johnson (Fotos: UFC Fight Pass)

Es ist die Show der Superlative: Am 24. Januar steigt in Stockholm der größte UFC-Event Europas. Im Hauptkampf trifft Anthony "Rumble" Johnson auf Schweden-Held Alexander Gustafsson. Wir haben mit dem Amerikaner über sein turbulentes Jahr gesprochen.

2014 war eine Berg- und Talfahrt für Anthony „Rumble“ Johnson. Das erfolgreichste Jahr seiner Karriere schien wenig erfreulich zu enden, als ihn im Herbst gleich zwei Frauen öffentlich wegen häuslicher Gewalt anprangerten und die UFC ihn sofort suspendierte. Die Vorwürfe wurden inzwischen fallengelassen, ein fahler Beigeschmack bleibt dennoch. Schon 2010 wurde Johnson wegen Übergriffen auf eine Lebensgefährtin auf Bewährung verurteilt.

„Das ist Vergangenheit“, erklärt er. „Es wird immer Leute geben, die schlecht über einen Reden, egal, was man tut. Damit muss man umgehen können und einfach weitermachen. Und genau das tue ich momentan.“

2012 soll Johnson der Mutter seiner Kinder zwei Zähne ausgeschlagen haben, so die neuen Vorwürfe. Laut Ermittlungen war er zum angeblichen Tatzeitpunkt jedoch überhaupt nicht im Lande, die Anzeige wurde kurz darauf wieder zurückgezogen. Will jemand den populären UFC-Fighter aufs Glatteis führen?

„Ich weiß es nicht“, so Johnson. „Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Negative Gedanken lasse ich nicht in meinen Kopf. Ich versuche stets, eine positive Stimmung um mich herum zu bewahren. Auf jeden Stein, der mir in den Weg gelegt wird, bin ich vorbereitet. Ich verliere nie meinen Kopf, sondern schaue immer nach vorn.“

Nachdem seine Suspendierung aufgehoben wurde, wird er nun am 24. Januar auf Schweden-Superstar Alexander Gustafsson treffen, vor 30.000 Menschen in einem Stockholmer Fußballstadion. Gustafsson erklärte, Johnson brauche noch einige Siege, bevor er das Recht hätte, gegen ihn zu kämpfen. Das sieht der Ami anders:

„Jeder hat ein Recht auf seine Meinung, das respektiere ich. Aber ich lasse lieber Taten im Käfig sprechen, als vorher die Klappe aufzureißen“, so Johnson. „Am 24. Januar werden wir ja sehen, ob ich noch ein paar Kämpfe mehr brauche. Ich versichere euch: Ich kann die ganze Welt ausknocken!“

Dass Gustafsson die lautstarke Unterstützung von 30.000 Schweden im Rücken haben wird, stört Johnson indes nicht.

„Ich kämpfe nicht gegen 30.000 Fans, sondern nur gegen einen aus ihren Reihen – und das ist Gus“, versichert er. „Der Kampf könnte meinetwegen auch in Buxtehude stattfinden, das wäre mir egal. Das ist mein Kampf! Kein Kampf für die UFC oder irgendjemand anderen, sondern für mich persönlich. Ich will sehen, wo ich als Kämpfer stehe. Gus weiß das schon, er hatte seinen Titelkampf. Jetzt will ich sehen, wer ich bin und wo ich hingehöre.“



Für Johnson wird es der erste Kampf in Europa sein – ein Kampf, der aufgrund der Live-Übertragung zur besten Sendezeit in den USA erst in den frühen Morgenstunden stattfinden wird.

„Es ist kalt und wird schon mittags um eins dunkel. Das verwirrt mich ein wenig“, scherzt er während seines erstes Schweden-Besuchs. "Aber ich mag es hier. Es sind sieben Stunden Zeitverschiebung bis in die USA. Ich werde vermutlich nicht vor sechs Uhr morgens in den Käfig steigen – und das ist in etwa die Zeit, zu der ich normalerweise sowieso trainiere. Von daher passt mir das eigentlich ganz gut.“

Bei der neugefundenen Liebe für Europa – wäre da auch Deutschland eine Option?

„Na klar, ich würde sehr gerne in Deutschland kämpfen! Wenn Deutschland mich mit offenen Armen empfängt und die UFC mich dort hinschickt, dann gerne! Ich kämpfe überall, solange ich eine Show hinlegen und Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“

Bevor ihn gehen lassen, sprechen wir ihn auf die „Rumbleweight“-Problematik an. Anthony Johnson begann seine Karriere im Weltergewicht, verpasste immer wieder das Gewichtslimit und kämpft inzwischen im Halbschwergewicht, bestritt im vergangenen März sogar ein Duell im Schwergewicht. Halbschwergewichtschampion Jon Jones liebäugelt derzeit mit einem Wechsel ins Schwergewicht - auch Johnson?

„Klar würde ich nochmal einen Kampf im Schwergewicht annehmen, das spielt keine Rolle für mich“, versichert er. „Größe spielt keine Rolle, ich trainiere mit großen Typen, mit kleinen Typen. Ich kämpfe gegen jeden!“

Anthony Johnson und Alexander Gustafsson werden in der Nacht zum 25. Januar im Hauptkampf von UFC on FOX in Stockholm aufeinandertreffen. In Deutschland ist der Kampf exklusiv über den Fight Pass zu sehen.