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Andreas Kraniotakes: „Es ist meine Zeit!“

„Big Daddy“ im Interview vor Kampf gegen Ex-UFC-Champion Ricco Rodriguez. (Foto: Elias Stefanescu/Groundandpound.de)

Am 12. Mai wird es in der Davis-Cup-Halle am Schwarzlsee, im österreichischen Unterpremstätten, im Rahmen der siebenten Ausgabe der renommierten Cage Fight Series zu einem wahrhaften Schwergewichts-Kracher kommen. Der frühere UFC-Champion und ADDC-Sieger Ricco „Suave“ Rodriguez trifft auf Deutschlands Nummer eins der Königklasse – Andreas „Big Dady“ Kraniotakes.

Mit fast 70 MMA-Kämpfen auf dem Konto ist Ricco Rodriguez zweifellos der erfahrenste Gegner, dem Andreas Kraniotakes bislang gegenüberstand - und nach Tim Sylvia bereits der zweite frühere UFC-Champion. Zwar lief es für den 35-jährigen Amerikaner sportlich zuletzt alles andere als gut, von seinen vergangenen zehn Fights gewann er lediglich zwei, machte dafür eher durch seine Teilnahme bei der Entzugs-Doku Celebrity Rehab Schlagzeilen, als BJJ-Schwarzgurt und langjähriger MMA-Veteran stellt er aber nach wie vor eine gefährliche Aufgabe für jeden dar, der sich international beweisen und den Sprung ins die UFC schaffen möchte.

So wie Andreas Kraniotakes. Nur wenige Wochen nach dem größten Tag seines Lebens, der Hochzeit mit seiner Frau Lena, wird er den bislang vielleicht größten Fight seiner Karriere bestreiten. Groundandpound.de hat vorher mit Kraniotakes gesprochen.

Groundandpound.de: Wie und wann hast du von dem Kampf erfahren?
Andreas Kraniotakes: Das erste Mal darüber geredet habe ich mit Veranstalter Gerhard Ettl bereits vor einigen Wochen. Die Zusage kam jedoch letzten Sonntag - einen Tag nach meiner Hochzeit.

Jetzt, wenige Wochen nach deiner Hochzeitsfeier – bleibt genug Zeit für eine vernünftige Vorbereitung?
Die Vorbereitungen auf den großen Tag haben zwar sicherlich viel Zeit gekostet und auch mein Training etwas leiden lassen, aber am Ende des Tages habe ich dennoch trainiert. Außerdem trinke ich keinen Alkohol und demnach ist eine Feier für mich etwas besser zu verdauen als für andere Leute, denke ich. Insgesamt bin ich guter Dinge, dass ich in einer angemessenen Form auflaufen werde. So oder so hätte ich aber diese Chance niemals an mir vorbei gehen lassen.

Ändert sich jetzt, als Ehemann, etwas an deiner Kampf- oder Sichtweise?
An meiner Kampfweise ändert sich denke ich nichts. An meiner Sichtweise auf die Dinge hat sich schon vor geraumer Zeit etwas geändert, als ich meine Frau kennengelernt habe. Es verändert einen, wenn man den richtigen Partner hat. Ich fühle mich stärker und gefestigter.

Was weißt du über Ricco Rodriguez – und was hältst du von ihm?
Ich weiß, dass er sowohl der UFC als auch der ADCC Champion war. Somit hat er in unserem Sport schon so ziemlich alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Das größte Grappling-Turnier der Welt zu gewinnen und Champion der größten MMA-Promotion zu sein, muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Offensichtlich sind seine besten Tage zwar schon vorbei, aber ein gefährlicher Gegner bleibt er allemal. Insbesondere seine Erfahrung aus 70 MMA-Kämpfen und als Schwarzgurt am Boden sind Dinge, die er in die Waagschale werfen wird.

Wird er deshalb eine besondere Herausforderung oder ist er ein Gegner wie jeder andere?
Streng genommen gibt es keinen Gegner wie irgendeinen anderen. Jeder Gegner ist so unterschiedlich, dass man eigentlich nie dieselbe Ausgangslage hat. Er unterscheidet sich dadurch, dass er einen großen Namen hat. Ich habe das Gefühl, dass ich bislang meine Leistungen immer besser abrufen konnte, wenn die Herausforderung größer war. Dementsprechend empfinde ich den Kampf als besonders gut für mich.

Was, denkst du, ist seine gefährlichste Waffe?
Er wird sicherlich versuchen, mich mit seinen Bodenkampf-Fertigkeiten zu überrumpeln, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. Das heißt, dass ich mich vorsehen werde, sobald der Kampf zu Boden geht.

Ist es etwas Besonderes für dich, in Österreich bei der Cage Fight Series zu kämpfen – und dann gegen einen solchen Weltstar?
Der Gegner alleine ist natürlich schon unglaublich und macht diesen Kampf zu etwas besonderem. Die Tatsache, dass der Kampf in Österreich sein wird, macht die Sache aber noch mehr besonders für mich. Zum einen habe ich noch nie im deutschsprachigen Ausland gekämpft und hatte es mir aber immer schon gewünscht. Außerdem weiß ich, dass im Normalfall ein österreichisches Schwergewicht diese Chance hätte bekommen können. Da ich die beiden besten Vertreter meiner Gewichtsklasse dort - Nandor Guelmino und Gerald Turek - sehr schätze, ist es für mich eine zusätzliche Ehre, diesen Kampf an ihrer statt zu bestreiten. Zudem ist die Cage Fight Series eine Veranstaltung, auf der ich schon immer kämpfen wollte, seit meinen Anfängen. Sie machen einen tollen Job und ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Nicht zuletzt freue ich mich auf die österreichischen Fans. Bereits wenige Stunden nachdem die Kampfansetzung öffentlich wurde, haben mich viele Zuschriften erreicht, von Leuten, die mir ihre Unterstützung zugesichert haben und sich auf die Begegnung freuen. Das macht natürlich auch mir dann doppelt Spaß!

Womit dürfen die Fans rechnen und wie geht der Kampf aus?
Die Fans dürfen damit rechnen, dass ich alles im Käfig lassen werde. Ich habe nicht vor, Ricco etwas zu schenken, und ich bin mir sicher, dass er nicht vorhat, mir leichtfertig das zu geben, wofür ich nach Österreich reisen werde - den Sieg.

Du gewinnst den Kampf, weil?
...es meine Zeit ist.

Bringt dich ein Sieg näher zur UFC?
Jeder Sieg bringt einen näher zur UFC. Dieser Sieg wäre eine Stufe in die richtige Richtung. Aber wir werden sehen wie es weiter geht. In erster Linie will ich kämpfen, viel kämpfen, so lange ich gesund und noch nicht zu alt bin. Ich will meinen Fans eine gute Show bieten und so viele Erfahrungen sammeln wie möglich, um sie später weitergeben zu können. Professioneller Kämpfer zu sein ist mein Traum. Ich lebe ihn jeden Tag und bin dankbar dafür, dass ich das kann und darf.