Interviews

Alban Ahmeti

Der K-1-Champion im exklusiven Interview. Fotos by Sabine Ziran/GroundandPound.

Alban Ahmeti (49-9-2, 20 KO) mag in seiner Karriere bereits einiges gesehen und erlebt haben, doch am Ende angelangt ist er noch lange nicht. Im Gegenteil, der Wahl-Bayer hat noch einiges vor. Als nächstes wird er einen WM-Kampf im Kickboxen bestreiten, völliges Neuland für den K-1-Fighter. Zudem wird er am 28. August an einem großen Vier-Mann K-1-Turnier in Merseburg teilnehmen. Seine Gegner dabei: Omar Tekin (Oosterbaan Gym), Fernando Groenhart (Mike’s Gym) und Baker Barakat (Energy Gym). Ahmeti ist ein ambitionierter Sportler und ein Mann mit vielen Gesichtern:

Alban Ahmeti - der Sportler: Ahmeti blickt zurück auf eine zehnjährige Karriere als Kampfsportler. Inspiriert vom Holländer Tyrone Spong, ist er heute, mit 60 Profi-Kämpfen, diversen deutschen, Europa- und Weltmeistertiteln und seinem eigenen Gym aus der deutschen Thai- und Kickboxszene nicht wegzudenken.

Alban Ahmeti - der Familienmensch:
Abseits des Rings ist Ahmeti glücklich verheiratet und gewinnt seine Kämpfe mittlerweile in der Hauptsache für seine Tochter, die stolz darauf ist, wenn Papa wieder einmal einen Sieg heimgebracht hat.

Alban Ahmeti - der Geschäftsmann: 2006 eröffnete Ahmeti das Scorpion Gym – seine eigene Trainingsstätte in Regensburg, in der er, gemeinsam mit seinem Trainerstab, sein Wissen an den Nachwuchs weitergibt. Er selbst bereitet sich natürlich ebenfalls dort vor.

Am Rande eines Seminars traf Ahmeti sich mit uns und sprach über weitere große Ziele, wie zum Beispiel einen Kampf gegen Albert Krauss, seinen bisherigen Werdegang und vieles mehr.



GroundandPound: Vor kurzem hast du in deiner Heimatstadt Regensburg gegen Armen Azizian einen TKO-Sieg eingefahren.
Alban Ahmeti: Armin war ein guter Fighter. Eigentlich ist er ein Boxer, aber er meinte, Thaiboxen kann er auch und das wäre kein Problem für ihn. Die ersten drei Runden hat er gut geboxt, also habe ich mich irgendwann auf Lowkicks konzentriert. Ich habe mich hinter meiner Doppeldeckung verschanzt und immer wieder Lowkicks auf dieselbe Stelle abgefeuert, da macht der Muskel dann irgendwann zu. Er wurde dann angezählt. Zum Schluss bekam er noch einen Highkick ab, mit dem er wohl nicht gerechnet hatte, und hat in der vierten Runde schließlich aufgegeben.

Wenn man über deine Gewichtsklasse spricht, dann fallen oft Namen wie Enrico Kehl, Alex Schmitt, Dima Weimer oder Alex Vogel. Fühlst du dich dabei etwas übergangen oder ist dir die Außenseiterrolle lieber?
Ja, so kann ich unbeschwert in den Kampf gehen. Aber „meine Gewichtsklasse“ gibt es eigentlich nicht wirklich. Ich kämpfe bis 72,5 Kilo, 75 Kilo und 80 Kilo und gehe dementsprechend immer rauf und runter mit meinem Gewicht.

Im vergangenen Jahr hast du den früheren WFCA-Weltmeister und Ex-Superleague-Fighter Özkan Köse in nur einer Runde auseinander genommen. Damit hätte damals keiner gerechnet.
Ich habe mich für den Kampf sehr gut vorbereitet und hatte von Özkan eigentlich mehr erwartet, er war eigentlich der Favorit. Ich wusste, gegen ihn nach Punkten zu gewinnen wird schwer, da er in Wuppertal, wo der Fight stattfand, quasi Heimvorteil hatte. Es ist mir dann aber gelungen, ihn nach nur einer Minute auszuknocken. Nach einem Knie zum Kopf hat er ganz schnell aufgegeben, das war ein bisschen enttäuschend für mich.

Hat er dich unterschätzt?
Ja, das kann schon sein.

Bei The Championsclub in Bamberg musstest du 2008 eine herbe KO-Niederlage gegen Pierre Clasen einstecken. Davon hast du einen doppelten Kieferbruch davongetragen.
Ja, das war eine schwere Verletzung. Ich habe den Kampf damals nicht so ernst genommen, ich dachte mir, zwei mal drei Minuten schaffe ich locker. Auch Pierre Clasen habe ich ein bisschen unterschätzt, obwohl er eigentlich ein sehr guter Kämpfer ist. Dafür habe ich dann am Ende den Preis gezahlt.

Hast du nach dieser schweren Verletzung daran gedacht, die Handschuhe an den Nagel zu hängen?

Ich habe hin und her überlegt, ob nun Schluss ist oder ob ich weitermachen soll. Nach drei Monaten hatte ich mich aber wieder gut erholt und beschlossen, weiterzumachen. Ich habe dann erst einmal einen Aufbaukampf bestritten und den natürlich auch gewonnen, und von da an ging es weiter.

Hast du dir schon einmal überlegt, wie lange du noch kämpfen möchtest?
Ich habe mir da noch keinen festen Zeitpunkt gesetzt. Momentan fühle ich mich fit und habe im nächsten Monat einen WM-Kampf. Solange es noch so läuft und ich mich gut fühle, werde ich weitermachen. Sollte ich aber mal zwei, drei Niederlagen hintereinander einstecken müssen, dann mache ich lieber Schluss, denn dann stimmt irgendwas nicht.

Gegen wen wirst du den WM-Kampf bestreiten?
Ich kenne den eigentlich gar nicht, er ist auf jeden Fall der Titelträger. Das wird ein Kickbox-Kampf werden, also keine K-1-Regeln. Das ist auch für mich etwas neues, aber ich werde mich gut darauf vorbereiten und denke, dass das gut wird.

Also wirst du deine Lowkicks nicht einsetzen können.
Ja, ich werde leider nur oberhalb der Gürtellinie kicken dürfen, das ist ein bisschen schade. Aber ich bin boxerisch ganz gut und deshalb sehr zuversichtlich.

Besucht Alban Ahmeti online unter www.scorpion-gym.de.

Bis 2006 hast du im Galaxy Gym unter Cai Waldenberger trainert. Warum kam es zur Trennung?
Ich habe mich damals aufgrund von Meinungsverschiedenheiten vom Galaxy Gym getrennt und mein eigenes aufgemacht. Mit Cai Waldenberger verstehe ich mich aber nach wie vor gut und arbeite auch häufiger mit ihm zusammen.

War es aus heutiger Sicht der richtige Schritt, das Galaxy Gym zu verlassen?
Meine Schule läuft sehr gut, von daher würde ich sagen, es war auf jeden Fall der richtige Schritt.

Lorand Sachs war damals ebenfalls bei Galaxy und ist es heute wieder. Wie ist euer Verhältnis?
Mit dem habe ich gar keinen Kontakt mehr. Ich möchte das auch nicht, das ist gut so. Er macht sein Ding und ich mache meins. Ich habe kein Problem damit, dass er jetzt wieder bei Galaxy trainiert. Wie gesagt, mit Cai Waldenberger arbeite ich gerne zusammen, aber mit Lorand Sachs möchte ich eigentlich nichts mehr zu tun haben.

Viele wünschen sich längerem einen Kampf zwischen dir und Sachs.
Den würde ich gerne machen! Es wäre zweimal fast dazu gekommen und er hat zweimal kurz vorher abgesagt. Ich würde gerne gegen ihn antreten, ich kämpfe gegen jeden.

Was hält die Zukunft bereit, für Alban Ahmeti?
Natürlich möchte ich jetzt erst einmal den WM-Titel gewinnen. Ein großes Ziel von mir wäre es, gegen Albert Krauss anzutreten. Er hält genauso wie ich einen IKBA Weltmeistertitel. Er gewann seinen unter Muay Thai-Regeln, ich meinen im K-1. Deshalb würde ich gegen ihn gern einen Vereinigungskampf bestreiten, bei dem beide Gürtel auf dem Spiel stehen.

Alban, vielen Dank für das Interview.
Ich danke euch. GroundandPound ist eine tolle Seite, man ist immer top-informiert und hat alles auf einen Blick. Macht weiter so!

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.

Besonderer Dank gilt Tobias Gerold, für das Zuarbeiten der Fragen. Tobias ist Ressortleiter Thai-/Kickboxen bei GroundandPound, sowie professioneller Ringsprecher und Ringrichter. Besucht ihn online unter Tobilive.de oder folgt ihm auf Twitter: @Tobilive.

Alban Ahmeti im Gespräch mit Chefredakteur Mark Bergmann.